Sport

Yves Sarault konnte nicht nur austeilen sondern auch einstecken. Bild: PHOTOPRESS

Ein «Krieger» als Bandengeneral – kommen nun die grossen, bösen Welschen?

Der Kanadier Yves Sarault (44) kann bei Lausanne der nächste Chris McSorley werden – zumindest was den Unterhaltungswert betrifft.

12.10.17, 09:15 12.10.17, 09:51

Wer ist Lausannes neuer Cheftrainer Yves Sarault? Dazu zwei Episoden und eine Statistik.

Zu den Zahlen: Er verbrachte als Stürmer und Leitwolf während vier von fünf Saisons in der Schweiz (2003 bis 2008) mehr als 100 Strafminuten auf der Strafbank.

Die Statistik von Sarault in der Schweiz: Spiele, Tore, Assists, Punkte und Strafminuten. statistik: eliteprospects

Zu den Episoden: Er kam 2003 nach Bern und war Vorkämpfer des Meisterteams von 2004. Box-Schweizer-Meister Sascha Müller, damals Titelhalter im Halbschwergewicht der Amateure und Masseur beim SC Bern sagte, mit Yves Sarault möchte er nicht in den Ring steigen.

Marc Reichert nach einem Rencontre mit Yves Sarault 2007. Bild: KEYSTONE

Inzwischen hat Yves Sarault seine Spielerkarriere längst beendet. 2014 ist er als Cheftrainer der Elite-Junioren und als Assistent der ersten Mannschaft nach Lausanne gekommen. Kürzlich erzählte Stéphane Rochette, bis und mit letzter Saison Assistent bei Lausannes Elitejunioren, jetzt TV-Kommentator bei «MySports»: «Wir spielten mit unseren Elitejunioren im Frühjahr 2016 das Halbfinale gegen den SCB. Der Masseur der Berner hat sich bei mir über unsere harte Gangart beklagt. Er habe nach Spielen gegen uns immer so viel Arbeit, weil es so viele blaue Flecken gebe.»

Yves Sarault wurde in Lausanne vom Assistenten zum Cheftrainer befördert.  Bild: KEYSTONE

Lausannes neuer Bandengeneral war als Spieler das, was die Nordamerikaner «Warrior» nennen – einen «Krieger». Elf Jahre lang hat er die Knochen in der NHL (111 Spiele, 10 Tore) und den Farmteams (533 Spiele, 161 Tore) hingehalten. Nie ein Star. Einfach ein harter Kerl, der jeden Abend alles gegeben und, darauf ist er stolz, nie einen Faustkampf in der NHL verloren hat. Am 7. Februar 2001 nicht einmal gegen Shayne Corson.

Yves Sarault und Shayne Corson geben sich ordentlich auf die Rübe. Video: YouTube/pjstock20

Stilwechsel mit Stil

Nun ist der «Krieger» in Lausanne vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden. Endlich hat er im grossen helvetischen Hockey-Theater wieder eine Hauptrolle.

Wahrlich, ein weiterer spektakulärer Stilwechsel in Lausanne. Der freundliche Philosoph Gerd Zenhäusern, der nur ausnahmsweise tobte, hat die Mannschaft im Frühjahr 2013 in die NLA zurückgeführt. Er bekam auch als Aufstiegstrainer keinen Vertrag und heute ist er Nachwuchschef bei Gottéron.

Gerd Zenhäusern tobte selten, führte Lausanne 2013 aber in die NLA. Bild: KEYSTONE

Dann hat der grosse, grantige Taktiklehrer Heinz Ehlers in Lausanne die taktischen Geleise gelegt und ist darauf in drei Jahren zweimal in die Playoffs gerollt und im Viertelfinale erst im 7. Spiel gescheitert. Auf diesem Schienenstrang brauste der charismatische Rechtsanwalt Dan Ratushny letzte Saison mit kreativem Champagner-Hockey in die Spitzengruppe der Liga (4.) – und soeben ist er gefeuert worden. Mit der stürmischen letzten Saison hat er Grössenwahn und viel zu hohe Erwartungen geschürt. Die konnte er nicht mehr erfüllen. Und nun also der «Feuerkopf» Yves Sarault.

Werden wir in Lausanne nun die «big bad Lions» sehen? Nach taktischem Schachspiel, offensivem Spektakel nun Rumpelhockey?

