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Dino Wieser: Er kann mit Davos bereits zum fünften Mal Meister werden.  Bild: KEYSTONE

Der «Hockey-Rockstar» in seiner Lieblingsrolle – Davos kann Meister werden

Er hat bei einem hochriskanten Goalie-Poker alles riskiert – und nun kann er alles gewinnen. HCD-Trainer Arno Del Curto in seiner besten Rolle.

20.03.17, 09:35 20.03.17, 17:32

Es kommt auch im Eishockey meistens anders als erwartet. Vor der Saison hat ein Kumpel HCD-Trainer Arno Del Curto per SMS wissen lassen, dass es nicht gut komme und die Playoff-Qualifikation, ja der Liga-Erhalt in Gefahr sei. Weil Torhüter Gilles Senn an Nando Wieser mahne.

Nando Wieser? Ja, richtig: Nando Wieser stand im Finale von 1998 im HCD-Tor. Seine Fehlgriffe wiesen den Zuger den Weg zum bisher einzigen Titel. Er wurde gar als «Fliegenfängers» geschmäht – zu Unrecht. Er ist bloss für diese Finalserie in die Geschichte eingegangen – und nicht als erster Goalie, der den HCD nach dem Wiederaufstieg ins Final gebracht hatte.

Nando Wieser hexte Davos 1998 ins Finale. Bild: KEYSTONE

Schon damals stand Arno Del Curto an der HCD-Bande. Er weiss sehr wohl um die Sensibilität und die Bedeutung der «letzten Männer» in diesem Spiel.

Gilles Senn wie Nando Wieser? Kein Schelm, wer vor der Saison so dachte und so fragte. Ja, die ganze Saison liess sich im letzten Herbst auf eine einzige Frage reduzieren: wie gut sind die beiden jungen HCD-Goalies?

Del Curto und die Goalie-Experimente

Arno Del Curto hatte in der Vergangenheit schon zweimal mit hochriskanten Torhüter-Experimenten durchschlagenden Erfolg erzielt. Im Frühjahr 2005 hexte Jonas Hiller, zuvor in Lausanne nicht einmal die Nummer 1, den HCD gleich zur Meisterschaft.

Jonas Hiller: vom Nobody zum Meistergoalie. Bild: PHOTOPRESS

Im Sommer 2007 legte Arno Del Curto das HCD-Schicksal in die Fanghandschuhe von zwei 20-jähirgen «Nobodies», die noch nie zuvor in der NLA die Nummer 1 waren: Leonardo Genoni und Reto Berra. Im Frühjahr 2009 waren beide Meister. Und nun also der grosse Goalie-Poker mit Gilles Senn (21) und Joren van Pottelberghe (19).

Erneut hat Arno Del Curto auf Anraten von Marcel Kull alles auf «namenlose» Torhüter gesetzt, die in der höchsten Liga noch nie eine Rolle gespielt haben. Marcel Kull ist einer der meistunterschätzten Männer der Liga. Der erfolgreichste Torhütertrainer im Land. Der «Macher» von Jonas Hiller, Reto Berra, Leonardo Genoni – und nun Gilles Senn.

Gilles Senn ist in Davos zur Nummer 1 gereift. Bild: KEYSTONE

Die Rechnung ist aufgegangen. Gilles Senn hat sich zur Nummer 1 entwickelt, ist im Februar Nationaltorhüter geworden und war beim Viertelfinal-Sieg gegen Lausanne ein wichtiger Faktor. Der Playoff-Frischling war auch statistisch (Fangquote 91,74 Prozent) besser als der Playoff-Veteran und Stanley-Cup-Held Cristobal Huet (90,85 Prozent), der schon mehr Playoff-Partien bestritten hat als Gilles Senn NLA-Spiele. Mit Lausanne (154:139 Tore in der Qualifikation) kippte Davos im Viertelfinale ein offensiv wesentlich stärkeres Team aus den Playoffs als Zug mit Servette (135:140).

