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epa04224721 German Formula One driver Nico Rosberg (C) of Mercedes AMG GP celebrates on the podium after winning the 2014 Formula One Grand Prix of Monaco at the Monte Carlo circuit in Monaco, 25 May 2014. Rosberg won ahead of his second placed teammate Lewis Hamilton (L) of Britain and third placed Australian Formula One driver Daniel Ricciardo (R) of Red Bull Racing.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Bild: EPA/EPA

Auf Prosts und Sennas Spuren

Reizklima mit steigender Tendenz: Bahnt sich zwischen Rosberg und Hamilton die nächste grosse teaminterne Formel-1-Fehde an?

Nico Rosberg hat eindrucksvoll zurückgeschlagen: Er holte sich mit dem Erfolg in Monaco nicht nur die WM-Führung von Lewis Hamilton zurück. Auch im Psychoduell mit seinem Teamkollegen punktete er. Der Engländer wirkt plötzlich angeschlagen.

26.05.14, 11:02 26.05.14, 13:05

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Von Birger Hamann, Spiegel Online

Am Anfang war es Rivalität, später Abneigung, am Ende einfach nur Hass. Ayrton Senna gegen Alain Prost gilt als das heftigste Duell unter Teamkollegen in der Formel-1-Geschichte. Erbittert kämpften beide vor 25 Jahren um den WM-Titel. Und jetzt erlebt die Königsklasse des Motorsports erstmals einen Streit auf ähnlich hohem Niveau.  

Was sich Nico Rosberg und Lewis Hamilton derzeit auf sportlicher und psychologischer Ebene liefern, ist das wohl beste und intensivste teaminterne Duell seit Senna vs. Prost. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurfte, lieferte ihn das Rennwochenende beim Grossen Preis von Monaco.

Unter den Gratulanten fehlt einzig: Der Teamkollege

Überlegen hatte Rosberg das prestigeträchtige Rennen im Fürstentum gewonnen. Anschliessend standen die Gratulanten Schlange, jeder wollte den 28-Jährigen zu diesem Erfolg gratulieren – nur Hamilton nicht. Bei der Siegerehrung stand der zweitplatzierte Engländer stumm neben Rosberg. Kein Handschlag, kein Wort, nicht einmal Blickkontakt gab es. Während Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der auf Platz drei gefahren war, den Arm um Rosberg legte, dem Deutschen ein paar Worte ins Ohr flüsterte und beide anschliessend gemeinsam lachten, sah Hamilton aus, als habe er gerade die WM verloren. Und womöglich wird man über dieses Rennen eines Tages sagen, es habe die Tendenz im WM-Kampf verändert.

Zweiter Sieg in Folge auf dem legendären Formel-1-Kurs im Stadtstaat Monaco: Nico Rosberg. Bild: Keystone

«Lewis hatte einen Lauf. Den wollte ich brechen, auch mit Blick auf die Weltmeisterschaft», sagte Rosberg nach seinem zweiten Saisonsieg. Vor Monaco hatte Hamilton vier Rennen in Folge gewonnen, viermal war Rosberg Zweiter geworden. Dessen Sieg beim Saisonstart in Australien, spotteten Hamilton-Fans, war nur deshalb möglich gewesen, weil der Engländer sein Auto schon nach drei Runden mit Motorproblemen hatte abstellen müssen. Und es sah in den folgenden Rennen tatsächlich so aus, als sollte Hamilton auf der Strecke nicht bezwingbar sein.

Der Aufsteiger und sein Spott für das «Rich Kid»

 In Malaysia und China deklassierte der 29-Jährige seinen Teamkollegen, kam jeweils mit rund 18 Sekunden vor Rosberg ins Ziel. In Bahrain verteidigte Hamilton Platz eins mit allen Mitteln, ebenso wie zuletzt in Spanien. Nach dem Rennen in Barcelona hatte er dann genüsslich zu Protokoll gegeben: «Nico ist schneller gewesen als ich.» Was für eine feine psychologische Spitze das war! Übersetzt hiess es nämlich: Rosberg kann machen, was er will, attackieren, schneller sein, am Ende gewinnt er dennoch nicht. 

Der Deutsche hat in diesen Tagen zweifach – in Sachen WM-Wertung und Psychospielchen – die Nase vorn.  Bild: Keystone

Mit jedem Sieg wuchs Hamiltons Selbstvertrauen. Er glaubte, nicht nur sportlich besser, sondern auch abgezockter, härter zu sein als sein größter Rivale. Das ging so weit, dass er kurz vor dem Monaco-Wochenende in einem Interview auf die Frage, ob Rosberg zu weich für den Titel sei, antwortete: «Lassen sie mich nur eines sagen: Ich komme aus keiner besonders tollen Gegend bei London und habe auf einer Couch im Apartment meines Vaters gewohnt. Nico ist in Monaco mit Jets, Hotels und Jachten aufgewachsen – der Hunger ist ein anderer.»

Rosberg schweigt – und gibt die Antwort auf der Strecke 

Rosberg hat auf keine dieser Spitzen je reagiert. Seine Kritiker fühlten sich daher bestätigt, er sei zu nett für einen Champion. Umso grösser war die Überraschung nach dem Qualifying in Monaco, als Rosberg mit einem Verbremser seine Pole Position verteidigte. Zwar konnte ihm keine Absicht nachgewiesen werden. Dennoch waren sich fast alle Beobachter einig, dass der Fehler nicht zufällig passiert, sondern hochgradig clever gewesen war. 

Diese Siegerehrung spricht Bände: Hamilton (links) zwingt sich zu einem gequälten Lächeln. Bild: Keystone

Hamilton war nach der Qualifikation stinksauer – und offenbar auch verunsichert. Plötzlich musste der Engländer erkennen, dass der brave Nico offenbar doch nicht so brav ist. Und wie geschickt Rosberg im Rennen Platz eins verteidigte, indem er Hamilton keine Möglichkeit zum Überholen liess, setzte dem Weltmeister von 2008 offensichtlich ebenfalls zu. In einer Tour schimpfte er per Funk mit seiner Boxencrew, regte sich ständig auf. Als ihn das Team über den Vorsprung auf Ricciardo informierte, blaffte Hamilton: «Mich interessiert nicht, was hinter mir ist. Ich will wissen, was mit Nico ist.» Der war aber schon fünf Sekunden enteilt, Ricciardo aber war direkt hinter Hamilton und hätte diesem beinahe noch den zweiten Platz geklaut. 

In der WM-Wertung zog Rosberg dank seines Sieges wieder an Hamilton vorbei, hat nun 122 Punkte und damit vier Zähler mehr als sein Teamkollege. Und der sportlichen Antwort folgte auch der Konter im Psychospielchen. Was er von Hamiltons Äusserungen bezüglich seiner Herkunft und seines Titelhungers halte, wurde Rosberg gefragt. «Ich weiss, dass Lewis so was nicht sagen würde», sagte Rosberg mit ruhiger Stimme bei der Pressekonferenz nach dem Rennen. Neben ihm sass Hamilton, offenbar noch immer mächtig angefressen. An ihn ging die nächste Frage: Ob er das so gesagt habe, mit der Herkunft und dem Titelhunger? Hamiltons Antwort: «Ja!»

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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