Sport

Fabian Cancellara hat sich bei Rio 2016 für den Schweizer Radsport unsterblich gemacht. Bild: Victor R. Caivano/AP/KEYSTONE

Ein letztes Hurra: Cancellara ist endgültig im Schweizer Radsport-Olymp angekommen

Fabian Cancellara fährt sein zweites olympisches Gold heraus. Nun ist er einer der Grössten aller Zeiten.

11.08.16, 08:06 12.08.16, 16:50

klaus zaugg, rio de janeiro

Die Popularität des Radrennsportes in unserem Land geht auf eine Zeit vor mehr als 50 Jahren zurück. Ferdy Kübler und Hugo Koblet waren die ersten grossen Sport-Popstars der Schweiz. 1950 gewann Hugo Koblet als erster Ausländer den Giro und Ferdy Kübler als erster Schweizer die Tour de France. 1951 triumphierte Hugo Koblet bei der Tour und Ferdy Kübler wurde Weltmeister. Die beiden haben eine Radsport-Euphorie ausgelöst, die bis heute anhält.

Die beiden Schweizer Radsport-Ikonen Ferdy Kübler (l.) und Hugo Koblet. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Ferdy Kübler ist zum Schweizer Sportler des 20. Jahrhunderts gewählt worden. Hugo Koblet ist durch seinen frühen Unfalltod im Alter von 39 Jahren zum «James Dean» des Schweizer Sportes geworden. Sein Schicksal wurde sogar verfilmt.

Kein Schweizer Radfahrer ist Nachfolger von Kübler und Koblet geworden und fast schien es, als werde es nie einen Nachfolger geben. Die Tour hat nie mehr ein Schweizer gewonnen. Carlo Clerici (1954) und Tony Rominger (1995) feierten zwar den Gesamtsieg beim Giro. Hans Knecht (1949) und Oscar Camenzind (1998) wurden Strassen-Weltmeister und Pascal Richard (1996) triumphierte beim olympischen Strassenrennen. Sie hatten jedoch weder das Charisma noch die Popularität von Kübler und Koblet.

Pascal Richard gewann 1996 in Atlanta das olympische Strassenrennen. Bild: KEYSTONE

Nun hat Fabian Cancellara als erster Schweizer Radstar die Höhen von Ferdy Kübler und Hugo Koblet erklommen, obwohl er weder den Giro noch die Tour oder die Strassen-WM zu gewinnen vermochte.

Cancellara landet am Freitag

Fabian Cancellara kehrt nach seinem am Mittwoch errungenen zweiten Olympiagold im Zeitfahren am Freitag zurück in die Schweiz. Der Berner landet um 10.50 Uhr in Zürich-Kloten.

Die Bronze-Medaillengewinnerin Heidi Diethelm Gerber kehrt einen Tag später heim. Die Thurgauer Schützin kommt wie einige andere Schweizer Athleten am Samstag um 13.10 Uhr in Zürich-Kloten an. (sda)

Aber seine Karriere ist so lang und die Erfolge sind so markant, dass er trotzdem zu den Grössten aller Zeiten gehört. Zu den «Titanen der Landstrasse».

Er ist acht Jahre nach Peking, als er das Zeitfahren gewann, erneut Olympiasieger. Er war viermal Weltmeister im Zeitfahren. In seiner Karriere gibt es dramatische Tiefpunkte wie der Sturz beim Strassenrennen 2012 in London, der ihn wohl um Gold gebracht hat.

Den richtigen Zeitpunkt gewählt

Der Berner ist nie in einer Dopingkontrolle hängen geblieben und die immer wieder kolportierten Gerüchte um «Velodoping» (ein Motörchen im Velo?) haben seiner Popularität eher genützt als geschadet. Wie Roger Federer gibt es in seiner Karriere und in seinem Lebenslauf keine Skandale. Diese Karriere ist durch und durch aus dem Stoff geworben, aus dem Sportstars gemacht sind.

Er ist beides. Ein anständiger, freundlicher, bescheidener Berner und ein internationaler Sportstar und Sport-Millionär. Nicht viele schaffen diesen Spagat. Ende Saison wird er zurücktreten. Nun reitet er als goldener Held in den Sonnenuntergang seiner Karriere. Er ist einer der wenigen internationalen Sportstars, die den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt erwischt haben.

Die Gold-Emotionen von Fabian Cancellara in Rio

Sein Erfolg überstrahlt nun in Rio die Bronze-Medaille von Heidi Diethelm-Gerber aus der Randsportart Schiessen. Sie muss ihren Platz auf der Bühne der sportlichen Eitelkeiten schon nach ein paar Stunden wieder räumen. Sie macht einem der grössten aller Zeiten Platz.

Auf dieser Bühne sind eben nicht alle gleich. Das ist sehr schade. Im Sport ist es halt nicht anders als im richtigen Leben. Es gibt kleine Ungerechtigkeiten.

Die grössten Erfolge von Fabian Cancellara

Unvergessene Radsport-Geschichten

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Swissclimber 11.08.2016 10:42
    Highlight Dass Fäbu nie einen Giro oder eine Tour gewinnen konnte, ist reine Physik. Mit über 80kg Körpergewicht ist dies bei den heute zu bewältigenden Höhenmeter ein Ding der Unmöglichkeit eine Rundfahrt zu gewinnen. Fäbu zählte in seinen Disziplinen stets zu den Besten und er ist tatsächlich einer der ganz Grossen des Radrennsports.
    17 0 Melden
    600

«Rio war das letzte grosse Ziel»: Fabian Cancellara holt Gold im Zeitfahren und zeigt grosse Emotionen

Was für ein Triumph von Fabian Cancellara im olympischen Zeitfahren in Rio de Janeiro: Der Ende Saison abtretende Berner gewinnt bei seinem letzten grossen Auftritt auf der Radsport-Bühne auf überzeugende Art und Weise Olympia-Gold.

Cancellara distanzierte im 54,6 km langen, hügeligen Zeitfahren die Konkurrenz um 47 Sekunden und mehr. Silber sicherte sich der Niederländer Tom Dumoulin, Bronze ging an den dreifachen Tour-de-France-Gesamtsieger Chris Froome aus Grossbritannien.

Cancellaras Leistung …

Artikel lesen