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Jubel über drei Punkte, nicht über die Art und Weise, wie es dazu gekommen ist. Bild: KEYSTONE

Arbeitssieg gegen Andorra – trotz allem ist ein wenig Nachsicht angebracht

Publiziert: 11.10.16, 10:04 Aktualisiert: 11.10.16, 11:20

 Etienne wuillemin / Aargauer Zeitung

Und plötzlich gerät die Schweiz noch ins Zittern. In Panik gar. Gegen den Fussball-Zwerg Andorra? Ist das wirklich möglich? Man reibt sich die Augen. Und der helvetische Fan betet, dass die scheinbar so grossartige Ausgangslage nicht plötzlich wieder verloren geht

2:1 steht es am Ende. Aber es ist ein Sieg, der sich fast wie eine Niederlage anfühlt. Vor allem nach dieser Schlussphase. Bei aller Kritik, die nach einem solchen Abend fällig wäre, weil Tempo, Dynamik und Zielstrebigkeit fehlen, ist trotzdem ein wenig Gnade angebracht. Weil das ein Team verdient hat, das nach drei Spielen und Siegen gegen Portugal und Ungarn mit neun Punkten an der Tabellenspitze dieser WM-Qualifikation steht.

Unter anderen Umständen hätte Vladimir Petkovic das Andorra-Spiel wohl nicht «überlebt». Bild: ALBERT GEA/REUTERS

Trainer Vladimir Petkovic wird froh sein, dass dieser Ausflug nach Andorra vorbei ist. Und vor allem, dass sein Team zuvor zweimal siegte. Nicht auszudenken, was los wäre, wenn dieses Spiel auf zwei Niederlagen wie zu Beginn der letzten EM-Qualifikation gefolgt wäre. Es wäre wohl ein Grund gewesen, das Experiment Petkovic vorzeitig abzubrechen.

Die Schweiz ist mit einem blauen Auge davongekommen. Und Petkovic bleibt richtigerweise von Polemiken verschont. Und wer dieses Spiel genau betrachtet, hat irgendwie auch Verständnis für den fehlenden Fluss. Ein Spiel auf überlangem Kunstrasen, gegen elf Akteure, die nur das eigene Tor verbarrikadieren. So kann Fussball keinen Spass machen. Und es fragt sich wieder einmal, warum die FIFA für die schlechtesten Teams keine Vor-Qualifikation einführt. Vielleicht genau wegen solch knapper Resultate, die es am Ende doch allzu häufig gibt.

Vielleicht erinnern wir uns im Rückblick in einigen Jahren doch noch gerne an diesen Abend. Warum? Wegen Granit Xhaka. Mit 24 Jahren und 13 Tagen hat er die Schweiz erstmals als Captain aufs Feld geführt. Auch wenn es nicht Xhakas grosser Abend war, er hat das Potenzial, dereinst Heinz Hermann als Schweizer Rekordcaptain (49 Spiele) abzulösen.

Granit Xhaka gibt sich ungewohnt selbstbewusst für einen Schweizer Nati-Captain.  Bild: KEYSTONE

«Irgendwann einmal ist mit der Schweiz ein WM-Halbfinal möglich», hat Xhaka vor vier Jahren bereits gesagt. Solche Worte lösen gerade nach einem Spiel wie jenem in Andorra ein eher mulmiges Gefühl aus. Genauso wie seine Überzeugung, dass die Schweiz schon vor dem letzten Quali-Spiel in Portugal für die WM qualifiziert ist. Und doch: Die Schweiz braucht Spieler mit grossen Träumen. Nur so kommt sie weiter.

