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Resignation bei Schelling Guggisberg und Obrist: Ihr Team droht zum zweiten Mal in Folge die Playoffs zu verpassen.
Bild: KEYSTONE

Zum Abschluss zweimal gegen Langnau: Rettet der skandalöse Spielplan die Flyers?

Die Kloten Flyers stecken in der seltsamsten Krise der Neuzeit. Eine Krise, die sich irgendwie anfühlt wie Sex ohne Körperkontakt.

13.01.16, 13:41 13.01.16, 18:49

Einer der teuersten Mannschaften der Liga droht zum zweiten Mal hintereinander die Abstiegsrunde. Die Kloten Flyers haben sechs der letzten sieben Partien verloren. Eine solche Situation wäre noch vor drei Jahren Ursache heftiger Kritik und kerniger Polemik gewesen.

Aber in Kloten ist es seltsam windstill. Eine Krise, die für so viel Aufregung sorgen könnte, weckt keine Emotionen. Wie zuletzt die Krisen der Lakers.

Was wäre das für ein Geschrei, wenn noch Tomas Tamfal oder Felix Hollenstein an der Bande stehen würden! Beide mussten gehen, als sie noch auf Playoffplätzen standen. Sean Simpson hingegen, der die Mannschaft schon letzte Saison in der Abstiegsrunde versenkt hat, steht ausserhalb der Kritik. Wer mag denn schon gegen den WM-Silberschmied von 2013, gegen den Sieger der Champions League und den Triumphator über die Chicago Black Hawks polemisieren?

Bieber, Leone und ihre Flyers haben kaum Grund zu jubeln.
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Dass er seit dem Titel mit Zug (1998) in neun Saisons in den höchsten Spielklasse die Erwartungen weder in Zug noch bei den ZSC Lions und zuletzt in Jaroslawl und in Kloten erfüllt hat, wird aus Höflichkeit verschwiegen. Denn es wäre fatal, auf diese Statistik hinzuweisen. Wir kämen dann nicht mehr darum herum, in Kloten von einem echten Trainerproblem zu sprechen.

Ausreden hat Sean Simpson eigentlich keine mehr. Anders als etwa der «Krisengenosse» SC Bern können die Kloten Flyers nicht einmal ausserordentliches Verletzungspech als Entschuldigung vorbringen. Sean Simpson kann sich auch nicht über das ausländische Personal beklagen.

Torhüter Gerber ist in guter Verfassung.
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Ausser Tommi Santala hat er als Sportchef die Ausländer ja selber rekrutiert. Dass der Finne der Beste ist, spricht nicht für den Sportchef. Ja, im Unterschied zum SC Bern hat Kloten nicht einmal ein Torhüterproblem. Martin Gerber ist noch bei weitem gut genug um die Playoffs zu erreichen. Zuletzt hat er gegen die ZSC Lions beim 1:2 sogar gehext wie in seinen besten Zeiten.

Kloten hinterlässt eigentlich nie einen desolaten Eindruck und spielt nicht ausser Rand und Band wie ein Krisenteam. Ein neutraler Beobachter stuft die Mannschaft nach dem 1:2 im Hallenstadion gar als Spitzenteam ein. Und denkt: Wenn die sich für die Playoffs qualifizieren, dann können die weit kommen. Seit dem 4:7 im Startspiel gegen Biel und beim anschliessenden 3:6 in Fribourg hat die Mannschaft nur noch zweimal mit mehr als zwei Toren Differenz verloren.

Den Kloten Flyers fehlt im Grunde nur die Konstanz. Will heissen: Zu oft geben sie Spiele in ein paar Minuten aus der Hand, die sie im Griff hatten. Das ist im Eishockey, einem unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage, nicht ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich ist, wie oft es Kloten trifft. Neun Spiele haben die Zürcher diese Saison nach einer 1:0-Führung noch verloren. Sie finden zu oft einen Weg in die Niederlage. Das ist bei einer so erfahrenen und taktisch an und für sich gut geschulten Mannschaft ungewöhnlich und spricht gegen den Coach.

