Sport

Slalom-Spezialistin Michelle Gisin bei einem Rundflug über den WM-Ort 2017, St.Moritz. Bild: KEYSTONE

Leben aus dem Koffer: So hält Slalom-Ass Gisin den Kontakt mit ihren Liebsten

Schwester Dominique ist Abfahrts-Olympiasiegerin – in diesem Winter will nun Michelle Gisin zum grossen Wurf ansetzen. Die WM in St.Moritz ist das Highlight der Saison und im Fokus der Slalom-Spezialistin.

Publiziert: 10.10.16, 13:52 Aktualisiert: 10.10.16, 14:04

St.Moritz, am vergangenen Samstag. Während der Rest der Schweiz unter einer dichten Wolkendecke steckt, hat sich die Sonne hier einen Weg gebahnt.

Skirennfahrerin Michelle Gisin geniesst die herrliche Aussicht auf die Berge und Seen des Oberengadins aus rund 3000 Metern Höhe. Sie sieht auf dem Alpenrundflug an Bord einer Swiss-Maschine, dass es vier Monate vor dem Beginn der Ski-WM in St.Moritz bereits ein kleines bisschen Schnee hat. Gisin teilt diese Erkenntnis, kaum gelandet, umgehend auf Instagram:

Die 22-jährige Michelle Gisin, Schwester von Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique und Abfahrer Marc, gehört zu einer jungen Generation Sportler, für die der Umgang mit Social Media selbstverständlich ist. Facebook, Instagram, Twitter: Gisin ist überall vertreten.

Facebook

Michelle Gisin hat 22'811 Fans. Wie verwendet sie ihren Account?

«Für mich ist Facebook die beste Verbindung zu meinen Fans und auch eine Plattform für die Sponsoren. Wenn ich etwas Cooles von Training, Rennen oder Sponsorenanlässen habe, dann teile ich es da. Ich versuche, stets up to date zu sein, damit meine Fans sehen können, was ich gerade mache.»

Instagram

Michelle Gisin hat 16'700 Abonnenten. Wie verwendet sie dieses Medium?

«Wenn ich ein schönes Bild gemacht habe, dann poste ich es hier. Instagram ist mehr für mich selbst. Hier kann ich sehen, wo meine Freunde und andere Athleten sind und was sie machen.»

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Twitter

9742 Follower haben Michelle Gisins Account abonniert. Wozu setzt sie Twitter ein?

«Ich bin vor allem eine ‹Tennis-Twitter-Userin› … Ich brauche es meistens dann, wenn Tennis-Spiele im TV gezeigt werden oder die Olympischen Spiele. Dann halte ich es fast nicht aus, alleine vor dem Fernseher zu sitzen. Da ‹muss› ich dann jeweils etwas posten, darum ist es manchmal vielleicht etwas einseitig.»

Als in Rio de Janeiro um Olympiamedaillen gekämpft wurde, bereitete sich Gisin gerade im argentinischen Ushuaia auf den Winter vor. Mit dabei: Ihr PC, auf dem sie im Hotelzimmer mit den Schweizern in Rio mitfieberte:

Manchmal wird das Mitfiebern auch zum grossen Ansporn. Bolzt Gisin in den Sommermonaten Kondition, dann kann dies durchaus auf dem Indoor-Velo stattfinden, wenn Stan Wawrinka in Paris gerade nach dem French-Open-Triumph greift:

Gisin kümmert sich in Eigenregie um ihre Medienkanäle, nicht wie andere Sportler, die diese Aufgabe delegieren. Schliesslich ist es ein Teil ihrer Arbeit, welcher der Engelbergerin Freude bereitet:

«Ich mache alles selber, darum ist es manchmal vielleicht auch nicht sooo professionell. Aber ich finde es mega cool, mit den Leuten zu kommunizieren.»

Gerade vor wichtigen Rennen oder nach guten Resultaten – bislang gelangen ihr acht Top-Ten-Platzierungen in Weltcup-Slaloms – erhält Michelle Gisin viele Nachrichten von Fans. Sie bemühe sich, auf alle diese Glückwünsche oder Gratulationen zu antworten, solange es ihre Zeit zulasse:

«Es ist sehr schön zu sehen, wie gross der Support von eigentlich Fremden ist. Man spürt, dass es in der Bevölkerung viele Leute gibt, die einen unterstützen und Fan sind. Das ist mega schön.»

