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Jérémy Guillemenot fühlt sich wohl bei Barcelona: Heimweh verspüre er nie. Bild: KEYSTONE

Jérémy Guillemenot: Der Schweizer, der bei Barça durchstarten will

Im Januar 2016 durfte Jérémy Guillemenot eine Woche lang beim FC Barcelona vorspielen. Kurz darauf erhielt er das Angebot, in die berühmte Jugendakademie La Masia einzutreten. Seither träumt der ehemalige Servette-Spieler von der grossen Karriere und sagt: «Ich bin dabei, einen Traum zu leben.»

07.06.17, 11:22 07.06.17, 15:51

Markus Brütsch / Nordwestschweiz

Der Maulkorb ist weg. Jérémy Guillemenot darf sprechen. Berichten, wie es war, sein erstes Jahr beim grossen FC Barcelona. Am Montag ist er zum kurzen Vorbereitungscamp in Wetzikon eingerückt, heute Nachmittag spielt er mit der Schweizer U19-Nati in Rapperswil gegen Liechtenstein. «Wir haben zwar eine lange Saison in den Beinen. Aber Fussball spiele ich immer gerne, und es ist etwas Besonderes, für mein Land anzutreten», sagt Guillemenot. «Natürlich muss ich meinen Kumpels hier auch ganz viel über Barcelona, den grössten Klub der Welt, erzählen.»

Vor zwei Monaten, beim Youth Cup in Nyon, da hatte ihm sein Klub noch verboten, mit der Presse zu reden. Nachwuchsspieler dürften keine Interviews geben, hiess es. Natürlich, mit der Familie und den vielen Freunden, die extra gekommen waren, um ihren Jérémy im berühmten Barça-Trikot zu sehen, durfte er hinterher schon plaudern. «Es war unglaublich, wie viele ein Selfie machen wollten», sagt der 19-Jährige lachend.

Als 17-Jähriger spielte Guillemenot noch für Servette in der Challenge League. Bild: EQ Images

Allerdings: Im Einsatz war Guillemenot beim verlorenen Youth-League-Halbfinal gegen Salzburg nur für ein paar Minuten gewesen. Ausgerechnet vor diesem Saisonhöhepunkt − in der Gruppenphase war er mit drei Toren erfolgreich − hatte er sich verletzt und kaum trainiert. «Klar war ich enttäuscht», sagt Guillemenot.

Eine Woche im Probetraining

Wie auch am letzten Samstag, als er in der Copa del Rey beim 5:3 über Villarreal zwar Torschütze war, mit Barças Juvenil A aber nach dem 0:3 im Hinspiel ausschied. Dabei hatte ihm Villarreal bisher ja Glück gebracht. Mit Servette waren ihm in der Youth League gegen diesen Gegner nämlich zwei Tore gelungen, was das Interesse des FC Barcelona geweckt hatte. Im Januar 2016 durfte er dann während einer Woche vorspielen, schoss in einem Testspiel ein paar Tore und erhielt das Angebot, in die berühmte Jugendakademie La Masia einzutreten. Dort, wo einst auch die Weltstars Messi, Iniesta und Xavi ausgebildet worden waren.

Das Rückspiel des Copa-del-Rey-Duells mit Villarreal, das Barcelona 5:3 gewann. Video: YouTube/FC Barcelona

Natürlich konnten Jérémy und seine Eltern nicht Nein sagen. Und so zog Guillemenot nach drei Challenge-League-Einsätzen für Servette und 22 Partien in der Promotion League im letzten Sommer von Genf nach Barcelona.

Begleitet von gemischten Gefühlen des Schweizer U19-Nationaltrainers Gérard Castella. Dieser sagt: «Ich finde den Shaqiri- oder Xhaka-Weg besser. Die Jungen sollten sich zuerst in der Super League durchsetzen und erst dann ins Ausland wechseln. Aber ich verstehe, dass man eine Barça-Offerte nicht ablehnen kann.»

«Weshalb soll ich nicht daran glauben?»

Jetzt sitzt Guillemenot nach dem Mittagessen in der Lobby des Teamhotels in Wetzikon und blickt auf seine erste Saison in Katalonien zurück. «Ich bin dabei, einen Traum zu leben», sagt Guillemenot. «Im Fussball ist vieles möglich. Weshalb soll ich nicht daran glauben, einmal für die erste Mannschaft zu spielen?» Bisher hält sich der Kontakt zu den Topstars indes in Grenzen. «Zu den Auswärtsspielen in der Champions League sind wir aber zusammen geflogen. Da konnte ich mit Neymar und Umtiti sprechen», sagt Guillemenot. «Mit Rakitic aber noch nicht.»

Ganze acht Minuten hatte der Sohn eines Franzosen und einer Portugiesin nach seiner Ankunft gebraucht, um sein erstes Tor zu erzielen. Er habe sich dann rasch integriert, komme mittlerweile mit der katalanischen Sprache klar und habe nie Heimweh verspürt. Guillemenot sagt, er sei schon extrem stolz, für diesen Verein aufzulaufen, berichtet aber ganz sachlich von einem Jahr mit Hochs und Tiefs. «Doch unter dem Strich überwiegt das Positive», sagt der 1,82 Meter grosse Mittelstürmer. «Ich habe unter Gabri (Trainer von Barças Juvenil A, Anm.d.Red.) viele Fortschritte gemacht», sagt Guillemenot, der in einer eigenen Wohnung gleich neben La Masia lebt.