Oder ist alles bloss Pech? Braucht es nur ein bisschen Geduld? Ist alles einfach eine Frage der Zeit? Kloten ist jedenfalls für einen Coach und Sportchef zurzeit der beste Platz im gesamten Welteishockey. Die Besitzer im fernen Nordamerika sehen nichts, wissen nichts und hören nur, was der Trainer und der Sportchef ihnen erzählen. Mediale Kritik erreicht sie nicht und ihren Kollegen auf dem Golfplatz wird es auch herzlich egal sein, was die Kloten Flyers drüben in Europa machen.

Simpsons Job scheint zur Zeit nicht in Gefahr.
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Ein Mehrjahresplan um ganz nach vorne zu kommen ist im nordamerikanischen Sportbusiness sowieso gang und gäbe. Dass die Kloten Flyers längst ein Spitzenteam sein müssten und so viel kosten wie ein Spitzenteam, wissen die naiven neuen Besitzer der Kloten Flyers auch nicht. Niemand sagt es ihnen.

Eine Regel sagt, dass ein Team, das im Januar unter dem Strich klassiert ist, die Playoffs nicht mehr erreicht. Doug Shedden war mit Zug (2008/09) bisher die spektakulärste Ausnahme von dieser Regel. Nach einem 2:5 in Bern lagen die Zuger am 25. Januar 2009 sieben Runden vor Schluss noch fünf Punkte hinter den SCL Tigers auf dem 9. Rang. Sie gewannen sechs dieser letzten sieben Partien und schafften mit zwei Zählern Vorsprung auf die Langnauer den 8. und letzten Playoffplatz. Anschliessend kippten sie im Viertelfinale den Qualifikationssieger SC Bern aus den Playoffs und verloren den Halbfinal gegen Kloten.

Können die Klotener Fans am Ende doch noch jubeln?
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Kloten 2016 wie Zug 2009? Warum nicht? Der seltsame, ja skandalöse Spielplan nährt diese Hoffnung. Die Kloten Flyers können nämlich als einziges Team noch sage und schreibe dreimal gegen die SCL Tigers antreten. Am 22. Januar an der Ilfis und dann in den zwei letzten Runden (!) am 26. Februar in Langnau und am 27. Februar zu Hause. Eine mehr als kuriose Spielplangestaltung. Denn weder Langnau noch Kloten haben in ihren Stadien Sperrdaten, die solch eine unseriöse Spielplangestaltung notwendig machen.

Kloten kann also mit neun (!) Gratispunkten gegen Langnau rechnen. Gegen die SCL Tigers hat Sean Simpson mit Kloten noch nie verloren und die Zürcher haben insgesamt 17 der letzten 18 Partien in der Qualifikation gegen diesen Gegner gewonnen – es gibt zwischen zwei Teams keine eindeutigere Bilanz in der höchsten Spielklasse. Da ist das Schlussprogramm der «Strich-Mitkämpfer» SC Bern (h/Lausanne, a/Fribourg), Ambri (a/Biel, h/Lugano), Lausanne (a/Bern, h/Servette) und Fribourg (a/Servette, h/Bern) auf dem Papier ganz klar schwieriger.

Sheppard bezwingt Langnau-Hüter Ciaccio: Die Tigers sind der ideale Gegner für Kloten.
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Wenn Sean Simpson angesichts dieser Ausgangslage aus den letzten zwei Partien der Qualifikation sechs Punkte für die Playoffs braucht und die gegen die Emmentaler nicht holt, dann wird es Zeit, den Trainer abzusetzen.

Die Hoffnung, dass ein skandalöser Spielplan die Kloten Flyers rettet, sind also durchaus berechtigt. Und schaffen es die Flyers doch noch in die Playoffs, dann wäre die Krise mit dieser Aufholjagd beendet und fast so aufregend wie echter Sex.

