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Ist der Wechsel von Aegerter die letzte Chance für Jesko Raffin? Bild: TIM KEETON/EPA/KEYSTONE

Der «Töff-Eklat» um Dominique Aegerter kann eine andere Töff-Karriere retten

Wird Jesko Raffin Nachfolger von Dominique Aegerter im Schweizer Töff-Dreamteam? Es wäre ein Glücksfall.

Publiziert: 06.10.16, 10:55 Aktualisiert: 06.10.16, 11:18

Eskil Suter ist bester Laune. Dominique Aegerter hat ja nicht nur vom Schweizer Töff-Dreamteam in den Deutschen Kiefer-Rennstall gewechselt. Der Rohrbacher kehrt nach zwei Jahren auf Kalex auch zum Schweizer Töffhersteller zurück. «Die Motivation ist auch auf unserer Seite sehr hoch» sagt Eskil Suter. «Dominique Aegerters Entscheidung ist richtig. Er braucht eine neue Herausforderung.»

Eskil Suter freut sich über die Rückkehr von Aegerter auf eine seiner Maschinen. Bild: KEYSTONE

Krach mit Teamchef Fred Corminboeuf und anhaltende technische Probleme haben zum Eklat geführt. Und die Nähe zu Teamkollege Tom Lüthi hatte Dominique Aegerter mental blockiert. Entscheidend wird nun die technische Betreuung im neuen Team sein. Der neue Cheftechniker bekommt eine zentrale Rolle. Eskil Suter kümmert sich auch darum und steht vor der Vertragsunterzeichnung mit dem erfahrenen Massimo Capanna. Der Italiener hat reiche Erfahrung und arbeitete auch schon erfolgreich mit MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo.

Wer wird der Nachfolger?

Nun ist die grosse Frage: Wer wird nächste Saison Fahrer Nummer zwei neben Tom Lüthi? Theoretisch könnte Fred Corminboeuf auch auf einen seiner drei Startplätze verzichten. Aber solche Startplätze sind wertvoll und wer sie einmal an die GP-Organisatoren (Teamvereinigung IRTA, Vermarktungsagentur DORNA) zurückgibt, bekommt sie nicht wieder. Vergibt Fred Corminboeuf also den frei gewordenen Platz an Jesko Raffin (20)?

Jesko Raffin sucht für die nächste Saison noch ein Team. Bild: EPA/DPA

Jesko Raffin ist das grösste helvetische Töfftalent neben Tom Lüthi (30) und Dominique Aegerter (26). Der Zürcher steht in seiner zweiten ganzen Moto2-WM-Saison und hat dieses Jahr bereits dreimal WM-Punkte geholt – mit einem 8. Platz als beste Klassierung (GP von Deutschland).

«Ich war in den letzten Wochen ja immer in losen Gesprächen mit Fred Corminboeuf. Jetzt werden wir diese Gespräche wohl etwas intensivieren …»

Marco Rodrigo, Manager von Jesko Raffin

Aber er hat bis heute noch keinen Startplatz für die nächste Saison gefunden – und findet er keinen, dann ist seine Karriere zu Ende. Sein Manager Marco Rodrigo hat bisher vergeblich versucht, den Vertrag mit dem bisherigen spanischen Team zu verlängern oder einen Platz bei einem anderen Rennstall zu bekommen. Er hat auch bereits mit Fred Corminboeuf verhandelt. Um an Stelle von Robin Mulhauser den dritten Platz im Team zu bekommen. «Aber der wird an den Spanier Iker Lecuona gehen.»

Nun ist durch den Abgang von Dominique Aegerter eine neue Situation entstanden. Marco Rodrigo sagt: «Ich war in den letzten Wochen ja immer in losen Gesprächen mit Fred Corminboeuf. Jetzt werden wir diese Gespräche wohl etwas intensivieren ...»

«Aegerter braucht eine Veränderung»

Dominique Aegerter hat Teamchef Fred Corminboeuf und seinen langjährigen Förderer Olivier Métraux mit dem Teamwechsel völlig überrascht. Er muss damit rechnen, künftig alle Unterstützung von dieser Seite zu verlieren. Dominique Aegerter sagt: «Man sieht sich immer zweimal im Leben. Ich hoffe sehr, dass Olivier Métraux Verständnis für meinen Schritt hat.»

Aegerter hofft auf Verständnis für seinen Wechsel. Bild: KEYSTONE

Die finanziellen Folgen müssen nicht dramatisch sein. Das Team bezahlte Dominique Aegerter ein Grundgehalt, Prämien und Spesen und stellte die Maschine und die Infrastruktur zur Verfügung. Dieser Teil wird nun vom neuen Rennstall übernommen. Einen Teil der Werbeflächen auf Kombi/Helm kann Dominique Aegerter selber vermarkten. Diese stark leistungsbezogenen Einnahmen sind die wichtigsten Einkünfte und bringen ihm, wenn er in der WM unter den ersten fünf dabei ist, gut eine halbe Million Franken pro Saison ein. Dominique Aegerter sagt: 

«Ich hoffe sehr, dass mir diese persönlichen Sponsoren auch im neuen Team die Treue halten.»

Die Versöhnung mit seinem Manager Robert Siegrist, von dem er sich vorübergehend medienwirksam getrennt hatte, ist von entscheidender Bedeutung. «Wir haben uns wieder gefunden und abgemacht, dass er ein weiteres Jahr für mich arbeitet», sagt Dominique Aegerter. Der Zürcher Rechtsanwalt hat ihm den Deal mit dem Deutschen Kiefer-Team eingefädelt.

Aegerter und Siegrist (rechts) haben sich wieder versöhnt. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Robert Siegrist sagt, Dominique Aegerter müsse sich ändern, wenn er die Karriere retten wolle. «Er muss lernen, das zu tun, was für ihn richtig ist und nicht ständig nur das zu tun, wozu er Lust hat. Der Teamwechsel alleine genügt nicht. Er braucht auch Veränderungen in seinem Umfeld. Er sollte beispielsweise einen neuen Fitnesstrainer engagieren. Es bringt nichts, so viel Kondition zu trainieren, dass er Energie verliert und dann müde auf den Rennplatz kommt.» Der Schritt aus der Komfortzone dürfte noch einige Eklats provozieren.

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Sein neues Team bietet alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison 2017. Marco Rodrigo kennt den deutschen Rennstall aus der Zeit, als er sich noch um Randy Krummenacher (nächste Saison in der Superbike-WM) kümmerte und sagt: «Die technische Infrastruktur und die Betreuung sind erstklassig. Wenn es Probleme gibt, werden sie direkt angesprochen und gelöst. Verträge werden korrekt eingehalten und es gibt keine Reibungsverluste durch unnötige Diskussionen. Dominique Aegerter geht zwar ein Risiko ein, wenn er seinen langjährigen Förderer Oliver Métraux verlässt. Aber dieser Wechsel ist auch eine riesige Chance für ihn.»

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