Sport

Roman Bürki setzte vor dem Spiel gegen Monaco ein Zeichen für seinen verletzten Teamkollegen Marc Bartra. Bild: DPA

Roman Bürki: «Die Aussagen der UEFA sind die grösste Frechheit, die es gibt»

Fünf Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dortmunder Teambus hat sich Roman Bürki in einem Interview mit der Sonntags-Zeitung erstmals ausführlich zum Terror-Angriff geäussert. Der Schweizer Goalie erhebt schwere Vorwürfe an die Adresse der UEFA.

16.04.17, 15:06 16.04.17, 15:56

«Ich habe noch immer Probleme, schlafen zu können. Im Unterbewusstsein zucke ich zusammen und schrecke darum auf. Das ist das Schlimmste: dass ich keine Nacht durchschlafen kann.» Die Bombenexplosionen hallen nach, der Schock sitzt beim BVB-Keeper tief: «Ich muss drei Kreuze an die Decke machen, dass ich noch am Leben bin.»

Der durch die Explosionen beschädigte Mannschaftsbus des BVB. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Von der profanen Normalität ist der 26-Jährige weit entfernt. Quälende Fragen kreisen im Kopf: «Warum? Warum ist das passiert? Wieso wir Fussballer als Ziel? Wir haben uns doch immer von politischen Themen distanziert. Uns anzugreifen, ist doch komplett absurd.»

Derweil laufen die Fahndungen weiter

Unverständnis über den Entscheid der UEFA

Für den Entscheid, den Champions-League-Viertelfinal knapp 24 Stunden nach der Attacke auf die Equipe neu anzusetzen, bringt er nicht das geringste Verständnis auf: «Für mich war schlimm, dass wir schon am Tag nach dem Anschlag wieder spielen mussten. Wenn wir hätten wählen können, von uns hätte keiner gespielt.»

«Wenn ich dann am nächsten Tag von irgendeinem Sprecher der UEFA oder der FIFA höre, das Spiel wäre abgesagt worden, wenn jemand ums Leben gekommen wäre ... Also, das ist doch wohl die grösste Frechheit, die es gibt.»

Roman Bürki

Er habe während der Partie gegen Monaco (2:3) alles immer etwas später wahrgenommen – «als hätte ich einen Schleier vor den Augen»; hinterher seien bei jedem Spieler Tränen geflossen, so Bürki im Gespräch mit der Sonntags-Zeitung am Tag nach der Rückkehr in die Bundesliga gegen die Eintracht Frankfurt (3:1).

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  • 13%Das war richtig, damit man ein politisches Zeichen setzen konnte.
  • 9%Ich will nur das Resultat sehen.

Der Schweizer hat wie der Dortmunder Coach Thomas Tuchel auch die UEFA im Verdacht, Druck ausgeübt zu haben, die Partie bereits am Tag danach durchzuführen. «Ich spürte, dass es denen (UEFA) nur ums Geld geht und nicht um das Menschliche. Wenn ich dann am nächsten Tag von irgendeinem Sprecher der UEFA oder der FIFA eine Aussage höre, das Spiel wäre abgesagt worden, wenn jemand ums Leben gekommen wäre ... Also, das ist doch wohl die grösste Frechheit, die es gibt. Muss immer zuerst etwas Gravierendes passieren, bevor man handelt?»

Auch BVB-Trainer Thomas Tuchel zeigt wenig Verständnis für den Entscheid der UEFA. Bild: FRIEDEMANN VOGEL/EPA/KEYSTONE

Von der politischen Rhetorik hält Bürki wenig, als Direktbetroffener beurteilt er die Aussagekraft der in einem äusserst schwierigen Kontext veranstalteten Champions-League-Partie anders. Für ihn persönlich war das Spiel am letzten Mittwoch kein Statement gegen den Terrorismus: «Das war doch kein Zeichen, das war nur ein Ignorieren der Tatsachen.» (abu/sda)

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Micha-CH, 16.12.2016
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  • gecko25 17.04.2017 00:59
    Highlight nun, er kann wenigstens nach einem "Bombenanschlag" in Saus und Braus weiterleben. Das können viele Iraker. Syrer usw. nicht.
    14 19 Melden
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  • _stefan 16.04.2017 22:58
    Highlight Ich habe vollsten Respekt vor jedem Spieler, welcher dieses Attentat miterlebt hat. Die Aufarbeitung eines solchen Ereignisses braucht Zeit und ggf. professionelle Hilfe. Dass Bürki sich nun öffentlich gegen die UEFA äussert, verstehe ich aus seiner Sicht. Im nachhinein kann man einen solchen Entscheid immer besser beurteilen.

    Die UEFA entschied unmittelbar nach dem Vorfall, in Absprache mit den Vereinen. Dort hat sich niemand gegen die Neuansetzung gewehrt.

    Ich denke, sämtliche Beteiligten waren überfordert und haben schlicht nicht einschätzen können, wie sich die Spieler fühlen werden.
    15 3 Melden
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  • C-Cello 16.04.2017 22:51
    Highlight Ich verstehe Bürgis Aspekte, aber im Fussball ist alles nur Geschäft. Hätte Dortmund gewonnen würde keiner wegen der kurzfristigen Ansetzung jammern.
    14 21 Melden
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  • Jimmy :D 16.04.2017 17:55
    Highlight Wäre es möglich, dass man das Resultat der Abstimmungen gleich sieht, ohne noch "Ich will nur das Resultat sehen" zu drücken?

