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Interessiert lauschen die Spieler von Gottéron den Worten von Trainer Gerd Zenhäusern. Bild: KEYSTONE

Vieles ist neu bei Gottéron: Zeigt der Drache sein wahres Gesicht?

Fribourg-Gottéron ist wieder eine Traumfabrik geworden. Sogar der Playoff-Final kann in der kommenden Saison nicht ausgeschlossen werden.

31.08.16, 14:33

Vier Mal stand Gottéron bisher im Final und wurde doch nie Meister. Drei Mal während der «russischen Flugjahre» (1992, 1993, 1994) und 2013.

Der Kater nach der Finalparty von 2013 war gross. Gottéron wurde «uncoachbar». Eine überalterte Mannschaft und zu viele Spieler mutierten zu «fetten Katzen». Zu gut bezahlt, zu wenig bissig, zum meisterlichen Mausen zu faul. Auch Trainer Hans Kossmann vermochte sie nicht mehr aus der Komfortzone zu scheuchen und verlor seinen Job.

Grosse Enttäuschung: Unter Trainer Hans Kossmann musste Fribourg 2014 in die Playouts. Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus

Nun hat Sportchef Christian Dubé bei Gottéron die Mannschaft umgebaut und dabei wahrlich am grossen Rad gedreht: Mit Kultstürmer Beni Plüss nicht mehr verlängert, Captain Julien Sprunger zu einer Lohnreduktion überredet, zwei hochkarätige neue Ausländer geholt (Cervenka und Ritola), die Lotter-Abwehr mit vier gestandenen Verteidigern stabilisiert (Kienzle, Chavaillaz, Stalder und Leeger). Mehr ist nicht möglich. Ein neues Gottéron beginnt die Saison 2016/17.

Gottéron-Sportchef Christian Dubé hat gute Arbeit geleistet. Bild: KEYSTONE

Vor einem Jahr startete Gottéron mit acht Siegen in die Saison. Das wahre Gottéron? Nein. Kurz darauf gingen elf Spiele hintereinander verloren. Das wahre Gottéron? Auch nicht. Nun muss uns die neue Saison zeigen, ob das neue Gottéron das wahre Gottéron ist. Eine Saison der Wahrheit also.

Eines ist gleich wie in den Finaljahren 1992, 1993, 1994 und 2013: der Goalie ist einer der talentiertesten und mental zerbrechlichsten der Liga – einst war es Dino Stecher, jetzt ist es Benjamin Conz. Zu Gottérons Kultur gehören halt hochtalentierte, aber mental zerbrechliche Goalies.

Sehr talentiert, aber mental zerbrechlich: Fribourgs Goalie Benjamin Conz. Bild: KEYSTONE

In der Defensive hat Dubé nachgerüstet. Die Namen Kienzle, Chavaillaz, Stalder und Leeger mögen zu wenig Klang für Schlagzeilen haben, aber jeder der neuen Verteidiger kann bedenkenlos 18 Minuten pro Abend eingesetzt werden. So gut besetzt war Gottérons Abwehr nicht einmal in den ruhmreichen 1990er Jahren. Möglicherweise ist das fehlende letzte Teilchen zu einem Meister-Puzzle ein zweiter Offensiv-Verteidiger neben Yannick Rathgeb. Tja, wenn man Romain Loeffel (heute Servette) noch hätte …

Romain Loeffel spielt seit drei Jahren für Genève-Servette. Bild: freshfocus

Der Sportchef hat zudem die offensive Feuerkraft erhöht. Inzwischen haben acht Stürmer das Potenzial für mehr als 30 Punkte (Ritola, Cervenka, Sprunger, Bykow, Pouliot, Mauldin, Mottet und Gustafsson) und zwei ausländische Stürmer könnten sogar NLA-Topskorer werden (Cervenka und Ritola). Aber die Mittelachse (Bykow, Gustafsson) bleibt zerbrechlicher als jene der Titanen aus Zürich und Bern. Deshalb steht Gottéron auf dünnerem Eis.

Was ist neu bei Fribourg?

Die Schlüsselspieler bei Fribourg-Gottéron

Die bange Frage:

Spielen Andrej Bykow, Anton Gustafsson und Benjamin Conz ihr bestes Hockey?

Transferbilanz:

Positiv

Jobsicherheit des Trainers:

Ziemlich hoch

Prognose: 6. Platz

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  • espe 06.09.2016 13:30
    Highlight Die Auftritte in der CHL lassen bei mir etwas Hoffnung aufkommen. Eine spielstarke Offensive und eine solide Defensive vermochten in den drei gewonnenen Spielen zu brillieren. Mit Saikkonen hat man auch hinter Conz Talent.
    Als Gotteron-Fan kann man da aber leider nicht vorsichtig genug sein. Hoffen wir mal das Beste :)
    Auf eine spannende Eishockey-Saison!
    6 0 Melden
  • Kwyjibo 04.09.2016 11:53
    Highlight @ Klausi: Danke für diese spannenden Teamvorstellungen!
    Mal schauen wie sich Gottéron entwickelt. Zuerst gilt es in die Playoffs zu kommen - danach ist das Ziel erreicht und man kann weiterschauen. Aber schon die Playoffqualifikation wird nicht einfach, da alle Mannschaften besser geworden sind. On verra :-)
    2 0 Melden
  • Saasi 31.08.2016 18:46
    Highlight Gottéron wird diese Saison locker in die Top 6 kommen.
    Sind aus meiner Sicht einiges besser als letzte Saison. Habe ketzt drei Testspiele gesehen, ja bin Gottéron Fan....., spielen solider. Man wird es sehen!
    21 12 Melden
  • plaga versus 31.08.2016 17:35
    Highlight Löffel ist ein alter Schuh... Kamerzin hätte gehalten werden müssen. Aber ich bin gespannt auf die neue Auflage.
    17 2 Melden
    • Patrick Strahm 31.08.2016 21:06
      Highlight Kamerzin will Meister werden......Gruss aus Bern...;) ;) ;)
      10 33 Melden
    • Pascal Mona 01.09.2016 14:04
      Highlight Kamerzin war nach seiner Hirnerschütterung leider nicht mehr derselbe wie vorher, kann auch sein dass er einfach bereits mit dem Kopf nicht mehr 100 % bei Gotteron war. Was ich bisher von Stalder/Leeger gesehen habe, machen die beiden diesen "Verlust" weg. Der Spielstarke Verteidiger welcher dann auch mal das Powerplay richtig organisieren könnte (welcher Gotteron fehlt; resp. dies hoffentlich Rathgeb noch besser machen kann) ist und war Kamerzin nie. Könnte ich wählen, würde ich auch lieber Löffel wieder bei uns sehen (obwohl ich den Tausch zum damaligen Zeitpunkt absolut verstanden habe).
      8 0 Melden

Der Welsche, der arbeiten kann – Gaëtan Haas ist bereits besser als Martin Plüss

Gaëtan Haas ist der überragende Schweizer Spieler der laufenden NL-Saison. Captain und Leitwolf Martin Plüss ist beim SC Bern schon vergessen.

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Haas zügelte bekanntlich nicht nach Davos hinauf. Er wohnt nach wie vor in Biel und stürmt jetzt für den SC Bern – und ist …

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