Sport

Leonardo Genoni musste im Final erstmals mehr Pucks aus dem Tor fischen als sein Gegenüber. Bild: KEYSTONE

Wenn ein Fehler schon zu viel ist – ist der SCB zu abhängig von Genoni?

Leonardo Genoni hat am Dienstag zum ersten Mal in der Finalserie einen haltbaren Treffer kassiert und prompt verlor der SCB. Die Taktik von Kari Jalonen macht den Titelverteidiger abhängig von seinem Torhüter. Das kann schiefgehen.

12.04.17, 11:08
Adrian Bürgler
Adrian Bürgler

Zu behaupten, Leonardo Genoni hätte am Dienstagabend ein schwaches Spiel eingezogen, wäre absolut vermessen. Der Torhüter des SC Bern kam beim 1:2 nach Verlängerung im dritten Playoff-Finalspiel gegen Zug auf eine Fangquote von 95,3 Prozent. Er sah 43 Schüsse auf das eigene Tor kommen, 41 davon wehrte er ab ab – eigentlich eine Traumquote.

Und dennoch steht Genoni am Ursprung der Berner Niederlage. Während 55 Minuten liefen die Zuger an und versuchten, den Zürcher endlich zum ersten Mal auch bei ausgeglichenem Spielerbestand zu bezwingen. Doch Genoni war halt immer noch Genoni und hielt seinen Kasten rein. Souverän meisterte er alle Aufgaben, vor die ihn der EVZ stellte. Nichts deutete auf eine Zuger Wende hin.

Und dann das:

Der haltbare Treffer von Martschini Video: streamable

Beim Schuss von Lino Martschini in der 56. Minute greift Genoni daneben, die Scheibe kullert zum Ausgleich ins Tor. Diesen Treffer muss er auf seine Kappe nehmen, auch wenn Martschini die Scheibe nicht richtig traf und diese deshalb stark flatterte. Zum ersten und einzigen Mal in dieser Serie – der 2:1-Siegtreffer durch Reto Suri war absolut unhaltbar – griff Genoni also daneben. Und dem SCB glitt der schon sicher geglaubte Sieg noch aus den Händen.

Das zeigt einmal mehr auf, wie sehr der SC Bern auf einen fehlerlosen Genoni angewiesen ist. Unser Eismeister Klaus Zaugg schrieb während der Halbfinal-Serie der Berner gegen Lugano: «Nie mehr seit den Zeiten von Renato Tosio ist der SCB so von seinem Torhüter abhängig wie in diesen Playoffs.» Zweimal habe Leonardo Genoni in den vorherigen Serien durchschnittlich gespielt und beide Male habe der SCB verloren. Im Viertelfinale gegen Biel (3:6, Fangquote: 78,26 Prozent) und zum Halbfinal-Auftakt gegen Lugano (2:4, Fangquote: 88,46 Prozent). Auch SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi hatte diese Abhängigkeit im Ansatz damals zugegeben.

«Der Torhüter wird oft überschätzt.»

Leonardo Genoni

Der 29-Jährige sieht das anders. Vor den Playoffs sagte er gegenüber der «Berner Zeitung»: «Ich glaube nicht, dass ich die grösste Stärke des SCB bin.» Um Meister zu werden brauche es ein Team, der Torhüter werde dabei oft überschätzt. «Man ist immer auf seine Mitspieler angewiesen. Nicht nur auf die Verteidiger. Auch auf die Flügel, die Schüsse blocken; auf die Center, die nach hinten arbeiten.» Mittlerweile gibt Genoni – wie so oft in den Playoffs – keine Interviews mehr. Seine Meinung dürfte sich aber ziemlich sicher nicht verändert haben.

Zieht Genoni einen durchschnittlichen Tag ein, verliert der SCB. Bild: KEYSTONE

Dennoch, das Defensiv-Hockey, welches SCB-Trainer Kari Jalonen spielen lässt, basiert auf einem starken Torhüter. In zwei von drei Spielen war der EV Zug jene Mannschaft, die mehr Schüsse aufs gegnerische Tor abgab. Genoni war immer wieder gefordert – und eigentlich auch immer zur Stelle. Doch wie gefährlich diese Abhängigkeit ist, wurde am Dienstagabend aufgezeigt.