Gisin führt wie alle Skiprofis ein Leben aus dem Koffer: Saisonvorbereitung in Argentinien oder Neuseeland, dann oft auf dem Gletscher in Zermatt oder Saas Fee und schliesslich während der Saison Renneinsätze in ganz Europa und in Nordamerika. Man muss sich damit arrangieren können. Denn was nach Ferien klingt, ist just das Gegenteil davon:

«Es ist ein sehr spezielles Leben, wir sind wirklich extrem viel unterwegs. Es ist cool und spannend, das erleben zu dürfen. Manchmal wäre ich vielleicht lieber noch zwei, drei Wochen länger zuhause. Aber wenn ich daheim bin, dann merke ich rasch, dass es mich wieder wegzieht. Als Spitzensportler muss man ‹getrieben› sein. Es ist schon auch faszinierend, so viel von der Welt sehen zu können und viel zu erleben.»

Gisin ist zwar oft unterwegs, aber eine Aussicht wie hier über Maloja gibt's lange nicht bei jedem Flug. Bild: KEYSTONE

Heute hier, morgen dort: Schwierig, unter solchen Umständen eine Beziehung zu führen. Gisin gelingt es vielleicht auch deshalb, weil ihr Schatz ebenfalls im Ski-Weltcup zuhause ist, Riesenslalom-Spezialist Luca De Aliprandini aus Italien:

«Man kann es sich ja vorstellen: Wenn ich einmal zuhause bin, dann ist dafür bestimmt er irgendwo unterwegs. Dafür versteht er jeweils sehr gut, wie es mir geht. Wir können über alles reden. Das ist vielleicht einfacher, als wenn der Freund kein Spitzensportler ist. Es ist jedenfalls spannend und cool für uns beide.»

Und natürlich gibt es im Jahr 2016 dank Smartphone und Internet genügend Möglichkeiten, mit den Liebsten in Kontakt zu bleiben. Ihr iPhone und einen Computer packt Gisin deshalb ebenso ein wie Ski und Renndress, wenn die Karawane weiterzieht:

«Wenn ich meinen Freund oder die Familie länger nicht gesehen habe, dann bin ich schon öfter am Handy als sonst. Auch wenn ich manchmal denke: ‹Ich will gar nicht so oft am Handy sein›. Aber es ist halt die Verbindung nach Hause. Der PC ist für die Abwechslung auch wichtig, ich bin ein riesiger Fan von ‹Game of Thrones›. Ich brauche Filme und Serien, sonst wird man noch wahnsinnig, wenn man immer unterwegs ist und bloss argentinische TV-Sender empfängt. Ich versuche zwar, Spanisch zu lernen, aber es braucht noch viel.»

Die wichtigste Reise führt Michelle Gisin im kommenden Winter wie am letzten Samstag ins Engadin. Im Slalom will sie versuchen, zwei perfekte Läufe in den Schnee zu legen. Dann, das weiss sie, kann sie in St.Moritz um die WM-Medaillen mitfahren.

Gisin beim Weltcupfinal 2016 in St.Moritz. Bild: KEYSTONE

Klar, denkt Gisin, hinter Wendy Holdener die Nummer 2 im Schweizer Slalomteam, in der Vorbereitung nicht nur an ihr erstes Weltcuprennen im finnischen Levi, sondern auch schon an die WM. Sie hat dann aber nicht das Bild vor Augen, wie sie in St.Moritz vom Siegerpodest strahlt:

«Ich stelle mir lieber die Fahrt selber vor. Wie ich am Start stehe, völlig befreit bin und ohne nachzudenken so fahren kann, wie ich es mir vorstelle, und das Gefühl geniessen kann. Wenn ich das schaffe, dann bin ich zufrieden, egal wie das Resultat ausfällt. Es wäre natürlich schön, wenn wir am Abend etwas zu feiern hätten.»

Der WM-Winter steht vor der Tür, ein ganz besonderer für alle Schweizer Athleten. Die Vorfreude darauf sei schon seit dem Sommer gross, sagt Michelle Gisin. Und nun, da die ersten Rennen näher rücken, werde sie immer grösser:

«Wie heisst es bei ‹Game of Thrones›? Winter is coming.»

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