Sport

Letztes Jahr spielte Pisacane bereits im italienischen Pokal für Cagliari gegen Inter. Bild: Getty Images Europe

Die Ärzte sagten, er könne nie wieder Fussball spielen – jetzt feierte Fabio Pisacane sein Serie-A-Debüt

Als er 15 Jahre alt ist, wird bei Fabio Pisacane das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert, eine seltene Lähmungskrankheit. Ärzte erklären dem Genoa-Jugendspieler, dass er wohl nie wieder Fussball spielen könne. Doch Pisacane hat sich zurückgekämpft und ist am Sonntag mit 30 Jahren zu seinem Serie-A-Debüt gekommen.

Publiziert: 20.09.16, 16:45 Aktualisiert: 20.09.16, 18:13
Sandro Zappella
Sandro Zappella

Cagliari-Verteidiger Fabio Pisacane konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten: Er hatte soeben beim 3:0-Heimsieg gegen Atalanta mit 30 Jahren sein Serie-A-Debüt gegeben – 15 Jahre nachdem man ihm sagte, dass er vielleicht nie mehr laufen könne.

«Ich gab nie auf, nicht eine einzige Sekunde.»

Fabio Pisacane

Der Moment, als Pisacane von den Emotionen überwältigt wird. Video: streamable

«Als ich erfuhr, dass ich eventuell spiele, gingen mir all die schweren Momente nochmals durch den Kopf», sagte Pisacane im Interview nach der Partie zum sardischen TV-Sender Videolina. Er habe seit Monaten Tag und Nacht nur noch an diesen Moment gedacht, nach all den Problemen, die er durchgemacht habe. «Ich gab nie auf, nicht eine einzige Sekunde.»

Der Rückschlag noch vor der Karriere

Pisacane galt mit 14 Jahren bereits als grosses Talent, Scouts aus Genua holten den gebürtigen Neapolitaner in ihre Jugendakademie. Doch bei Pisacane wurde das äusserst seltene (1,2 bis 2,3 Fälle auf 100'000 Personen) Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert, eine Lähmungserkrankung, die dazu führt, dass man seine Muskeln nicht mehr bewegen kann.

«Eines Tages bin ich komplett gelähmt aufgewacht, von Kopf bis Fuss. Ich habe realisiert, wie ernst die Sache ist, als ich in einem Spitalbett die fürchterliche Diagnose erhielt.» In diesem Moment habe er nicht mal daran gedacht, dass er vielleicht nie mehr Fussball spielen könne. Seine ganzen Hoffnungen galten etwas viel Wichtigerem: die Krankheit zu überleben.

Er hat es geschafft: 15 Jahre nach der schlimmen Diagnose gibt Pisacane sein Debüt in der höchsten italienischen Liga.

Wie Vater Andrea Pisacane berichtet, hätten ihm die Ärzte gesagt, dass sein Sohn nie wieder Fussball spielen könne. Doch nachdem Fabio Pisacane einen Monat im Koma lag, schaffte er es anschliessend, sich langsam zurückzukämpfen – sogar zurück auf den Fussballplatz. 

So kämpfte sich Pisacane Liga für Liga hoch, eher er 2015 einen Vertrag bei Cagliari erhielt und mit den Sarden in die Serie A aufstieg. 

Der abgelehnte Bestechungsversuch

Fabio Pisacanes Karriere verlief auch in anderer Hinsicht aussergewöhnlich. Der Italiener wurde 2011 von der FIFA zum Botschafter ernannt, nachdem er 50'000 Euro ablehnte, um ein Spiel zu manipulieren – es wäre etwa sein halbes Jahresgehalt gewesen. Zusammen mit Simone Farina, der ebenfalls einen Wettbetrugsversuch meldete, wurde er in der Folge in die italienische Nationalmannschaft eingeladen, um als Dank mit der «Squadra Azzurra» trainieren zu können. Ein erstes Highlight auf dem langen Weg zurück.

Pisacane mit Frau und Sohn.

Es folgten weitere Rückschläge, beispielsweise eine hartnäckige Knieverletzung. Doch Fabio Pisacane hat dennoch geschafft, was ihm niemand zutraute: das Debüt in der Serie A – mit 30 Jahren. Im Interview nach dem Spiel setzte Pisacane dann auch zur Dankesrede an: «Ich hätte mir das nie erträumen lassen, ich möchte allen danken, von meinen Eltern, über meine Frau zu meinem Sohn, die mir unglaubliche Kraft gaben. Und zuletzt auch meinem Trainer Massimo Rastelli. Er ist ein grossartiger Mann, einer, der seine Versprechen hält.»

Das ganze Interview mit Pisacane. Video: YouTube/inpuntadimouse

Der Fussball schreibt oft die schönsten Geschichten

17.11.1993: Frankreich vergeigt in letzter Sekunde die WM-Quali und Sündenbock Ginola zieht gegen Trainer Houiller vor Gericht

23.06.1990: Roger Milla gegen René Higuita – der Alte entzaubert den Irren

30.06.1998: Mit einem Wundersolo geht Michael Owens Stern auf, der nur allzu schnell wieder verglüht

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und alle wissen, um welchen historischen Match es hier geht

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

27.01.1994: Beim seltsamsten Fussballspiel aller Zeiten muss ein Team plötzlich beide Tore verteidigen

28.10.1993: «Die Tragödie von Doha» oder wieso an der WM 2022 vielleicht doch alles gut wird

03.10.2007: Milan-Goalie Dida zeigt in Glasgow den schönsten sterbenden Schwan der Fussball-Geschichte

22.06.1986: Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

17.07.1994: «Eine Wunde, die sich niemals schliesst» – Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

04.07.1999: Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch der Rekorde – weil er drei Penaltys in einem Spiel verschiesst

