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Was er mit Arsène Wenger alles gemeinsam hat: Da staunt sogar Arsenal-Fan Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Seit 20 Jahren im Amt – die erstaunlichen Parallelen zwischen Del Curto und Wenger

Seit genau 20 Jahren sind Arno Del Curto und Arsène Wenger Trainer beim ein- und demselben Klub. Ungewöhnlich lange für Branchen, in denen Jobsicherheit eigentlich ein Fremdwort ist. Deshalb erstaunt es nur auf den ersten Blick, dass die beiden Jubilare so einiges gemeinsam haben.

Publiziert: 05.10.16, 07:15 Aktualisiert: 05.10.16, 11:56

Das Aussehen

Arno Del Curto und Arsène Wenger haben sich, seit sie 1996 ihren aktuellen Job angetreten haben, erstaunlich wenig verändert. Bei Wenger wurden aus der Brille schon bald Kontaktlinsen, ansonsten sind bei beiden höchstens ein paar Fältchen beziehungsweise graue Härchen dazu gekommen. Es ist augenscheinlich: Beim 60-jährigen Del Curto und beim 66-jährigen Wenger wirkt der Trainerjob wie ein Jungbrunnen.

Arno Del Curto im Wandel der Zeit

1998 und 2015. bilder: keystone

Arsène Wenger im Wandel der Zeit

1998 und 2015. bilder: Reuters/Keystone

Das Temperament

Wie bitte? Del Curto und Wenger sollen das gleiche Temperament haben? Auf den ersten Blick scheint dies unmöglich wahr zu sein: Hier der dauernd brodelnde Bündner, da der stets besonnen wirkende Elsässer.

Doch der Arsenal-Trainer kann auch andere Seiten aufziehen. Im Oktober 2000 wurde Wenger wegen «Drohungen und physischen Einschüchterungsversuchen» der Unparteiischen für 12 Spiele gesperrt. Beinahe legendär sind seine Feindschaften mit José Mourinho und Sir Alex Ferguson. Der ehemalige ManUnited-Trainer und Wenger sollen sich 2004 nach einer 0:2-Niederlage Arsenals in den Katakomben des Old Trafford mit Pizza beworfen haben.

2009 wird Arsène Wenger in Manchester auf die Tribüne geschickt. Video: streamable

Dagegen wirkt Del Curto wie ein braver Schuljunge. Der HCD-Zampano ist zwar ständig auf 180, staucht aber höchstens seine Spieler oder Journalisten zusammen. Anders als beim stolzen Wenger ist aber alles schnell wieder vergessen, wenn sich sein Gemüt erst mal beruhigt hat.

Nur selten rastet Arno Del Curto so richtig aus. Video: streamable

Die taktische Ausrichtung

Bei der Taktik funktionieren Del Curto und Wenger dann aber wieder genau gleich. Mit schnellem «One Touch Football» führte Wenger die «Gunners» um die Jahrtausendwende zu zwei Doubles und einem weiteren Meistertitel. Statt dem in England Anfang der 90er-Jahre etablierten Kick-and-Rush liess er ästhetischen, offensiv ausgerichteten Kombinationsfussball zelebrieren, den er ständig weiterentwickelt.

Ganz ähnlich funktioniert Arno del Curto, der übrigens ein glühender Arsenal-Fan ist. Der St. Moritzer lässt bei Davos seit Jahren hartes, schnelles, temporeiches und bedingungsloses Offensivhockey spielen. Und wie Wenger ist auch Del Curto ein Rastloser, der immer wieder versucht, mit revolutionären Trainingsmethoden und taktischen Anpassungen Höchstleistungen aus seinem Team zu kitzeln.

Ein unermüdlicher Antreiber: Arsène Wenger ist wie Arno Del Curto nie zufrieden. Bild: Bogdan Maran/AP/KEYSTONE

Die Machtansprüche

Einen Sportchef? Das braucht weder der HC Davos noch der FC Arsenal. Transfers tätigen Del Curto und Wenger am liebsten im Alleingang, stellen ihr Team höchstens mit Hilfe von Scouts zusammen. Schliesslich müssen sie danach auch mit den Spielern täglich auf dem Eis oder dem Rasen arbeiten. Einen Sportchef, der ins sportliche Tagesgeschäft reinredet würden beide nie dulden.

