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So dürfte es an der Schach-WM im Februar 2017 aussehen. bild: fide

Schach-Spielerinnen wollen WM in Iran wegen Kopftuchzwang boykottieren

Der weltweite Schachverband FIDE vergab die Frauen-WM kürzlich nach Teheran, Iran. Es war die einzige Bewerbung. Doch jetzt wehren sich einige Teilnehmerinnen. Denn ohne Hidschab dürfen sie vermutlich nicht spielen.

Publiziert: 04.10.16, 12:51

Im Februar fand im Iran ein Schach-Grand-Prix der Frauen statt. Die Teilnehmerinnen mussten dabei ihr Haupt mit einem Hidschab bedecken. Vielen passte dies nicht in den Kram, sie reisten nach dem Turnier verärgert ab.

Vor einigen Tagen vergab der weltweite Schachverband FIDE jetzt die Frauen-WM im Februar 2017 nach Teheran. Neben der iranischen Bewerbung ging von allen 150 Nationalverbänden keine andere ein. Niemand legte sein Veto ein. Bis den Teilnehmerinnen scheinbar erst jetzt klar wurde: Ohne Kopftuch (Hidschab), keine WM.

Hidschab & Co. – islamische Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka

So zumindest schildert es die amerikanische Meisterin Nazi Paikidze gegenüber «CNN»: «Es ist absolut inakzeptabel, dass eines der wichtigsten Turniere in einem Land stattfinden soll, in welchem Frauen sich den Kopf bedecken müssen. Das ist religiöse und sexistische Diskriminierung.» Tatsächlich gilt im persischen Land seit der Revolution 1979 eine Hidschab-Pflicht für Frauen in der Öffentlichkeit.

So sah das beim Grand Prix im Februar aus. 

Würde der Boykott mehr schaden, als dass er bringt?

Dass davon auch die Schach-Cracks nicht ausgenommen sind, erfuhren die Damen wie erwähnt spätestens im Februar. Paikidze sagt: «Die WM wird sich nicht vom anderen Turnier unterscheiden. Schliesslich ist dies dort Gesetz.» Die 22-Jährige gehört nicht zu den Topshots in ihrem Sport, weist aber einige Juniorentitel aus, gewann bereits 2010 den «Woman Grand Master» Titel (vierthöchste Auszeichnung im Schach-Sport) und gehört zu den Top 100 bei den Frauen. Trotzdem bleibt der Beigeschmack: Will sie mit ihrer Boykott-Drohung einfach nur in die Öffentlichkeit?

Nazi Paikidze rechtfertigt ihren möglichen Verzicht.

Während Paikidze von verschiedenen Seiten Unterstützung erhält, gibt es auch Stimmen, die gegen einen Boykott sind. Mitra Hejazipour, Iranerin und Asienmeisterin 2015, erklärt dem Guardian: «Ich verstehe, dass die Kopftuchpflicht für einige Frauen ungewöhnlich erscheinen mag. Aber ich kann ihnen sagen, wenn sie Verständnis dafür aufbringen und in den Iran kommen, werden sie auch die positiven Seiten sehen.» 

Die WM sei eine grosse Chance für den Frauensport im Land. Nie zuvor wurde ein Turnier in ähnlichem Ausmass im Iran ausgetragen. Ein Boost für den Frauensport und damit der Rechte sei sicher.

Nazi Paikidze: Verzichtet sie wegen des Kopftuchs auf die WM? Bild: instagram

Weltverband wartet ab

Unterstützung erhält Hejazipour erstaunlicherweise von der britisch-iranischen Aktivistin Ghoncheh Ghavami. Diese sitzt seit fünf Monaten im Gefängnis, weil sie Frauen ermutigte, Männer-Volleyball im Stadion zu schauen. «Isolation ist keine Lösung», so Ghavami.