    Ausserdem verfälscht es die eigentliche Abstimmung.
    11 26 Melden
    • Daria Wild 16.04.2017 18:24
      Highlight Hallo Jimmy :D, nein das geht nicht.
      20 10 Melden
    • chnobli1896 16.04.2017 18:56
      Highlight Und die Anzahl Abstimmende?
      27 0 Melden
    • Schlumpfinchen 16.04.2017 20:02
      Highlight Wenn man das Resultat schon sehen könnte, würde erst Recht die Abstimmung verfälschen.
      30 2 Melden
    • Daria Wild 17.04.2017 12:29
      Highlight @chnobli1896, zeigt es nicht an. Diese Zahl haben wir aber, wenn es dich interessiert, kannst du gerne nachfragen. Gruss!
      0 0 Melden
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  • Captain obvious 16.04.2017 17:25
    Highlight Die Niederlage aber jetzt nur auf das zu schieben ist nicht nur falsch, sondern auch frech gegenüber Monaco. Sie hätten Dortmund auch ohne dieses Event schlagen können.
    38 91 Melden
    • maxi 16.04.2017 20:28
      Highlight jop hätten sie können... aber da wäre mehr Gegenwehr gekommen
      5 5 Melden
    • bibaboo 16.04.2017 22:50
      Highlight Inwiefern begründet denn Burki die Niederlage mit den Geschehnissen? Bürki macht mit seiner Aussage gerade klar, dass das Resultat unter diesen Umständen für ihn nicht von Bedeutung ist.
      22 0 Melden
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  • LisaSimpson 16.04.2017 16:33
    Highlight Fussball hat nichts mit Sport zu tun weil:
    1) zu viel Geld im Spiel ist
    2) 2x 45min einem Ball nachrennen und dazwischen jammern kein Sport ist
    3) Doping weit verbreitet ist aber tod gschwiegen wird
    4) Die Spieler nicht für einen Club mit Herzblut spielen sondern für den Höch$tbietenden

    Fussball ist und bleibt BU$INE$$ nichts anderes. Daher ist es auch logisch wird das Spiel nicht abgesagt......
    Die Wahrheit ist manchmal leider auch unschön :-(

    53 116 Melden
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  • AJACIED 16.04.2017 15:49
    Highlight Jetzt lasst für einmal die FIFA damit in Ruhe. Mein Gott hier ist die UEFA der Chef und einzig allein der entscheidet. Aber easy FIFA bashing ist und bleibt ja in Mode was.
    89 20 Melden
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  • zettie94 16.04.2017 15:44
    Highlight Wieso wird von allen nur auf der UEFA rumgehackt? Die Spielansetzung auf den nächsten Tag wurde zusammen mit Vertretern der Klubs beschlossen. Wenn diese die Interessen ihrer Spieler schlecht vertreten haben, dann liegt der Fehler nicht (alleine) bei der UEFA!
    75 31 Melden
    600
  • hoi123 16.04.2017 15:30
    Highlight Im nachhinein nur noch Mimimi
    36 131 Melden
    600
  • CASSIO 16.04.2017 15:20
    Highlight Ronan Bürki, jetzt mach mal nen Punkt. Das Fussballlbusiness ist ein Schlampengeschäft, das müsstest Du nach all diesen Jahren nun wirklich wissen. Das ist Big Business, hier geht's um jede Menge Kohle, man sagt, hier wird auch zünftig Geld gewaschen. Ihr verdient auch Unmengen an Geld, dies ist der Preis, den Ihr dafür zahlt.
    72 109 Melden
    • elmono 16.04.2017 18:07
      Highlight Ihm fehlt halt das Menschliche. Wie kann man nur Fussballer angreifen, welche sich aus allem politischen raushalten, um ja keine potenziellen oder aktuellen Sponsoren zu vergraulen, um noch mehr Kohle zu scheffeln. Heuchlerei.
      16 25 Melden
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  • Donaldo Perez 16.04.2017 15:20
    Highlight Wenn die Spieler wirklich wie beschrieben vermindert arbeitsfähig waren, hätten sie das Spiel boykottieren können. Es wäre never ever als Forfait gewertet worden in dieser Situation. Aber hauptsache zum Spiel antreten und nach der Niederlage tagelang jammern und nach Ausreden suchen.
    Beim Sieg gegen Frankfurt scheint das Trauma jedenfalls schon nicht mehr so gross gewesen zu sein.
    72 79 Melden
    • AJACIED 16.04.2017 15:50
      Highlight Amen
      36 31 Melden
    • maxi 16.04.2017 15:52
      Highlight doch wäre es... zudem hätte der verein keine kohle aus dem tv pott usw. erhalten... deshalb haben die verantwortlichen auch nicht zum nicht antreten aufgerufen... man scheidet lieber aus mit der kohle anstatt das man ein zeichen setzt...
      44 13 Melden
    • Amboss 16.04.2017 17:05
      Highlight @zu 100% einverstanden. Ein Spiel findet nur statt, wenn 2 Teams auf dem Feld stehen.
      Dortmund hätte einfach nicht antreten können und dann mal schauen was passiert.
      Dann wäre die UEFA wirklich in Zugzwang gekommen.

      aber eben . Der BVB und jeder einzelne Spieler hat lieber den einfachen Weg gewählt um die Geldtöpfe keinesfalls zu gefährden
      36 5 Melden
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