Sport

Haben sich gefunden: Joël Genazzi und Romain Loeffel sind als Verteidiger-Paar eine Bank. Bild: KEYSTONE

Wie sich Genazzi vom 13. Stürmer in Langnau zum bärenstarken WM-Verteidiger mauserte

18.05.17, 14:02 18.05.17, 18:00

Vor sieben Jahren war Joël Genazzi bei den SCL Tigers noch 13. Stürmer, nun sorgt er in Paris an seiner ersten WM als Verteidiger für Aufsehen. In der Gruppenphase kommt er auf eine Plus-7-Bilanz.

«Ich weiss nicht, wie ich das geschafft habe», sagte Genazzi zur Plus-Minus-Bilanz. Zwar ist ihm diese Statistik «nicht so wichtig», sie zeigt aber, wie solid der Spieler von Lausanne in der WM-Vorrunde agierte. Die letzten sieben NLA-Saisons hatte er stets mit einer Minus-Bilanz beendet.

Joël Genazzi hat den Tschechen Michal Birner im Griff. Bild: KEYSTONE

Genazzi bildet ein Duo mit dem Genfer Romain Loeffel, den er von der gemeinsamen Zeit als Junior bei Fribourg-Gottéron schon lange kennt, allerdings nur neben dem Eis. Dass die zwei dermassen gut harmonieren, hatte nicht unbedingt erwartet werden können, da beide offensiv ausgerichtete Verteidiger sind, wobei Genazzi den defensiveren Part übernimmt. «Ich würde gerne mehr nach vorne gehen, aber mit Loeffel ist das schwierig», sorgte Genazzi für einen Lacher bei den Journalisten. «Allerdings ist es für mich die erste WM. Ich bin sowieso froh, wenn ich spielen kann.»

Keine Identität bei Langnau

Das ist nachvollziehbar. Der 29-Jährige ist ein Spätzünder, er musste sich alles hart erarbeiten. «Zwar glaubte ich an mich, die Ziele waren aber nicht immer hoch», sagte Genazzi. Dass er vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert wurde, ist eher einem Zufall geschuldet. In seiner ersten Saison bei den SCL Tigers 2010/2011 war er zu Beginn nur der 13. Stürmer. Als sich in einer Partie zwei Verteidiger verletzten, musste er einspringen.

«Ich wurde ins kalte Wasser geworfen», blickte Genazzi zurück. Hilfreich war, dass er an der Seite von Curtis Murphy spielen konnte. «Kanadier reden immer auf dem Eis.» Das habe es einfacher gemacht. In der Folge war er mal Stürmer, mal Verteidiger, je nachdem, wo er gebraucht wurde. «Bei Langnau hatte ich keine Identität», so Genazzi.

Genazzi freut sich mit Andres Ambühl über dessen Tor gegen Weissrussland. Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Das änderte sich erst mit dem Wechsel zu Lausanne im Jahr 2013. Der damalige LHC-Trainer Heinz Ehlers sah ihn ganz klar als Verteidiger. Vom Dänen, der bekannt ist für sein defensives System, profitierte er enorm viel. Zu Beginn allerdings auf schmerzliche Art, da ihm Ehlers oft vorhielt, was er alles falsch mache. «Das war mental schwierig», sagte Genazzi. «Am Ende hatte ich es aber sehr gut mit ihm.»

Viele Details nicht gelernt

Genazzi ist sich aber bewusst, in seiner Entwicklung auf der «neuen» Position noch lange nicht am Ende zu sein. «Ich habe im Vergleich zu anderen Verteidigern so viele kleine Details nicht gelernt.» Ein wichtiger Punkt sei, zu wissen, wann es sich lohne nach vorne zu gehen und wann nicht.

Genazzi und Niklas Schlegel – zwei Schweizer WM-Entdeckungen. Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Als Genazzi im April für die WM-Vorbereitung aufgeboten wurde, wusste er nicht, wo er steht. Selbst vor dem letzten Kaderschnitt kurz vor dem Turnierstart zitterte er noch. «Ich nahm Tag für Tag», erklärte er. «Ich sagte mir einfach: ‹Wenn man hart trainiert, wird man belohnt›.»

