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Nur beim Torjubel extravagant: Kölns Torjäger Anthony Modeste. Bild: EPA/DPA

Simply Modeste – eine Naturgewalt hat Köln zum ersten Bayern-Verfolger gemacht

Anthony Modeste ist der Garant für die derzeit erfolgreiche Spielweise des 1. FC Köln. Der Franzose hatte schon schlechtere Zeiten in der Bundesliga. Im Verein spürt er das Vertrauen des Trainers. Im Verfolgerduell gegen Hertha will er heute das tun, was er am besten kann: Tore schiessen.

Publiziert: 22.10.16, 08:27

Peter Ahrens

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Cannes – das bedeutet Scheinwerferlicht. Cannes – das ist Inszenierung, Film, das ist roter Teppich, das sind Stars und Sternchen. Den roten Teppich würden sie in Köln derzeit für Anthony Modeste auch jederzeit ausrollen. Aber sonst hat der Stürmer des FC eher wenig von dem Glamour seiner Geburtsstadt mitgebracht.

Nur wenn er ein Tor schiesst, was zurzeit häufig vorkommt, dann wird Modeste für kurze Zeit zum Schauspieler, zum Show-Mann, dann wird vor dem Gesicht eine fiktive Brille gebastelt, oder er lässt sich von seinen Teamkollegen ein Ständchen auf dem Platz geben. Dann wird das Fussballfeld zur Croisette.

Der Torjäger und sein Förderer: Modeste und Köln-Trainer Peter Stöger. Bild: EPA/DPA

Aber Modeste, der in dieser Spielzeit mit bislang sieben Treffern die Torschützenliste der Bundesliga vor Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang anführt, ist kein abgehobener Mondäner, er ist sowieso viel mehr als ein Sternchen. So wie auch ein leicht daherkommender französischer Film von Louis Malle oder Claude Lelouch immer das Ergebnis harter Arbeit war, so ist auch Modestes Erfolg Produkt von Akribie und ganz viel Training. Als er in der Vorsaison mal acht Spiele ohne Treffer geblieben war, hat er im Training Extraschichten eingelegt. Allüren schiessen keine Tore.

Der beste Torjäger seit Podolski

Der Franzose hat für den FC bislang 41 Spiele absolviert, er hat dabei 22-mal ins Tor getroffen, so eine Quote hatten sie in Köln lange nicht. Der Verein hat in seiner langen Geschichte grosse Stürmer gehabt: Hans Schäfer, den Weltmeister, Hannes Löhr, Dieter Müller, der Torjäger aus den grossen Tagen der späten Siebzigerjahre, Klaus Allofs, der vom Rhein-Rivalen Fortuna Düsseldorf kam, Pierre Littbarski, Toni Polster, Lukas Podolski. Aber in den vergangenen Jahren war das Toreschiessen wahrlich nicht mehr die Kölner Kernkompetenz. Als Trainer Peter Stöger den FC übernahm und Modeste noch nicht dem Team angehörte, war das 0:0 das handelsübliche Kölner Pflichtspielresultat.

Wieder getroffen: Man muss die Modeste feiern, wie sie fallen. Bild: Joerg Schueler/freshfocus

Modeste hat das nachhaltig geändert. Schon in Hoffenheim, seiner ersten Station in Deutschland, hat er angedeutet, was in ihm steckt. Aber in dem unruhigen Umfeld in Sinsheim hat er sich nicht wohlgefühlt. Es gehört fast schon zu den Anekdoten, dass Modeste jetzt in Köln ungestörter seiner Arbeit nachgehen kann als in Hoffenheim. Wo doch der FC stets als leicht erregbares Milieu galt und Sinsheim als der Inbegriff der Provinz.

«Der Trainer hat mir von Beginn an Vertrauen geschenkt, er hat mich aus Hoffenheim geholt, und heute kann ich sagen, dass alles, was er mir damals gesagt hat, auch wahr geworden ist», hat Modeste dieser Tage dem TV-Sender Sky gesagt. Jetzt ist der «FC» Tabellenzweiter, am Samstag geht es in Berlin bei Hertha BSC gegen einen direkten Konkurrenten, und wenn alles nach Wunsch verläuft, könnte der FC am Ende des Spieltags sogar Tabellenführer sein. Und dann nicht nur für 18 Stunden, wie er es am dritten Spieltag schon einmal war.

Nationalmannschaft noch kein Thema

Hertha BSC gegen den 1. FC Köln – das Top-Spiel des Spieltags. Das gab es zuletzt zu Zeiten von Wolfgang Overath und Erich Beer. Man darf nicht davon ausgehen, dass Modeste diese Namen kennt.

Wenn ein Franzose die Torschützenliste der Bundesliga anführt, wird das auch im Nachbarland registriert. Modeste war in der französischen Liga durchaus eine Nummer. Er hat bei Girondins Bordeaux gespielt, als es denen noch besser ging. Er war in allen Nachwuchsteams des französischen Verbands dabei. Aber den Sprung in die A-Nationalmannschaft hat Modeste nicht geschafft. Jetzt wird das wieder zum Thema gemacht. «Les Blues»-Chef Didier Deschamps hat jedenfalls wieder ein Auge mehr auf die Bundesliga zu richten, nicht allein auf Bayerns Kingsley Coman.

Modeste traf bereits für Frankreichs U21-Nationalmannschaft. Wann folgt das Aufgebot für das A-Team? bild: getty images europe

Mit 28 Jahren ist Modeste nicht mehr der Allerjüngste, aber derzeit auf der Höhe seines Schaffens. Wie er am vergangenen Samstag gegen den FC Ingolstadt die 1:0-Führung erzielte, diese Wucht, diese Dynamik, die Schnelligkeit, mit der er das Zuspiel annahm, sich umdrehte und den Ball brachial ins Netz drosch – das war ein Fall fürs Lehrbuch. Das war filmreif.

Der letzte von sieben Streichen: Modeste trifft gegen Ingolstadt. Video: streamable

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