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Nati-Coach Voss-Tecklenburg nach dem WM-Aus: «Wenn ich die Enttäuschung in den Gesichtern sehe, dann tut mir das weh»

Nach dem WM-Aus gegen Gastgeber Kanada herrscht bei den Schweizerinnen Enttäuschung über verpasste Chancen, aber auch Stolz und Zuversicht nach einem guten Turnier. Das sind die Stimmen zur Partie.

22.06.15, 08:18 22.06.15, 10:02

>>> Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft verliert das WM-Achtelfinal gegen Gastgeber Kanada mit 0:1. Hier gibt es die entscheidenden GIFs dazu.

Bitter macht die Niederlage auch die Tatsache, dass die Schweizerinnen ebenbürtig waren, das Viertelfinale wäre bei der ersten WM-Teilnahme möglich gewesen. 

«Ich weiss nicht, ob das schlechtere Team verloren hat. Mir tun meine Spielerinnen leid. Wenn ich die Enttäuschung in den Gesichtern sehe, dann tut mir das weh», sagt Nati-Trainerin Voss-Tecklenburg unmittelbar nach der Partie gegenüber der FIFA. Die Konsequenz im Abschluss habe einfach gefehlt, die Chancen seien ja da gewesen. 

Typisch: Der Schweiz fehlt auch bei dieser Chance von Vanessa Bernauer nach 78. Minuten der Killerinstinkt. gif. srf

Da fehlt etwas, nennen wir es Tor

Was denn schlussendlich gefehlt hat, ist bei einer 0:1-Niederlage relativ simpel zu analysieren. «Das Tor, der letzte Biss. Kanada hat ein Tor gemacht und deshalb bleiben sie hier und wir nicht. Aber die Erfahrungen werden uns helfen, es muss einfach ein Killerinstinkt kommen», so Voss-Tecklenburg.

Kanadas Trainer, John Herdman, zeigte sich nach dem Spiel erleichtert: «Wir wussten, dass es eng werden würde. Wir mussten dagegenhalten und standen als Gastgeber natürlich unter grossem Druck. Ich bin stolz auf meine Mädels, das sind Krieger, die wissen, was zu tun ist und alles reinwerfen, was sie haben.»

Das Tor von Kanada durch Belanger sorgte für die Entscheidung. gif: srf

Grosse Enttäuschung herrscht nach dem WM-Aus verständlicherweise auch bei den Spielerinnen. «Die WM ist vorbei, das tut weh. Mit unserer Offensive müssen wir einfach noch mehr Chancen rausspielen, viele Aktionen haben wir nicht zu Ende gespielt, da wäre mehr dringelegen,» sagt Ramona Bachmann gegenüber dem SRF, die in 65 Länderspielen stolze 36 Tore erzielte.

Wenn das Herz blutet

Auch bei Verteidigerin Rachel Rinast überwiegt die Enttäuschung und das Gefühl, dass einfach mehr dringelegen hätte: «Wir können es noch nicht richtig akzeptieren, dass wir jetzt raus sind. Schade konnten wir uns heute nicht belohnen. Aber es war eine gute WM, niemand dachte, dass wir überhaupt das Achtelfinale erreichen, nun wäre sogar noch mehr dringelegen. 

«Auch wenn es weh tut, ich gönne es Kanada, es war ein sehr faires Spiel»

Schweizer Verteidigerin Rachel Rinast

Alles in allem zeigt sich Rinast mit dem Turnier dennoch zufrieden: «Ich denke, wir können ein positives Fazit ziehen.»

Rachel Rinast im Zweikampf mit Kanadas Kadeisha Buchanan. Bild: X02835

Auch SFV-Generalsekretär Alex Miescher hat nach der Niederlage gegen den WM-Gastgeber gemischte Gefühle: «Das Fussballerherz blutet, wir haben gespürt, dass wir hätten gewinnen können. Jetzt sind wir natürlich alle traurig und enttäuscht.»

Insgesamt zieht Miescher jedoch eine positive Bilanz: «Wir sind in keinem Spiel untergegangen, das ist eine wichtige Botschaft, diese ganz guten Leistungen sollten Mumm geben für die Zukunft.»

