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Erster Titel der neuen Saison. Granit Xhaka jubelt über den Gewinn des FA Community Shield.  Bild: AP/AP

Xhaka vor zweiter Arsenal-Saison: «Bin noch einmal ein viel besserer Spieler geworden»

Granit Xhaka startet heute mit Arsenal in die Premier-League-Saison. Im Team wird er immer wichtiger. 

11.08.17, 15:23

etienne wuillemin, london / Aargauer Zeitung

Die Queen von England ist nicht in der Stadt an diesem Sonntag. Sie geniesst das Wochenende etwas ausserhalb von London, im Schloss Windsor. Drinnen im Herzen der Metropole säumen Tausende die Marathon-Rundstrecke. Die Sonne lacht vom Himmel. Und doch hat neben der Leichtathletik-WM auch König Fussball seinen Platz. Im Wembley steigt das letzte Kräftemessen vor dem Saisonstart, Arsenal gegen Chelsea. Es ist gleichzeitig die Revanche für den FA-Cup-Final. Am Ergebnis ändert sich nichts, Arsenal siegt, erhält den ersten Pokal der Saison – auch dank Granit Xhaka, dem «man of the match».

Bei Arsenal erwartet man, dass Xhaka den nächsten Schritt macht. Bild: EPA/AAP

Königlich ist sein Auftritt noch nicht gerade. Aber eben so gut, dass ihn einige Zeitungen am Tag darauf adeln. Und bereits wieder sein herausragendes Spiel im FA-Cup-Final in Erinnerung rufen. Es war so etwas wie Xhakas Meisterstück. Der Beweis, dass der 50- Millionen-Mann in London angekommen ist. Ein Spiel, das Xhaka gutgetan hat. Denn seine erste Saison bei Arsenal war beileibe nicht immer einfach.

«Vielleicht bin ich auch ein bisschen weniger anfällig auf Provokationen.»

Granit Xhaka

Für den Moment sind diese schwierigen Phasen vergessen. Wenn Arsenal heute Abend gegen Leicester die neue Saison in der Premier League eröffnet, dann beginnt auch für Xhaka eine neue Zeitrechnung. Die Zeit der Angewöhnung ist vorbei. Nun gilt es, so richtig durchzustarten. Er selbst sagt: «Ich bin im Vergleich zu vor einem Jahr noch einmal ein viel besserer Spieler geworden. Ich bin erfahrener.» Dann fügt er lachend an: «Und vielleicht bin ich auch ein bisschen weniger anfällig auf Provokationen.»

Shaqiri und die Sehnsucht nach der grossen Bühne

Es war ein bemerkenswerter Satz, den Xherdan Shaqiri formulierte: «Wenn Leicester City Meister werden kann, dann ist das für Stoke City auch möglich.» Damit offenbart der 25- Jährige vor allem eines: seine Sehnsucht nach dem Fussball auf der grossen Bühne. Er würde gerne wieder Titel gewinnen. Zehn sind es bereits in seiner Karriere, letztmals Silberware stemmen durfte er indes 2014 mit Bayern München. Seither ging es mit Shaqiri bergab. Nach dem Intermezzo bei Inter Mailand landete er in Stoke. Zwei Saisons hat er in der Premier League nun hinter sich. Dass er gerne weiterziehen möchte, ist ihm kaum zu verübeln. Nur mehren sich die Fragezeichen hinter seiner Fitness – zumindest bei europäischen Spitzenklubs. In diesem Sommer wusste nicht einmal mehr Shaqiris Hausblatt, der «Blick», mit Wechselgerüchten aufzuwarten. Nur ganz kurz hiess es, die AS Roma hätte Interesse. So bleibt Shaqiri wohl nur eines: sich durchzubeissen. Sich möglichst nicht zu verletzen. Und dem Nationalteam mit guten Leistungen zur WM-Qualifikation zu verhelfen, um in Russland dann die Bühne zu erhalten, die es erlaubt, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Granit Xhaka ist bei Arsenal auf der grösstmöglichen Bühne angekommen. Bei einem Verein aus den Top 6 der besten Liga der Welt. In einer tragenden Rolle. Wobei: Es herrscht nicht gerade Euphorie um die «Gunners». Trainer Arsène Wenger hat seinen Vertrag nach einer gefühlt endlosen Debatte um zwei Jahre verlängert. Er startet in seine 21. Saison als Trainer. Aber Aufbruchstimmung herrscht nicht. Eher im Gegenteil.

Alexis Sanchez will Arsenal eigentlich verlassen. Bild: EPA/EPA

Der chilenische Star Alexis Sanchez möchte lieber heute statt morgen gehen. Das wichtigste Datum für die Fans ist deshalb der 1. September. Dann ist das Transfer-Fenster zu. Und erst dann – darin sind sich die Experten einig – kann Arsenals Weg etwas genauer vorausgesagt werden.

Die Anlaufzeit überwunden

Erstmals seit 1997 hat Arsenal nämlich die Champions League verpasst. Die vergangene Saison verlief mehrheitlich unerfreulich. Erst gegen Ende kam die Equipe wieder etwas in Schwung. Das mag auch daran gelegen haben, dass Wenger sein System umstellte. Neu spielte sein Team in einem 3-4-2-1, mit Granit Xhaka als Quarterback. Neun der letzten zehn Pflichtspiele wurden gewonnen.

