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Dreamteam: Olympiasieger Steve Guerdat auf Nino des Buissonnets. Bild: freshfocus

Jetzt wiehert Guerdats Spitzenpferd Nino: «Ich habe nicht gedopt! Die Probe kommt davon, dass ich die Stute ‹Dr. Fuentes› touchiert habe»

Olympiasieger Steve Guerdat ist Anfang der Woche gesperrt worden, weil sein Pferd Nino des Buissonnets in der Dopingkontrolle hängenblieb. Nun wehrt sich der 14-jährige Wallach. Exklusiv: Seine Erklärung, wie es dazu kam.

23.07.15, 16:16 23.07.15, 16:55

Nino, nach dem Sieg am CSIO La Baule bist du positiv getestet worden. Wie hast du reagiert, als du davon erfahren hast?
Ich konnte es nicht fassen (schluckt leer). Mir fiel der Sattel vom Rücken, als Steve (Guerdat, d.Red.) zu mir kam und mir vom Test erzählte.

Wie geht es dir mittlerweile?
Ein wenig besser. Ich will für die Wahrheit kämpfen! Aber warten wir erst mal die B-Probe ab.

Wie sieht die Wahrheit denn aus? Wie erklärst du uns, dass bei dir die verbotenen Substanzen Codein, Oripavin und Morphin entdeckt wurden?
Ich muss ein wenig ausholen. Zunächst konnte ich es mir nicht erklären. Ich würde doch nie im Leben dopen. Ehrlich, das musst du mir glauben! (Beginnt zu weinen).

Angenommen, ich glaube dir: Wie kam's nun zu dieser Probe?
In La Baule musste ich auf dem Weg von der Arena in meine Box an einigen Pferden aus Osteuropa vorbei. Eines davon, ich glaube, es war die Stute «Dr. Fuentes», streifte ich dabei mit meiner Schulter. So müssen diese Stoffe in meinen Urin gekommen sein.

Nino des Buissonnets: «Ich würde doch nie im Leben dopen!» Bild: KEYSTONE

Mit Verlaub, das klingt wenig plausibel.
(Wütendes Schnauben) Es ist aber so! Und ausserdem habe ich einige asiatische Betreuer gesehen, wie sie um meinen Zahnpasta-Kübel schlichen. Möglicherweise haben sie das Doping dort hinein gespritzt und es ist danach beim Zähneputzen in meinen Körper gekommen.

Du klingst verzweifelt. Das glaubst du doch selber nicht, Nino!
Aber ich muss! Ich kann es mir wirklich nicht erklären, weshalb von mir
eine positive Dopingprobe aufgetaucht ist. Mir ist übrigens auch noch eine dritte Möglichkeit in den Sinn gekommen, wie es passieren konnte.

Ihr schönster Tag: Guerdat und Nino werden 2012 in London Olympiasieger. YouTube/Olympics

Oh, lass' hören!
Mir wurde in La Baule ein Rindsplätzli serviert. Im Normalfall ernähre ich mich ja gerade bei Wettkämpfen vegetarisch. Aber das Gemüse war «pflüderiger» als um 13.30 Uhr im Migros-Restaurant, fürchterlich. Da nahm ich halt das saftige Plätzli. Gut möglich, dass das Fleisch kontaminiert war.

Das ist doch eine Ausrede. Langsam glaube ich, dass ich mit diesem Gespräch bloss meine Zeit verschwende …
(fällt mir ins Wort) Nein, warte! Ich wollte das eigentlich für mich behalten, aber vielleicht ist es nun besser, alles zuzugeben …

Jetzt kommt's: Du hast tatsächlich gedopt?!
Das nicht, nein. Aber ich habe es in letzter Zeit im Stall nicht mehr so drauf gehabt wie auch schon … Du verstehst was ich meine? Also habe ich in Mexiko diese blauen Pillen bestellt übers Internet. Den Beipackzettel habe ich weggeworfen, weil ich eh kein spanisch kann. Ich weiss nicht, was alles für Wirkstoffe in diesen Pillen waren.

Ehrlich Nino, ich habe noch anderes zu tun, als solches Geschwafel anzuhören. Hast du noch weitere abenteuerliche Theorien?
Du nennst sie vielleicht abenteuerlich, für mich sind sie plausibel (eingeschnappt). Tatsächlich gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Zwei Wochen vor dem Wettkampf in La Baule habe ich im Training an einer Stange angeschlagen und dabei viel Blut verloren. Mir wurde dann Eigenblut verabreicht, aber vielleicht wurden im Spital die Beutel vertauscht und mir wurde das Blut eines ausgedienten Ackergauls, der starkes Rheuma hat, erhalten.

Ach komm, jetzt musst du mir nur noch vom Kräutertee der peruanischen Schwiegermutter deines Nachbarn erzählen und dann sind wir bald durch.
Woher weisst du davon?!

Wenn Ross und Reiter nicht das Gleiche wollen

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Brikne, 20.7.2017
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  • sevenmills 23.07.2015 20:27
    Highlight Ich finde den Artikel witzig. Die Satire dahinter ist offensichtlich, spitz und an sich gut.
    Allerdings muss schon gesagt werden, dass das mit dem verunreinigten Futtermittel gar keine so faule Ausrede ist, wie es vielleicht für Laien scheinen mag. Es ist schon oft vorgekommen, dass z.B durch Mohn verunreinigtes Futter zu positiven Dopingproben geführt hat. Dabei ist die Doping-Politik der FEI auch mit ein Teil des Problems: Die Nulltoleranz ist an sich gut, andererseits eben auch nicht über alle Zweifel erhaben. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Pferd auf einem Turnier ein Stückchen Mist oder Urin des Vorgängerpferdes in der Box, das mit Medikamenten behandelt wurde, vom Boden mitgefressen hat und sich so sozusagen versehentlich selbst gedopt hat.
    Da die gefundenen verbotenen Substanzen auch denkbar schlecht als Dopingmittel geeignet sind, ist es viel wahrscheinlicher, dass tatsächlich eine Verunreinigung schuld ist, als dass absichtlich gedipt wurde. Kommt dazu, dass Steve Guerdat schon fast alles erreicht hat, was man erreichen kann, und mit seinem unglaublichen Talent und Feingefühl auch bisher Doping nie nötig hatte. Bei ihm würde es mich extremst überraschen.
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  • Nadine Alexandra 23.07.2015 18:38
    Highlight Ich hoffe nach wie vor, dass er unschuldig ist. Es gibt viele, bei denen ich mir sowas vorstellen könnte. Jedoch nicht bei Steve.
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