«Genoni ist auch ein Mensch und kann Fehler machen.»

Lino Martschini

Ein Fehler reichte und dem SCB glitt das Spiel aus den Händen. Auch Zugs Topskorer Lino Martschini weiss das. Nach dem Spiel sagte er gegenüber dem «Blick»: «Genoni ist ein guter Torhüter aber auch er ist ein Mensch und kann Fehler machen. Deshalb muss man diese Fehler provozieren, indem man weiter schiesst und Leute vors Tor stellt.»

Da war Genoni chancenlos: Das 2:1 von Suri. Video: streamable

Kommen in den nächsten Spielen tatsächlich weitere Fehler vom SCB-Schlussmann, kann die Titelverteidigung in Gefahr geraten. Aber Genoni hat genug Erfahrung um dieses Spiel 3 und seinen bösen Schnitzer wegzustecken. Und normalerweise reicht eine Fangquote von über 95 Prozent auch zum Sieg.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Socceroo04 13.04.2017 07:00
    Highlight Die Finnische Hockeyweisheit "hättäwäräkönntä" lebt aber sowas von ... Hat da etwa die Mentalität bereits vom Coach auf auf die Fans übergeschlagen? 😂
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  • Bruno Wüthrich 12.04.2017 14:39
    Highlight Fans und Sportjournalisten neigen dazu, den Einfluss von Einzelpersonen im Mannschaftssport zu überschätzen. Zwar gibt es tatsächlich Spieler, die etwas mehr Einfluss auf das Spiel haben als andere. Aber eine gute Mannschaft ist nie nur von einem einzigen Spieler abhängig.

    Die Fangquote eines Torhüters hängt auch davon ab, von wo geschossen werden kann, und ob er die Schüsse kommen sieht. Machen seine Vorderleute ihre Arbeit gut (keine Schüsse aus dem Slot zulassen, sich in Schüsse legen, den Gegner vor dem Tor wegarbeiten, Abpraller weg spedieren), sieht auch der Torhüter gut aus.
    24 2 Melden
    • Tikkanen 12.04.2017 17:49
      Highlight ...ach (SCL) Brünu...
      1. Deine nüchternen Kommentare bräuchten noch einen kräftigen Schuss Pep😴
      2. Sind die Tigers noch im Rennen?😳
      3. Hast du den Urs Keel im Keller versteckt?😂
      Fazit: Tiger in den Zoo🍻
      4 26 Melden
    • Bruno Wüthrich 12.04.2017 18:00
      Highlight Die Bären auch. Die Tiger halte euch das Plätzchen warm.