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

12.09.1990: Der Goalie mit der Pudelmütze sorgt für die vielleicht grösste Sensation der Fussball-Geschichte

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

03.03.2010: Fussballikone Maradona erkennt Thomas Müller nicht – und bekommt wenig später dessen Rache zu spüren

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

27.03.2011: Die «Mücke» sticht zum 100. Mal zu – Torhüter Rogerio Ceni wird für sein Jubiläumstor gefeiert wie vor ihm nur Pelé

28.02.1999: Maradona stürmt im Letzigrund die Tribüne und darf als Belohnung ins Altersheim

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

11.04.2001: Steht's 31:0 oder 32:0? Australien schiesst so viele Tore, dass man mit Zählen nicht nachkommt

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

08.09.1996: George Weah schnappt sich im eigenen Strafraum den Ball, dribbelt einfach alle aus und schiesst ein Wundertor

09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weiterreicht, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

27.04.1996: Basler lässt Wut an Torwand aus: «Wenn Sie ein drittes Loch in die Wand reinschiessen, gibt es 1000 Mark von mir» 

23.11.2002: Bei Luis Figos Rückkehr nach Barcelona wird der neue Real-Star mit einem Schweinekopf empfangen

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

06.09.2003: Es gibt nur ein' Rudi Völler und der schenkt Weissbier-Waldi nach Deutschlands 0:0 auf Island so richtig ein

10.05.1930: Der Beginn einer wunderbaren Hassliebe – die 7 denkwürdigsten Länderspiele zwischen Deutschland und England

Als der «entführte» Raffael zum Fall für die Polizei wurde und als Strafe einen Znacht ausgeben musste

09.11.2014: Der FC Aarau wird weltbekannt – und das alles wegen einer genialen Fallrückzieher-Rettungsaktion 

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

03.06.1997: Roberto Carlos scheint mit seinem Freistoss für die Ewigkeit alle Gesetze der Physik auszuhebeln

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

14.06.2012: Die Iren haben gegen Spanien nicht den Hauch einer Chance, aber ihre Fans singen sich zum EM-Titel

29.10.1997: Im dichten Schneetreiben gibt der 19-jährige Gigi Buffon sein Länderspieldebüt

14.11.2012: Zlatan Ibrahimovic schiesst gegen England nicht nur vier Tore, er trifft vor allem per Fallrückzieher aus 25 Metern

01.04.1998: Diese 76 Minuten TV-Geschichte mit Günther Jauch und Marcel Reif lassen jeden Aprilscherz alt aussehen

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

08.01.2004: Kult-Goalie Jorge Campos hängt seine knallbunten Trikots an den Nagel

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

20.04.2011: Reals erster Pott seit drei Jahren geht in die Brüche, weil Sergio Ramos zu wenig Muckis hat

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

18.07.2008: Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

06.05.2001: Inter-Fans stehlen den Feinden von Atalanta einen Roller und werfen ihn im San Siro über eine Brüstung

Alle Artikel anzeigen

Die 20 Teams in Europa mit den höchsten Zuschauerschnitten

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

Meistgelesen

1

Führerschein weg, 7000 Franken weg – warum Theo nach einer …

2

So macht's der «Blick» – Wie würdest du diese Story tit(t)eln? …

3

Der PICDUMP ist da! 💪

4

Ich mach seit 20 Jahren Interviews. Keins war so ein Desaster wie das …

5

25 Dinge, die dir nur in der Schweiz im Zug passieren

Meistkommentiert

1

Kein Wunder, wurde das Instrument des Grauens einst Fotzhobel genannt: …

2

Es gibt keinen Gott: Die Wichtigkeit der Nichtigkeit

3

Dieses Restaurant in Zürich führt als erstes der Schweiz …

4

Schweizer Retro-Food oder das moderne Gegenstück: Was hättest du …

5

Frauen sollen länger arbeiten: Nationalrat beschliesst Rentenalter 65

Meistgeteilt

1

«Sie hät ja gseit!» Dübendorfs Widmer trotz Cup-Out der …

2

SC Bern scheitert blamabel an Ticino Rockets – Davos ohne Probleme

3

Die 12 nervigsten Nachbarn

4

Schont der SC Bern seine Stars bald auch bei NLA-Auswärtsspielen?

5

Bye-bye, Blackberry! Der Smartphone-Pionier gibt auf

2 Kommentare anzeigen
2
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Radiochopf 20.09.2016 19:39
    Highlight Grosser Resepekt, ein Kämpfer und Vorbild für viele!
    12 0 Melden
    600
  • Sputnik_72 20.09.2016 17:39
    Highlight Wow...
    Habe mich heute den halben Tag im Büro über einen (im Nachhinein) kleinen Scheiss aufgeregt..
    Rispetto Fabio!!
    Komme mir grade ziemlich schäbig vor...
    24 0 Melden
    600

«Ich freue mich» – bei den Xhakas ist vor dem morgigen Brüderduell 2.0 die Leichtigkeit zurück

Morgen heisst es in der Champions League: Basel gegen Arsenal. Das ist Taulant gegen Granit Xhaka, das Duell der Brüder – dieses Mal freuen sie sich. 

Früher, da war alles leicht und unbeschwert. Da rannten Taulant und Granit Xhaka auf der Basler Volta-Matte – unweit der Grenze zu Deutschland und Frankreich – dem Ball hinterher. Kinder halt. Es ging um den Spass am Spiel, das Treffen mit den Freunden. Sie waren fünf und sechs Jahre alt, als sie bei Concordia erstmals ein richtiges Training bestritten.

Taulant erinnert sich: «Wir haben praktisch jede freie Minute zusammen verbracht. Nach der Schule gingen wir auf den Fussballplatz und kickten …

Artikel lesen