«Der Fussball in England ist schneller und direkter.»

Granit Xhaka

Nun erwartet Arsenal, dass dem 24- Jährigen der nächste Schritt gelingt. Erinnerungen werden dabei wach an seinen Transfer von Basel zu Mönchengladbach. Auch in der Bundesliga brauchte er ein Jahr Anlaufzeit, ehe er immer besser wurde. Dasselbe könnte nun auch in London der Fall sein. Wenn Xhaka die beiden Ligen miteinander vergleicht, dann sagt er: «Der Fussball in England ist komplett anders. Es geht viel schneller und viel direkter nach vorne. Manchmal auch mit langen Bällen. In Deutschland wird der Ball mehr zirkuliert.» Auch deshalb denkt er, im Tempo-Bereich noch einmal Fortschritte gemacht zu haben.

Die Schweizer in der Premier League

Neben Xhaka und Shaqiri spielen vier weitere Schweizer in der Premier League. Wobei für diese meist Nebenrollen vorgesehen sind. Bei Valon Behrami (Watford) deutet vieles auf einen Abschied hin. Vielleicht schon sehr bald. Auch Shani Tarashaj (Everton) dürfte wohl noch einmal ausgeliehen werden. Interessant wird, ob sich Edimilson Fernandes (West Ham) einen Stammplatz erkämpfen kann. Und schliesslich ist der Weg von Torhüter Eldin Jakupovic bemerkenswert. Nachdem er sich bei Hull City trotz mehreren Rückschlägen die Nummer 1 erkämpft hatte, den Abstieg trotz herausragenden Paraden aber nicht verhindern konnte, wurde er mit einem Vertrag bei Leicester City belohnt. Allerdings wird er auch beim Sensationsmeister von 2016 als Ersatz beginnen.

Auch an das Leben in London musste sich Xhaka gewöhnen. «Ich war noch nie in einer richtig grossen Stadt. Erst einmal musste ich leer schlucken. So viel Verkehr. So viele Leute. Aber es ist toll hier, ich geniesse es. Und das Gerücht, dass es immer regnet, kann ich so auch nicht bestätigen.»

Führt der Weg zum Titel?

Doch wohin führt Arsenals Weg? Können die Gunners um den Titel mitspielen? Daran glaubt auf der Insel niemand. Zu gross ist die Konkurrenz. Die Teams aus Manchester mit den Startrainern Guardiola und Mourinho, Titelverteidiger Chelsea, aber auch Liverpool und Tottenham werden höher eingestuft.

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  • 1%Schlecht, er verliert gar seinen Stammplatz.
  • 4%Ich will nur das Resultat sehen.

Noch drehen sich die meisten Geschichten um Sanchez oder den neu verpflichteten Lacazette. Aber vielleicht hängt Arsenal ja tatsächlich mehr am Tropf von Xhaka, als dem Verein lieb ist. Das haben seine Auftritte in den jüngsten Finals angedeutet. Die Diskussionen um schlechte Tacklings und daraus resultierende rote Karten scheinen jedenfalls in den Hintergrund gerückt. «Ich kann mit diesen Debatten umgehen», sagt Xhaka, «wer es wagt, für sein Team Zeichen zu setzen, muss auch Rückschläge in Kauf nehmen.»

Doch nun ist es Zeit, neue Zeichen zu setzen.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • BLCNY 11.08.2017 18:07
    Highlight Er ist in Topform, das könnte seine Saison werden! Dies hat er auch Arsene Wenger zu verdanken, der trotz seinen Ausrutscher auf ihn setzt(e)
    24 3 Melden
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  • Yotanke 11.08.2017 17:23
    Highlight Sowohl Xhaka und Shaq würde etwas mehr Bescheidenheit gut anstehen. Sie sind gute Spieler. Ohne Zweifel. Aber Weltklasse? Da fehlt noch einiges. Insbesondere Beständigkeit. Testspiele zählen nichts und ein gutes Spiel kann jeder mal haben. Bei beiden fehlt wohl genau etwas mehr Bescheidenheit für den internationalen Durchbruch als Weltklassespieler.
    10 41 Melden
    • Dario98 11.08.2017 18:24
      Highlight words
      4 17 Melden
    • KemalB 11.08.2017 18:34
      Highlight Ich bin in Bezug auf Xhaka komplett anderer Meinung. Wie im Kommentar von BLCNY geschrieben, traue auch ich Xhaka zu, dass er der wichtigste Spieler Arsenals und zu einem absoluten Weltklassespieler heranwächst. Er hat eine überragende EM 2016 gespielt, dies traue ich ihm auch in England zu!
      Der junge wird einer der besten Mittelfeldspieler der Welt!
      34 3 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 19:17
      Highlight Weil Weltklassenspieler wie Ronaldo, Messi, Neymar und co für ihre grosse Zurückhaltung und Demut bekannt sind. Ja klar... Bei Shaqiri bin ich mir nicht sicher ob es noch für mehr reicht, aber Xhaka ist auf jeden Fall einer für ganz Grosses.
      25 0 Melden
    • Amboss 11.08.2017 23:59
      Highlight @yotanke: im Artikel geht's um Xhaka. Nicht um Shaqiri.
      Weshalb du diese beiden in einen Topf wirfst, ist mir rätselhaft.
      Nicht ohne Grund ist Shaqiri in Stoke und Xhaka bei Arsenal.
      Zudem wird Xhaka immer besser, Shaqiri stagniert und lebt von seinem ungemein grossen Talent.