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17Alle Kommentare anzeigen
17
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  • Clark Kent 13.01.2016 22:33
    Highlight und wieder lakers.. bla bla bla...
    2 14 Melden
  • Grinder 13.01.2016 19:28
    Highlight Der Spielplan ist wirklich je länger je mehr fragwürdig ... zb. Zug - Lausanne treffen in der Quali 4 mal aufeinander ... Davon 3x innert 10 Tagen ... Und die Zusatzspiele sollte man so wie in der ersten Saison bei der Einführung, anhand der Rangliste ende Quali machen. (1/6/7/12) (2,5,8,11) (3,4,9,10) wäre so auch sportlich am fairsten.
    29 1 Melden
  • sidthekid 13.01.2016 17:48
    Highlight Weiteres perverses kleines Beispiel vom Spielplan:

    Die Tigers spielen am 05. Februar das erste mal zu Hause gegen Zug. Dies ist notabene die 44. Runde!

    Früher war zu diesem Zeitpunkt die Qualie schon beendet. 50 Spiele sind 6 zu viel!

    37 7 Melden
  • Hiocio 13.01.2016 17:02
    Highlight Dass Kloten die beiden letzten Spiele der Quali gegen Langnau bestreitet kann positiv oder negativ sein. Vielleicht steigert sich Langnau nochmals erheblich? Vielleicht werden sie schlechter und Kloten findet den Tritt? Schlussendlich muss gegen jeden Gegner mindestens viermal gespielt werden. Da spielt es meines Erachtens keine Rolle ob das jetzt 4mal zu Beginn der Saison, schön verteilt auf die Saison oder 4mal am Ende der Saison ist.
    Die Punkte müssen sie so oder so zuerst noch holen und Langnau hat bereits bewiesen, dass auch sie mit allen Teams mithalten können.
    49 10 Melden
  • Steckenpferd 13.01.2016 16:47
    Highlight Stimme Ihnen Herr Klaud für einmal mehrheitlich zu. Ausser das mit den Gratispunkten und dem Torhüter sehe ich anderst. Tinu hat seine besten Zeiten hinter sich und es wäre langsam aber sicher Zeit sich einen Jungen und motivierten Goalie zu suchen. Und ich als Kloten Fan bin zur Zeit so still, weil es mich nurnoch ansch... dieser emotionslosen Mannschaft zuzuschauen.
    37 3 Melden
  • Against all odds 13.01.2016 16:42
    Highlight Der Spielplan ist nicht nur aus dieser Sicht eine Katastrophe. Meiner Meinung nach braucht es genau zwei Umstände um einen einigermassen fairen und überschaubaren Spielplan gestalten zu können:
    1. Abschaffung der Zusatzrunden.
    2. Eigene Halle für den ZSC.
    58 3 Melden
    • Tobi23 13.01.2016 17:34
      Highlight Vorallem der Punkt mit dem ZSC gibt zu denken. Es kann doch nicht sein, dass ein Club den ganzen Spielplan auf den Kopf stellt... M.m.n. Müsste der Spielplan ohne die Sonderwünsche des Z gemacht werden und wenn die Halle nicht frei ist entweder ausweichen (Schluefweg, Diners Club Arena, Küssnacht etc.) oder das Heimrecht abgeben; vielleicht lernen sie es so...
      48 31 Melden
    • Kevegoal 13.01.2016 17:45
      Highlight Der Z plant ja eine Halle...
      24 18 Melden
  • maGicmammut 13.01.2016 16:30
    Highlight Also so wie Kloten diese Sasion spielt ist von Gratispunkten gar nicht erst zu träumen.
    Viel zu viel stimmt etwas einfach nicht und zu oft wird alles zu kompliziert angegangen.
    Aber der noch grössere Witz ist es, zu behaupten dass Kloten kein Goalieproblem hat.
    Kloten gewinnt genau die Spiele in denen Gerber gut spielt. Meistens jedoch geht pro Spiel mindestens ein Tor auf die Kappe von Gerber und oft ist dieses Tor dann auch das eine zu viel. Man hätte meiner Meinung nach Boltshauser ab und zu mal eine Chance geben sollen, seit er wieder fit ist.
    36 0 Melden
  • Amboss 13.01.2016 15:56
    Highlight (2)
    - Nicht DER Verein einer Region (wie zB Fribourg, Biel, Langnau, Zug) - Sie müssen sich den Hockey"markt" Zürich mit den Lions teilen
    - Kein sympathischer Ausbildungsclub - die beste Ausbildung machen die Lions
    - Die Flyers spielen irgendwie auch mit - keinen störts, keiner freut sich gross.
    - Dazu noch die Preispolitik, dass Playoffs nicht im Saisonabo inklusiv sind...
    Es erinnert an Rappi...
    Der Ausweg aus der Misere?
    Etwas crayz: Aber wieso sollen die Flyers nicht in der KHL mitmachen? Dann wären sie wieder etwas exklusives in der Schweiz.
    Oder halt einfach weitermachen wie bisher...


