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Fühlt sich um die drei Punkte bestohlen: Sion-Präsident Christian Constantin am Sonntagnachmittag in Bern.  Bild: KEYSTONE

Der Ärger des Christian Constantin

Der Präsident des FC Sion kritisiert nach der 3:4-Niederlage gegen YB die Leistung des Schiedsrichters.

Publiziert: 21.11.16, 03:42 Aktualisiert: 21.11.16, 08:18

ruedi kuhn / Aargauer Zeitung

Kürzlich sprach ein Walliser Bub Peter Zeidler an. «Sie müssen für immer Trainer des FC Sion bleiben», sagte der Dreikäsehoch. Zeidler lächelte und fragte ihn warum. Die Antwort des Jungen kam wie aus der Pistole geschossen. «Weil Sie immer gewinnen.»

Eine nette Geschichte: Schauen wir mal, was der Bub zu sagen hat, wenn ihm Zeidler das nächste Mal über den Weg laufen wird. Eines ist seit dem 3:4 des FC Sion bei den Berner Young Boys klar: Zeidler ist nicht unbesiegbar. 

«Der Schiedsrichter ist für mich tabu. Er hat die Partie sehr gut geleitet und nicht beeinflusst.»

Sion-Trainer Peter Zeidler.

Drei Monate nach seinem Amtsantritt bei den Wallisern musste der 54-jährige deutsche Übungsleiter erstmals die bittere Pille einer Niederlage schlucken. Nach elf Spielen in der Meisterschaft und im Cup mit neun Siegen und zwei Unentschieden verlor der FC Sion unter der Führung Zeidlers also erstmals.

Und Zeidler? Er scheint nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein Gentleman zu sein. Statt sich über einen beim Stand von 3:2 für Sion nicht gegebenen Penalty zu ärgern, blieb Zeidler völlig unaufgeregt. «Wir wollen ein fairer Verlierer sein», sagte er. Kein Wort zur Leistung des Aargauer Schiedsrichters Fedayi San? «Nein», fügte Zeidler hinzu. «Der Schiedsrichter ist für mich tabu. Er hat die Partie sehr gut geleitet und nicht beeinflusst.»

Peter Zeidler: Gentleman in der Niederlage. Bild: KEYSTONE

Der Präsident sieht es anders

Klare Worte, die Zeidler nach Studium der Fernsehbilder wahrscheinlich nicht wiederholen würde. Was ist passiert? Die wohl entscheidende Szene aus Sicht des FC Sion spielte sich in einer verrückten Partie vor 23'188 Zuschauern nach knapp einer Stunde im Strafraum der Berner ab.

YB-Captain Steve von Bergen foulte nahe am Fünfmeter-Raum Sion-Stürmer Moussa Konaté. Statt auf Penalty zu entscheiden, liess Fedayi San die Partie weiterlaufen. Ein klarer Fehlentscheid des Spielleiters, der mit Ausnahme dieses groben Schnitzers eine ausgezeichnete Leistung zeigte. Weil es im Fussball keine Gerechtigkeit gibt, fiel kurze Zeit später nicht das mögliche 4:2 für den FC Sion sondern das 3:3 für YB.

Statt 4:2 für Sion heisst es in der 60. Minute nach Schicks Treffer 3:3. Video: streamable

Im Gegensatz zu Trainer Zeidler nahm Christian Constantin kein Blatt vor den Mund. «Dass wir nach diesem sehr guten Auftritt als Verlierer vom Platz gehen müssen, ist einerseits sehr schade, anderseits sehr ärgerlich», sagte der Präsident des FC Sion. «Sehr ärgerlich vor allem deshalb, weil wir wieder einmal gegen YB um den Sieg betrogen wurden. Der Schiedsrichter hat uns einen klaren Penalty verweigert und uns damit den Sieg gestohlen. Hätten wir das 4:2 erzielt, wäre das Spiel höchstwahrscheinlich zu unseren Gunsten entschieden gewesen.»

Menschen machen Fehler

Christian Constantins Ärger ist verständlich, aber Fehler gehören zum Fussball. «Menschen machen Fehler», sagte Sion-Mittelfeldspieler Veroljub Salatic nach dem Schlusspfiff. «Und Schiedsrichter sind auch Menschen.» Penalty hin, Penalty her; die Walliser müssen sich im Endeffekt selbst an der Nase nehmen. Wer so viele hochkarätige Möglichkeiten vergibt, der sollte sich nicht wundern, wenn er schliesslich mit leeren Händen da steht.