Beim Schachverband beobachtet man die Entwicklungen noch gelassen. Susan Polger entgegnet den Boykott-Drohungen trocken: «Ich war in fast 60 Ländern. Wenn ich verschiedene Kulturen besuche, möchte ich dieser meinen Respekt erweisen und halte mich an die lokalen Regeln und Gesetze.» Ausserdem habe der Verband bisher noch keine Offizielle Beschwerde einer Teilnehmerin erhalten. «Sobald dies soweit ist, schauen wir den Fall gerne an.» (fox)

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  • fenxi 04.10.2016 17:08
    Highlight Interessant, dass praktisch nur Männer zu diesem "Frauenthema" posten.
    Vermutlich werden sie zu Hause auch ihre Frau über Tampons etc. beraten.
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  • satyros 04.10.2016 15:46
    Highlight Solche Geschichten zeigen, wie hirnverbrannt gesetzliche Kleidervorschriften sind.
    25 1 Melden
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  • Wilhelm Dingo 04.10.2016 14:28
    Highlight Ein Boykott der Spiele hilft wahrscheinlich am meisten.
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  • Picker 04.10.2016 14:16
    Highlight Ist nicht 100% beim Thema, aber...
    Kann mir jemand erklären, wieso beim Schachspiel m/w getrennte Wettbewerbe austragen?

    Bei physischen Sportarten macht dies absolut Sinn, aber beim Schach? Im Poker sind z.B. die meisten grösseren Turniere für alle offen (mit wenigen Ausnahmen).
    71 0 Melden
    • SeKu 04.10.2016 14:44
      Highlight Weil die besten Frauen etwa 200 bis 300 ELO-Punkte hinter den besten Männern sind. Ab einem Unterschied von 200 Punkten sagt man, dass man die Partie nicht spielen muss da der Unterklassierte absolut chancenlos ist.
      Die allermeisten Top-Wettbewerbe sind schon unisex (ausser die WM), es qualifiziert sich aber halt schlicht keine Frau. Deshalb braucht es (noch ?) Frauen-Wettbewerbe um die Frauen zu fördern.

      Google spuckt viele Erklärungen aus warum Frauen im Schach so viel schlechter sind, aber alle möglichen Erklärungen sind bestenfalls "naja".
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    • fabianhutter 04.10.2016 17:30
      Highlight Laut einem Artikel im Spiegel liegt das daran, dass einfach viel mehr Männer Schach spielen als Frauen.