      Übrigens: Nix da von mehr Pep. Sonst wird Watson nur noch wegen mir gelesen... :-)
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  • Lowend 12.04.2017 14:31
    Highlight Passt schon, denn es ist viel schöner, wenn die Berner den Meistertitel nächsten Samstag nach dem Heimspiel in Bern feiern können. ;-)
    17 22 Melden
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  • Hayek1902 12.04.2017 14:10
    Highlight Wenn man ein Tor schiesst, dann hat der Torhüter nie das Spiel verloren, egal wie viele öfen er auf wie lächerliche art reinbekommt. Bei einem Tor kann er das Spiel nur gewinnen.
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  • Apfel Birne 12.04.2017 13:01
    Highlight So unnötig dieser Artikel. Für jedes Team wird es schwierig, wenn der Torhüter bei 1:0 einen haltbaren reinlässt. Jedes Team das Meister werden möchte, muss einen guten Torhüter haben, ohne geht es gar nicht. Man könnte ja das genau gleiche über Stephan schreiben. Er hat am Samstag einen haltbaren zum 2:3 kassiert und Zug hat danach verloren. Nach der Watson Logik ist in dem Fall der EVZ auch zu abhängig von Stephan.
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  • vanushka 12.04.2017 13:00
    Highlight Come on!
    Wenn die Stürmer/ Vordermänner die gefühlt 10 Lattenschüsse verwerten könnten, würde ein solcher Auarutscher gar keine Rolle spielen! Auch darf man nicht vergessen, dass fie Berner klar vesser waren. Klar, Zug ist nicht entgleist wie beim ersten Spiel, war Bern über das gesamte Speil betrachtet einfach besser.
    Aber so ist es halt nun mal im Eishockey: man braucht auch das nötige Glück...
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    • c_meier 12.04.2017 18:11
      Highlight Haha witzig dass du und ich denselben Standpunkt zur gleichen Zeit hatten und auch noch gleich begonnnen haben ("Come on...") :)
      Hopp CeeBee!
      3 1 Melden
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  • c_meier 12.04.2017 12:56
    Highlight Come on... wäre auch nur ein Tor der SCB-Feldspieler im 3. Drittel zustande gekommen von den 3 Pfostenschüssen und den 3-4 weiteren extrem guten Chancen (wenn nicht sogar 100%-Chancen) wo Stephan sehr sehr knapp noch rankam wäre es im Spiel 2:0 gestanden und ziemlich sicher in der Serie 3:0.
    Also alles auf den Torhüter schieben ist etwas zu einfach
    34 4 Melden
    • Murphy_66 12.04.2017 14:02
      Highlight ...hätte, wäre, wenn... Schlussendlich zählt nur, wie oft der Puck hinter die Torlinie kullert... Chancen kreieren ist das Eine, diese auch auszunützen das Andere. Glück und Pech liegen oft so nah beieinander. Davon können wir Zuger ein Liedchen singen.
      25 2 Melden
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  • andre63 12.04.2017 12:11
    Highlight tikkanen? am weinen? 🤣
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  • Hempoli 12.04.2017 11:34
    Highlight Soso während 55 Minuten liefen die Zuger an. Was ihr nicht sagt....
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  • Danyboy 12.04.2017 11:32
    Highlight Oha, 43 Schüsse...? Aber der SCB war drückend überlegen. Da sieht man wieder wie gewisse "Experten" neutral das Spiel bewerten😂
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    • Mighty 12.04.2017 12:09
      Highlight scb war auch überlegen
      37 33 Melden
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  • ManuL 12.04.2017 11:28
    Highlight Irgendetwas muss man ja schreiben. Hätte genau so gut schreiben können "Ist der SCB zu abhängig von seinen Stürmern?", da diese doch einige 100% Chancen nicht genutzt haben... Jedes Team ist abhängig von seinem Torhüter, aber auch genau so abhängig von jedem einzelnen der auf dem Eis steht.
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    • Hempoli 12.04.2017 11:38
      Highlight Manchmal frage ich mich schon wie die auf ihre Thesen kommen. Im ersten Spiel brauchte es gar keinen Genoni.
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  • Herren 12.04.2017 11:14
    Highlight So ein Quark. Jedes Hockeyteam ist abhängig von seinem Torhüter. Siehe Stephan, Merzlikins, Hiller.
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    • Baccara 12.04.2017 13:15
      Highlight Genau, weil sonst könnte man das Spiel ja gleich ohne Torhüter spielen..
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Der «Hockey-Rockstar» in seiner Lieblingsrolle – Davos kann Meister werden

Er hat bei einem hochriskanten Goalie-Poker alles riskiert – und nun kann er alles gewinnen. HCD-Trainer Arno Del Curto in seiner besten Rolle.

Es kommt auch im Eishockey meistens anders als erwartet. Vor der Saison hat ein Kumpel HCD-Trainer Arno Del Curto per SMS wissen lassen, dass es nicht gut komme und die Playoff-Qualifikation, ja der Liga-Erhalt in Gefahr sei. Weil Torhüter Gilles Senn an Nando Wieser mahne.

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