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Real Madrid's coach Carlo Ancelotti shows the trophy to the fans in Madrid, Spain, Sunday, May 25, 2014, after the team won the Champions League final soccer match in Lisbon, Portugal by beating Atletico Madrid. (AP Photo/Paul White)

Bild: AP

Portrait eines Siegertypen

Carlo der Grosse – wieso Real-Trainer Ancelotti den Erfolg gepachtet hat

Er ist der Friedensstifter von Madrid: Carlo Ancelotti hat Real eine neue Mentalität eingetrichtert, lobt Topstar Cristiano Ronaldo. Der Trainer hat jetzt eine sensationelle Bilanz: Als Spieler gewann er die Königsklasse zweimal – als Trainer sogar dreimal.

26.05.14, 06:50 26.05.14, 13:27

Ein Artikel von

Frank Hellmann, Lissabon

Carlo Ancelotti trug seine Worte mit Bedacht vor: «Du kannst sagen, wir hatten Glück. Du kannst aber auch sagen, wir haben nie aufgegeben», sagte Real Madrids Trainer nach dem Champions-League-Triumph gegen Atlético mit väterlicher Weisheit.

Es ging bereits auf Mitternacht zu im Lissabonner Estádio da Luz, da öffnete sich die Tür zum Presseraum im zweiten Tiefgeschoss und einige Spieler stürmten herein: Natürlich Sergio Ramos, Sami Khedira, auch der schüchterne Luka Modric, Pepe und Marcelo. Sie liefen zu ihrem verdutzten Trainer, tätschelten ihm das graue Haar und spritzten mit Wasser herum. Ancelotti lachte. Seine Weltstars liessen ihn hochleben, und Ancelotti genoss es.

Gelassen an die grosse Aufgabe

Am Tag zuvor hatte er noch gemahnt, «La Décima», der zehnte Titel, dürfe keine Obsession, sondern müsse ein Traum sein. Mehr Chance als Risiko, das kann Ancelotti glaubhaft vermitteln, weil er dieses Spiel nicht wichtiger nimmt als nötig. Und vielleicht war es gerade diese Gelassenheit, die half, das Versagen in letzter Sekunde noch abzuwenden – durch den wuchtigen Kopfball von Sergio Ramos, der den Favoriten in die Verlängerung rettete.

«Wir hatten wenig Raum», sagte Ancelotti, «aber wir haben es immer wieder probiert und probiert. Und irgendwann hat sich das Spiel verändert.» Er fand, dass seine Mannschaft am Ende mehr gewollt habe als Atlético – vor allem in Sachen Offensivgeist traf diese Feststellung zu.

Real hatte nach 120 Minuten plus Nachspielzeit zu 60 Prozent den Ball, gab mehr als doppelt so viele Torschüsse ab wie der Gegner (21:10). Daher war der Sieg verdient, auch wenn der Coach sich noch um Lob für den Stadtrivalen bemühte: «Atlético hatte es verdient, in dieses Finale zu kommen.» Aber eben nicht mehr.

Friedensstifter und Film-Komparse von Terence Hill

Wenn Ancelotti einer Aussage Nachdruck verleihen will, dann hebt er die Augenbrauen. Aber er stellt sich fast immer schützend vor seine Stars, der Nachfolger von José Mourinho wacht auf milde Weise über den inneren Zusammenhalt. Nach dem Abgang von Poltergeist Mourinho habe der Coach «alles verändert», lobt Cristiano Ronaldo, «vor allem die Mentalität».

Eine Szene von Ancelotti im Film «Keiner haut wie Don Camillo». Gif: Youtube/rise up

Der Friedensstifter kann durchaus charmant und witzig sein. Nicht umsonst hat er sogar schon mal in einer Komödie von Terence Hill mitgespielt. Die schauspielerische Anekdote passt wiederum zur künstlerischen Note, mit der ein weisses Ballett gerne seine Auftritte garniert – das würde er seinen Weltstars auch nie austreiben wollen. Ancelotti, verheirateter Vater von zwei Söhnen, ist der Ruhepol im hybriden Umfeld seines Arbeitgebers.

Assistent Zidane brüllt, Chef Ancelotti bleibt cool. Bild: Reuters

Der Fussballlehrer hat einen Vertrag bis 2016, danach könnte ihn sein derzeitiger Assistent Zinédine Zidane beerben. Ancelotti hat im Laufe dieser Saison meist versucht, den Druck von seiner Mannschaft zu nehmen.

Seine Botschaft vor dem Showdown von Lissabon lautete: «Wenn wir mit der richtigen Einstellung und Leistungsfähigkeit in die Partie gehen, dann wird alles gut.» Für den Genussmenschen ist das Glas eher halbvoll als halbleer.

«Das fühlt sich sehr viel besser an»

Man sollte den Taktiktüftler aber keineswegs unterschätzen. Beispielhaft, wie Ancelotti sich bei seinem einstigen Lehrmeister, Arrigo Sacchi, vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern erkundigte, ob die von ihm entworfene Defensivtaktik das richtige Mittel sei. Und siehe da: Der Plan ging auf. Nicht nur gegen Bayern, sondern überhaupt. Fünfmal hat Ancelotti nun schon den Henkelpott geholt, vorher zweimal als Spieler (1989 und 1990) und als Trainer (2003 und 2007) mit Milan.

Natürlich wurde er nun gefragt, was er beispielsweise 2005 empfunden habe, als die AC Milan einst unter seiner Regie auf tragische Art eine 3:0-Führung verspielte. Und jetzt 2014 solch ein Comeback? «Wissen Sie, alle Endspiele waren speziell», sagte Ancelotti, «das ist schwer zu vergleichen.» Und dann scherzt er, es gebe einen wesentlichen Unterschied: «Damals haben wir verloren, jetzt haben wir gewonnen. Das fühlt sich sehr viel besser an.»

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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