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/statistik-warum-maenner-im-schach-erfolgreicher-sind-a-600756.html
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  • Ruedi89 04.10.2016 13:43
    Highlight Bin eigentlich gegen Kleidungszwänge. Nur, ich erwarte eigentlich von Touristen und Einwanderern, dass sie sich unseren Gepflogenheiten anpassen, so ist es für mich auch selbstverständlich mich in anderen Ländern anzupassen. Wäre ich eine Frau und würde in den Iran, so wäre es klar ein Kopftuch anzuziehen. Ausser ich wäre Diplomat, weil es ein diplomatisches Prinzip ist, dass man sich im Gastland z.b. so kleidet wie zu Hause.
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    • Toninio 04.10.2016 14:20
      Highlight Ruedi ja so wäre es Richtig, doch passen sich die Araber oder Iraner an unsere Sitten wen sie hier sind? Ich denke nicht, sonst würden sie nicht im Niqab die Bahnhofstrasse runter laufen oder in Burkinis baden. Also finde ich einen solchen Boykott gerechtfertigt
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    • Kian 04.10.2016 14:38
      Highlight Iranerinnen tragen keine Niqabs. Es dürfte dir auch schwer fallen, solche zu finden, die ein Kopftuch im Ausland tragen. Davon abgesehen, Sitten sind nicht gleich Gesetz.
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    • insomniac 04.10.2016 14:59
      Highlight Es ist aber ein Unterschied ob ich ganz bewusst in den Urlaub in ein anderes Land fahre oder ob die WM meiner Sportart irgendwo ausgetragen wird und ich im Prinzip keine Wahl hab.
      22 1 Melden
    • Toninio 04.10.2016 15:23
      Highlight Kian ich bin der Meinung, dass man sich egal wo man hingeht anpassen sollte. Das der Niqab (bezog sich auf Araberinnen aus den Golfstaaten), im Iran nicht getragen wird, ist mir klar. Doch solange diese Leute auf eine Anpassung bestehen, sollten diese auch Fähig sein sich anzupassen. Gilt nicht nur für Iran sondern für alle Golf Staaten, Maghreb Staaten sowie die arabisch muslimischen Staaten wie Syrien Irak usw.
      8 0 Melden
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  • Ketsch 04.10.2016 13:37
    Highlight Es geht um ein Schachturnier der Frauen. Wen interessiert das?
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    • 7immi 04.10.2016 14:06
      Highlight Mich interessiert fussball nicht, dich interessiert schach nicht. Jedem das seine. Ich finde es schön, dass man auch mal etwas von nebenschauplätzen hört und nicht nur von den millionenschweren populärsportarten.
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    • SeKu 04.10.2016 14:47
      Highlight @7immi
      Schach ist eine millionenschwere Sportart und in manchen Regionen auch populär.
      Ketsch hat aber nach Frauenschach gefragt, und da ist das Niveau nun wirklich krass schlechter als bei den Männern, also schaut man halt Männerschach.
      Und einen (Beach-)Volleyballeffeckt gibt es halt nicht beim Schach.
      6 8 Melden
    • Jol Bear 04.10.2016 18:23
      Highlight SeKu: "millionenschwer" nicht wirklich, Weltmeister wie Carlsen, Kramnik, Kasparov oder Anand sind zwar dank diesem Titel Millionäre, doch hinter den Top-20 der Welt geht es dann ziemlich schnell Richtung Idealismus.
      In CH gibts im Sommer eine Schachturnierserie "Schach in der Badi", wäre vielleicht ein Ansatz für den Beach-Volleyball-Effekt...?
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  • Fabio Haller 04.10.2016 13:29
    Highlight Allgemein für die Schweiz:
    Wenn wir ein Burkaverbot einführen sollen. Dann sollen wir auch gefälligst im Osten einen Burka tragen. Unser Land unsere Regeln. Ihr Land ihre Regeln. Ganz einfach :)
    43 8 Melden
    • Maett 04.10.2016 14:17
      Highlight @Fabio Haller: es geht hier um Kopftücher, nicht um Burkas. Ein meilenweiter Unterschied.
      23 5 Melden
    • stef2014 04.10.2016 14:19
      Highlight Burka und Kopftuch sind nicht das gleiche, Fabio.
      13 6 Melden
    • Fabio Haller 04.10.2016 16:13
      Highlight Ja dass weiss ich schon :) Ich meinte jetzt dass einfach Allgemein für unsere jetzige Situation :)
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  • Braun Pascal 04.10.2016 13:01
    Highlight Zieht gefälligst das kopftuch an bei uns müssen sie es auch ausziehen
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    • Steven86 04.10.2016 13:22
      Highlight Echt? von diesem neuen Gesetzt höre ich das erste mal.
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    • Triumvir 04.10.2016 13:41
      Highlight Seit wann müssen Frauen bei uns ihre Kopftücher ausziehen!? Hab ich da was verpasst? Aber in einem Land, wo die verblendeten Mullas ihren Einwohnerinnen das Velofahren verbieten, wundert mich ehrlich gesagt nix. Zudem: Religiös, motivierte Vorschriften haben bei einer Sportveranstaltung in meinen Augen rein gar nix verloren, Herr Braun!
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    • Asmodeus 04.10.2016 14:43
      Highlight Der Pascal ist halt ein bisschen braun und hat seine eigenen Wünsche und Vorstellungen.
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    • Braun Pascal 04.10.2016 15:08
      Highlight Das war eine anspielung auf unser komisches burkaverbot... es hat bis jetzt immer geklappt die frau verhüllt den kopf und der mann trägt lange hosen... die leute sind nicht dumm im iran nur jedesmal solch westlich einmischung hat dem land in den letzten 40 jahren alles geraubt... der schachverband ist sich ja bewusst wo er denn sport ausführt...
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Herrliches Ibra-Kunststück gegen Everton – Bournemouth düpiert Liverpool

Zlatan Ibrahimovic glänzt beim 1:1 von Manchester United gegen Everton mit einem wunderbaren Tor. In Bournemouth geht für den FC Liverpool eine Serie von 15 Siegen ohne Niederlage zu Ende. Die «Reds» unterliegen den «Cherries» überraschend 3:4.

«Zlataaaaaaaaaaaaaaan!»: Genau so kann und soll man das 1:0 durch Zlatan Ibrahimovic gegen Everton beschreiben. Es ist der sechste Treffer in den letzten fünf Spielen für den Schweden, der wieder Fahrt aufgenommen hat.

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