Sport

Wenn Arno Del Curto geht, könnte es im HCD-Team einen grossen Umbruch geben.
Bild: EQ Images

Wie geht's weiter mit dem HC Davos? Ein halbes Meisterteam steht zum Verkauf

Arno Del Curto steht vor dem heissesten Oktober seiner HCD-Zeit. Aber nicht aus sportlichen Gründen. Am Montag hat er noch einmal in den Bündner Bergen bei Wildbeobachtung die Ruhe gesucht. Die Ruhe vor dem Oktobersturm.

06.10.15, 11:39 06.10.15, 16:53

Der HCD befindet sich in einer delikaten Situation. Beim Meister laufen Ende Saison 17 Verträge aus – so viele wie nie seit Arno Del Curto im Sommer 1996 die Mannschaft übernommen hat. Zu den «free agents» gehören so wichtigen Spieler wie die Stürmer Andres Ambühl (32), Dino Wieser (26), Marc Wieser (27) und Samuel Walser (23), Verteidiger Noah Schneeberger (27) und Torhüter Leonardo Genoni (28).

Bleibt Ambühl dem HCD weiterhin erhalten? 
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Hingegen ist Enzo Corvi (22) noch bis 2017 an den HCD gebunden – wenigstens die Transfergerüchte um seine Person haben also keine Grundlage. Somit steht die bessere Hälfte eines Meisterteams zum Verkauf. Das hat es so noch nie gegeben. Leonardo Genoni ist schon weg – er wechselt Ende Saison für drei Jahre zum SCB.

Genoni spielt ab nächstem Jahr für den SCB.
Bild: KEYSTONE

Die Vertragsverhandlungen führt, wie seit Anbeginn der Zeiten, Trainer Arno Del Curto – und nicht der Sportchef oder der Präsident. «Das ist so», bestätigt Präsident Gaudenz Domenig. «Arno macht das für uns.» Dass der Trainer die Verträge aushandelt, macht die Situation delikat. Denn bei keinem anderen Team ist die emotionale Bindung zwischen Personal und Trainer so intensiv wie in Davos. Viele Spieler sind wegen Arno Del Curto beim HCD. Die erste Frage bei den Vertragsgesprächen wird deshalb sein: «Und Du Arno, bleibst Du?»

Bern führte keine Gespräche mit Del Curto

Im letzten Frühjahr hätte Arno Del Curto den HCD verlassen und wäre nach Bern gezügelt – wenn die Berner gewollt hätten. Für ein paar Wochen liessen die Hockeygötter ein Fenster offen: Der HCD war Meister geworden, das Meisterteam blieb intakt. Arno Del Curto hätte mit gutem Gewissen Davos verlassen können. Er kokettierte bis in den Mai hinein mit einem Wechsel – und die Berner, blind verliebt in Guy Boucher, merkten es nicht. Es gab keine Gespräche mit dem HCD-Trainer.

Wohin führt der Weg von Arno del Curto?
Bild: KEYSTONE

Nun ist die Situation ganz anders. Keiner der wichtigen Spieler wird seinen Vertrag verlängern, wenn Arno Del Curto nicht bleibt. Er muss diesmal so früh wie noch nie «Ja» oder «Nein» zum HCD sagen. Konkret bis Ende Oktober. Der grosse HCD-Zampano steht sozusagen vor dem heissesten Oktober seiner Karriere. Präsident Gaudenz Domenig sieht das auch so und ergänzt. «Alle beginnen immer früher mit den Transfergesprächen. Ich bin der Meinung, dass erst ab der Weihnachtspause verhandelt und transferiert werden sollte. Aber wir müssen uns den Gepflogenheiten der anderen anpassen.»

Gaudenz Domenig muss bereits im Oktober bei der Trainerfrage für Klarheit sorgen.
Bild: KEYSTONE

«Meine Chancen, Präsident beim SCB zu werden, sind höher als die Chancen, dass Arno beim SCB Trainer wird.»