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Als Besonderheit hat Arno Del Curto seinem Torhüter diese Saison ein absolutes Interviewverbot auferlegt um ihn vor jeder Ablenkung zu bewahren – so hat er das in der Vergangenheit auch bei Senns Vorgänger gemacht und sagt: «Das ziehen wir bis Saisonende durch.» Der sanfte Riese Gilles Senn (195 cm) mahnt inzwischen sogar ein wenig an Zugs Tobias Stephan (192 cm).

Wieder ist also ein riskantes Goalie-Experiment geglückt. Und Arno Del Curto hat nun seinem Kumpel eine SMS zukommen lassen. «Halbfinale erreicht – sind in Abstiegsgefahr».

Davos ist in der Aussenseiterrolle

Kein Wunder also sitzt der eigenwillige Feuerkopf entspannt am Gartentisch und blinzelt in die Sonne. Wir erleben ihn gerade in seiner besten Rolle: Nun ist er tatsächlich Aussenseiter. So sieht er sich zwar immer seit er 1996 beim HCD Bandengeneral geworden ist. Aber jetzt ist er es gegen Zug tatsächlich - und wenn er ins Finale kommt auch dort. Also muss er nicht, wie sonst, die Aussenseiterrolle vorspielen. Er kann sie leben.

Arno Del Curto mag die Aussenseiterrolle. Bild: KEYSTONE

Er hat sich intensiv mit den Stärken und Schwächen der Zuger auseinandergesetzt. Oder besser: eigentlich nur mit den Stärken. Er pflegt stets den Gegner starkzureden. Und schildert in lebhaften Worten beispielsweise gestenreich die Qualität des Zuger Powerplays. Tatsächlich hatte der EVZ in den Viertelfinals das beste Überzahlspiel (24,24 % Erfolgsquote).

Dagegen setzt Arno Del Curto nun die Stabilität seines Unterzahlspiels. Es ist das beste der Viertelfinals – und mit Daniel Rahimi (diese Saison 48 Spiele, null Tore, vier Assists) steht ihm der beste Box-Play-Spieler der Liga zur Verfügung. Der schwedische Defensiv-Verteidiger hat diese Saison fast 115 Minuten in Unterzahl verteidigt und dabei nur vier Gegentreffer kassiert – den letzten Anfang Januar.

Daniel Rahimis Stärken liegen in der Defensive. Bild: KEYSTONE

Hinten dichthalten und die gegnerische Abwehr sturmreif laufen. So spektakulär einfach und wirkungsvoll ist die HCD-Strategie. Sorgen macht Arno Del Curto eigentlich nur die fehlende Effizienz. Die Laufkilometer werden zu wenig in Tore umgemünzt.

Arno Del Curto, der Hockey-Rockstar

Aber das Wort «Sorgen» ist falsch. Arno Del Curto mahnt mit seiner Energie, seinem Charisma und seinem Nonkonformismus mehr denn je an einen Hockey-Rockstar. Als Nonkonformismus bezeichnen wir eine persönliche Haltung oder eine Philosophie, die nicht mit den allgemein anerkannten Ansichten, der gültigen Etikette, dem vorherrschenden Lebensstil oder dem kulturellen Mainstream stehen.

Arno Del Curto lebt Hockey. Wenn er über seine Mannschaft spricht, in lebhaften Gesten die Spielweise erklärt, Chancen und Risiken abwägt, dann personifiziert er die Lust, die Freude an diesem Spiel als stehe er vor den ersten Playoffs seiner Karriere. Dabei hat er in den letzten Tagen die 43. Playoffserie vorbereitet.

Harold Kreis, der Pragmatiker

Was den Reiz dieser Halbfinalserie erhöht. Auf der anderen Seite steht Harold Kreis (58) an der Bande. Auch er ist bereits eine Legende, auch er besessen von diesem Sport. Der deutsch-kanadische Doppelbürger personifiziert einen anderen, ja einen gegensätzlichen Führungsstil.