Guillemenot trägt das Barça-Trikot mit Stolz. Bild: KEYSTONE

Der Arbeitstag beginne jeweils um 8.30 mit dem gemeinsamen Frühstück und dauere mit Trainings und Theorielektionen bis in den Nachmittag hinein. «Manchmal verbringe ich danach mit ein paar Spielern die Freizeit, oder ich beschäftige mich mit meinem Onlinestudium», sagt Guillemenot.

«Vollgas geben und möglichst viel dazulernen»

Castella sagt, Gabri habe ihm erklärt, Jérémy sei mit seiner Schnelligkeit ein interessanter Spieler, müsse sich aber technisch verbessern. «Ich denke, dass er vor allem geduldiger werden muss. Bei Servette fuhr er bequem auf der Autobahn», sagt Castella. «Jetzt aber hat er Konkurrenz, jedes Training ist ein Kampf. Dem kleinen Schweizer wird nichts geschenkt. Mit diesem Druck muss er klarkommen.»

Noch ist offen, in welcher Mannschaft der Genfer in der nächsten Saison spielt, ob mit der zweiten in der zweiten Liga oder mit der dritten in der dritten. Klar ist aber: «Ich muss Vollgas geben und möglichst viel dazulernen», sagt Guillemenot.

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  • Mia_san_mia 07.06.2017 15:56
    Highlight Mal schauen, was aus ihm wird. Aber bei Barca wird's wohl schon verdammt schwer...
    10 0 Melden
    600
  • Elias_W 07.06.2017 12:12
    Highlight Phu, denke dass er es leider nicht packen wird, die Talenteichte in Barcelona ist einfach zu hoch. Mit 19 Jahren spielt er nächstes Jahr noch nicht mal fix in der zweiten Mannschaft.
    Er wäre besser beraten gewesen, wenn er bei Servette geblieben wäre. Vielleicht würde er heute bereits in der Super League spielen - wer weiss.
    29 17 Melden
    • Martinov 07.06.2017 13:28
      Highlight Möglich, aber Wenn es für ihn stimmt und er glücklich ist, stimmt es 👍🏻
      39 2 Melden
    • exeswiss 07.06.2017 13:36
      Highlight schluss endlich muss er glücklich sein nicht wir. "who are we to judge him?"
      33 4 Melden
    • Amboss 07.06.2017 14:36
      Highlight @Elias: Ich denke, beide Wege sind möglich.
      Schaut man den Werdegang der Spieler, die den "klassischen" Weg gingen, d.h. mit Ausbildung in der Schweiz und dann Wechsel in eine grosse Liga, so stellt sich doch eine gewisse Ernüchterung ein. Xhaka, Lichtsteiner, die haben sich bei grossen Clubs durchgesetzt. Der Rest: Höchstens Ergänzungsspieler in grossen Clubs. Oder in Mittelfeldclubs engagiert (Shaqiri, Behrami).
      Oder konnten sich nicht recht durchsetzen (Stocker, Schär, etc...)

      So richtig toll ist das nicht.

      Soll Guillemenot es doch mal auf diesem Weg probieren
      22 1 Melden
    • Raembe 07.06.2017 20:38
      Highlight Schär hat sichs mit dem Verein versaut. Stocker war zuletzt wieder Stamm. Shaqiri spielt in der PL, was schon sehr gut ist. Behrami war sowohl bei Lazio als auch bei Napoli, vorallem letzterer Verein ist ein Top Club.
      1 1 Melden
    • Amboss 08.06.2017 09:49
      Highlight @Raembe: Okay, Behrami gebe ich dir recht.
      Könnte man durchaus in die Liste mit Xhaka und Lichtsteiner nehmen. Schade war die Verlockung der Moneten der PL grösser als der Wunsch, in einem Spitzenteam zu spielen.

      Stocker spielt... okay. Aber eben bei Hertha. Graue Mittelfeld-Maus. Wie HSV, Stoke, Wolfsburg, Hoffenheim, udinese, Toulouse, St. Etienne, Bologna, Mainz, Frankfurt, Gladbach, Schalke

      Das ist es, was ich meine.
      Man hat von "goldener Generation" gesprochen - was daraus geworden okay. Aber nicht mehr. Internationaler Durchschnitt, nicht internationale Spitze
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    • Raembe 08.06.2017 12:08
      Highlight Naja, aktuell stehen wir mit nur Siegen in einer Gruppe mit Portugal.
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    • Amboss 08.06.2017 13:20
      Highlight Ich weiss. Und umso bemerkenswerter finde ich das. Schau dir mal an, wo die Spieler von anderen Nationalteams spielen, die ähnlich klassiert sind wie die Schweiz. Fast alle haben mehrere Spieler die Schlüsselrollen in den besten Vereinen Europas haben.
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