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Die Fans von Chapecoense können noch immer nicht fassen, was passiert ist. Bild: EPA/EFE

Drei Jahre kein Abstieg und kostenlose Spieler – wie es mit Chapecoense weitergehen soll

Die AF Chapecoense stand vor dem grössten Erfolg der Vereinsgeschichte – dann stürzte das Team mit dem Flugzeug ab. In Brasilien will die Konkurrenz mit bemerkenswerter Solidarität helfen.

Publiziert: 30.11.16, 11:45 Aktualisiert: 30.11.16, 16:14

Der brasilianische Fussballklub AF Chapecoense hat bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien fast die komplette Mannschaft verloren. 19 Spieler sind tot, der Traum einer Kleinestadt vom Titel in der Copa Sudamericana ebenfalls.

Das Mitgefühl ist riesig. Aus aller Welt erreichen den brasilianischen Spitzenklub Trauer- und Solidaritätsbekundungen. Überall werden Schweigeminuten abgehalten oder angekündigt.

Einige Solidaritätsbekundungen

Schweigeminute in Liverpool

Aber Vorsicht: Nicht alle Solidaritätsbekundungen sind auch wirklich echt. Das Wembley-Stadion wurde gestern tatsächlich grün beleuchtet, das Bild der grünen Allianz Arena beispielsweise ist allerdings schon etwas älter. Das Stadion von Bayern München wurde 2013 und 2015 für den St.Patrick's Day anders beleuchtet. Auch der Eiffelturm erstrahlte gestern auch nicht in Grün. Dass Paris St-Germain und Cristiano Ronaldo einige Millionen an Chapecoense überweisen würden, stimmt ebenfalls nicht.

Konkurrenz will aushelfen

Aber wie soll es nun eigentlich sportlich weitergehen? Heute Mittwoch hätte Chapecoense in Medellin zum Final-Hinspiel in der Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional antreten sollen. Am kommenden Sonntag wäre das letzte Saisonspiel gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte gewesen und danach das Final-Rückspiel. Dieses Partien wie auch der gesamte letzte Spieltag der brasilianischen Meisterschaft wurden abgesagt. 

Nur drei von 22 Spielern überlebten den Absturz. Glück hatte auch der argentinische Spieler Alejandro Martinuccio – der Stürmer konnte wegen einer Verletzung die Reise nach Kolumbien nicht antreten. Zudem überlebten einige weitere Spieler, weil sie gesperrt oder nicht für aufgeboten waren. Aber natürlich kann es so nicht weitergehen.

Der Vizepräsident des Vereins, Ivan Tozzo, will den Verein wieder aufbauen und nächstes Jahr wieder spielen lassen. «Wir werden den Klub neu aufbauen müssen, neue Spieler verpflichten und viel Geduld haben müssen. Wir möchten nächstes Jahr weitermachen», sagte Tozzo gegenüber der brasilianischen Website «Globoesporte».

Um den Verein zu retten, gibt es bereits Ideen. Ein Bündnis von prominenten Erstliga-Teams aus Brasilien will dem Klub mit einer Art «Lex Chapecoense» unter die Arme greifen. Traditionsklubs wie Corinthians, Palmeiras oder der FC Santos schlagen dem Verband vor, dem Klub für die Saison 2017 Spieler gratis auszuleihen und dass Chapecoense drei Jahre lang nicht aus der Serie A absteigen kann – unabhängig vom Tabellenstand.

«Das ist die geringste Geste an Solidarität, die wir derzeit anbieten können, aber es kommt aus dem tiefsten Wunsch, diesen Klub wiederaufzubauen», hiess es in einem gemeinsamen Statement der Erstdivisonäre. Die Aktion fand auch im benachbarten Ausland Anklang. Der argentinische Verband AFA kündigte auf seiner Webseite an, dass die ihm angehörigen Klubs ebenfalls Spieler abstellen wollen. Selbiges gilt für den Club Libertad aus Paraguay.

Überall wird um die Spieler von Chapecoense getrauert. Bild: EPA/EFE

Und wer gewinnt die Copa Sudamericana? Für die Vereinsführung von Finalgegner Atlético Nacional soll es keine Diskussionen geben: Sie hat beim südamerikanischen Fussballverband (CONMEBOL) den Antrag gestellt, dem verunglückten Team die Trophäe zu überreichen. «Was uns betrifft, wird Chapecoense für immer der Sieger der Copa Sudamericana 2016 sein.» (pre)

Sportteams, die mit dem Flugzeug abstürzten

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naja, mir - 16.4.2016
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  • #TeamVoigt 30.11.2016 20:14
    Highlight Solidarität ist sicherlich angebracht.

    Hoffentlich gibts, der Fairness halber, auch für die Nicht-Fussballer etwas. Aber da ist es schwierig was Vergleichbares zu bieten... z.b. 3 Jahre "Gratis leben" oder zumindest keine Steuern zahlen.
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  • Hopp Langnou!!! 30.11.2016 19:47
    Highlight Natürlich finde ich dieses Unglück sehr tragisch und mir ist bewusst, was dies für die Angehöriegen und auch Fans bedeutet. Diesen Menschen mein volles Beileid. Trotzdem finde ich dieses Unglück nicht schlimmer, als wenn ein Flugzeug mit "gewöhnlichen" Menschen abgestürzt wäre.
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  • droelfmalbumst 30.11.2016 16:37
    Highlight Offtopic: Habe in diesem Bericht erstaunlich viele Schreibfehler gesehen... Das erste Mal dass mir das auf Watson auffällt :)

    Mein Beileid an alle Familien der Opfer. Tragisch dass eine komplette Fussballmannschaft ausgelöscht wurde, natürlich aber genau so tragisch für alle anderen Beteiligten.

    Finde ich eine super Geste von den Traditionsvereinen sich für die Mannschaft einzusetzen... kann man sich gerne eine Scheibe davon abschneiden.
    2 0 Melden
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  • ndee 30.11.2016 14:19
    Highlight Die Welt vergisst scheinbar, dass auch Nicht-Fussballer gestorben sind. Gibts auch Spenden für die zurückgelassenen Familien? Wohl kaum...
    15 33 Melden
    • Randy Orton 30.11.2016 14:49
      Highlight Dann werde aktiv, sammle Spenden für die Familien und hilf. Nur rummotzen nützt genau so wenig und ist eher noch kontraproduktiv.
      56 9 Melden
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