Sport

Chris DiDomenico war gegen Ambrì wiedermal der Held. Bild: KEYSTONE

Der «Desperado-Sturm» und das Warten auf den Eklat

Langnaus kanadischer Topskorer Chris DiDomenico hatte gegen Ambrì (2:1) bei beiden Treffern den Stock im Spiel. Trotzdem wird es noch vor dem Saisonende zum Ausländer-Eklat kommen.

29.01.17, 09:57 29.01.17, 11:16

Die SCL Tigers verdanken ihren Sieg über Ambrì (2:1) ihrem «Desperado-Sturm» mit Thomas Nüssli (34) und Chris DiDomenico (27). Der Appenzeller und der Kanadier haben in Langnau eine Karriere fortgesetzt, die nach einer Serie von Verletzungen schon beendet schien. Die beiden NHL-Drafts – Nüssli war 2002 die Nummer 277 (Vancouver) und Chris DiDomenico 2007 die Nummer 164 (Toronto) – verdienten kaum mehr Geld, aber die Leidenschaft brannte noch immer. Chris DiDomenico stürmte in der italienischen Operettenliga, Thomas Nüssli liess seine Karriere in der NLB bei Thurgau ausklingen.

Im Herbst 2013 waren die Kassen nach dem Abstieg leer und die Langnauer brauchten einen neuen Ausländer. Sie fanden mit Chris DiDomenico eine Billig-Lösung, die ein Lotto-Sechser geworden ist. Der Kanadier geniesst jetzt schon als Aufstiegsheld Kultstatus.

Thomas Nüssli (l.) und Chris DiDomenico funktionieren bei den SCL Tigers. Bild: KEYSTONE

Thomas Nüssli holte Sportchef Jörg Reber nach dem Aufstieg zurück nach Langnau – ein Transfer, der seinen Trainer-Irrtum mit Scott Beattie wieder kompensiert. Thomas Nüssli erzielte gegen Ambrì beide Treffer, beide auf Pass von Chris DiDomenico. Der Kanadier ist Topskorer, der Appenzeller der beste Torschütze des Teams (14 Tore). Beide haben Verträge bis Ende der nächsten Saison.

Das 1:1 war ein Kracher aus spitzem Winkel, den Gauthier Descloux (20) hätte halten müssen. Bitter für den sonst untadeligen, tapferen Goalie. Er wehrte 95,56 Prozent der Schüsse ab. Aber bei einer 1:2-Niederlage bedeutet ein haltbarer Treffer, dass die Hälfte der Tore vermeidbar war. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: Thomas Nüssli übt im Training und sucht im Spiel immer wieder den Abschluss aus diesem «unmöglichen» Winkel. «Manchmal kann ich den Torhüter so überraschen. Aber für einen wie Genoni ist so ein Schuss meistens eine leichte Beute …» Aber eben nicht immer. Auf Nachfrage versicherte Thomas Nüssli, er werde es auch im noch ausstehenden Heimspiel gegen den SCB ab und zu aus diesem Winkel versuchen.

Thomas Nüssli weiss, wie man sich durchsetzen muss. Bild: KEYSTONE

DiDomenico seit 23 Spielen ohne Tor

Inzwischen hat Chris DiDomenico seit 23 Spielen nicht mehr ins Netz getroffen. Trotzdem hält Trainer Heinz Ehlers an ihm fest. Zu Recht, wie sich gegen Ambrì gezeigt hat. Der Däne provoziert damit den Eklat. Denn nun hat er zweimal hintereinander Rob Schremp (31) auf die Tribüne geschickt und auf den vier Ausländerpositionen Ville Koistinen, Eero Elo, Chris DiDomenico und Maxime Macenauer eingesetzt.

Rob Schremp: Zweimal in Serie auf der Tribüne: Der Eklat ist vorprogrammiert. Bild: PPR

Diese Zurücksetzung wird der amerikanische Schillerfalter nicht einfach so hinnehmen. Hat Sportchef Jörg Reber Glück, bleibt Rob Schrempf, Langnaus talentiertester Ausländer, bis zum Ablauf des Vertrages Ende Saison. Hat er Pech, kommt es vorher zum Eklat – und dann wird er den eigenwilligen Mittelstürmer im Interesse des Friedens in der Kabine von weiteren Einsätzen entpflichten müssen.

So sahen Goalie-Masken früher aus

Unvergessene Eishockey-Geschichten

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

02.05.2000: In St. Petersburg schreibt ein SMS Hockeygeschichte

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7Alle Kommentare anzeigen
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Leuenberger 30.01.2017 05:53
    Highlight Bald können die Top 3 beginnen zu taktieren. Durch absichtlich eingestreute Niederlagen, kann der Viertelfinal-Gegner ausgewählt werden. Bern z.B. spielt sicher lieber gegen Genf als gegen Lugano oder Langnau, also wird man versuchen 2. zu werden. Der Z wäre mit Biel gut bedient, also wird man 3.
    7 12 Melden
    • MARC AUREL 30.01.2017 19:52
      Highlight Ach Leuenberger ich glaube kaum das Bern gegen die Langnuller angst hat! Hatten wir doch schon mal PO Bern gegen SCL und was kam raus??? 4:0
      3 7 Melden
  • Toastbrot 29.01.2017 19:32
    Highlight Nun fehlt noch die Story aus Olten mit Bengt und Jakob.
    15 1 Melden
  • Hallo22 29.01.2017 12:07
    Highlight Kenne kaum eine so eigensinnige Diva wie sie dieser Rob Schremp ist. Obwohl er sehr talentierte ist und darüber hinaus über Gardemasse verfügt bringt er ein Team in der Schweiz nicht weiter (EVZ, SCL Tigers). Meiner Meinung nach muss Langnau in gar nicht halten. Der steht sich und seinem Team nur selbst im Weg....
    17 13 Melden
    • lululove 29.01.2017 13:30
      Highlight Gardemasse?
      9 2 Melden
    • Eingestein 29.01.2017 14:59
      Highlight Kaum ist der Ligaerhalt geschafft, steigen schon die Ansprüche, zuerst mal bei den Ausländern.
      Und der Chläusu, der weiss genau wenn was zu schreiben ist. einfach genial.
      5 12 Melden
    • Hallo22 29.01.2017 15:29
      Highlight Er ist zwar nicht gross, aber 91 kg sind denke ich ein ordentliches Gewicht dass man sich im Eishockey zunutzen machen sollte...
      8 2 Melden

Eine der grössten Hockey-Karrieren ist zu Ende: Martin Gerber hört auf

Stell dir vor, einer der grössten Schweizer Spieler aller Zeiten beendet seine Karriere und niemand merkt es. Genau das ist passiert. Martin Gerber verlässt Kloten definitiv und beendet seine Karriere.

Er quält sich gerade durch einen Verkehrsstau in der Stadt Zürich und sagt, er rufe zurück, wenn er da endlich rausgekommen sei. Eine Momentaufnahme mit Symbolcharakter. Martin Gerber verlässt Kloten, verlässt den Grossraum Zürich. Der Hockey-Weltreisende hat genug vom Verkehrsdichte-Stress.

Er gibt auch seinen Zweitwohnsitz in Zug auf zieht sich in seine Heimat Langnau zurück. Dort hat er an bester Lage beim idyllischen «Äntelipark» (Park der Enten) im Dorf längst ein wunderbares altes …

Artikel lesen