Neuer Zuschauer-Rekord in Kanada 

Rekord! So viele Zuschauer gab es bei einem Natispiel in Kanada noch nie – in allen Sportarten und auch bei den Männern nicht. Bild: KEYSTONE

Dass die Fans ein entscheidender Vorteil waren, ist sich Kanadas Trainer John Herdman sicher: «Die Fans waren wieder unglaublich. Das war schon surreal.» 

Schliesslich waren satte 53'855 Zuschauer im BC Place Stadium in Vancouver. Ein Rekord, noch nie waren in Kanada mehr Zuschauer an einem Spiel einer Nationalmannschaft – in keiner einzigen Sportart.

Dass so viele Zuschauer da waren, ist natürlich hauptsächlich auf Gastgeber Kanada zurückzuführen, doch Voss-Tecklenburg ist überzeugt: «Wir haben die Leute während des Turniers mitreissen können. Die WM war eine riesige Erfahrung.»

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Brikne, 20.7.2017
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  • Citation Needed 22.06.2015 17:35
    Highlight Bis auf den wuchtigen Blitzstart des Heimteams hatten die Schweizerinnen in der 1. HZ mehr vom Spiel. Dass sie nach dem Gegentor (wieder) einknickten ist schade. Die Spielerinnen wissen selbst, dass mehr drin gewesen wäre. Nur, wie abrufen? Gute Turnierteams schalten trotz Schwachstellen einen Gang höher wenns drauf ankommt und erzwingen ihr Glück. Die dazu nötige Reife und Erfahrung gibt es nicht ohne Niederlagen. Die Schweiz liegt zwar hinter der Weltspitze zurück, macht aber eine rasante Entwicklung im Moment. Darum Kopf hoch, vielleicht reichts schon bis zur EM auf die nächste Stufe?
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  • Gelöschter Benutzer 22.06.2015 09:56
    Highlight auch wenn ich versuche zwischen den Zeilen zu lesen, auch noch kein so verstecktes Lob konnte ich finden...😕
    schwingt da etwa die Vor(/ein)stellung mit, dass alle Schweizer (national) Sportler entweder "the heros" sein müssen oder erst gar nicht mitmachen sollen?

    man(n &frau) kann doch nur besser werden, wenn man Fehler machen darf/kann und daraus lernt.
    oder kennen sie jemanden, der im Schatten eines Milliardensports als Hero geboren wurde?

    ich finde die Leistung der Frauen an ihrer ersten WM-Teilnahme sehr gut.
    erst recht wenn man schaut wo die mannschaft vor ein pasr jahren noch standen. sie sind nicht mit einer überheblichen einstellung angetreten. sie haben ihre aktuellen möglichkeiten ausgenutzt und das nicht mal schlecht.

    jetzt haben sie die möglichkeit und auch die zeit es in der em qualli besser zu machen.
    drücken wir ihnen doch die daumen.

    liebes frauen nati team, ihr hant es toll gemacht.
    weiter so.
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    • Gelöschter Benutzer 22.06.2015 10:25
      Highlight dieser kommentar war als antwort auf amade.ch gedacht und nicht als einer auf den artikel selbst!!!
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    • amade.ch 22.06.2015 10:40
      Highlight Mit genau dieser Einstellung bringt es ja schon unsere Männernati kaum je über ein Achtelfinale hinaus. Bloss nicht kritisieren...
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    • Gelöschter Benutzer 22.06.2015 12:19
      Highlight amade.ch
      kritik ja, aber in einer relation zu den möglichkeiten, den gesetzten zielen, dem erreichten, der art und weise des auftretens, der leistung als ganzes.
      eine beinahe rein negative kritik ist eine kritik die sich nicht an die gegebenheiten, der möglichkeiten und der leistung anpasst und ausgewogen ist, und ist nicht förderlich.
      bezüglich der herren.
      hier versteht ich eine solche positionierte kritik eher, denn da wird oft in richtung überheblichkeit aufgetreten und kommuniziert, aber die leistung wird dann nicht auf dem platz gezeigt.
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    • amade.ch 22.06.2015 15:26
      Highlight Mir ist ehrlich gesagt egal, ob die Spieler/innen vor der WM grossmaulig auftreten oder nicht. Sie sollen einfach ihr Bestes geben. Das war bei den Frauen nur bedingt der Fall. Man sah in allen Spielen (abgesehen vom Ecuador-Spiel), dass mehr drin gewesen wäre. Sie hätten die Fähigkeiten gehabt, haben aber zu wenig daraus gemacht. Darum würde ich nicht von einer tollen Leistung sprechen wollen.