Die Noten der Schweizer Nati im Spiel gegen Andorra

Unvergessene Nati-Geschichten

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10.09.2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

29.02.2012: Ausgerechnet gegen die Schweiz erzielt Lionel Messi seinen ersten Nati-Hattrick

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

25.03.1998: Bei seinem Debüt führt Gilbert Gress die Nati gegen England fast zum Sieg – dann patzt sein Lieblingsgoalie

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

28.03.2001: Alex Frei macht Kubilay Türkyilmaz vergessen und sorgt dafür, dass Andy Egli einfach mal die Klappe halten muss

24.04.1996: Das Ende der kurzen Ära von Nati-Trainer Artur Jorge beginnt ausgerechnet mit einem Sieg

11.07.1966: Die «Nacht von Sheffield», der grösste Skandal der Schweizer Fussballgeschichte

12.10.2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Stinkefinger und macht sich danach mit faulen Ausflüchten lächerlich

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
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  • ThePower 11.10.2016 14:57
    Highlight Es war ein übles Spiel gegen einen Gegner, der nur den Ball weggedroschen, rumgefoult hat und eigentlich auch von der ersten Minute an, unabhängig vom Resultat, auf Zeit gespielt hat. Dazu standen die ja praktisch zu elft auf der eigenen Torlinie. Trotzdem hat die Nati ihnen zwei Stück reindrücken können. Durch das Glückstor in der 90' wurde es dann halt noch mal halbspannend. Egal, drei Punkte, fragt in 12 Monaten eh niemand mehr danach..
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  • Sodeli 11.10.2016 12:52
    Highlight 1:2 gegen eine Amateurtruppe ist nur peinlich. Von der besten Nati aller Zeiten darf man mehr erwarten. Diese Mannschaft ist nicht WM würdig.
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    • Amboss 11.10.2016 14:49
      Highlight Wie kommst du darauf, dass dies die beste Nati aller Zeiten sein soll?
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  • Theor 11.10.2016 12:22
    Highlight in meiner laienhaften Beobachtungsweise der Schweizerischen Fussballnationalmannschaft ist mir in fast zehn Jahren eines aufgefallen:

    In all dieser Zeit, ist es immer gleich:

    - Spielen wir gegen einen massiv stärkeren Gegner, können wir überraschen (Spanien, Frankreich, Deutschland, Portugal-Spiele)

    - Sind wir bei einem Spiel in der absoluten Favoritenrolle, kacken wir meistens total ab (Luxemburg, Liechtenstein, Andorra-Spiele)


    Von demher verstehe ich nicht, wieso jedes mal, wenn es wieder passiert, die Presse so verwundert ist.

