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Zwei der aktuell besten NBA-Spieler: Golden-State-Neuzugang Kevin Durant (l.) und Stephen Curry. Bild: Ben Margot/AP/KEYSTONE

Die Super-Bösewichte – alle gegen NBA-Favorit Golden State!

Seit seinem Wechsel zu Golden State schlägt Kevin Durant der Hass der Basketball-Fans entgegen. Für den NBA-Superstar könnte sich die Entscheidung trotzdem auszahlen: Sein Team scheint unbesiegbar.

Publiziert: 25.10.16, 18:42 Aktualisiert: 25.10.16, 20:02

Maximilian Rau

Ein Artikel von

Wenn Fans in den USA einen eigenen Spieler bei einem Länderspiel ausbuhen, muss schon etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein. Ob in Los Angeles oder in Chicago, während der Vorbereitungspartien der US-Basketballer vor den Olympischen Spielen gab es immer Pfiffe und Buhrufe für Kevin Durant. Mit nur einer Entscheidung ist aus einem der beliebtesten Spieler der NBA einer der am meisten verachteten geworden. Sein vermeintliches Verbrechen war, im Sommer von Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors zu wechseln.

Durant verkörperte Thunder, er war dem Team neun Jahre treu geblieben, obwohl die Stadt zu den unattraktivsten der NBA zählt. Oklahoma City lag ihm dafür zu Füssen. Als er im Mai 2014 als wertvollster Spieler der Saison (MVP) ausgezeichnet wurde, hielt er eine emotionale Rede, in der er sich bei jedem einzelnen Teamkollegen ausführlich bedankte. Durant, Superstar und doch bescheiden und loyal.

In Oklahoma war Durant eine Legende, wurde gar zum MVP. Bild: LARRY W. SMITH/EPA/KEYSTONE

Dieses Bild zerbrach mit dem Transfer zu Golden State. Dass ein Superstar wechselt, ist nicht ungewöhnlich in der NBA. Dass er aber in ein bereits intaktes Team wechselt, noch dazu zu einem direkten Rivalen, erzürnte viele. In den vorangegangenen Playoffs hatten Thunder und Durant die Warriors am Rand einer Niederlage, doch sie waren nach einer 3:1-Führung eingebrochen und hatten die Serie 3:4 verloren.

Sefolosha und Capela im Kreis der Besten

Heute beginnt die NBA-Saison. In der besten Basketball-Liga der Welt spielen mit Thabo Sefolosha und Clint Capela erneut zwei Schweizer. Capela zeigte in der Vorbereitung auf seine zweite komplette NBA-Saison zuletzt brillante Leistungen. Da zudem Star-Center Dwight Howard zu den Atlanta Hawks gewechselt hat, sollte der 2,07 m grosse Capela bei den Texanern in Zukunft deutlich mehr eingesetzt werden.

Thabo Sefolosha bestreitet seine elfte Saison in Nordamerika. Der 32-jährige Waadtländer erhielt in der Vorbereitung bei den Atlanta Hawks sehr viel Lob und darf mit einigen Einsatzzeiten rechnen. Zum Aufeinandertreffen zwischen Sefolosha und Clint Capela kommt es in dieser Saison bereits am 5. November 2016. (az)

Hat Nike seine Finger im Spiel?

Die Kritik kam von ehemaligen Spielern, Experten und Fans – und sie kam zahlreich: Durant sei eben kein echter Gewinner; er gehe den leichten Weg; er habe nicht den nötigen Siegeswillen, um die Warriors zu bezwingen; er lasse sein Team im Stich. Dazu die Gerüchte, Nike habe bei Durants Wechsel eine wesentliche Rolle gespielt, weil Curry – und damit dessen Ausrüster Under Armour – zu sehr ins Rampenlicht gerückt war.

Für Durant selbst waren die Wochen nach seinem Wechsel hart, wie er in einem HBO-Interview gestand. «Niemanden kümmert, was ich als Person möchte», sagte der 28-Jährige, «es geht nur darum, was ich als Basketballer kann.»

Auf Kevin Durant wartet eine schwierige Saison. Bild: Ben Margot/AP/KEYSTONE

Aber nicht nur wegen Durant sind die Warriors mittlerweile Schurken. Zu Beginn der vergangenen Saison waren sie noch das Team, das jeder Basketball-Fan mögen musste. Ihre Spielweise attraktiv und mannschaftsdienlich, ihr Auftreten bescheiden und freundlich. Doch im Laufe ihrer Rekord-Saison, 73 von 82 Spielen gewann Golden State, fand eine Verwandlung statt.

Die vielen Siege polarisierten. Das übertriebene Feiern von erfolgreichen Aktionen wirkte zunehmend überheblich, wie etwa Currys Marotte, nach einem Wurf abzudrehen, noch bevor dieser durch den Korb gefallen war – als würde er ohnehin immer treffen. Spätestens als Draymond Green in den Finals nach etlichen unsportlichen Aktionen gesperrt wurde, war die Wandlung vollzogen.

Andrew Bogut jubelt, bevor Curry zum Wurf angesetzt hat. Video: streamable

Die eigene Beliebtheit dürfte den Warriors aber egal sein, denn auf dem Feld sind sie vor dem Saisonauftakt von heute Nacht gegen San Antonio der absolute Top-Favorit. TV-Experten diskutieren nicht, ob sie Meister werden, sondern ob sie ihren Siegrekord brechen werden oder nicht.

Cleveland als einziger Warriors-Gegner

Mit Durant (2014) und Curry (2015, 2016) stehen die MVPs der vergangenen drei Jahre im selben Team. Dazu kommen mit Klay Thompson und Green zwei weitere herausragende Dreierschützen. Gegnerischen Verteidigungen wird es beinahe unmöglich sein, Golden State zu stoppen. In der Vorbereitung gewannen die Warriors sieben von acht Partien und liessen auch die Zweifler verstummen, die eine Eingewöhnungsphase prognostiziert hatten.

Die Hoffnungen in Cleveland liegen natürlich wieder auf Lebron James – auch nicht die Bescheidenheit in Person. Bild: Gene J. Puskar/AP/KEYSTONE

Die Schwächen der Mannschaft finden sich erst im Detail: Ein Center fehlt, der viele Würfe blockt und den Stars damit den Rücken freihält. Und von der Bank kann Coach Steve Kerr nur drei etablierte Kräfte bringen, der Rest sind unerfahrene Talente.

Somit bleibt für die Warriors nur ein ebenbürtiger Gegner, Titelverteidiger Cleveland Cavaliers. Das dritte Final-Duell scheint nur Formsache, obwohl in der NBA-Geschichte bislang noch nie zwei Klubs dreimal hintereinander in der Finalserie aufeinandertrafen.

Bis es soweit ist, steht Durant unter besonderer Beobachtung. Kurz vor Saisonbeginn lobte er sein neues Team: «Alle sind so selbstlos und geniessen das Spiel in seiner reinsten Form.» Die Worte wurden als Kritik an Thunder aufgefasst. Wie man es von einem Bösen eben erwartet.

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