Del Curto lässt sich beim HCD nicht in seine Angelegenheiten reden. Bild: KEYSTONE

Die Talentförderung

 Weder Davos noch Arsenal können in ihrer Liga mit den finanzstärksten Teams (SCB, ZSC, Chelsea, ManCity) auf Augenhöhe agieren. Also müssen sie andere Mittel als Cash einsetzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Sowohl Del Curto als auch Wenger setzen dabei auf die Förderung junger Talente.

Arno Del Curto und Schützling Jonas Hiller an den Hockey Awards 2005. Bild: KEYSTONE

Del Curto lockt junge Talente nach Davos – mit dem Versprechen, sie zu kompletten Spielern auszubilden. Reto von Arx, Michel Riesen, Andres Ambühl oder Jonas Hiller wurden unter ihm Leistungsträger und Nationalspieler.

Arsène Wenger mit seiner grössten Entdeckung: Thierry Henry. Bild: AP

Bei Wenger lief es zumindest in seiner Anfangszeit bei Arsenal ziemlich ähnlich. Für verhältnismässig wenig Geld holte er hoffnungsvolle Talente (Thierry Henry, Marc Overmars, Robin van Persie, Patrick Vieira) und formte sie zu Superstars. Grosse Millionentransfers bleiben auch heute noch die Ausnahme – auch wenn der Druck nach 12 meisterlosen Jahren auf Wenger grösser geworden ist. Die eingefleischten «Gunners»-Fans vertrauen ihm aber noch immer blind. «Arsène knows», pflegen sie jeweils zu sagen.

Die Titelsammlung

Del Curto vs. Wenger

6x Schweizer Meistertitel
(2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015)

5x Spengler Cup
(2000, 2001, 2004, 2006, 2011)

Halbfinalist Champions Hockey League (2015)​

3x Englischer Meistertitel
(1998, 2002, 2004)

6x FA Cup
(1998, 2002, 2003, 2005, 2014, 2015)

Finalist Champions League (2006)

Del Curto mit dem Meisterpokal. Bild: KEYSTONE

Wenger mit dem Meisterpokal. Bild: LUSTIG PHOTOGRAPHY 02085294967

Ewige Nati-Gerüchte

Wann immer in England ein Fussball- oder in der Schweiz ein Eishockey-Nationaltrainer gesucht wird, kommen die Namen von Wenger beziehungsweise Del Curto ins Spiel. Und obwohl eigentlich für beide klar ist, dass dieser Job für sie nicht in Frage kommt, kokettieren sie immer wieder damit.

Del Curto liess zuletzt 2015, als ein Nachfolger für Glen Hanlon gesucht wurde, durchblicken, dass er sich den Nati-Job im Nebenamt durchaus vorstellen könne. Als es hart auf hart ging, sagte er dann doch ab.

Genauso Wenger: 2012 sollte er Nachfolger von Fabio Capello werden. Nach langem Hin und Her gab der Franzose der FA schliesslich einen Korb. «Ich möchte nie Nationaltrainer werden», sagte er damals. Und jetzt, da er nach der Allardyce-Skandal wieder auf der Kandidatenliste steht, was sagt Wenger da? «Wenn ich frei bin, kann ich es mir durchaus vorstellen.» 

Die Sprachprobleme

«Kann er überhaupt richtig Englisch?», fragte sich Captain Tony Adams, als Arséne Wenger 1996 zu Arsenal kam. Nein, richtig Englisch konnte dieser damals nicht und das hat sich bis heute nicht geändert. Zwar spricht der Elsässer, dessen Muttersprache nicht Französisch, sondern Deutsch war, fliessend Englisch, doch sein französischer Akzent ist er auch nach 20 Jahren nicht losgeworden.

Noch spezieller ist der Akzent von Del Curto. Seine Interviews auf Englisch sind längst legendär. Da tönt es dann «dei pleid brutl hai tempo» oder «dä risölt is not sou gud». Für sein «Busch-Englisch», wie er es selbst nennt, muss sich der Bündner aber nicht schämen. Im Gegenteil: Es macht ihn noch sympathischer.

