Sport

Als Pokal muss man fast jeden Seich mitmachen und erst noch immer schön nett bleiben. bild: ap

Das harte Leben des Stanley Cup: «Jeder denkt, mit mir kann man's ja machen!»

Er hat stolze 125 Jahre auf dem Buckel. Da wäre ein bisschen Respekt angebracht. Aber der Stanley Cup wird oft misshandelt. Er schildert, was ihm bei Siegesfeiern und bei den Ausflügen mit feiernden Eishockey-Spielern schon alles angetan wurde.

31.05.17, 21:05 01.06.17, 08:28

stanley cup

Ralf Meile zeichnete die Erinnerungen des Stanley Cups auf und überprüfte, so gut es ging, die Echtheit der Anekdoten.

Frederik Arthur Stanley war ein guter Mann. Dem Lord habe ich es zu verdanken, dass ich zur begehrtesten Trophäe der Eishockey-Welt wurde. Denn hätte er mich 1892 nicht einem Londoner Silberschmied abgekauft und zum Pokal deklariert, wäre ich wohl in England geblieben und dort als dekorative Blumenschale verwendet worden. Meine Geschwister waren neidisch, als ich ihnen von meinem neuen Verwendungszweck erzählte.

Von Zeit zu Zeit bedaure ich allerdings mein an und für sich schönes Leben. Ich werde zwar gerne von verschwitzten, bärtigen Männern geküsst, geknuddelt und geherzt. Doch manchmal haben sie sich einfach nicht im Griff.

1905 zum Beispiel – da war ich ja noch ein Kind! – jagten mir die Ottawa Silver Seven einen tüchtigen Schrecken ein. Nach ihrem Triumph kam ein Spieler auf die glorreiche Idee, mich wie einen Fussball in den Rideau-Kanal zu kicken. Der war zum Glück gefroren und so wurde ich am nächsten Tag gerettet.

Dass ich als tierlieb gelte, nutzte Eddie Olczyk schamlos aus. Er gewann 1994 mit den New York Rangers den Titel und an dem einen Tag, den jeder Meisterspieler mit mir zu Gute hat, nahm er mich auf die Pferderennbahn mit. Dass er dort allerdings «Go For Gin», den Sieger des Kentucky Derbys, aus mir fressen liess, das nahm ich Ed übel. 

«Wie das gestunken hat bei den Rössern, vergesse ich nie!» bild: hhof

Ich habe mich danach mit den Verantwortlichen der Liga unterhalten und sie haben verstanden, dass ich nicht alles mit mir machen lasse. Seither werde ich stets von einem Pokal-Wächter der NHL begleitet. Er trägt saubere weisse Handschuhe, wie ein Glacé-Verkäufer.

Mit den New York Rangers stehe ich übrigens sowieso etwas auf Kriegsfuss, das ist kein Geheimnis. Von ungefähr kommt das jedoch nicht! Aber ich kann mich noch sehr gut an 1940 erinnern. Sie hatten mich gewonnen und gleichzeitig den Madison Square Garden abbezahlt. Also hielten sie es für eine gute Idee, den Pfandbrief in meiner Schüssel zu verbrennen. Das machte mich sauer und dass die Spieler dann das Feuer mit ihrem Urin löschten noch viel mehr. Ich liess meine Kontakte spielen und sorgte dafür, dass bis zum nächsten Titelgewinn mehr als ein halbes Jahrhundert verging.

«Kindern bereite ich gerne eine Freude. Hier nahm mich Olli Määttä in ein Spital mit.» bild: hhof

Leider war es nicht mein einziger Kontakt mit menschlichen Ausscheidungen. Schon öfter setzten Spieler ihre kleinen Kinder in mich, um Fotos zu schiessen. Dabei geht vor lauter Aufregung mal ein Tropfen durch die Hosen, das kann ich ja verstehen. Den Vogel schoss allerdings der Sprössling von Kris Draper ab. Denn der hinterliess sogar etwas Handfestes!

Da gefiel es mir schon besser, was Doug Weight für seine Kinder arrangiert hatte. Er füllte mich mit Glacé und verwandelte mich in einen riesigen Coupe. Natürlich habe ich auch davon gegessen; das war ja soviel, das fiel gar niemandem auf.

«Haselnuss ist meine Lieblingssorte.» bild: realclearsports

Weniger familientauglich war, was Mark Messier mit mir gemacht hat. Hahaha, der gute Mark. Der wusste, wie man eine Party feiert! Nahm mich mit in einen Strip-Club und spendierte mir einen Lap-Dance. Ich muss ihn wieder mal anrufen!

Habe ich dir schon einmal davon erzählt, wie ich einfach stehen gelassen wurde? Die Montreal Canadiens hatten 1924 eine Reifenpanne. Also nahmen sie mich aus dem Kofferraum, um an das Reserverad zu gelangen. Als sie die Panne behoben hatten, vergassen sie mich am Strassenrand. Wahnsinn, oder?

Apropos Montreal, Maurice Richard kennst du sicher. «The Rocket» durfte acht Mal mit mir jubeln, nach dem dritten oder vierten Mal bot ich ihm das Du an. Wir kannten uns also gut, deshalb tat es mir doppelt leid, als ich ihm zwei Zähne ausschlug. Maurice trank gerade aus mir, als ich irgendwie mein Gleichgewicht verlor und nach vorn fiel. Zum Glück lachte er bloss und sagte: «Hey Mann, du denkst ja nicht etwa, dass ich zum ersten Mal Zähne verloren habe.»