Harold Kreist ist das Gegenteil von Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Wenn wir Arno Del Curto als «Hockey-Rockstar» bezeichnen, dann ist Harold Kreis der Manager und Buchhalter einer Rockband. Der Pragmatiker, der dafür schaut, dass beim Konzert alles tipptopp organisiert ist, die Instrumente auf der Bühne exakt an ihrem Platz stehen und die Soundanlage funktioniert.

Harold Kreis, der Hockey-Konformist, würde kein Torhüter-Experiment eingehen wie Arno Del Curto. Die jungen Spieler, die Arno Del Curto fordert und fördert, würden bei ihm nicht zum Zuge kommen. Er verwaltet clever das ihm anvertraute Talent. Ein Beruhiger, der schwierige Situationen kraft seiner Gelassenheit und Selbstironie ordnet und in Lugano (2006) und in Zürich (2008) auf seine Weise auch zwei Titel geholt hat.

Zug oder Davos im Finale? Wäre ich bei der Beurteilung in allen Hockeydingen nicht so sachlich, vorurteilslos, unvoreingenommen, unbefangen, nüchtern, unparteiisch, unbeeinflussbar, unverblendet, gerecht, frei von Emotionen, objektiv und neutral, dann würde ich auf den HCD wetten. Kommt Davos ins Finale, ist gar der Titel möglich.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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21
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  • Christof1978 20.03.2017 14:19
    Highlight Wieder mal eines der Zaugg-Loblieder auf AdC. Auch wenn ich Davos-Sympathisant bin - irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Klaus ein kleines bisschen in Arno verliebt ist ;-)
    72 8 Melden
    • Eingestein 20.03.2017 15:00
      Highlight Der Chlöisu und der Arno, ja die haben sich im Murmeli-Garte kennen gelernt. seit dem essen die immer Nusstorte zusammen, lecker....
      42 11 Melden
    • Clark Kent 20.03.2017 16:08
      Highlight so holt man sich eine vip-einladung an den murmeli-cup.
      38 24 Melden
  • egemek 20.03.2017 13:29
    Highlight Natürlich kann Davos Meister werden... Bern, Zug und Lugano jedoch auch...

    Für mich sind der HCD und der SCB zu favorisieren in den HFs.
    64 13 Melden
    • Mia_san_mia 20.03.2017 17:20
      Highlight Sehe ich auch so...
      12 10 Melden
  • Danyboy 20.03.2017 12:39
    Highlight Danke KZ, doch noch mal ein Artikel zu etwas anderem 😉 Ich glaube aber, dass der HCD der klare Favorit ist in dieser Serie, auch wenn mein EVZ nicht chancenlos ist. Spielweise, Playofferfahrung, Trainer: Der HCD liegt dem EVZ nicht. Und gerade in der Goaliefrage ist und war AdC immer schon ein grosser Zampano.
    69 4 Melden
    • Eingestein 20.03.2017 21:59
      Highlight Ja he Danyboy, Die Fakten die du nimmst um den HCD zum Favoriten zu stempeln finde ich nicht grad überwältigend. Erinnerst du dich an die Quali!
      Die haben sich mit Ausländer verstärkt, und haben ein wenig Vorschritt gemacht. Die Torhüter Senn und co. Können an einem Tag über sich hinauswachsen. Sonst sind die für mich immer noch ein unbeschriebenes Blatt. mal schauen gel....
      3 5 Melden
    • Pajassfan 21.03.2017 09:50
      Highlight @Eingestein: HÄ??
      2 1 Melden
  • Hallo22 20.03.2017 12:38
    Highlight Ach Chlöisu mach doch Davos nicht stärker als Sie sind 😉 Zug wird diese ineffiziente Murmelis legendär hinwegfegen. Freue mich schon auf die Auswärtsspiele in den Bergen. Noch 8 bis zum 🔵⚪🔵🏆
    47 113 Melden
    • Staal 20.03.2017 15:08
      Highlight Dann träum noch gefühlte 1000 Jahre bis das Looserteam aus dem Briefkasten Ghetto einmal zum Winnerteam wird ;-)
      57 47 Melden
    • mukeleven 20.03.2017 16:30
      Highlight davos wird euch stürzen, tikk - legendär, wir du sagst! 🤙
      27 15 Melden
    • zsalizäme 20.03.2017 16:54
      Highlight @Staal *Loserteam
      18 3 Melden
    • elbrujo_ 20.03.2017 19:44
      Highlight genialer troll 👌
      11 3 Melden
  • Herr Berger 20.03.2017 11:55
    Highlight Herr Zaugg! Sie schreiben kaum noch über den grossen SCB. Immer nur Z, Murmelis und Rappi. Schade
    32 94 Melden
  • Eteokles81 20.03.2017 09:53
    Highlight Kommt Davos ins Finale ist gar der Titel möglich.

