Sport

Im Playoff-Final Mentalcoach des EV Zug: Saul Miller. Bild: KEYSTONE

Was kann der neue Hexenmeister der Hockey-Nati bewirken?

Vor einer WM beschäftigen wir uns in erster Linie mit dem Potenzial der Spieler. Vor Paris 2017 ist es jedoch noch interessanter, sich mit dem «Motivations-Hexenmeister» Saul Miller zu beschäftigen.

20.04.17, 17:24 25.04.17, 10:49

Berater, Motivationskünstler, Mentaltrainer und Ratgeber gibt es heute im Sportbusiness wie Sand am Meer. Wenn einer aus diesem unübersehbaren Heer herausragt, dann muss er schon eine grosse Nummer sein.

Dr. Saul L. Miller ist in der Tat eine grosse Nummer. Zu seinen Auftraggebern gehörten oder gehören Firmen wie VISA, Nike oder Sony. Im Sport die New York Mets, die Seattle Mariners, die Dodgers, die Rams, die Clippers und die Kings in Los Angeles, die Vancouver Canucks, die Florida Panthers, die Nashville Predators, die St.Louis Blues, amerikanische und kanadische Olympiateilnehmer, Politiker und Manager. Auf seiner Website prangt inzwischen auch das Logo des Schweizer Meisters SC Bern.

Bücher mit Erkenntnis- und Unterhaltungswert

Miller hat mehrere Bücher über Sportpsychologie geschrieben. Typische amerikanische Ratgeber, die vermeintlich Banales in grosse Zusammenhänge stellen und gerade deshalb zum Lichte der Erkenntnis führen können. Titel wie «Performing under Pressure», «The Complete Player – the Psychology of Winning Hockey», «Hockey Tough – A winning mental Game» oder «Why Teams Win – Keys to Success in Business, Sport and Beyond». Diese Bücher lesen sich leicht und haben auch einen gewissen Erkenntnis- und Unterhaltungswert.

Miller im TV-Interview: «Auch das Gehirn trainieren, nicht nur die Muskeln». Video: YouTube/The Rush on Shaw TV

Saul L. Miller ist einst über seinen Freund Larry Huras in die Schweiz gekommen und hat ganz offensichtlich Gefallen an unserer Sportkultur gefunden. Längst muss er nichts mehr beweisen und unübersehbar steht für ihn der Spass an einer Aufgabe im Mittelpunkt.

Hockey-Nati erfüllt Bubenträume

Inzwischen kennt er durch seine Beratertätigkeit in Lugano, Bern und Zug die meisten Nationalspieler. Der freundliche ältere Herr mit einer gesunden Portion Eitelkeit ist ein überaus angenehmer Zeitgenosse, der sich nicht in den Vordergrund drängt und im Klub eher umgeht wie ein geheimnisvoller Magier.

Seine Freude, nun mit unserer Nationalmannschaft nebst zwei WM-Turnieren (2017, 2018) auch noch das Olympische Turnier an «vorderster Front» zu erleben, ist gross. Nach einer grossen Karriere jetzt noch die Erfüllung eines Bubentraumes. Olympische Spiele haben bei Nordamerikanern noch eine viel grössere, beinahe spirituelle Bedeutung.

Eines der vielen Bücher des Sportpsychologen. bild: amazon

«Ich bin ein aussergewöhnlicher Hockey-Spieler»

Was kann dieser «Hexenmeister» der Sportpsychologie bewirken? Wir sollten die Wirkung von «Motivations-Voodoo» im Eishockey nicht überschätzen – aber eben auch nicht überschätzen.

Hier als Beispiel von Millers Motivations-Konzept das «power statement» eines NHL-Stars auf dem Weg zum Stanley Cup. Englisch ist die Sprache des Eishockeys. Deshalb lassen wir das so in der Originalsprache stehen:

Wenn unsere WM-Spieler jede dieser Aussagen fleissig wiederholen, sich einprägen, zu Herzen nehmen, in die Seele einsickern lassen, dann werden sie weit über sich hinauswachsen und in Paris WM-Helden werden.

Und wenn nicht? Dann singen wir mit Mireille Mathieu:

Unser Eismeister erinnert sich an den «Spatz von Avignon». Video: YouTube/fritz51162

Ganz Paris ist ein Theater
und das spielt bei Tag und Nacht!
Und genau wie in jedem Theater
wird geweint und gelacht.
Ganz Paris ist ein Theater
und das Stück heisst «C'est la vie!»

Es wird weitergehn
immer weitergehn
irgendwann und irgendwie!
Mag auch viel geschehn
es wird weitergehn
in Paris
da fällt der Vorhang nie!