    Seht ihr denn diese offensichtliche Parallele nicht?
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    • sevenmills 11.10.2016 14:07
      Highlight Ich wusse nicht, dass die Schweiz gestern total abgekackt ist...? Aber die Spiele gegen San Marino hast du vergessen, da sind wir echt total abgekackt (11-0) 😉
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    • Theor 11.10.2016 15:09
      Highlight Sie bringen ein Gegenbeispiel. Das wirft meine Theorie gleich mal vollumfänglich über den Haufen...nicht.
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    • sevenmills 11.10.2016 15:45
      Highlight Man war an 5 der letzten 6 Endrunden dabei. Auf dem Weg dorthin muss man Mannschaften unterschiedlicher Qualität schlagen. Ich gebe drei Gegenbeispiele, ausserdem geben Sie auch nur wenige Beispiele. Und nicht nur gegen Kleine hat man manchmal schlecht ausgesehen, man erinnere sich an Frankreich 2014 in Brasilien. Was ich damit sagen will: Es gibt ein psychologisches Phänomen, demnach negative Ereignisse einen viel bedeutenderen Platz in der Erinnerung einnehmen als positive. So wahnsinnig viele Blamagen gegen kleine Gegner gabs nun wirklich nicht.
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  • Senji 11.10.2016 12:05
    Highlight Einverstanden. Andorra hätte es gestern verdient 6:0 zu verlieren, die Schweiz hätte aber nicht verdient 6:0 zu gewinnen. Der Platz war ein schlechter Witz und kam der Mannschaft, die ausschliesslich verteidigen wollte, massiv entgegen. Zweitens verstand ich die Haltung des Schiedsrichters nicht. Bin sehr für ein körperbetontes Spiel aber wenn die Angriffe nur auf den Körper zielen oder man schlicht viel zu spät dran ist, gibt das halt gelb. So hätten sich schnell "Räume" ergeben. Und kommt ja nicht mit dem Elfer. Den Angreifer so wegzugrätschen ist immer Foul, auch wenn der Ball schon weg ist
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  • Bluetooth 11.10.2016 11:56
    Highlight Kann die Schweiz nicht einfach mal den Namen und Ruf des Gegner völlig ausblenden und sich einfach auf das Resultat konzentrieren. Es ist ein Sieg, besser geht es nicht. Punkt! Wie genau dieser entstanden ist, spielt keine Rolle. Nur so werden wir mal eine Turniermannschaft, die was reisst.
    Dieses ständige Anpassen der Erwartungen am Gegner bringt nichts. Ob nun Frankreich, Argentinien oder San Marino und Andorra, das einzige Relevante ist das Resultat, der Sieg. Warum sind wir mit einem 0:0 gegen FRA zufrieden und kritisieren dafür ein 1:0 gegen Albanien.
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  • sevenmills 11.10.2016 11:12
    Highlight Ich finde man muss an einem bestimmten Punkt auch mal zufrieden sein. Man hat das Spiel gewonnen, in ein paar Monaten wird keiner mehr darüber sprechen, wie der Sieg zustandegekommen ist. Was zählt, sind die drei Punkte. Was bringt es zu motzen? Man hat ja bereits das Punktemaximum, durch das Jammern wird der Punktestand nicht noch vergrössert. Deshalb Gratulation zum perfekten Start, tolle Leistung!
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    • Jaing 11.10.2016 12:03
      Highlight Am Schluss könnte die Tordifferenz entscheiden. Und da ist Portugal weg.
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    • zsalizäme 11.10.2016 14:34
      Highlight Zuerst entscheiden die Direktbegegnungen und da sind wir momentan ziemlich gut im Rennen.
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    • Amboss 11.10.2016 14:39
      Highlight @Jaing: Am schluss könnte aber auch nicht die Tordifferenz entscheidend sein
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    • Jaing 11.10.2016 15:03
      Highlight @zsalizäme
      Nein, zuerst kommt die Tordifferenz:
      • höhere Anzahl Punkte
      • bessere Tordifferenz
      • höhere Anzahl erzielter Tore
      • höhere Anzahl Punkte aus den Direktbegegnungen zwischen den punkt- und torgleichen Mannschaften
      • bessere Tordifferenz aus den Direktbegegnungen zwischen den punkt- und torgleichen Mannschaften
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    • zsalizäme 11.10.2016 15:07
      Highlight @Jaing
      Das wusste ich nicht, war fest davon überzeugt, dass zuerst die Direktbegegnungen entscheiden. Aber danke für die Info. :)
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  • Jaing 11.10.2016 11:06
    Highlight Es braucht bestimmt keine Vor-Qualifikation. Es ist noch nicht lange her und wir wären dann auch so einer Qualifikation gelandet. Mit solch arrogantem Denken kann ich nichts anfangen. Das Einzige, was es braucht ist Einsatz und Bewegung auch gegen solche Gegner. Portugal hat's gezeigt, 2-mal 6:0. Und auch die Deutschen lassen in solchen Spielen selten was anbrennen. Das ist der Unterschied zu diesen Teams.
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    • zsalizäme 11.10.2016 14:35
      Highlight Naja, die Schweiz jetzt mit Deutschland zu vergleichen ist auch nicht ganz fair. Wir sehen momentan vielleicht die beste CH-Nati die es je gab, aber Deutschland ist dann doch noch einmal ein/zwei Stufen höher.
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    • zzZüri 11.10.2016 14:54
      Highlight Letzte EM qualifikation z.b. verlor portugal zu hause gegen albanien 0:1(auswärts nur 0:1), gegen armenien zu hause nur 1:0 gewonnen etc.

