Sport

Shaqiri nach seinem Traumtreffer zum 1:0. Bild: KEYSTONE

«Wir trainieren das ja jeden Tag»: Shaqiris Traumtor bringt der Schweiz den Rekord-Sieg

Die Schweiz gewinnt das Testspiel gegen Weissrussland mit 1:0. In einer ereignisarmen Partie bleibt der Treffer von Shaqiri ein einsamer Höhepunkt. 

01.06.17, 22:51

Vladimir Petkovic schickt im letzten Test vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer eine Mannschaft auf den Platz, die in dieser Zusammensetzung noch nie gespielt hat. Auf dem Neuenburger Kunstrasen kommen mit Edimilson Fernandes, Freuler, Zuber und Widmer gleich vier Spieler zu ihrem Startelfdebüt.

Für den ersten Aufreger sorgt dann aber ein «Alteingesessener»: Xherdan Shaqiri bringt die Schweiz in der 9. Minute mit einem traumhaften Weitschuss in Führung. Für den Kraftwürfel ist es bereits der zwanzigste Treffer im 59. Länderspiel.

Shaqiris erzielt per Weitschuss das 1:0. Video: streamable

Solche Tore sind alltäglich geworden. Nein, aber natürlich ist es meine Stärke, ich versuche es immer wieder. Wir trainieren das ja jeden Tag.

Shaqiri über sein Traumtor

Shaqiris Traumtor bleibt ein einsamer Lichtblick in einer ansonsten über weite Strecken ereignislosen ersten Halbzeit. Die Schweiz kontrolliert zwar die Partie und ist mehrheitlich in Ballbesitz – scheitert jedoch wiederholt am entscheidenden Zuspiel. Sinnbildlich dafür die Leistung von Admir Mehmedi: Im Sturmzentrum zeigt er sich engagiert und wird einige Male in Szene gesetzt, weiss dann aber die entstehenden Chancen nicht zu nutzen. 

Symptomatisch für die erste Halbzeit: Es fehlt an der entscheidenden Präzision und Konzentration vor dem Tor. Video: streamable

Im zweiten Durchgang geht es in gleichem Stile weiter: Weissrussland ist inexistent, die Schweiz überzeugt mit einem kämpferisch tadellosen Auftreten – tut sich jedoch in der Chancenerarbeitung enorm schwer. Von den zahlreichen Nati-Neulingen kommt einzig Florent Hadergjonaj zu Einsatzminuten. Der Aussenverteidiger wird in der Halbzeit eingewechselt und zeigt auf der rechten Seite ein fehlerfreies Debüt.

Glück haben die Schweizer 68. Minute: Mehmedi steigt im eigenen Straufraum mit gestrecktem Bein in den Zweikampf – die Pfeife des Unparteiischen bleibt jedoch stumm.

Ein kleinlicher Schiedsrichter hätte hier wohl auf Elfmeter entschieden. Video: streamable

In der 80. Minute sorgt Shaqiri nochmals für einen kurzen Aufreger. Aus der Distanz prüft der Schweizer den weissrussischen Keeper. 

Shaqiri versucht's erneut aus der Distanz. Video: streamable

Wir hatten alle eine lange Saison, da kann man nicht erwarten, dass wir sie wegputzen. 

Xherdan Shaqiri

Es bleibt bis zum Schlusspfiff bei der knappen Führung. Die Schweiz siegt gegen Weissrussland ohne zu brillieren mit 1:0 und gewinnt zum ersten Mal in der 112-jährigen Geschichte des Schweizer Fussballverbandes sechs Partien in Serie. Die bisherige Bestmarke war 56 Jahre alt. Zwischen dem 6. April 1960 und dem 20. Mai 1961 hatte die Schweiz unter Karl Rappan fünf Siege aneinandergereiht. 

Das Telegramm

Schweiz - Weissrussland 1:0 (1:0)
Maladière, Neuenburg.- 10'200 Zuschauer. -
SR Prihoda (CZE). -
Tor: 9. Shaqiri 1:0.
Schweiz: Bürki; Widmer (46. Hadergjonaj), Elvedi (46. Klose), Djourou (65. Xhaka), Moubandje; Behrami, Freuler (46. Frei); Edimilson Fernandes (65. Seferovic), Shaqiri, Zuber (65. Gelson Fernandes); Mehmedi.
Weissrussland: Tschernik; Burko (46. Alisejka), Filipenka, Siwakow, Satschywka (61. Pawlowez), Jewdakimow (46. Mazwejtschik); Balanowitsch, Lechtschilin (46. Bykow), Dragun; Chardsejtschuk (46. Lapzew), Skawisch (46. Sawizki).
Bemerkungen: Schweiz ohne Derdiyok, Drmic, Rodriguez (alle verletzt), Embolo (rekonvaleszent), Schär (nicht im Aufgebot/gegen Färöer gesperrt), Lichtsteiner, Dzemaili, Lang und Steffen (alle noch beim Klub). Debüt von Hadergjonaj.
Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Hitz, Kobel, Garcia, Grgic, Sow.
Verwarnungen: 72. Dragun (Reklamieren). 88. Xhaka und Lapzew (beide Unsportlichkeit). (sda)

Die Nati rückt zur Vorbereitung in Neuenburg ein

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

16.04.2009: «Jawoll, jawoll, jawoll, jawoll … YB isch im Göppfinau!»

