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Blackpool feiert den Einzug in den Playoff-Final der League Two. bild: twitter/@blackpoolfc

Zweimal scheppert's in der 95. Minute – der ganz normale Aufstiegswahnsinn in England

19.05.17, 13:12 19.05.17, 13:26

Im Spät-Frühling herrscht in Fussball-Europa traditionell Hochspannung. Überall wird um Meisterehren, Promotionen und gegen Relegationen gekämpft. So packend wie in England ist es aber nirgends. Gemeint ist allerdings nicht die Premier League: Dort stehen der Meister und die drei Absteiger in diesem Jahr bereits fest. Nur um die Champions-League-Plätze wird noch gestritten. 

Echtes Drama spielt sich dagegen in den drei restlichen, englischen Profiligen ab – dank dem speziellen Aufstiegsmodus. Wie in einigen anderen Ligen auch wird der letzte von drei (Championship und League One) bzw. vier (League Two) Aufsteigern mittels Playoffs bestimmt. Die vier Teams hinter den Direktaufsteigern bestreiten zunächst Halbfinals mit Hin- und Rückspiel, danach kommt es zur grossen Aufstiegs-Finalissima, im Wembley.

Die englischen Aufstiegsplayoffs 2017

So hat in der Championship beispielsweise der dreifache englische Meister Huddersfield die Chance, mit einem Finalsieg gegen Reading erstmals seit 1972 wieder in die höchste Liga zurückzukehren – obwohl man die Meisterschaft mit einem negativen Torverhältnis (!) nur auf Rang 5 abschloss. Das Aufstiegsspiel in die Premier League ist das wertvollste Spiel der Welt: Der Sieger kassiert rund 100 Millionen Pfund für den Aufstieg. Um So viel geht es sonst nirgends.

In der League One kämpfen das fünfplatzierte Bradford und der nur knapp in die Playoffs gerutschte letztjährige Absteiger FC Millwall (6.) um den Aufstieg. Noch extremer ist's in der League Two: Dort hat sich das siebtplatzierte Blackpool für den Final qualifiziert. Und zwar – wie es sich gehört – in extremis ...

Ausgleichende Gerechtigkeit

2:3 lagen die «Seasiders» im Halbfinal-Rückspiel nach dem 3:2-Hinspiel-Sieg bei Luton Town zurück, als die 95. Minute anbrach. Ein letzter Eckball noch für Blackpool, dann geht es in die Verlängerung. Das dachten zumindest alle ... Doch dann köpfte Kelvin Mellor Richtung Tor und Luton-Keeper Stuart Moore schaufelte sich den Ball zusammen mit Jordan Cook ins eigene Tor. 

Dank diesem Eigentor steht Blackpool im Playoff-Final. Video: streamable

Es war so was wie ausgleichende Gerechtigkeit. Dem 3:1-Penaltytreffer ging eine fiese Schwalbe von Danny Hylton voraus.

Die Schwalbe von Danny Hylton. Video: streamable

Im Final trifft Blackpool, das 2011 noch in der Premier League spielte, danach aber wegen finanzieller Schwierigkeiten und katastrophaler «Kaderplanung» durchgereicht wurde, auf Exeter City.

In der Halbfinal-Partie Exters gegen Carlisle United ging's übrigens nicht weniger dramatisch zu und her. Nach dem 3:3 im Hinspiel führte Exeter bis 79. Minute mit 2:0, doch Jason Kennedy und John O'Sullivan bewerkstelligten bis zur 90. Minute den Ausgleich. Carlisle drückte in der Folge auf den Siegtreffer, der in der 95. Minute aber auf der anderen Seite fiel.

Die Carlisle-Aufholjagd ohne Happy End. Video: streamable

«20-Sekunden-Wahnsinn von Watford»

Das war schon ziemlich viel Drama. Der Championship-Playoff-Halbfinal von 2013 zwischen Watford und Leicester toppt aber alles und ging als «20-Sekunden-Wahnsinn von Watford» in die Geschichte ein: 1:0 gewann Leicester das Hinspiel zu Hause und hielt im Norden Londons bis in die Nachspielzeit das 1:2.

Mehr noch: In der 96. Minute erhielt Leicester einen Elfmeter zugesprochen. Der gefoulte Knockaert trat selbst, doch «Hornets»-Keeper Manuel Almunia parierte gleich doppelt und schon lief der Gegenstoss, den Troy Deeney in der 98. Minute mit dem 3:1 abschloss. Der ganz normale Aufstiegswahnsinn in England ...

Knockaert wird zum Deppen, Deeney zum Helden. Video: streamable

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