Sport

Geschafft! Die Freude beim Schweizer Leichtgewichts-Vierer ist grenzenlos. Bild: Luca Bruno/AP/KEYSTONE

Mario Gyr über das Goldrennen: «500 Meter vor dem Ziel wurde es mir schwarz vor den Augen»

Der Schweizer Leichtgewichts-Vierer ist nach langem Anlauf am Ziel. Das Quartett mit Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr wurde in Rio de Janeiro Olympiasieger – und damit der grossen Erwartungshaltung gerecht. 

11.08.16, 21:51 12.08.16, 11:32

Mario Gyr, der Druck war enorm, die Erleichterung deshalb umso grösser?

«Den Druck macht man sich immer selber. Wenn in einer Umfrage 98 Prozent von allen Schweizern verlangen, dass wir eine Medaille gewinnen, und davon 90 Prozent Gold, dann ist es nicht einfach. Man macht sich entweder kaputt oder hat selber den Anspruch, das zu erfüllen. Das hatten wir schon länger. Nach London sagten wir: ‹Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig.› Deshalb bereiteten wir uns akribisch vor. Wir waren im Ziel völlig ausgepumpt, es war das härteste Rennen in unserem Leben. Aber es hat sich gelohnt. Olympiasieger wird man nicht alle Jahre.»

Mario Gyr.

Der Weg zur Goldmedaille verlangte den Athleten alles ab. Bild: Andre Penner/AP/KEYSTONE

Wie oft musstet ihr durch die Hölle gehen, um an diesem Punkt zu sein?

«Es ist ein jahrelanger Kampf. Das Training ist eine Achterbahn, man zweifelt immer wieder. Das Rennen war nicht wirklich eine Freude. 500 Meter vor dem Ziel wurde es mir schwarz vor den Augen und ich wusste, dass ich nun einfach schieben muss. Das ist natürlich nicht lustig. Ich wusste ihm Ziel nicht, welchen Rang wir belegten. Im vergangenen Jahr war es einfacher, da ruderten wir perfekt und mussten uns nicht völlig verausgaben, um Weltmeister zu werden. Diesmal mussten wir absolut an die Grenzen unserer physischen Fähigkeiten gehen. Es hat gereicht, das ist lässig.»

Mario Gyr.

Wie war es mit der Nervosität?

«Ich war überrascht. Ich ging gestern um 20.30 Uhr ins Bett und bin sofort eingeschlafen. Heute Morgen bin ich um 6.00 Uhr, 20 Minuten vor dem Wecker aufgewacht, und wusste: ‹Du bist extrem bereit.› Das gibt natürlich Vertrauen. Wir wussten, was wir können und wussten, dass wir auf den mittleren 1000 Metern mit unserem Rhythmus das Feld zerstören. Mit dem Gegenwind konnten die anderen Boote nicht wirklich entgegenhalten. Es war so, wie wir das erwartet hatten.»

Mario Gyr.

Ausgepumpt, aber überglücklich: die Schweizer Ruderer. Bild: Luca Bruno/AP/KEYSTONE

Was macht euch besser als die anderen Boote?

«Wir sind ein absolutes Team, wir harmonieren besser als alle anderen. Es ist immer einfach, ein Team zu sein, wenn man gewinnt. Aber wenn es mal nicht so gut läuft, dann zusammenzustehen und den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, das ist nicht einfach. In der Niederlage sieht man, wer ein Team ist. Als es im Vorlauf nicht so lief, wussten wir, was wir falsch gemacht hatten und konnten es umdrehen. Das ist eine Charakterfrage und das grosse Geheimnis dieses Vierers.»

Mario Gyr.

(sda/jsc)

Ruder-Gold für die Schweiz! Die vier Helden des Leichtgewichtvierers

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

25.07.1908: Wyndham Halswelle wird Olympiasieger über 400 Meter – weil er im Final der einzige Läufer ist

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2Alle Kommentare anzeigen
2
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Gelöschter Benutzer 11.08.2016 22:50
    Highlight Gratulation!
    Hoffe sie beissen besonders fest auf die Goldmedallie.
    22 0 Melden
    600
  • bafana 11.08.2016 21:59
    Highlight En schnurri im positivem sinn
    2 25 Melden
    600

Fidschi feiert Olympia-Gold im Rugby – mit einer 7-Dollar-Note

Diese Banknote dürfte eher Souvenir als Zahlungsmittel werden. Nach dem historischen Triumph Fidschis im 7er-Rugby an den Olympischen Spielen in Rio gibt der Inselstaat im Pazifik-Staat eine 7-Dollar-Note heraus.

An den Olympischen Spielen 2016 hat Fidschis Team im 7er-Rugby Geschichte geschrieben. Es gewann die erste Medaille des Landes überhaupt – und dann gleich Gold.

Diesen Triumph würdigt Fidschis Nationalbank nun mit einer besonderen Banknote. Sie hat den ungewöhnlichen Nennwert von 7 Fidschi-Dollar, was knapp 3.50 Franken entspricht.

Zwei Millionen Exemplare der Banknote wurden gedruckt und ausserdem wurde auch eine Sondermünze im Wert von 50 Cent geprägt. Sie zeigt Coach Ben Ryan auf der einen …

Artikel lesen