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Auch HSV-Captain Johan Djourou (r.) ist ratlos. Matthias Ostrzolek scheint das dagegen ziemlich egal zu sein. Bild: Deniz Calagan/freshfocus

Fussball-Misere in Hamburg: HSV und St.Pauli im synchronen Elend

Es ist toll, zwei Fussballvereine in einer Stadt zu haben. Weniger toll ist das nur – davon können die Zürcher ein Liedchen singen – wenn es beiden schlecht geht. So einen Fall erleben aktuell die Hamburger in ausgeprägter Form.

Publiziert: 08.11.16, 15:20 Aktualisiert: 08.11.16, 16:46
Donat Roduner
Donat Roduner

Hamburg steht für sehr viel Fussballtradition, doch wohl selten war es in der Hansestadt schwieriger Fussballfan zu sein, als jetzt. Beiden Teams aus der Hafenmetropole geht es miserabel: Der HSV ist Letzter in der 1. Bundesliga, St.Pauli teilt das Schicksal eine Spielklasse tiefer.

Die Tabellenenden:

1. Bundesliga

bild: weltfussball.com

2. Bundesliga

bild: weltfussball.com

Gleichzeitig bietet genau deshalb der Stadtrivale die Grundlage für eine wenigstens temporäre Aufheiterung:

Den ganzen Comic zur Situation in Hamburg gibt's hier. quelle: scheissfussball.de

Der «Bundesliga-Dino» HSV, der als einziges Team seit der Gründung 1963 im Oberhaus spielt, tritt an Ort, wenn man es gütig formuliert. Eigentlich geht er wieder einmal rückwärts. Nach zwei Saisons, in denen man jeweils in der Relegation ganz knapp am Abstieg vorbeigeschrammt ist, freute man sich letzte Saison über den doch ziemlich souveränen Ligaerhalt (10. Platz).

Hat die Bundesliga-Uhr bald ausgedient?

Das sind aber schon wieder Tempi passati. Bei den «Rothosen» brennt die Bude erneut lichterloh. Zehn Runden sind in der Bundesliga gespielt und der HSV hat noch nie gewonnen. Nur zwei Unentschieden und das desaströse Torverhältnis von 4:23 stehen zu Buche. Die Hälfte aller Tore erzielte Nicolai Müller dieses Wochenende bei der 2:5-Klatsche zuhause gegen Dortmund.

Die Schuldigen dafür sind schnell ausgemacht: Auf die Verantwortlichen in der Führungsetage prasselt massenhaft Kritik ein. Nicht zu unrecht, denn der HSV verliert nicht nur auf dem Platz, sondern auch Jahr für Jahr auf dem Transfermarkt. Man hat ein Händchen dafür, gute Spieler zu verhökern (Son, Calhanoglu, Demirbay) und dafür solche zu holen, die in Hamburg plötzlich ihre Leistung nicht mehr bringen (Rozehnal, Holtby, Berg).

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer ist eben kein James Dean.

Es spricht Bände, wenn watson-Newsdeskler und HSV-Mitleidender Philipp Dahm den Schweizer Captain Johan Djourou lobend hervorhebt: «Der ist bei uns wenigstens nicht schlechter geworden.»

Es ist dem Traditionsverein aber zugute zu halten, dass er schon manche Krise gemeistert hat. Doch in der aktuellen Verfassung scheint der – hoffentlich läuternde – Abstieg unausweichlich. Zu schlecht präsentierte sich das Team in der Bundesliga, insbesondere diesen Samstag, am 80. Geburtstag von Klublegende Uwe Seeler. Das brach diesem Anhänger das Herz:

Das ganze Video gib es auf Sport1.de. Video: streamable

Und sie hier hat eine klare Meinung:

Die Hoffnung auf eine himmlische Wende wird von Spieltag zu Spieltag geringer. Zu überschaubar ist die Qualität des aktuellen Kaders. Und ob unter dem neuen Sportdirektor, der in Bälde bestimmt sein soll (Christian Hochstätter?), alles anders – sprich besser – werden wird, darf getrost angezweifelt werden. Den Trainer ausgewechselt hat man ja schon.

Sie könnte im Sommer 2017 aufhören zu ticken: Die Bundesliga-Uhr des HSV. Bild: Tim Groothuis/freshfocus

Lienen soll (muss) es erneut richten

Tragischerweise für alle Hamburger läuft es auch dem FC St.Pauli, dem etwas kleineren Traditionsverein in der Stadt, überhaupt nicht nach Plan. Der «Kiezklub», der vor sechs Jahren wieder einmal für eine Saison erstklassig war, ist in der 2. Bundesliga seit acht Spielen ohne Sieg und ebenfalls ans Tabellenende abgerutscht.

Symptomatisch ist die gestrige Niederlage gegen die Würzburger Kickers: St.Pauli verlor wegen einem Eigentor von Vegar Hedenstad, der von seinem Teamkollegen Brian Koglin aus nächster Nähe angeschossen wird. Es war der einzige Treffer des Spiels.

Das verheerende Eigentor gegen Würzburg. Video: streamable

Dass die «Freibeuter der Liga» etwas anders ticken, zeigt sich an ihrer Krisenbewältigung. Anstatt wie gewohnt den Trainer in die Wüste zu schicken, wurde vergangene Woche Sportchef Thomas Meggle entlassen.

Darf weiterschreien: Trainer Ewald Lienen. Bild: Tay Duc Lam/freshfocus

Der Verantwortliche an der Seitenlinie bleibt also Ewald Lienen, von dem man sich erhofft, dass er selbiges vollbringt, wie bei seinem Amtsantritt 2014. Damals übernahm er den Klub auf einem Abstiegsplatz und bewerkstelligte den Ligaerhalt.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Vielleicht ist man in Hamburg ab nächstem Sommer nur noch zweit- und drittklassig. Das wäre schade, aber vielleicht würde dann in den Docks wieder die nötige Ordnung hergestellt. 

Zu den heissesten Fussball-Derbys gehört natürlich auch das Hamburger Stadtderby:

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
3 Kommentare anzeigen
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  • JJ17 08.11.2016 17:33
    Highlight Was soll denn Stuttgard sagen? Bei denen ist letztes Jahr der VFB doppelt, also die Erste sowie die Zweite Mannschaft, als auch die Stuttgarter Kickers abgestiegen.
    Gut in der Stadt Hamburg läuft es derzeit fast allen Sportteams miserabel, finanziell wie sportlich.
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  • maxi 08.11.2016 16:06
    Highlight wenn pauli aus dem profifussball verschwindet, würde dies nur ein par randständige stören... der dino macht aber echt sorgen.. kämpfen hsv!
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  • Peter Ciccio 08.11.2016 15:57
    Highlight Das Problem beim Verein von der Reeperbahn ist das es keinen Kultspieler mehr hat. Boll, Pliquett, Ebbers, Naki& Co. haben diese lücke geschlossen. Ein weiteres Problem sind die Spieler in den letzten Jahren konnte der FCSP immer von 1. Liga Vereinen gute spieler ausleihen dies war diese Saison nicht der Fall. Aber so wie ich Sankt Pauli kenne werden sie den Ligaerhalt sicherstellen...Anonsten sind wir dann in der 3. Liga mit 30'000 Zuschauer ;-)
    Immerhin wurde Deniz Naki heute in der Tükei freigesprochen.
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