    28 18 Melden
    • XAALLAAX 13.01.2016 18:22
      Highlight Es ist nicht schlimm, dass es ruhig ist. Nach eineinhalb Saisons Geknorze haben fast alle gemerkt, dass das Problem tiefer liegt und (noch) mehr Zeit braucht. Wenn du die Jammeris hören willst empfehle ich dir die Facebookseite von Kloten. ;-)

      Positiver Aspekt dieser Krise ist der Spott und die Häme der Anderen. Die mag ich als Kloten-Fan lieber als die Missgunst im Erfolgsfall, welche als Mäzen-Club unausweichlich ist.

      Die KHL ist für mich und wohl auch für einen Grossteil der Kloten-Fans keine Option. - Dann sogar noch lieber nach 54 Jahren in die Nati B!
      14 0 Melden
  • Amboss 13.01.2016 15:51
    Highlight In der Tat ist dieser Spielplan ungewöhnlich. Und dennoch: Es ist nicht relevant. Kloten schafft die Playoffs nicht. Zu viel passt einfach nicht.
    Der letzte Platz wird zwischen Ambri und Bern ausgespielt...

    In der Tat ist es aber bedenklich, dass Kloten mit diesem Kader und diesem Trainer nicht mehr erreicht. Noch schlimmer, dass es so ruhig ist.
    Aus meiner Sicht ist das Problem, dass Kloten niemanden intressiert. Ein Verein zwischen Stuhl und Bank:
    - Trotz viel Geld kein grosser, gefürchteter Club
    - Kein sympathischer Underdog - dafür ist zu viel Geld, sind zu grosse Namen da....
    35 8 Melden
  • Max Pauer 13.01.2016 15:01
    Highlight Bei Spielen gegen Langnau gibt's also Gratispunkte, soso, interessant. Dachte sich Davos wohl auch. Apropos HCD. Gestern war CHL-Halbfinal. Richtiges internationales Eishockey in Davos. Halt ohne Cüpli. Auch ohne Eismeister?
    46 4 Melden
    • MARC AUREL 13.01.2016 16:11
      Highlight Gut, Langnau wird nicht gerade gefürchtet. Sie sind 11er und die Playoffs sind kaum zu erreichen.. aber von 9 Gratispunkte zu reden ist übertrieben. Die Flyers sind kaum besser so wie sie wursteln.
      22 3 Melden
    • Hayek1902 13.01.2016 19:28
      Highlight der eismeister bezieht sich auch auf die bisherigen direktbegegnungen
      4 1 Melden
    • MARC AUREL 14.01.2016 06:03
      Highlight Wenn man Langnull nicht ernst nimmt dann gibt es nichts zu holen sonst schon eigentlich..
      7 0 Melden
  • jion 13.01.2016 14:55
    Highlight "Kloten kann also mit neun (!) Gratispunkten gegen Langnau rechnen."
    Überheblicher geht's fast nicht mehr..Diese Spiele müssene erst gespielt und gewonnen werden..Wir werden sehen, ob Kloten 9 "Gratispunkte" sammeln wird..
    62 6 Melden

«Eishockey aktuell» – SRF lanciert neues Eishockeymagazin

Das Schweizer Fernsehen SRF erweitert die Eishockey-Berichterstattung um eine neue Sendung. Ab der neuen Saison berichtet das Magazin «Eishockey aktuell» über alle Spiele und alle Tore einer Runde.

Die Sendung wird während der Qualifikation an Werktagen mit vier oder mehr National-League-Spielen ausgestrahlt. Die Sendedauer soll jeweils 30 bis 40 Minuten betragen. Bei Wochenendrunden berichten «Sportaktuell» und «Sportpanorama» wie gewohnt über die Spiele im Schweizer Eishockey.

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