Sport

Tom Lüthi in Action. Bild: Antonio Calanni/AP/KEYSTONE

Tom Lüthi hat den Titel im Visier: «Ich habe nichts zu verlieren»

Tom Lüthi (30) über die Ausgangslage im Moto2-Titelkampf vor dem zweitletzten Rennen, seine Stärke in der Schlussphase der Saison und sein Verhältnis mit Dominique Aegerter.

28.10.16, 18:13

klaus zaugg, sepang

Haben Sie mit diesem Saisonfinale, mit einer Chance auf den WM-Titel, gerechnet?
Tom Lüthi: Nein. Der Titel war höchstens nach dem Startsieg in Katar ein Thema. Ich bin selber schuld, dass dann meine Titelchancen bald kein Thema mehr waren. Für die drei Ausfälle in Assen, auf dem Sachsenring und Brünn bin ich verantwortlich.

Der Sturz von Tom Lüthi im Qualifying von Brünn. Video: streamable

Welche Faktoren haben Sie nun doch ins Titelrennen zurückgebracht?
Die kontinuierliche Arbeit unseres Teams mit Cheftechniker Gilles Bigot. Wir haben uns stetig verbessert.

Sie haben zwei Rennen vor Schluss noch eine Chance auf den Titel. Eigentlich müssten Sie angespannt sein, sind es aber nicht. Wie kommt das?
Ich fühle mich einfach sehr gut. Ich habe nichts zu verlieren und ich kann mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren. Bei 22 Punkten Rückstand ist die Ausgangslage für mich einfach: ich muss bloss so schnell wie möglich fahren…

Es fällt auf, dass Sie in der Schlussphase der Saison meistens viel besser sind und fünf von neun Moto2-GP- Siegen jeweils in den letzten vier Rennen der Saison gewonnen haben. Ist das ein Zufall?
Es ist ja nicht so, dass unser Team zuvor nicht funktioniert hat. Aber es stimmt, dass ich mich auf der Übersee-Tour besonders wohl fühle. Wenn wir für die drei Grand Prix unterwegs sind, kann ich mich ganz auf die Rennen konzentrieren. Ich habe während dieser Zeit keine anderen Pflichten und keine Termine. Es geht nur um Rennsport.

Sie leben dann sozusagen in einer anderen Welt?
So ungefähr.

Die letzten Rennen konnte Lüthi wieder Siege feiern. Bild: EPA/AAP

Die Lehre daraus wäre, auch während der Saison in Europa so zu leben.
Die Fähigkeit, alles ausblenden zu können, ist ein Schlüssel zum Erfolg. Aber ich verdiene ja mein Geld mit der Rennfahrerei und da kann ich nicht einfach alles drum herum vergessen. Wir diskutieren darüber, wie ich nächstes Jahr noch mehr Freiräume für mich schaffen kann. Ich muss wohl auch lernen, nein zu sagen.

Vorteil Zarco im Training

Tom Lüthi fuhr am ersten Trainingstag in Malaysia nur die siebtschnellste Zeit. WM-Leader Johann Zarco (5.) war auf abtrocknender Strecke klar schneller. Am Morgen hatte Lüthi bei wechselhaftem Wetter noch die Bestzeit aufgestellt.

Wie haben Sie eigentlich das ganze Theater um Dominique Aegerter mitbekommen?
Aus den Medien.

Sie waren da nicht involviert?
Nein. Wir waren zwar in der gleichen Box untergebracht, aber die Trennwand war ja nicht nur symbolisch. Ich habe mich auf meine Aufgabe konzentriert und er auf seine. Ich habe meine Leute und er seine.

Sie wurden von seinem Rausschmiss überrascht?
Ja. Ich habe gespürt, dass es Spannungen gibt, aber ich habe mich nie damit beschäftigt.

Aegerter (links) und Lüthi haben ein gutes Verhältnis. Bild: KEYSTONE

Haben Sie seither mit Dominique gesprochen?
Ja, wir haben mehrmals telefoniert und «Domi» hat mir zu meinen zwei Siegen gratuliert. Wir kommen gut miteinander aus und das wird so bleiben.

Und wie ist jetzt, vor den zwei letzten Rennen, Ihr Verhältnis zu WM-Leader Johann Zarco?
Wenn wir uns im Fahrerlager begegnen, wechseln wir ein paar Worte. Das war bisher so und hat sich nicht geändert.

Die Schweizer Moto2-Piloten 2016

Hol dir die App!

User-Review:
Micha-CH, 16.12.2016
Beste News App der Schweiz. News und Unterhaltung auf Konfrontationskurs.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0 Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Der vergessene Ruhm des jungen Jesko R.

Der Sport ist manchmal auch ungerecht. Wer seine Karriere zum falschen Zeitpunkt startet, hat es schwer und manche kommen nie aus dem Schatten ihrer Rivalen hinaus – auch dann nicht, wenn sie besser sind. Der junge Töffpilot Jesko Raffin (19) ist ein gutes Beispiel.

Stellen wir uns vor, welche Strahlkraft, welchen Ruhm Stan Wawrinka geniessen könnte, wenn es Roger Federer nicht gäbe. Er würde als einer der grössten helvetischen Sportler aller Zeiten gefeiert, er wäre schon vier- oder fünfmal Sportler und Schweizer des Jahres geworden und er könnte im Quadrat mehr Geld verdienen.

Aber nach jedem noch so grossen Sieg folgt gleich die Frage: Ja gut, aber warum hat Roger Federer nicht gewonnen? Was war mit Roger Federer? Jesko Raffin geht es sehr …

Artikel lesen