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Fünf Monate war er Pressesprecher, nun hat er genug. Spicer hat angeblich um einen neuen Job gebeten. Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

Sean Spicer – irgendwie vermissen wir ihn jetzt schon

Sean Spicer, der Pressesprecher des Weissen Hauses wird wohl bald seinen Job wechseln. Uns wird er in Erinnerung bleiben, hat er doch seinen Job quasi neu erfunden. 

21.06.17, 07:28 21.06.17, 08:42
Eva Hirschi
Eva Hirschi

Laut der Nachrichtenagentur AP wird innerhalb der Kommunikationsabteilung des Weissen Hauses nach einem neuen Posten für Sean Spicer gesucht. Der Pressesprecher der Trump-Regierung könnte schon bald ganz abtreten, oder aber eine neue Rolle hinter den Kulissen übernehmen. Ziel: weniger Rampenlicht. Spicer soll selbst um seine Versetzung gebeten haben.

Auch wenn das nach seinen zahlreichen Fehltritten eine vernünftige Entscheidung sein mag, werden wir dies ein wenig bedauern, hat Spicer doch den Beruf des Pressesprechers neu interpretiert.

Hier die Highlights seiner kurzen Karriere.

Der Mediensprecher, der Medien hasst

Als Pressesprecher die vielen Fragen kritischer Journalisten zu beantwortet, kann echt mühsam sein. Überhaupt sind alle Medien fies und lassen weder an Trump noch an Spicer auch nur ein gutes Haar. Völlig verständlich also, dass der Pressesprecher nicht mehr mit der Presse sprechen will. 

Deshalb schloss Spicer an einer Pressekonferenz einige Medienvertreter – darunter solche von CNN, der «New York Times», Buzzfeed und Politico – kurzerhand aus. Kameras und Tonaufnahmen sind an den Medien-Briefings grossenteils sowieso nicht mehr zugelassen. Wer braucht schon Medienfreiheit, wenn Spicer den Journalisten die Welt erklärt, wie sie ist?

CNN-Starreporter Jim Acosta meinte dazu am Montag auf CNN: «Der Pressesprecher gelangt an einen Punkt, wo er regelrecht nutzlos ist.»

Auch Trump hat übrigens selten Lust, sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Deshalb nahm er auch – als erster Präsident seit Richard Nixon, der mit den Medien ebenfalls auf Kriegsfuss stand – nicht am jährlichen Korrespondenten-Dinner teil. 

Spicers blühende Fantasie

Ein halbleerer Platz bei der Inauguration von Donald Trump? Das kann einfach nicht wahr sein. Zumindest nach Spicers Logik muss es sich dabei ganz einfach um einen Fehler der Medien gehandelt haben. Trotz Luftbildern. Trotz offizieller Metro-Zahlen.

Links die Menschenmenge bei Obamas Inauguration, rechts bei Trump ... bild: twitter

Dank Spicer haben wir nun alternative Fakten ...

«Fakten müssen nicht immer stimmen», sagte Spicer an einer Pressekonferenz. Und auch Trump-Beraterin Kellyanne Conway versuchte, die Lüge blühende Fantasie von Spicer schönzureden: Nachdem ein Journalist an einer Medienkonferenz mehrmals nachgehakt hatte, wieso der Präsident seinen Pressesprecher hinausgeschickt habe, um Lügen zu verbreiten, antwortete sie, es handle sich ganz einfach um «alternative Fakten».

... und einen alternativen Geschichtsunterricht 

An einer Pressekonferenz in Washington machte Spicer mit einem erstaunlichen Vergleich über Syriens Präsident Bashar al-Assad von sich reden. Er sagte, nicht einmal jemand, der so «verabscheuungswürdig» gewesen sei wie Hitler, sei «so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden». Gaskammern fallen für ihn offenbar in eine andere Kategorie. 

Während der Konferenz versuchte er zwar, sich aus diesem Statement herauszureden, doch er verhedderte sich immer mehr: «Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft.»

Mit Holocaust-Zentrum ist wohl Konzentrationslager gemeint. Wir empfehlen ihm, seinen Job als Pressesprecher nicht mit dem eines Geschichtslehrers auszutauschen.

Video: watson/Emily Engkent

Wer lieber watson vertraut: Hier unser History Porn Teil XVIII: Geschichte in 24 Wahnsinns-Bildern

Er allein kennt die geheime Bedeutung des Wortes «covfefe»

Zugegeben, als Pressesprecher einer Persönlichkeit wie Donald Trump ist der Job tatsächlich nicht einfach. Deshalb bewundern wir Spicer, dass er sogar für Trumps missratenen «covfefe»-Tweet geradesteht. 

Ob sein Nachfolger dem Präsidenten auch aus der Patsche helfen wird? Wir sind gespannt.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • Asmodeus 21.06.2017 09:37
    Highlight Sein Nachfolger steht übrigens schon fest.
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  • Der Rückbauer 21.06.2017 08:32
    Highlight Beissend, mit feiner Feder geschrieben, Sarkasmus pur, gefällt mir sehr! Packt sie dort, wo sie sich nicht wehren können, beim Intellekt. - Eva, you just made my day.
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  • Therealmonti 21.06.2017 08:32
    Highlight Nein! Ich werde diesen Widerling, der sich selber einmal Journalist schimpfte, ganz bestimmt nicht vermissen. Wenn der nur ein bisschen Anstand hätte, hätte er den Job bei Trump gar nie angefangen.
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  • balzbe 21.06.2017 08:29
    Highlight Passend dazu, Sean Spicers Handhabe mit Medienschaffenden:
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  • rodolofo 21.06.2017 08:19
    Highlight Aber was könnte man mit Spicer sonst anfangen?
    So viel ich weiss, kann er gut Laub blasen.
    Als eine Journalistin ihn wieder mal mit unbequemen Fragen belästigte, hat er sie mit einem Laubbläser angegriffen, so dass ihr die Manuskripte aus der Hand- und ihr Rock hoch wirbelten, was den Pussy-Grabschern der Evangelikalen Teaparty-bewegung wiederum interessante Einblicke ermöglichte in gänzlich unbekannte Territorien...
    Oder war das in einer Parodie von Comedians?
    Dann kann Spicer also gar nicht gut Laub blasen?
    Hmmm...
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    • Patrik Hodel 21.06.2017 12:17
      Highlight Vieleicht schon. Je nach dem, wie "alternativ" die Faktenlage ist...
      4 0 Melden
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