      Tragende Rolle bei Arsenal ist mal gut. Und wenns so weiter geht, er weiter lernt und sich verbessert, kanns schon Richtung Weltklasse gehen bei Xhaka
      3 0 Melden
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  • davej 11.08.2017 15:59
    Highlight Endlich startet die beste Liga der Welt. Wieder mal eine Meisterschaft mit Spannung. Sechs top Teams kämpfen um den Titel. So viel wie bei keiner anderen Liga. In England könnte nie ein Aufsteiger, wie Red Bull, auf anhieb auf dem zweiten Platz landen..So etwas geht nur in der Bundesliga. Weil es ja ausser dem FC Bayern kein top Team gibt
    10 40 Melden
    • Silent_Revolution 11.08.2017 17:06
      Highlight Leicester wurde ein Jahr nach dem Aufstieg mit dem Budget eines Aufsteigers Meister.

      Soviel zum Thema "In England könnte nie"!
      67 0 Melden
    • Yotanke 11.08.2017 17:21
      Highlight Bin zwar auch Anhänger der Premier League. Aber die beste Liga der Welt? Wie viel Geld wird da immer für Transfers ausgegeben? Und wie viele "englische" Mannschaften sind jeweils im CL-Final?
      21 5 Melden
    • maxi 11.08.2017 18:04
      Highlight vorallem taktisch herrvorragender fussball... 😂😂😂 viel spass beim kick nd rush
      13 9 Melden
    • Lord_ICO 11.08.2017 18:39
      Highlight @maxi

      Kick and rush, wird in England von den Top-Teams schon lange nicht mehr praktiziert du Experte.

      In England spielt vielleicht nicht das beste Team Europas, doch ist die Liga unglaublich eng und vor allem das Mittelfeld verglichen zu anderen Ligen extrem stark. Wenn z.B. ManU gegen Crystal spielt, ist der Sieg für ManU nicht sicher. Wenn aber Bayern gegen Freiburg spielt, können die Bayern zu 99% den 3er einplanen. Deshalb finde ich die Aussage, beste Liga der Welt nicht unbedingt falsch.
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    • maxi 11.08.2017 20:10
      Highlight man kann es sich auch schön reden... klar ist es ausgeglichener wenn jedes team 30 mio problemlos zahlen kann... in jeder anderen liga wäre dies ein top transfer... manu ist auch der liga 6te. wenn hertha gegen mainz oder ingolstadt spielt ist der ausgang auch nicht klar...
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    • Lord_ICO 11.08.2017 20:52
      Highlight Die kick and rush Aussage war schon Panne, aber wenn du jetzt wirklich Hertha mit ManU auf eine Ebene stellst, beweist du ja ein weiteres mal dein "Fachwissen". Bei ManU handelt es sich um den EL Gewinner und Hertha hat in der Quali gegen Brøndby verloren. Soviel zum Thema Qualitätsunterschied.
      5 3 Melden
    • maxi 11.08.2017 21:27
      Highlight ich habe nie manu und hertha verglichen erqähnte nur den tabellen platz...du hast einen erstplatzierten mit einem 6platzierten verglichen...chelsea hat auch nicht viel anbrennenlassen...
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    • Amboss 11.08.2017 22:00
      Highlight @davej: Stimmt nicht. Neben den Bayern hat D schon noch ein Topteam, den BVB. Kann in guten Jahren die Bayern jagen und hat wohl die besseren Resultate In der CL als alle englischem Teams zusammen in den letzten Jahren.

      Das Problem der BL: Dahinter kommt nix. Eine zweite Garde fehlt komplett. Ab Rang drei beginnt quasi der Abstiegskampf. und ausser BVB und Bayern kann niemand europäisch etwas reissen. Der letzte Europa League Halbfinalist auf Deutschland: 2010, der..... HSV
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    • Lord_ICO 11.08.2017 22:51
      Highlight Naja du untersagst der PL mit der Kick n Rush Aussage jegliche Qualität was Taktik und Technik angeht. Wenn jetzt aber Hertha doch schwächer ist als ManU, was sagt dann das über die Qualität der BuLi aus? Die Leistungsdichte ist in keiner Liga so hoch wie in der PL, in allen anderen Ligen, ist der Leistungsabfall ab den Plätzen 4-6 sehr stark, dies ist in der PL nicht der Fall.
      Wir können sonst auch Bayern-BVB als Beispiel nehmen und Chelsea-ManCi, während der BVB als Aussenseiter ins Spiel geht, gibt es beim anderen Spiel keinen Aussenseiter.
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