So wird es wohl vorerst nicht sein. Und doch ist die Beförderung von Yves Sarault ein Signal, das uns etwas über das welsche Hockey sagt. Es ist sogar eine Warnung: Es kann durchaus sein, dass sich die Deutschschweizer bald einmal über die Härte der Welschen beklagen.

Spielt Lausanne bald noch härteres Eishockey? Bild: KEYSTONE

Stéphane Rochette erzählt: «Diese Zeiten sind ja schon da. Nicht nur der SCB-Masseur jammerte letzte Saison über unsere harte Spielweise. Auch in Zug oder Davos wurde über die Härte unserer Elitejunioren geklagt. Die Zeit der weichen Welschen ist vorbei. Yves Sarault war als Ausbildner für Lausanne Gold wert.»

Gerd Zenhäusern ergänzt: «Chris McSorley hat das nordamerikanische Hockey nach Genf gebracht. Sein Beispiel hat auf die ganze Westschweiz ausgestrahlt und das Hockey verändert. Was Chris McSorley in Genf, das ist in der Nachwuchsarbeit Yves Sarault in Lausanne. Er hat dort dieses nordamerikanische Element in die Nachwuchsausbildung eingebracht.»

Der Umbruch im welschen Hockey

Und nun ist dieser Yves Sarault Cheftrainer in Lausanne. Vielleicht nur für ein paar Spiele, vielleicht bis Ende Saison, wahrscheinlich nicht lange genug, um der nächste Chris McSorley zu werden. Sicher ist nur: Er wird die Unterhaltungskultur der Liga bereichern.

Chris McSorley hat vor allem etwas in die National League gebracht: Viel Unterhaltung. Bild: KEYSTONE

Die Beförderung von Yves Sarault ist ein Zeichen für den Umbruch im welschen Hockey. Ein Umbruch, der inzwischen das Management in Lausanne und Genf sportlich überfordert und in beide Richtungen führen kann – in den sportlichen Abgrund oder weiter nach oben. Getreu dem welschen Sprichwort «Reculer pour mieux sauter» («ein paar Schritte zurück um weiter springen zu können»).

In Genf und in Lausanne sind in den letzten Jahren vielversprechende Nachwuchsabteilungen aufgebaut worden und in Lausanne entsteht eine neue Arena. Aber am Ende des Tages entscheiden Erfolg und Ausstrahlung der ersten Mannschaft über den Erfolg eines Hockeyunternehmens.

Lausanne hat mit Yves Sarault immerhin einen neuen, rauen, charismatischen Leitwolf. Servette taumelt hingegen nach der Entmachtung von Chris McSorley mit dem heillos überforderten Craig Woodcroft als Hockey-Zirkus führungslos in eine tiefe sportliche Krise. Gestern war in Genf Krisen-Palaver statt Training und der Trainer ist noch im Amt geblieben. Nach der nächsten Krisensitzung wird er gefeuert. Trotz Dreijahresvertrag.

So sieht es aus, wenn NLA-Teams Frauen anflirten

2m 34s

So sieht es aus, wenn NLA-Teams Frauen anflirten

Video: watson

HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister

Eishockey-Quiz

Kennst du die kuriosen Namen der AHL-Teams? Wenn nicht, musst du ab ins Farmteam!

Zum Saisonstart: Wie viel Prozent Eishockey steckt wirklich in dir? Stelle dich unserem knallharten Psychotest

Wir haben Schweizer Eishockey-Grössen etwas umgestylt – erkennst du sie trotzdem?

Du darfst auch so jubeln – wenn du das Topskorer-Quiz bestehst

Erkennst du diese Hockeyaner nur anhand ihres Karriereverlaufs? – Teil 2

Erkennst du diese NHL-Stars anhand ihrer Kinderfotos?

Wenn du diese Hockey-Slang-Begriffe nicht kennst, musst du heute für Schweden sein

Erkennst du die NLA-Spieler auch ohne Helm?

Kennst du dich aus in Hockey-Nordamerika oder suchst du Roman Josi in Näschwil?

Hockey-Stars ohne Helm: Kennst du die Schweizer NHL-Spieler auch abseits des Eisfelds?