HCD-Präsident Gaudenz Domenig

Bleibt Arno Del Curto, dann bleibt auch die Mannschaft intakt und der grosse Ausverkauf findet nicht statt. Geht Arno Del Curto, weiden dort, wo jetzt das Stadion steht bald die Ziegen. Eine Situation, die durchaus als dramatisch bezeichnet werden darf. Zumal mit Kloten und Lugano, zwei Hockeyunternehmen im Besitz von Milliardären unbeschränkte finanzielle Mittel für Einkäufe zur Verfügung haben – und Kloten hat bereits auf kläglichste Art und Weise den Transfer von Leonardo Genoni verschlafen. Dass sich selbst «Ur-Davoser» wie Andres Ambühl oder die Gebrüder Wieser auch im Unterland und unter einem anderen Trainer als Arno Del Curto durchsetzen können, haben Andres Ambühl (Meister mit den ZSC Lions) und Marc Wieser (mit Biel in den Playoffs) eindrücklich bewiesen.

Marc Wieser spielte zwischen 2011 und 2014 in Biel. 
Bild: KEYSTONE

Samuel Walser und Noah Schneeberger kommen sowieso aus dem Unterland. Wie gross ist die Gefahr eines Ausverkaufs beim Meister? Domenig ist nicht beunruhigt. Es gibt zwar für Arno Del Curto auch andere Optionen als den SC Bern – doch der SCB reizt ihn mehr als ein Wechsel ins europäische Ausland. Der Präsident lässt sich deswegen nicht aus der Ruhe bringen: «Meine Chancen, Präsident beim SCB zu werden, sind höher als die Chancen, dass Arno beim SCB Trainer wird. Wobei es für mich natürlich eine grosse Ehre wäre, nach einem kleinen Klub auch einmal einen grossen Klub führen zu dürfen…»

2,5 Millionen Verlust im letzten Jahr

Grundsätzlich gilt: Trainer kommen und gehen, der HCD bleibt bestehen. Aber die Geschichte lehrt uns, wie schwierig es in Davos ist, einen Meistertrainer zu ersetzen. Als der vorletzte Meistertrainer Dan Hober im Frühjahr 1985 ging, stiegen die Davoser bis in die 1. Liga ab und Arno Del Curto bekam den Job im Sommer 1996 nur, weil die Vertragsverlängerung mit Trainer Mats Waltin für den HCD zu teuer war.

Nach 1985 musste der HCD 17 Jahre auf den nächsten Titel warten. Aber selbst wenn Arno Del Curto bleibt, hat der Präsident ein wenig Sorgen. Letzte Saison hat sein Unternehmen 2,5 Millionen Verlust eingefahren. Inzwischen stehen zwar Reto und Jan von Arx (Rücktritt) nicht mehr auf der Team-Lohnliste und nächste Saison fällt auch das Salär von Leonardo Genoni weg. Aber es wird teuer, wenn bei einem Meisterteam die Verträge von mehreren Schlüsselspielern im besten Alter verlängert werden müssen. «Leider ist das so» sagt Gaudenz Domenig. «Auch wir haben noch nicht erlebt, dass ein Spieler sagt, es gefalle ihm so sehr bei uns, dass man den Vertrag mit einem tieferen Salär verlängern könne.»

Der Oktober wird für den HC Davos eine heikle Angelegenheit. 
Bild: KEYSTONE

Nichts ist Del Curto so ans Herz gewachsen wie der HCD

Einem «heissen Oktober» kann ein ruhiger Spengler Cup folgen. Wenn Arno Del Curto in den nächsten Wochen intern sein Ja-Wort gibt und die Verträge im Laufe des Novembers verlängert werden können, wird es rund um den HCD transfertechnisch windstill. Wenn nicht, warten stürmische Zeiten auf den Meister. Gerade weil die Situation so dramatisch ist, sind die Chancen sehr gross, dass Arno Del Curto bleibt.

Denn diese Dramatik spielt Präsident Gaudenz Domenig im Verhandlungsjass die beste Trumpfkarte zu. Er kann sagen: «Arno, Du musst noch bleiben, der HCD geht sonst zu Grunde.» Gegen so ein Argument ist Arno Del Curto machtlos. Er ist ein Trainer der auf sein Herz hört – und nichts ist ihm im Eishockey so sehr ans Herz gewachsen wie der HCD.