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  • nenjin 11.10.2016 11:01
    Highlight Zugegeben, das Spiel war klebrig und zäh wie unsere Strassen wenn's zu heiss ist. Aber dennoch: Früher gingen solche Spiele dann verloren oder es resultierte ein unentschieden. Heute bringt auch ein lustloser, uninspirierter Auftritt noch 3 Punkte.


    Was man auch bedenken sollte: Portugal hat exzellente Einzelspieler, die auch mal 2, 3 Gegner stehen lassen und dann ein Tor erzielen. Die Schweiz besticht eher durch ein Team und dieses hatte gestern keine zündenden Ideen. Die brillianten Einzelspieler sind entweder im Formtief oder abwesend.

    Daher - 3 Punkte nehmen und weiterarbeiten. =)
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  • Luca Brasi 11.10.2016 10:50
    Highlight Ja, man muß ja Verständnis für die armen Spieler haben, die in den höchsten Ligen UKs, Ds, etc. spielen. Kunstrasen ist für diese Herren völliges "Neuland" und wahrscheinlich war der Wind auch noch unangenehm. Man könnte ja Charakter zeigen und auch gegen eine Equipe reüssieren, die limitiert ist und sich nur hinten reinstellt? Ach nein, lieber will der Autor, daß diese "nervigen" Nationen gar nicht erst auf der Bildfläche erscheinen, da ein schönes Spiel gegen jene gar nicht möglich sei (komischerweise haben Nationen wie Portugal, etc. Spaß beim Tore schießen gegen diese Gegner).
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  • Amboss 11.10.2016 10:30
    Highlight Bin selber Meinung. Es ist alles gut gegangen, das ist das einzige was zählt.

    Das Spiel gestern erinnerte mich an Wawrinkas ersten Grand Slam gegen Nadal. Nadal war verletzt, von ihm kam fast nichts zurück, er holte aber noch einen Satz.
    Ich denke, gegen jemanden/ ein Team zu spielen, das nicht spielt ist einfach extrem schwierig. Man kommt nicht ins Spiel. Kein Spielfluss, nichts.

    Natürlich kann man der Meinung sein, das seien Profis, die sollen sich nicht so anstellen.
    Aber was bringts? Nichts. 3 Punkte mitgenommen, Tabellenführer, optimaler Start. Abhaken

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  • Knächbläch 11.10.2016 10:27
    Highlight Dieser Artikel ist so dermassen daneben. Er zeigt eigentlich nur die schweizer Denkweise auf. Vielen von uns wird genau diese nörgeli Mentalität eingetrichtert. Wenns schief läuft, hat man es ja sowieso schon gewusst, wenns gut läuft, überlegt man sich was hätte schief laufen können und regt sich darüber auf... tststs wir haben 9 (nöööööiiin!) Punkte aus drei Spielen geholt und sind Gruppenerster, Freude herrscht! Wünsche allen einen super Tag 🌞
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  • Asmodeus 11.10.2016 10:18
    Highlight Arrogante Aussage "warum die FIFA für die schlechtesten Teams keine Vor-Qualifikation einführt"


    Genau dieser Blödsinn ist es, was aktuell die Fussballwelt zerstört. Stichwort CL wo alles getan wird, damit nur noch die grossen/reichen/einflussreichen Vereine gefördert werden und der Rest doch bitte die Güte haben soll schnell auszuscheiden.
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    • Amboss 11.10.2016 11:00
      Highlight Man kann sich aber schon auch fragen, welchen Sinn es hat, Meisterschaften/Turniere zu spielen in welchen gewisse Teams aus anderen regelmässig "Khlav Kalash" machen und sie mit regelrechten Packungen heimschicken
      (ZB Barcelona gewann 2015 12 von 38 Meisterschaftsspielen mit 4:0 oder höher.)

      Wäre es nicht angebracht, die 100 Jährigen, aus der amateurzeit stammenden Strukturen aus nationalen Ligen und Europacup mal zu überdenken und auf 2016 anzupassen und zB eine oder zwei europäische (echte) Ligen einzuführen.

      Dahinter wäre immer noch genügend Platz für spannende nationale Meisterschaften
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