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Die Schweizer mit Johan Djourou, Vladimir Petkovic und Yann Sommer sind entspannt. Bild: ANTONIO BAT/EPA/KEYSTONE

Vor EM-Quali in Maribor

Während Sloweniens Trainer gegen die Medien giftelt, bleibt Vladimir Petkovic optimistisch und cool

Slowenien hat 2014 alle Spiele verloren und noch kein Tor geschossen. Entsprechend ruppig ist die Medienkonferenz vor dem Spiel gegen die Schweiz. Vladimir Petkovic strahlt mehr Ruhe aus, doch er warnt vor einem heissen Tanz in Maribor.

08.10.14, 20:35 09.10.14, 08:41

Wenn es um die Karriere als Spieler geht, dann hat Sloweniens Coach Srečko Katanec die Nase gegen Vladimir Petkovic deutlich vorn: Jugoslawischer Meister, italienischer Cupsieger, Sieger im Europacup der Cupsieger, Finalist der Champions League und im Uefa-Cup. 

Mit Partizan Belgrad, dem VfB Stuttgart und Sampdoria Genua hat der gelernte Innenverteidiger ab Mitte der 80er-Jahre halb Europa aufgemischt. Obendrauf kommen 36 Länderspiele inklusive EM- und WM-Teilnahme und eine olympische Bronzemedaille mit Jugoslawien. Hat da jemand FC Chur 97 gesagt?

Auch als Trainer muss sich der 51-jährige Katanec vor seinem gleichaltrigen Pendant nicht verstecken. Während seiner ersten Amtszeit bei Slowenien hat er sich mit der Qualifikation für die EM 2000 und die WM 2002 selbst ein Denkmal gebaut.

Srečko Katanec: Verliert er gegen die Schweiz, dürfte der Druck auf ihn noch mehr steigen. Bild: ANTONIO BAT/EPA/KEYSTONE

Noch kein Slowenien-Tor im Jahr 2014

Trotzdem ist Katanec derzeit nicht zu beneiden. Der Grund ist, wie so oft, der Totomat. Slowenien hat seine letzten vier Partien allesamt verloren. Die drei Testspielniederlagen gegen die WM-Teilnehmer Argentinien, Uruguay und Algerien kann man verschmerzen, aber nach dem 0:1 zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Estland hat der streitlustige Coach einige Kratzer im Lack.

Das grösste Problem der Slowenen ist ihre Torimpotenz: Im ganzen Jahr 2014 hat Katanecs Team noch nie getroffen. Das kann einem Trainer schon einmal die Laune verderben.

Giftpfeile an der Slowenien-PK

Genau so tritt Katanec an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Schweiz auch auf. Im Kellergewölbe des Viersternehotels Primus in Ptuj, einem Nachbarort von Maribor, giftelt er gegen die Medien: «Es gibt einige Leute, die reden ständig nur über Negatives – so lange, bis es kein anderes Thema mehr gibt. Ich denke, dass es diesen Menschen lieber wäre, wenn unser Erfolg weiter ausbleibt. Dann können sie immer so weiter machen.»

Das sitzt. Der Anlass für den Eklat: Die Diskussion um die Verbannung des torgefährlichen Offensiv-Mann Josip Ilicic von Fiorentina. Katanec hat ihn nach dem Slowenien-Spiel aus dem Kader gekippt. Seine Begründung: «Zur Zeit brauche ich ihn nicht. Er muss noch lernen, für das Team zu arbeiten.»

Der torgefährliche Josip Ilicic ist wurde aus dem Team verbannt. Er arbeite zu wenig für die Mannschaft. Bild: AFP

«Die Schweizer haben auch Probleme»

Auch an der Aussage von Miso Brecko dürfte Katanec keine Freude haben. Der Köln-Verteidiger sagt klipp und klar: «Im Moment ist der Trainer kein Star. Dafür müssen wir erst wieder besser spielen.»

Trotz der Unruhe gibt der Slowenien-Coach für die zwei Spiele gegen die Schweiz und Litauen eine klare Marschroute aus: «Das Team ist bereit, wir wollen sechs Punkte aus diesen Partien.» 

Eine markige Ansage, denn bisher konnten die Slowenen erst eines von sieben Spielen gegen die Schweiz gewinnen. Das war vor 13 Jahren. Weshalb soll es ausgerechnet jetzt wieder klappen? Katanec: «Wir wissen alles über den Gegner. Seferovic habe ich am letzten Wochenende noch live gesehen. Meine Mannschaft wird alles wissen, was es zu wissen gibt. Ausserdem haben sie auch Probleme - Shaqiri spielt bei Bayern fast nie. Ich hoffe, dass sie das erst nach dem Spiel gegen uns in den Griff bekommen.»

Petkovics Optimismus und eine Warnung

Ungleich relaxter gibt sich Vladimir Petkovic am Abend im Stadion von Maribor: «Die Spieler sind sehr zufrieden und begeistert, wieder bei der Nationalmannschaft zu sein. Wir haben die Leistung vom 0:2 gegen England intensiv analysiert. Fast alles, was dort schiefgelaufen ist, geschah nach unseren eigenen Fehlern. Morgen wollen wir das Spiel mit einem klaren Kopf auf unsere Seite zwingen.»

Abschlusstraining in Maribor. Petkovic zeigt es an: Ein klarer Kopf soll der Schlüssel zum Sieg sein. Bild: ANTONIO BAT/EPA/KEYSTONE

Yann Sommer betont, dass man die Lehren der Analyse auch anwenden wolle: «Es ist klar, dass wir uns den Start anders vorgestellt haben. Ein oder zwei Dinge werden wir anders machen müssen. Aber für unsere Mannschaft wird der Druck deshalb nicht grösser.»

Petkovic sieht die Schweiz gegenüber dem Gegner psychologisch im Vorteil: «Beide Mannschaften sind unter Druck, aber Slowenien noch ein bisschen mehr. Sie haben gegen einen leichteren Gegner verloren.» Trotzdem warnt er vor einem heissen Tanz in Maribor: «Die Zuschauer werden eine fantastische Stimmung machen und voll hinter ihrer Mannschaft stehen. Slowenien wird dadurch sehr motiviert sein und uns mit viel Kampfgeist fordern. Wir dürfen sie nicht mit Eigenfehlern aufbauen.»

Ein Trainer ist aufgebracht und einer bleibt cool. Wer am Donnerstag verliert, für den gehen die Probleme erst richtig los.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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