Diese Spieler schnuppern zum ersten Mal NLA-Luft

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
20Alle Kommentare anzeigen
20
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • marak 07.10.2015 07:42
    Highlight Herzig, aber man darf ja ein wenig schwadronieren hier. Zitat: "Aber die Geschichte lehrt uns, wie schwierig es in Davos ist, einen Meistertrainer zu ersetzen. Als der vorletzte Meistertrainer Dan Hober im Frühjahr 1985 ging, stiegen die Davoser bis in die 1. Liga ab ..."

    Die Statistik gibt KZ recht - 100% der Trainer, die einen Meistertrainer ersetzten scheiterten in Davos. Die Datenbasis ist aber ein wenig gar schmal. Glücklicherweise scheiterten 100%, bei 50% hätte man den gescheiterten Trainer noch zersägen müssen ...
    3 0 Melden
  • Goon 07.10.2015 06:56
    Highlight Sind alles nur Namen die früher oder später sowieso gehen. Was bleibt ist der Club!
    2 3 Melden
  • rüfi 07.10.2015 02:33
    Highlight Arno wird in den Bergen bleiben.....der Zeitpunkt für mal was Neues wäre zwar ideal!
    Aber in Bern geht desswegen nicht die Welt unter....finanziell top augestellt.....Bern polarisiert.......mich interessierts einen Sack Reis ob jetzt Bern,Zürich,Davos die Hockeyhauptstadt sein soll....ich bin stolzer Fan dieses geilen Vereins......Bern lebt Hockey....Pronto!!!!
    5 4 Melden
    • Staal 07.10.2015 07:25
      Highlight richtige Einstellung. Bern wird auch ohne Arno hie und da einen Titel holen ( wie ZSC )
      4 3 Melden
  • MARC AUREL 06.10.2015 18:04
    Highlight Staal,wenn Ruhnke,Huras und Törmannen schlechte Trainer sind dann weiss ich nicht weiter.. Alles erfolgreiche Trainer die unter Lüthi und Leuenberger arbeiteten.. Vorallem die Ersten 2 genannten! Klar hat Davos viel tradition aber kaum mehr Stimmung als die Berner und ihre Finanzen nicht unter kontrolle! Und ohne Adc wäre Davos nicht das was sie heute sind! An der Tag wenn Adc aufhört wird Davos nur noch durchschnitt sein und nie mehr so Erfolgreich sein!
    16 6 Melden
    • Staal 07.10.2015 07:27
      Highlight schlechte Trainer sind sie nicht, aber bei Rhunke und Huras ist meistens in der 3. Saison der Ofen aus. Viel Motivation, Titel und das war es. Eine Ausnahme war Bill Gillighan
      1 2 Melden
  • Staal 06.10.2015 16:43
    Highlight Davos ist die Wiege des Schweizer Eishockeys, siehe die Anfangsjahre, dies will man natürlich in Bern und ZH nicht so recht wahrhaben. weil man sich dort gerne als Nonplusultra fühlt. Ziemlich viele Titel hat Davos auch ohne Arno geholt. Es wäre schade, wenn er ginge aber es würde weitergehen.
    Was will er in der langweiligen Beamtenstadt Bern? 17000 Fans und keine Stimmung. Und mit Lüthi und Leuenberger arbeiten gute Trainer sicher nicht zusammen.
    Letzte Saison war intern schon vor den Playoffs klar, dass er bleiben würde, nur wurde einige halt hingehalten. ;-)
    14 40 Melden
    • goldmandli 06.10.2015 18:10
      Highlight Daffos ist ja auch für die grossartige Stimmung bekannt. ;)
      32 9 Melden
    • tösstaler 07.10.2015 08:56
      Highlight naja, ich sage mal gefühlte 95% der Davoser Titel wurden in einer Zeit geholt, da man im Unterland noch nicht einmal wusste, wie man Eishockey schreibt, ich wäre an Deiner Stelle also etwas vorsichtig mit der Definiton von 'Rekordmeister'.