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette wichtige Punkte im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

08.10.2010: Vucinic lässt der Schweiz die Hosen runter und trägt sie als Kopfschmuck

01.11.1989: Nur durch einen Witz-Penalty zwingt Diego Maradonas Napoli die tapferen Wettinger in die Knie

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

11.08.2010: Moreno Costanzo schiesst mit seiner ersten Ballberührung als Natispieler gleich den Siegtreffer

03.05.1994: Mit dem Sonderflug zur spontanen Aufstiegsfeier auf den Barfi

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

01.05.1993: Marc Hottigers Knallertor versenkt Italien – und er verärgert die Azzurri danach mit einer frechen Leibchentausch-Bitte 

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

26.06.1954: Die Schweiz kassiert gegen Österreich in der «Hitzeschlacht von Lausanne» eine ihrer bittersten Niederlagen

25.11.2009: Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf Youtube – über den FC Aarau

25.9.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

26.06.2006: «Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

26.04.2003: Colombas Goalie-Goal lässt Razzetti alt aussehen und den FC Aarau unabsteigbar bleiben

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

01.09.2007: Mit dem letzten Spiel im Hardturm-Stadion gehen 78 Jahre Geschichte zu Ende

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

30.05.1981: Der Wolf und seine «Abbruch GmbH» entfachen mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Fussball-Euphorie

12.11.2002: Basel holt gegen Liverpool ein 3:3 und Beni Thurnheer schwärmt: «Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

16.11.2005: Die Nacht der Tritte und Schläge – einer der grössten Nati-Erfolge verkommt zur «Schande von Istanbul»

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

24.04.1996: Das Ende von Nati-Trainer Artur Jorge nimmt ausgerechnet mit dem einzigen Sieg seiner kurzen Ära den Anfang 

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

12.04.2004: Der grosse Robbie Williams führt den kleinen FC Wil zum Cupsieg gegen GC

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7Alle Kommentare anzeigen
7
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Army Neilstrong 02.06.2017 14:10
    Highlight Das Spiel war wirklich langweilig, aber ich finde am Ende einer Saison kann man bei einem Freundschaftsspiel gegen so einen Gegner auch nicht viel mehr erwarten.
    Was mich viel mehr nervt sind die Moderatoren von SRF. Ständig wird da rumgenörgelt, statt mal einer genauen Aussage zur Taktik oder ähnlichem. Ich bekomme einfach immer mehr den Eindruck, dass die keine Ahnung von Fussball haben und einfach nur ein bisschen daherkommentieren. Am schlimmsten ist Beni National der ständig die falschen Namen sagt.
    5 0 Melden
    600
  • pachnota 02.06.2017 09:05
    Highlight Und was ist eigentlich mit Eren derdjok?
    1 1 Melden
    600
  • Ketsch 02.06.2017 07:55
    Highlight Trotz Nationalität: Langweiliger Fussball. Nie und nimmer das Niveau, welches die Einzelspieler in der Saison in ihren Vereinen abrufen müssen.

    Mourinho könnte Trainer sein dieser Mannschaft...
    5 8 Melden
    • Raembe 02.06.2017 09:13
      Highlight Es war ein Testspiel, nicht mehr nicht weniger...
      6 0 Melden
    600
  • Ana Lysis 02.06.2017 06:54
    Highlight "Wir trainieren das jeden Tag." Vielleicht sollten sie besser auch mal die saubere Ballannhame oder Angriffsauslösung trainieren. Dann funktioniert das im nächsten Spiel auch...
    29 3 Melden
    • Raembe 02.06.2017 09:14
      Highlight Angriffsauslösung funktionierte in der ersten Hz ganz gut. Nur Mehmedi wusste nie was gutes mit den Bällen anzufangen.
      5 1 Melden
    600
  • senfmayo 02.06.2017 03:49
    Highlight Zuerst dachte ich das 1:0 wär der höchste Schweizer Sieg aller Zeiten, aber das kommt wohl darauf an wie man die Auswärtstorregel auslegt.
    8 32 Melden
    600

Peinliches Hooligan-Wettrennen – hier blamieren sich YB-Chaoten bis auf die Knochen

Vor dem Cup-Spiel Old Boys Basel gegen Young Boys Bern spielten sich am Sonntag im Stadion Schützenmatte unschöne Szenen ab. 

Dutzende vermummte YB-Chaoten stürmten plötzlich auf die Rennbahn und spurteten zum Fansektor der Basler. Dann ging es drunter und drüber. Zuerst wollten die Berner den Baslern die Zaunfahne entreissen. Doch das klappte trotz der grossen Überzahl nicht. Dann eilte die Polizei herbei und drängte die Meute mit Gummischrot zurück. 

Schliesslich spurteten die Berner …

Artikel lesen