«Glaube an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich»

Nationaltrainer Patrick Fischer hat einst als Spieler unter Ralph Krueger erlebt, welche Wirkung «weiche Faktoren», «Motivations-Voodoo», haben können. Das SMS, das Ralph Krueger 2000 bei der WM vor dem Spiel gegen Russland (das die Schweizer unbedingt gewinnen mussten) seinen Jungs schickte, ist geradezu legendär. Die Schweizer besiegten die Russen in St.Petersburg 3:2 und verbannten sie in die Abstiegsrunde.

Heute mag man über eine SMS-Botschaft lächeln – doch zu Beginn unseres Jahrhunderts war das noch grosses High-Tech-Motivations-Kino.

Und nun also Saul L. Miller. So oder so wird er ein Farbtupfer der WM- und Olympia-Expedition sein und den Unterhaltungswert mehren.

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Catloveeer, 19.12.2016
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  • Legume 21.04.2017 06:36
    Highlight ob business oder sport, wer ganz hoch hinaus will, gehts ohne mentalcoach nicht mehr. da nützt auch schönstes talent nichts mehr.
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  • Pajassfan 20.04.2017 23:17
    Highlight Also ich geh mit Mirej Matjö.
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  • whatthepuck 20.04.2017 22:38
    Highlight Einreden kann man sich viel, bis man merkt, dass die Stocktechnik und das Stellungsspiel nicht mehr mit dem Motivationssprüchli mithalten können. Deswegen haben auch nur immer Superstars Erfolg mit diesen Gurus, da nur sie das für den Erfolg nötige Talent mitbringen. Irrtümlicherweise wird das dann zur Werbung für diese Gurus verwendet, denn wenn man ja sogar die allerbesten Sportler noch besser machen kann, dann wird man den Normalo doch erst recht besser machen können. Oder?

    In unserer Nati werden deshalb kaum bald nur noch Crosbys und Malkins spielen.
    9 17 Melden
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  • Hallo22 20.04.2017 22:33
    Highlight Zug hat er auf jedenfall weiter gebracht. Nebenbei es ist jetzt klar warum McIntyre im Finale keinen grossen Einfluss mehr aufs Spiel hatte. Am Saisonabschluss wurde heute kommuniziert das er heute operiert wurde...
    14 8 Melden
    • stubi 21.04.2017 08:51
      Highlight Weiter gebracht ? den Final sang und klanglos verloren.

      Ein Mentaltrainer bringt einem Club mehr als der Nationalmannschaft.

      Oder ist der Guru für die Angestellten inkl. Trainer von Swiss Ice Hockey.


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    • Hallo22 21.04.2017 17:37
      Highlight Immerhin haben wir in den Playoffs den SCB 2 mal geschlagen dass kann kein anderes Team von sich behaupten. Ausserdem waren Diaz und Holden angeschlagen. Und McIntyre spielte obwohl er verletzt war weiter.
      2 1 Melden
    • MARC AUREL 22.04.2017 08:08
      Highlight Ja stimmt aber Bern hätte auch die Serie 4:0 beenden können da sie Spiel 3 unnötig verloren hatten obwohl sie das Spiel klar kontrollierten und nur wegen ein Goaliefehler aus der Hand gaben. Zu überlegen war Bern. Sie konnten immer ein Gang hochschalten wenn nötig. Eines der langweiligsten Playofffinals die ich je erlebt habe. Nur dank die 2 Zuger Siege wurde es etwas spannend.
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  • el_bengalo 20.04.2017 19:52
    Highlight Familie Buchli und ein Hexenmeister: geballte Hockeykompetenz!
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  • c_meier 20.04.2017 19:49
    Highlight So ein Sportmentalheini ist doch für den Eismeister das Geschenk des Himmels, das ergibt während dem Turnier und im Vorfeld mindestens 4-5 Artikel wo man über die Wirkung/Nichtwirkung/Ursachen bei einem Scheitern usw seitenlange Berichte schreiben kann :)
    Ich hoffe nur der Nati-Bus fährt ab und zu in Langnau vorbei zum Abholen :)
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    • Grigor 20.04.2017 21:08
      Highlight Mentalheini? Das auf dem allerhöchsten Niveau, wo alle sehr gute technische Fähigkeiten mitbringen, die mentale Verfassung über Sieg oder Niederlage entscheiden, dürfte wohl jedem klar sein.
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  • sdv520 20.04.2017 18:45
    Highlight keine ahnung was dieser artikel soll. sportpsychologen mögen einzelne spieler vielleicht weiterbringen, aber solche verallgemeinende sätze wie hier gelesen, egal ob per sms oder whatsapp, sind unterstes bücherregal niveau. egal ob es um sport, finanzen oder liebe geht, hört sich alles gleich an
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  • Coffey 20.04.2017 17:57
    Highlight Antwort: gar nichts.
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