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Franz Beckenbauer wollte ein Fussballprofi sein, der alle Tricks drauf hat, und eine höhere Instanz, die so etwas nicht nötig hat. Bild: EPA/DPA FILE

Franz Beckenbauer, der Kaiser? Oder doch eher der Schlawiner? Klar ist einzig: Hätte er doch früher aufgehört

Franz Beckenbauer hatte so viel erreicht, doch er wollte noch mehr. Und zwar Geld. Und ein sauberes Image. Damit war er schon früh so, wie heute das gesamte Fussballgeschäft ist.

Publiziert: 14.09.16, 11:15

Jürgen Dahlkamp / Spiegel online

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Man muss, wer hätte das vor einem Jahr gedacht, Franz Beckenbauer an dieser Stelle auch mal in Schutz nehmen. Was immer jetzt noch kommt: Beckenbauer hat im Fussball Grossartiges geleistet – auf dem Rasen. Da war er nicht Kunstfigur, Ideal, Projektionsfläche für Träume und Illusionen, zumindest war es nicht in erster Linie das, was seine Leistung ausmachte, wofür er gefeiert wurde. Er war der Beste seiner Ära, in Deutschland, vielleicht weltweit, ein Fussballer der wie kein anderer in seiner Zeit das Spiel lesen und lenken, durchdenken und durchdringen konnte.

Als Spieler genial: Franz Beckenbauer (l.). Bild: AP NY

Für alle anderen Fussballer seiner Generation hätte das gereicht, um eine Lebensbilanz zu ziehen. Zwar abgeschlossen mit 35, aber eine Bilanz, die das Leben eines Sportlers nicht falsch gewichtet hätte, mit den besten Jahren als den entscheidenden.

Auch Beckenbauer war kein Gott

Franz Beckenbauer aber – und hier muss man ihn nicht mehr in Schutz nehmen – wollte mehr sein, und so reihte sich an den erfolgreichen Fussballer der erfolgreiche Trainer, und an den Weltmeister-Trainer der erfolgreiche WM-Beschaffer, und an den erfolgreichen WM-Beschaffer der Status als Halbgott des heiligen Fussballreiches deutscher Nation. Beckenbauer konnte nicht nur majestätisch über den Rasen schreiten, er konnte offenbar über Wasser gehen, mit übernatürlicher Leichtigkeit. Und wer es glaubte, war selig.

Erst jetzt zeigt sich, dass auch Beckenbauer kein Gott war, eben doch ein Kaiser, also nur ein Mächtiger von dieser Welt.

Lief das alles mit rechten Dingen ab bei der WM-Vergabe 2006? Bild: MARKUS SCHREIBER/AP/KEYSTONE

Nochmals 5.5 Millionen mehr eingesackt

Ob er die WM mit sauberen Mitteln nach Deutschland geholt hat, ist seit der ungeklärten 6.7-Millionen-Überweisung an einen der korruptesten FIFA-Funktionäre in Katar mehr als fraglich. Und jetzt kommen noch diese 5.5-Millionen Euro vom staatlichen Wettanbieter Oddset hinzu: Geld, das Beckenbauer sich aus dem Sponsorentopf der Sommermärchen-WM gesichert hat, obwohl er immer beteuert hatte, ehrenamtlich für den Traum von der Heim-WM gearbeitet zu haben. Hinzu kommt, so sieht es im Moment zumindest aus, dass er nicht mal vorhatte, diese Millionen zu versteuern.

DFB-Chef Grindel kritisiert hart

DFB-Chef Reinhard Grindel hat sich deutlich von Franz Beckenbauer distanziert. Man könne aufgrund der bekannt gewordenen Honorarzahlungen nicht mehr von einer ehrenamtlichen Tätigkeit für die WM 2006 sprechen.

«Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5.5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat»", sagte Grindel am Rande des UEFA-Kongresses am Mittwoch in Athen.

Erst als das Finanzamt auf den Vorgang stiess, zahlte zunächst der DFB die fälligen Abgaben, um sie sich danach von Beckenbauer erstatten zu lassen. Das war immerhin vier Jahre, nachdem Beckenbauer das Geld kassiert hatte. Die Öffentlichkeit sollte von all dem 2010 nichts mitbekommen; die Wahrheit wäre geschäftsschädigend gewesen, für Beckenbauer, aber auch für einen Verband, der sich mit dem Kaiser in aller Verlogenheit verbrüdert hatte.

Der Deutsche Fussballverband verbrüderte sich mit dem Kaiser. Bild: Getty Images AsiaPac

Damit ist nun Schluss. Beckenbauer war ein Schönmaler, ein Schlawiner, ein Scheinheiliger, zumindest jenseits des Rasens. Er hat schon immer die Hand aufgehalten, wo es ging; die Höhe seiner Werbeverträge war legendär, seine Flucht ins Steuerparadies Schweiz in den 70ern Nachweis eines ausgeprägten und ausgelebten Erwerbstriebs. Damit war Beckenbauer schon früh so, wie heute das ganze Fussballgeschäft ist: vollgestopft mit Geld, aufgepumpt von Gier.

Der Unterschied ist, dass sich heute Profis dazu bekennen, zunächst mal dem grössten Vertrag und erst dann dem Ball hinterherzurennen. Beckenbauer aber wollte beides sein, ein Fussballprofi, der alle Tricks drauf hat, und eine höhere Instanz, die so etwas nicht nötig hat. Nicht das schnöde Geld, nicht die schmutzigen Tricks.

Was bleibt, wird eine Lebensbilanz sein, die besser mit dem Titel als Weltmeistertrainer abgeschlossen gewesen wäre.

Hätte er doch da aufgehört: Beckenbauer an der WM 1974. Bild: /AP/KEYSTONE

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