Vermummte gehen auf Sion-Fans los

Vor dem Spiel zwischen YB und Sion haben Vermummte am Berner Hauptbahnhof eine Gruppe von Sion-Fans angegriffen. Sieben Personen wurden verletzt, eine davon musste mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. Laut Polizeiangaben griffen die rund 30 Vermummten zirka um 13 Uhr unvermittelt die Gäste-Fans an, die mit dem Zug ankamen. (sda)

Und eines ist auch klar: Die Young Boys haben den Sieg gegen Sion nicht gestohlen. Natürlich hinterliessen die Berner vier Tage vor dem wegweisenden Europa-League-Spiel bei Olympiakos Piräus einen zwiespältigen Eindruck. Natürlich hatten sie in der wohl entscheidenden Szene nach einer Stunde das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite.

Aber wer sich gegen eine drohende Niederlage so vehement auflehnt, dank viel Moral und Charakterstärke zweimal einen Rückstand aufholt und mit dem zweifachen Torschützen Guillaume Hoarau den besten Spieler auf dem Platz stellt, der geht im Endeffekt als verdienter Sieger vom Platz.

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naja, mir - 16.4.2016
Immer auf dem neusten Stand. Besticht mit sympathischem, intelligentem Witz!
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  • ThePower 21.11.2016 12:10
    Highlight Karma. Konaté hat beim 1-2 für Sion so blöd in Richtung unseres Sektors gejubelt. Da ist die Genugtuung riesig, dass die ohne Punkte heimfahren. Und dass denen ein Penalty verwehrt wurde, ist die gerechte Strafe für ihre ewige Fallsucht, speziell Konaté und Carlitos.

    Deshalb muss ich dem Autor widersprechen: Manchmal gibt es eben doch Gerechtigkeit im Fussball.
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  • Cpt Halibut 21.11.2016 08:21
    Highlight Ausgleichende Gerechtigkeit. Konaté fällt bei jedem Kontakt (nicht aber in diesem Fall) wie eine Feder.
    15 7 Melden
    • Duscholux 21.11.2016 09:44
      Highlight Das war vielleicht letzte Saison noch so. Inzwischen ist er kein Schwalbenkönig mehr.
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  • sidthekid 21.11.2016 08:04
    Highlight Grosser Sport von Peter Zeidler! Weniger gross derjenige von Constantin. Aber irgendwo kann ich den Präsidenten verstehen.
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  • Jonas Schärer 21.11.2016 07:09
    Highlight Von Bergen gegen Carlitos (nocht Konaté) wäre wohl die Szene die ihr meint...
    Dabei dürfte man aber auch erwähnen dass der Herr San auf beiden Seiten ultrakomische entscheide gefällt hat... 2× wurden YB spieler trotz Vorteil zurückgepfiffen, die alleine auf Mytrushkin zugelaufen wären... (1× Sanogo und 1× Michi)
    Dazu diverse sehr merkwürdige Foulpfiffe auf beiden Seiten...
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  • Lord_ICO 21.11.2016 07:05
    Highlight Wer vier Tore in einem Spiel kassiert, sollte sich vielleicht an die eigene Nase fassen und nicht wegen einem Schiedsrichterentscheid rumheulen. CC geht mir aber sowas von auf die Nerven, bei jeder Niederlage heult er wegen den Schiris rum und sabbelt irgendetwas von Verschwörung gegen ihn und Sion. Vielleicht müsste die Liga hier auch mal ein Zeichen setzen und dieses unfaíre Verhalten seitens CC ahnden.
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    • Duscholux 21.11.2016 09:46
      Highlight Unfaires verhalten? Man sollte keine Worte, sondern Taten bestrafen.
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    • Lord_ICO 21.11.2016 11:37
      Highlight Worte führen zu oft bei unterbelichteten Menschen zu Taten, siehe Bus RB Leipzig in Leverkusen. Deshalb sollte man dieses Anheizen der eigenen Chaoten nicht auch noch schönreden. Wenn dan plöttlich ein wütender Fanmob in Sion auf einen Schiedsrichter losgeht, will wieder keiner verantwortlich sein.
      Desweiteren, kann ein Wort auch eine Tat sein z.B. rassistische Äusserungen eines Paolo Di Canio, sollte man dies auch nicht Strafen, weil nur Worte?
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