Wenn du von einem Hockeyaner nur den Karriereverlauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

Kopf oder Zahl? Das 50:50-Quiz zum Schweizer Eishockey Cup 

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12Alle Kommentare anzeigen
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Cadinental 13.10.2017 17:27
    Highlight Yves Sarault, geile seich! Ich liebte ihn damals bei SCB!
    3 0 Melden
  • Eingestein 12.10.2017 21:17
    Highlight Eine harte und unfaire Gangart bringt nur Strafen und Niederlagen mit sich. Vielleicht ist Lausanne eben nicht so gut wie man denkt. Angefangen beim Torhüter und und
    3 3 Melden
  • MARC AUREL 12.10.2017 20:19
    Highlight Sarault war damals der Hammer! Seine Checks waren knallhart und viele hatten die Hosen voll wenn er herangebraust kam!😎
    9 2 Melden
  • Hempoli 12.10.2017 13:56
    Highlight Jetzt da der Verband die Klubs quasi dazu zwingt "weicher" zu werden, wollen die Welschen anfangen zu rumpeln.
    Ich seh es schon kommen das Gejammere wenn sie dann vom bösen Deutschschweizer Verband gebüsst werden ^^
    18 6 Melden
  • Fibeli 12.10.2017 13:43
    Highlight liebes watson team, ich würde gerne wieder einmal einen artikel lesen über den ch-nachwuchs. welche fortschritte wir gegenüber den letzen jahren gemacht haben. zb vergleich schweiz und deutschland.. oder was im nachwuchs verbessert werden muss.. stufe top mini, elite novizen, elite A.. würde mich sehr interessieren :)

    schönen tag
    27 1 Melden
    • Adrian Buergler 12.10.2017 16:43
      Highlight Merci für den Input. Wir nehmen das mal auf.
      6 1 Melden
  • Tikkanen 12.10.2017 11:40
    Highlight ...Sarault, absolut Kultig👏🏻Unvergessen in Bern🤗Leider fehlt Chlöisus Würdigung der CHL Leistung des grossen SCB😳KO Runde problemlos erreicht, dazu noch mit grosser Sozialkompetenz den lottrigen Briten einen Sieg geschenkt, gelebte Entwicklungshilfe👍🏻Auch wenn der CHL Micky Maus Chübel in Bern schier niemanden interessiert, sollte der🏆 heuer mal so aus Dekogründen (analog CH Cüpli) in das prallvolle Pokalregal in Europas Hockeyhauptstadt eingefügt werden, wäre das durchaus eine kleine Party wert😎🍻
    43 70 Melden
    • Lueg 12.10.2017 15:50
      Highlight Oha der Modefan (oder ist es doch Mr. Hyde von KZ) ist wieder unter seinem Stein hervorgekrochen.
      30 7 Melden
    • Fibeli 12.10.2017 17:16
      Highlight guten tag herr tikkanen, ich denke der scb hat sich international bisher noch nicht unbedingt mit rhum bekleckert.. wie sie sich hier aufspielen ist kaum zu überbieten. ich bin einfach der meinung, das man sich erst eine hockeygrossmacht nennen darf, wenn man mehr arbeit in den nachwuchs investiert.. josi, streit, weber ausgeschlossen. Man hat sehr gute junge am start und lässt sie versauern. sehr schade!
      15 15 Melden
  • c_meier 12.10.2017 11:39
    Highlight Die Frage ist doch wie erfolgreich Lausanne mit seinem Rumpelhockey bei den Elite-Junioren waren:
    2016/17 im Viertelfinal gegen die EVZ-Junioren mit 0:3 rausgeflogen... On verra...
    33 2 Melden
  • 6f7Dude 12.10.2017 11:37
    Highlight Da wird einer (offiziell) Interimscoach und man spricht schon von Umbruch etc? Erst mal abwarten und schauen, ob er überhaupt bis Ende Saison bleiben kann!
    22 3 Melden
  • vingt-cinq zero deux 12.10.2017 10:21
    Highlight Den Kampf gegen Corson hat er definitiv (nach Punkten ;D) verloren
    46 3 Melden

Wurde den ZSC Lions der Sieg gestohlen? Diese Szenen erhitzen die Gemüter

Der SC Bern schlägt die ZSC Lions nach Verlängerung mit 4:3. Zwei Szenen aus der Overtime geben jedoch Diskussionsbedarf.

Das Tor in der Verlängerung von Pius Suter, welches wegen einer Behinderung von Patrick Geering aberkannt wurde.

Fast identisch die Szene beim Tor von Eric Blum kurze Zeit später. Flüeler wird im Torraum berührt, das Tor zählt jedoch.

Artikel lesen