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War's das schon für die Bayern? Es wird jedenfalls schwierig, das 0:3 gegen Barcelona aufzuholen. Bild: Bongarts

Die Bayern hadern nach der Barça-Lehrstunde in den letzten Minuten: «Man muss sich schon fragen, warum wir hier 0:3 verlieren»

Eigentlich lief im ersten Champions-League-Halbfinal zwischen Barcelona und Bayern München alles auf ein 0:0 hinaus. Doch dann kam Lionel Messi und versetzte den Bayern mit zwei Toren und einem Assist den Nackenschlag. Kein Wunder sind diese jetzt konsterniert.

07.05.15, 07:49 07.05.15, 08:52

Manuel Neuer hat zwar wie ein Teufelskerl gehalten – doch dann kamen Lionel Messi und Neymar: Der grosse Traum der Bayern vom Champions-League-Final in Berlin ist so gut wie geplatzt. Der deutsche Rekordmeister erhielt bei der Rückkehr von Pep Guardiola nach Barcelona beim 0:3 eine äusserst bittere Lektion und braucht nun ein Wunder, um doch noch weiterzukommen.

Das Bild des Spiels: Alle gegen einen und doch nützt's nichts. Bild: Gustau Nacarino/REUTERS

«Das wäre schon eine Sensation, so ehrlich muss man sein», sagt der konsternierte Thomas Müller nach der Partie: «Dass es so läuft wie gegen Porto, ist nicht zu erwarten. Ein 0:3 habe ich hier lange nicht erwartet.»

Die Bayern wurden für ihre Fehler bitter bestraft. Nach einem bösen Fehler von Juan Bernat im Spielaufbau trifft Lionel Messi in der 77. Minute mitten ins Münchner Herz. Gerade als die Bayern, die in der ersten Halbzeit keine gute Figur machten, das Spiel in den Griff bekamen. Sehr zu Manuel Neuers Ärger: «Das erste Gegentor war ausschlaggebend, das haben wir selbst verursacht», so der Keeper, der zuvor ein Dutzend Grosschancen vereitelt hatte.

Nur drei Minuten später schlug Messi wieder zu und zeigte bei seinem Lob über Neuer zum 2:0 seine ganze Genialität. «Wir hatten viel Kontrolle, aber das Talent von Messi hat einfach den Unterschied gemacht», musste Bayern-Trainer Pep Guardiola eingestehen. Mit einem Konter erhöhte Neymar schliesslich noch auf 3:0.

Magic Messi: Das 2:0 ist ein Tor der Extraklasse. gif: srf

» Hier gibt's die wichtigsten Szenen der Partie in GIFs

«Wir haben das lange gut gemacht, aber dann lassen wir uns quasi dreimal auskontern. Das ist ganz bitter und darf nicht passieren», ärgerte sich Captain Philipp Lahm. «Man darf ja in Rückstand geraten, aber dann darf das Spiel nicht 0:3 ausgehen.»

Jérôme Boateng, der vor dem 0:2 durch Messi ausgespielt wurde wie ein E-Junior, wurde deutlicher: «Es ist schade, nach so einem Spiel so ein Tor zu kassieren. In so einer Situation darf man die Verteidiger nicht alleine lassen. Man muss schon sich fragen, warum wir hier 0:3 verlieren.»

Die bittere Erkenntnis der Bayern

Tatsächlich wurden die Bayern für ihre Fehler in den letzten 17 Minuten hart bestraft, doch sie dürfen sich eigentlich nicht beklagen. In der ersten Halbzeit spielten sie teilweise mit dem Feuer, auch weil Trainer Guardiola auf das magische Barça-Dreieck Messi/Neymar/Suarez mit einer Dreierkette reagierte. Der Plan ging aber überhaupt nicht auf, erst als die Bayern auf eine Viererkette umstellten, funktionierte ihr Spiel besser. 

Jetzt bloss nicht lamentieren. Bild: Paul Hanna/REUTERS

Bis zu den drei Gegentoren war das Spiel ausgeglichen. Doch dann kam Messi und für Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer die bittere Erkenntnis: «Wir sind heute an unsere Grenzen gestossen. Am besten wäre gewesen, wenn der Schiedsrichter nach 75 Minuten abgepfiffen hätte.» 

Weitere Stimmen zum Spiel

Thomas Müller (Bayern München): «Die Kräfte werden natürlich weniger. Wir haben gegen eine quirlige Mannschaft trotzdem lange gut verteidigt. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass wir hier 3:0 verlieren. Aber wir sind der FC Bayern und haben den Kopf oben. Wir dürfen uns nicht den schwarzen Peter zuschieben und lamentieren.»

Manuel Neuer (Bayern München): «Ich wollte vor dem 1:0 einen schnellen Gegenangriff einleiten. Wenn wir links durchkommen, dann haben wir sogar eine Grosschance, weil ein paar Barça-Spieler noch mit dem Schiri über den Penalty diskutiert haben.»

Pep Guardiola (Trainer Bayern München): «Wir waren lange gut unterwegs, dann hat Messi wieder sein Talent gezeigt. Er hat schon viele dieser Situationen hervorgerufen, er nutzt seine Chancen. Es wird schwierig, wir werden es noch versuchen. Es gibt noch 90 Minuten. Ich versuche meine Arbeit so gut es geht zu machen, die persönlichen Dinge sind uninteressant. Ich war die ganze Zeit ruhig und habe an das Spiel gedacht.»

Hat sich seine Rückkehr nach Barcelona sicherlich anders vorgestellt: Bayern-Trainer Pep Guardiola. Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

Luis Enrique (Trainer FC Barcelona): «Es war ein schweres Spiel, da muss man eben effektiv sein. Spielmässig war Bayern sehr gut, aber sie hatten nur eine gute Chance durch Lewandowski. Für Pep war es natürlich ein besonderes Spiel, aber er arbeitet für den FC Bayern und konzentriert sich auf seine Arbeit.»

Lionel Messi (FC Barcelona): «Wir haben ein gutes Resultat erzielt. Trotzdem haben wir noch nichts geschafft. Es bleiben noch 90 schwierige Minuten in München, wir müssen vorbereitet sein.»

Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona): «Das Ergebnis hört sich krass an, gibt den Spielverlauf nicht wirklich wieder. Zu Messi darf man nichts sagen, da muss man zuschauen und geniessen.»

Ivan Rakitic (FC Barcelona): «Wir wissen, dass Bayern ein starkes Team ist und wir kennen auch ihren starken Trainer. Sie werden sich ihren Vorteil ihm heimischen Stadion ausnutzen, aber jetzt wollen wir uns von unserem Weg nach Berlin nicht mehr abbringen lassen.»

So feiert Barça in der Kabine

(pre)

Messi beim FC Barcelona

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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