    No shit, Sherlock?
    :D Ernsthaft, ich hab mich schlappgelacht.
    153 14 Melden
    • Martinov 20.03.2017 10:42
      Highlight Ich bin mir nicht sicher, aber wenn sie nicht ins Finale kommen, ist der Titel nicht möglich?

      Bitte Korrigier mich Eteokles wenn mit meiner gewagten Aussage Daneben liege :D
      107 7 Melden
    • Papa la Papp 20.03.2017 11:52
      Highlight Ich wage mich nun gaaaanz weit aus dem Fenster und erwäge zu denken: wenn Davos ins Finale kommt, ist ein Abstieg praktisch unmöglich!
      131 4 Melden
    • Hayek1902 20.03.2017 14:43
      Highlight Ich sage folgendes: Die zwei Teams, die den HF gewinnen, werden den Titel unter sich ausmachen. Meine Favoriten sind der HCD, SCB, HCL und EVZ. Mit dem Abstieg wird aber keines dieser Teams zu tun haben. Am Ende wird das Team Meister, das es schafft, in zwei Serien 4 mal zu gewinnen. Die Tagesform, das Talent und der Teamspirit werden entscheidend sein, aber auch die Einstimmung durch die Bandengeneräle. Am wichtigsten sind aber die Torhüter, Verteidigungsminister und die Schillerfallter. Watson, ich werde gerne auch Autor für 50 pro Artikel plus Spesen (Ticket + ca. 2l Bier, GA vorhanden).
      106 5 Melden
    • zsalizäme 20.03.2017 16:56
      Highlight @Hayek1902 Du lehnst dich zu weit aus dem Fenster. Deine Aussagen sind zu gewagt und zeugen nicht gerade von Hockeyfachwissen. Das mögen die bei Watson nicht.
      40 3 Melden
    • Schlumpfinchen 21.03.2017 04:52
      Highlight Das liest sich ja wie ein Horoskop hier :D
      8 1 Melden
    • Pajassfan 21.03.2017 09:52
      Highlight Einschub: Lars Leuenberger kann auch Meister werden, wenn er im Halbfinal rausfliegt.
      8 0 Melden

«Eishockey aktuell» – SRF lanciert neues Eishockeymagazin

Das Schweizer Fernsehen SRF erweitert die Eishockey-Berichterstattung um eine neue Sendung. Ab der neuen Saison berichtet das Magazin «Eishockey aktuell» über alle Spiele und alle Tore einer Runde.

Die Sendung wird während der Qualifikation an Werktagen mit vier oder mehr National-League-Spielen ausgestrahlt. Die Sendedauer soll jeweils 30 bis 40 Minuten betragen. Bei Wochenendrunden berichten «Sportaktuell» und «Sportpanorama» wie gewohnt über die Spiele im Schweizer Eishockey.

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