Sport

Der sehbehinderte Algerier Abdellatif Baka holt Gold in Rio. Bild: AP/Olympic Information Services/IOC

Ganz einfach erklärt, warum Behindertensportler in Rio schneller waren als der Olympiasieger

Eine Meldung geht um die Welt: Vier Athleten sind über 1500 m an den Paralympics schneller als der Olympiasieger. Das erstaunt Laien, weshalb wir gerne zeigen, wie es dazu gekommen ist.

Publiziert: 15.09.16, 10:24 Aktualisiert: 15.09.16, 11:53

1,71 Sekunden schneller ist der sehbehinderte Algerier Abdellatif Baka bei seinem Lauf zur paralympischen Goldmedaille in Rio als vor wenigen Wochen der Olympiasieger über 1500 m, Matthew Centrowitz aus den USA. Und auch die Athleten auf den Rängen 2 bis 4 der Paralympics schlagen dessen Zeit. Unfassbar!

Eigentlich überhaupt nicht. Denn Rennen über 1500 m werden an WM, EM und Olympischen Spielen nicht auf Zeit gelaufen. Es gibt für Rekorde ohnehin keine Prämien, es zählen nur die Medaillen. Deshalb werden Finals oft taktisch gelaufen.

Das bedeutet: Die Läufer gehen nicht vom ersten Meter an ans Limit. Sie bummeln ein wenig, um dann entweder in der letzten Runde anzugreifen oder um voll und ganz auf ihren Schlussspurt zu setzen. Genau so verhalten war in Rio de Janeiro der Olympiafinal über 1500 m, den Centrowitz in bescheidenen 3:50,00 gewann.

Enge Kiste: Matt Centrowitz spurtet in einem langsamen Rennen zum Olympiasieg. Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Baka bummelte kein bisschen

Dass er auch schneller, viel schneller laufen kann, bewies der Olympiasieger im Vorlauf und im Halbfinal in Rio. In beiden Rennen war Centrowitz rund elf Sekunden früher im Ziel als beim Lauf um Gold. Die Bestleistung des Amerikaners ist 3:30,40 und der Weltrekord des Marokkaners Hicham El Guerouj steht schon seit bald zwanzig Jahren bei 3:26,00.

Damit ist auch klar, dass die erfolgreichen Paralympics-Teilnehmer keine Chance hätten im Feld der Unversehrten. Denn Goldmedaillen-Gewinner Baka bummelte nicht, sondern lief voll am Limit – und stellte mit 3:48,29 einen neuen Weltrekord auf. Auch wenn der Algerier den Olympiasieger in einem Direktduell niemals schlagen könnte, ist seine Leistung herausragend: Nur fünf Schweizer Leichtathleten waren in diesem Jahr über 1500 m schneller.

Ach, war das schön! Die besten Bilder der Olympischen Spiele

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

25.07.1908: Wyndham Halswelle wird Olympiasieger über 400 Meter – weil er im Final der einzige Läufer ist

Alle Artikel anzeigen

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

Meistgelesen

1

Donald Trumps kreativer Umgang mit der Wahrheit: 5 krasse Lügen aus …

2

Clinton erringt Punktsieg gegen Trump: Die 16 wichtigsten Fragen und …

3

Was denken Vertreter unserer Eishockey-Klubs wirklich? Wir haben …

4

Diese 22 Parkier-Fails zeigen, warum du trotzdem besser mit dem ÖV …

5

Beim Sex mit Colin Firth braucht Renée Zellweger einen besonders …

Meistkommentiert

1

Nassim Ben Khalifa trainiert beim FC Lausanne +++ Gladbach verlängert …

2

Nationalrat will Verhüllungsverbot selber an die Hand nehmen

3

Krankenkassenprämien steigen 2017 im Schnitt um 4,5 Prozent

4

So schützt du deine Privatsphäre vor dem Geheimdienst

5

Balthasar Glättli nach dem Ja zum NDG: «Sogar Parlamentarier haben …

Meistgeteilt

1

Roman Josi, Superstar! Jetzt wartet auf den Dauerbrenner die …

2

Nach dem Ja zum Hockey-Tempel werden die ZSC Lions zum FC Basel des …

3

Wahlkampf im Jahr 2016 ist irgendwie merkwürdig, gell Hillary?

4

Barnetta ist St.Gallens Antwort auf Beckham und der beste Transfer, …

5

Ralph Krueger und die unwahrscheinliche Erfolgsstory des Team Europa

1 Kommentar anzeigen
1
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • 's all good, man! 15.09.2016 12:08
    Highlight Das ist so oder so sehr beeindruckend. 3:48min auf 1500m ist eigentlich wahnsinnig schnell - das entspricht einer Pace von 2:32min/km. Ob körperlich eingeschränkt oder nicht, das ist eine extrem starke Leistung. Chapeau!
    59 0 Melden
    600

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

Der ganzen Welt stockt der Atem: Gaby Andersen-Schiess hat beim ersten olympischen Frauenmarathon in Los Angeles den letzten Verpflegungsposten verpasst. Völlig dehydriert mutet sich die Schweizerin unmenschliche Qualen zu. Aufgeben ist keine Option.

6797 Athletinnen und Athleten pilgern 1984 nach Los Angeles, um sich eine der 663 olympischen Medaillen zu sichern. Bei der Eröffnungsfeier im Memorial Coliseum stiehlt ihnen ein Amerikaner die Show – und das obwohl er mit Sport rein gar nichts am Hut hat. Bill Suitor, der «Rocketman», wird mit seinem spektakulären Auftritt zum Gesprächsthema Nummer 1.

Vor 100'000 staunenden Zuschauern im Stadion und Abermillionen an den TV-Bildschirmen segelt Suitor im goldenen Anzug mit einem …

Artikel lesen