Oft nehmen mich Spieler mit ins Bett. Naja, ich bin kein Flittchen, passiert ist da noch nie etwas. Auch nicht unter der Dusche, wohin mich Steve Yzerman mitnahm. Er genoss es aber sehr, dass ich ihm den Rücken eingeseift habe.

«Das haben wir nur für den Fotografen gemacht, geschlafen haben wir alle im eigenen Bett», verrät der Pokal. bild: hhof

Weit öfter als dass ich austeilte, musste ich einstecken. Zum Beispiel, als Guy Carbonneau die glorreiche Idee hatte, mich vom Balkon in den Swimming Pool zu werfen – und ihn verfehlte. Mann, hatte ich eine riesige Beule!

In der Villa von Mario Lemieux landete ich dann im Pool, Phil Bourque hatte mich unter den Arm genommen und war mit mir ins Wasser gesprungen. Rasch sank ich auf den Grund und ich brach mir einen Zeh. Und diese Stümper fixierten es bloss mit Klebband!

«Wenigstens war das Wasser schön warm.» bild: hhof

Auch mit einem anderen Element hatte ich schon zu kämpfen. Frag' mich nicht, was die Toronto Maple Leafs schon alles getrunken hatten, als sie mich 1962 in ein Feuer warfen. Sie behaupteten danach, mich mit Brennholz verwechselt zu haben. Mich! Den Stanley Cup! Zum Glück holten sie mich rasch genug aus den Flammen, ehe ich geschmolzen war.

Gerade kommt mir nochmals etwas mit Kindern in den Sinn. Ich wurde auch schon zwei Mal als Taufbecken verwendet. Mit der Kirche hab ich's zwar nicht so, aber das war trotzdem sehr schön. Sylvain Lefebvre, der als erster die Idee dazu hatte, spielte doch später noch bei euch in der Schweiz, oder?

«Die Taufe war mal etwas ganz besonderes.» bild: hhof

Ich habe schlechte Erinnerungen an euer Land. Die Landschaft ist hässlich, die Menschen unfreundlich und was man da als Essen bezeichnet … Nein, hahaha, ich will dich nur aufziehen! Die Schweiz hat mir wunderbar gefallen. David Aebischer und Martin Gerber waren sehr nett zu mir und die Landschaft herrlich. Super, dass ich schon bald zurückkehren kann, denn einer von euch gewinnt in diesem Jahr in jedem Fall den Stanley Cup, weil in beiden Teams zumindest ein Spieler aus der Schweiz dabei ist.

«Abby brachte mich nach Fribourg ... Bild: KEYSTONE

... dank Gerber kam ich ins Emmental.» Bild: KEYSTONE

Überhaupt ist es das schönste an meinem Leben, dass ich trotz meines hohen Alters noch so viel herum komme und die Welt sehe. Dan Paille nahm mich mit an die Niagarafälle, das war ein richtig tolles Erlebnis. Ich habe wirklich den besten Job der Welt!

«Bei den Niagarafällen war's mir für einmal egal, dass ich nass wurde.» bild: hhof

«Dustin King brachte mich zu seinem Onkel, der ein echter Häuptling ist.» bild: hhof

«Antti Raanta zeigte mir diesen schönen Sonnenuntergang in Finnland.» bild: hhof

«Willie Mitchell zog an diesem Tag kein grösseres Kaliber aus dem Wasser!» bild: hhof

Rekordsieger Montreal und wer noch? Diese Teams haben den Stanley Cup gewonnen

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

02.05.2000: In St. Petersburg schreibt ein SMS Hockeygeschichte

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2Alle Kommentare anzeigen
2
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Predator1997 01.06.2017 12:32
    Highlight Stripclubs und Casinos sind seit dem Zwischenfall mit Messier offenbar verboten worden :D. Es gibt sehr lustige Geschichten und Anekdoten zum Stanley Cup aber das Kris Drapers Kind rein Geschissen hat wusste nicht danke für den Lacher.
    8 0 Melden
    600
  • Tikkanen 31.05.2017 21:13
    Highlight ...ja lieber Stanley Cup. Heuer im Sommer bekommst du auch noch die Ehre, dich mit mir fotografieren zu lassen😳Und zwar im Tempel in der Hockeytown an der Aare🤔Oder ging der mit der Ehre äch eiwäg 🙄🤗🏆😎
    19 57 Melden
    600

Schweizer Sportgeschichte! New Jersey zieht Nico Hischier an erster Stelle im NHL-Draft

Die New Jersey Devils haben Nico Hischier im NHL-Entry-Draft an erster Stelle gezogen. Der lange Zeit als Nummer Eins gehandelte Nolan Patrick landet als Nummer Zwei des Drafts bei den Philadelphia Flyers.

«Ich bin sprachlos, finde keine Worte. Es ist ein fantastisches Gefühl», sagte Hischier in einem ersten Statement. In der Organisation der Devils ist er nicht der einzige Schweizer, wurde doch Verteidiger Mirco Müller vor kurzem von den San Jose Sharks zu New Jersey getradet.

Der dreifache …

Artikel lesen