      Andere Frage: Hast Du die Spiele gesehen?
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    • Gelöschter Benutzer 22.06.2015 19:39
      Highlight ja, ich habe die schweizer spiele und auch andere gesehen. bin aber weder ein profi/amateur spieler/trainer oder so um den richtigen wert der gezeigten leistung beurteilen zu können, einzig meine zwei töchter spielen selber in der 3ten liga.
      ich bleibe aber weiterhin der meinung, dass die leistung für das erste auftreten auf dergrossen bühne nicht schlecht war. erst recht wenn man die geschichte des frauenfussball in der schweiz anschaut.

      aber egal. jetzt gibt es ein neues ziel. die em quali.
      toi toi toi der ch frauen nati.

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    • Citation Needed 25.06.2015 11:35
      Highlight Sehr treffende Analysen übrigens, Thota - auch wenn Du Deine Urteilsfähigkeit selbst kleinredest - mit zwei Fussballtöchtern bist Du wohl näher und tiefer am/im Thema dran/drin als viele andere!
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    • Gelöschter Benutzer 25.06.2015 12:42
      Highlight an citation needed:
      danke für die 💐, aber es besteht doch ein grosser unterschied zwischen zuschauer (vater) bei amateurliga spielen, nationalliga spielen und natürlich trainer, um dadurch erst in der lage zu sein, das geleistete beurteilen zu können.
      an den spielen sieht man NUR 90min. (max. 120min bei verlängerung), wie eine mannschaft, wie einzelne spieler/innen auftreten und ihre fähigkeiten anwenden und die taktischen vorgaben umsetzen.
      das reicht nicht um wirklich etwas aussagen zu können.
      - wo liegen die grenzen des einzelnen
      - was wird im training geleistet
      - wie stehts um die kondition (körperlich wie auch mental)
      - wie ist die motivation, der einsatzwille
      - ist noch raum nach oben oder läuft man schon am/über dem limit
      -...
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  • amade.ch 22.06.2015 08:24
    Highlight Es war kein "wir hätten gewinnen können", sondern ein "hätten gewinnen müssen". Kanada war in diesem Spiel nur ganz selten besser, meist hatten die Schweizerinnen die Kontrolle. Dass man trotzdem raus ist, hat vor allem mit fehlender Effizienz zu tun. In vielen Szenen war man einfach nicht abgebrüht genug. Wie im Spiel gegen Kamerun gelang es nicht, entsprechend zu reagieren. Im Gegensatz zu jenem Spiel fiel man dieses Mal wenigstens nicht völlig auseinander.
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    • Citation Needed 22.06.2015 18:19
      Highlight Hätten gewinnen MÜSSEN? Es geht hier ja nicht um Buchhaltung; wer mehr vermag hat nicht automatisch mehr auf dem Konto. Fussball fasziniert, weil er streng geregelt und gleichzeitig unberechenbar ist. Spieler, die ein Jahresgehalt in Millionenhöhe garnieren, hauen einen Penalty daneben oder dem Gegner den Kopf ans Brustbein. Wir finden dann "ah, das hätte nicht passieren dürfen!" - ist es aber. Die fehlende Effizienz und Konstanz hat mehr mit fehlender Routine als mit Leistungsbereitschaft zu tun. Wäre Kanada in Rückstand geraten, wer weiss, ob sie ihre Kampfkraft hätten ausspielen können?
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    • amade.ch 29.06.2015 09:37
      Highlight Ja, hätten gewinnen müssen. Aber wir können natürlich wie bei den Männern nach jedem Ausscheiden finden, dass es doch ein tolles Turnier gewesen sei. Dass auch Topspieler Fehler machen, ist sonnenklar. Wenn am Ende des Spiels die schlechtere Mannschaft gewinnt, ist es aber halt einfach enttäuschend, und genau das war hier der Fall.
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