«Wir wurden immer besser»

Auf den Viertelfinal am Donnerstagabend gegen die schwedische NHL-Auswahl freut er sich enorm. «Es ist eine riesige Herausforderung», so Genazzi. «Wir wissen jedoch, dass wir jeden Gegner bezwingen können, wenn wir einfach spielen und das machen, was wir können.» Entscheidend werde sein, keine Fehler zu machen und diszipliniert zu sein.

Umfrage

Was erreicht die Schweiz an dieser WM noch?

  • Abstimmen

2,539 Votes zu: Was erreicht die Schweiz an dieser WM noch?

  • 29%Im Viertelfinale gegen Schweden ist Schluss.
  • 38%Das Halbfinale liegt drin.
  • 9%Es reicht sogar fürs Finale.
  • 18%Wir werden Weltmeister!!
  • 6%Ich will nur das Resultat sehen.

Dass viele Akteure im Schweizer Team nur über wenig WM-Erfahrung verfügen, erachtet er gegen die Skandinavier als Vorteil. «Sie kennen uns nicht so gut», sagte Genazzi und fuhr fort: «Wir wurden immer besser, das ist wichtig an einem Turnier. Zudem schauen wir immer vorwärts. Das ist sicher ein positiver Punkt in dieser Mannschaft.» (pre/sda)

Die besten Bilder der Eishockey-WM 2017

Witziges zum Eishockey

Weil jeder Bilderrätsel liebt: Erkennst du diese Eishockey-Stars?

Schisshaas, Schiller, #stancescuout – der Facebook-Wahnsinn der Playoff-Viertelfinals

Darling, Holden Zucker – Hockeyspieler erzählen mit ihren Namen Geschichten

Der ultimative Hockey-Guide: Dieses Diagramm weist dir den Weg zu deinem Lieblingsteam

Musst du als Hockey-Liebhaber einfach kennen: Die 9 wichtigsten Grafiken zur NLB

Die streng geheimen Einladungen für die Weihnachtsessen der NLA-Klubs

Titel, Batzeli und Zürifäscht: Wir haben die Postkarten-Feriengrüsse der Eishockey-Stars abgefangen

Was nach dem Playoff-Final WIRKLICH abging

10 Bilder, die zeigen, was die Playoff-Halbfinalisten während den Partien wirklich denken

«Was ist der Unterschied zwischen Genf-Servette und Tinder?» 12 kurze Witze zu den Schweizer Eishockey-Klubs

Was haben Harold Kreis und Frodo Beutlin gemeinsam? Wir gehen mit den NLA-Trainern in die zweite Witzrunde

«Was ist der Unterschied zwischen Genf-Servette und Tinder?» 12 kurze Witze zu den Schweizer Eishockey-Klubs

Schoppen, Bibeli und Divas – erkennst du alle NLA-Klubs in der grossen Emoji-Tabelle?

Vom 2-Bier-Kerl bis zum Tussi am Handy: Diese 11 Typen triffst du in jeder NLA-Kurve

Der HCD ist da, wo es viel Bier gibt, und Servette haut nicht nur den Lukas – wenn die NLA ein Oktoberfest wäre

Wir haben Schweizer Eishockey-Grössen etwas umgestylt – erkennst du sie trotzdem?

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die catson-App!

Die flauschigste App der Welt! 10 von 10 Katzen empfehlen sie ihren Menschen weiter.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0 Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Josi und Weber erreichen mit Nashville den Stanley-Cup-Final und schreiben Geschichte

Yannick Weber und Roman Josi schreiben mit Nashville Geschichte. Die Predators qualifizieren sich dank des 6:3-Heimsieges gegen Anaheim erstmals für den Stanley-Cup-Final. Erstmals stehen zwei Schweizer Feldspieler im Endspiel.

Die grosse Figur beim historischen Sieg von Nashville war Center Colton Sissons. Der Kanadier, der seit 2012 in Diensten der Predators spielt, schoss drei der sechs Tore Nashvilles – und erzielte damit seinen ersten Hattrick in einem Playoff-Spiel in seiner Karriere. Sissons war es auch, der sechs Minuten vor der Schlusssirene das «Game-Winning-Goal» zum 4:3 erzielte, zuvor hatten die Ducks einen 0:2 respektive 1:3-Rückstand wettgemacht.

Filip Forsberg (58.) und Austin Watson (59.), der nach …

Artikel lesen