      Nix gegen den HCD, die haben eine geile Truppe, aber Davos als Wiege des CH-Hockeys zu bezeichnen finde ich dann doch etwas vermessen, gab da auch z.Bsp. in der Romandie einige Klubs, die auch schon was getaugt hatten.
      2 3 Melden
  • holden27 06.10.2015 14:14
    Highlight jedes Jahr das gleiche prozedere...
    und jedes Jahr der gleiche Ausgang...
    Arno wird in daffos bleiben
    und Spieler wie diese holzhacker von wieser können auch gleich dort bleiben
    31 33 Melden
    • Staal 06.10.2015 16:34
      Highlight die gewinnen aber Titel im Vergleich zu Zug mit Joshi
      20 18 Melden
    • holden27 06.10.2015 17:45
      Highlight den dino würde ich nicht mal geschenkt nehmen!!
      ein richtig unsportlicher holzhacker ohne können
      der Titel mit holden kommt noch, keine angst staal ;)
      13 19 Melden
    • Picdumplover 06.10.2015 20:11
      Highlight Welche Ironie unter dem Namen "holden27" einen anderen Spieler als unsportlicher Holzhacker zu bezeichnen :P
      34 6 Melden
  • MARC AUREL 06.10.2015 13:56
    Highlight John Stark, jeder weiss das der SCB DIE HOCKEYHAUPTSTADT DER SCHWEIZ IST! Zürich, wenig Fans, keine Stimmung und unfähig sich selber zu finanzieren!
    10 71 Melden
    • tösstaler 06.10.2015 14:59
      Highlight junger Römer, halt mal den Puck flach: 1 Schwalbe hat in Bern noch nie den Frühling gebracht, jedenfalls in jüngerer Zeit nicht ... oder funktioniert Deine Hockeyerinnerung nur so grob geschätzte 3 bis 4 Wochen zurück?
      38 6 Melden
    • Wilson_Wilson 06.10.2015 16:42
      Highlight Zürich hat eben noch ein wenig mehr zu bieten als einmal die Woche Eishockey…
      20 17 Melden
  • Tikkanen 06.10.2015 12:16
    Highlight ...Arno, das bringt doch nichts mehr in Davos. Langweile pur, auch mit Meistertitel und das Grümpelturnier sowie die 3000 Touristen pro Match hast Du eh satt. Du gehörst in die Hauptstadt. Wir leben Hockey und deine Wiesers kannst Du sowieso mitnehmen.
    36 89 Melden
    • Gelöschter Benutzer 06.10.2015 13:01
      Highlight Die Hauptstadt des Hockeys ist Zürich.
      32 82 Melden
    • Tikkanen 06.10.2015 13:47
      Highlight @Hans Strong. Ein SVP Milliardär als Gönner macht noch keine Hauptstadt...... Da brauchts noch so Zusätze wie Faszination, Tradition, Loyalität und Begeisterung in einer Region.....
      25 24 Melden
    • subreena 06.10.2015 14:47
      Highlight Arno in Bern wäre ein spannendes Experiment, aber die Wiesers soll er bitte lassen wo das Gras in Hülle und Fülle gedeiht... ausser unfair spielen und dreckige Fouls austeilen können die beiden nix.
      24 33 Melden

«Eishockey aktuell» – SRF lanciert neues Eishockeymagazin

Das Schweizer Fernsehen SRF erweitert die Eishockey-Berichterstattung um eine neue Sendung. Ab der neuen Saison berichtet das Magazin «Eishockey aktuell» über alle Spiele und alle Tore einer Runde.

Die Sendung wird während der Qualifikation an Werktagen mit vier oder mehr National-League-Spielen ausgestrahlt. Die Sendedauer soll jeweils 30 bis 40 Minuten betragen. Bei Wochenendrunden berichten «Sportaktuell» und «Sportpanorama» wie gewohnt über die Spiele im Schweizer Eishockey.

Moderiert …

Artikel lesen