Del Curto nach dem Halbfinalsieg in der CHL 2015/16 gegen Skelleftea. Video: YouTube/Giorgio Spaghetti

Mehr über Del Curto: 

So tickt Arno Del Curto – die SRF-Serie

Teil I. Video: YouTube/swissNLAfanBackUp

Teil II. Video: YouTube/swissNLAfanBackUp

Teil III. Video: YouTube/swissNLAfanBackUp

Teil IV. Video: YouTube/swissNLAfanBackUp

Arno Del Curto, wie er leibt und lebt

Französische Doku über Wenger

Video: YouTube/Elena Arsenal

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User-Review:
Gina226 - 6.4.2016
Watson, du bist super. Ich möchte dich nicht mehr missen. ❤️
9 Kommentare anzeigen
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  • Connor McSavior 05.10.2016 12:53
    Highlight Warum heisst es immer überall, Arsenal habe kein Geld? Die haben die Emirates als Hauptsponsor und zudem kassieren sie jährlich knapp 700 Mio. an TV Geldern ein. Ich glaube nicht, dass es denen so schlecht geht, Wenger ist einfach zu zögerlich auf dem Transfermarkt und will sich nicht an die heutige Zeit anpassen.
    1 0 Melden
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  • greeZH 05.10.2016 11:02
    Highlight Der Eine gewinnt gelegentlich eine Meisterschaft. Der Andere nicht.
    7 7 Melden
    • Goldavenger 05.10.2016 11:38
      Highlight Der Andere hat für seinen Klub ein Stadion-Projekt aufgegleist, welches verwirklicht wurde, wodurch die Ausgaben auf ein Minimum beschränkt wurden und immer wieder die besten Spieler verkauft werden mussten (Henry, Fabregas, Nasri, RVP).

      2 2 Melden
    • greeZH 05.10.2016 15:35
      Highlight Arsenals Budget ist ungefähr auf der Höhe der Bayern. Dabei hat Arsenal die teuersten Ticketpreise in Europa. Der Grund das die nichts gewinnen ist dass es Kroenke nicht interessiert solange sie immer schön in der Champions League spielen. Wenger ist der perfekte Trainer für dieses Vorhaben, ganz gut aber nie gut genug. Langweilig.
      1 0 Melden
    • swissgooner 05.10.2016 16:07
      Highlight http://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/57f3a3feab5c373877000001

      Interssanter Bericht zu Arsenal's Einnahmen und Ausgaben ;-)
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  • Roaming212 05.10.2016 10:27
    Highlight Im Gegensatz zu Wenger führte AcD seine Mannschaft zu Meistertitel in der Neuzeit. Während Arsenal eher mit YB oder Vizekusen zu vergleichen ist - nah dran aber eben doch gescheitert.
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  • swissgooner 05.10.2016 08:56
    Highlight zudem ist Del Curto ein bekennender Arsenal-Fan!
    www.arsenalfc.ch --> nach unten scrollen ;-)
    4 2 Melden
    • PRE 05.10.2016 09:16
      Highlight Wird im Test erwähnt: «Ganz ähnlich funktioniert Arno del Curto, der übrigens ein glühender Arsenal-Fan ist. »
      10 0 Melden
    • swissgooner 05.10.2016 11:11
      Highlight hab nicht alles gelesen ;-) aber danke für die tolle Recherche!
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Del Curto klärt auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

19. Oktober 1996: Arno Del Curto hat in seiner Karriere schon die unglaublichsten Szenen erlebt. Doch dass er in seiner ersten Saison in Davos den Spielern gar erklären muss, dass man dem Schiedsrichter nicht mehr «Fuck you» sagen dürfe, übertrifft wohl alles. 

Was Arno Del Curto schon alles mitmachen musste, kann man teilweise kaum glauben. Aber in über 20 Jahren als Trainer läppert sich da einiges zusammen. So auch diese Anekdote:

Del Curto kam im Sommer 1996 als Cheftrainer zum HC Davos. In der neunten Runde empfängt sein Team den SC Bern. Der HCD hat mit einem Sieg die Chance, erstmals seit elf Jahren wieder die Tabellenspitze der Nationalliga A zu übernehmen.

Doch Del Curto muss seine Spieler dabei in ungewöhnlichen Dingen coachen. So auch …

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