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epa01603769 Real Madrid's Argentinian forward Gonzalo Higuain (C) celebrates with his teammates Dutch striker Arjen Robben (L) and Dutch midfielder Rafael van der Vaart (R) after scoring second goal against Osasuna during their Spanish Primera Division soccer match at Santiago Bernabeu stadium in downtown Madrid, central Spain, 18 January 2009.  EPA/Ballesteros

Arjen Robben, Gonzalo Higuaín und Rafael van der Vaart bejubeln einen Treffer. Alle haben Real mittlerweile längst wieder verlassen. Bild: EPA

Millionen in den Sand gesetzt

Die grössten Fehleinkäufe von Real Madrid – auch ein heutiger Superstar und Basels Neuzugang sind dabei

Real Madrids Transferwahnsinn kennt auch in diesem Sommer keine Grenzen. Ob es sich lohnen wird? Zuletzt hatten die Real-Bosse ein gutes Händchen, doch sie haben auch schon oft daneben gegriffen.

25.07.14, 14:22 25.07.14, 16:34

Toni Kroos für 30 Millionen Euro, James Rodríguez für 80 Millionen und Keylor Navas für 10 Millionen Euro: Real Madrid hat in diesem Sommer auf dem Transfermarkt wieder einmal mächtig zugeschlagen. Und Präsident Florentino Pérez hat noch nicht genug. Auf dem Einkaufszettel steht auch noch Stürmer Falcao vom AS Monaco. Der Kolumbianer dürfte die Königlichen nochmals rund 60 Millionen Euro kosten. Im Raum steht für den Knipser angeblich auch eine einjährige Ausleihe für 12 Millionen Euro.

Kein Klub auf der Welt hat in den letzten sechs Jahren mehr Geld für Transfers ausgegeben als der spanische Rekordmeister. Nicht Erzrivale Barcelona, nicht Manchester City, Chelsea oder Paris St-Germain. 724 Millionen Euro machte Real seit 2009 für neues Spielermaterial locker. Und auch davor geizte man in Madrid nicht.

Immerhin: Aus den TV-Übertragungsrechten, den Ticket- und Trikotverkäufen generiert Real Unsummen. Das Trikot von James Rodríguez mit der Nummer 10 wurde in den ersten 48 Stunden 345'000 Mal verkauft. Das generiert Umsatz, rund eine halbe Milliarde Euro soll er pro Jahr betragen. Ob die Bilanz trotzdem positiv ist? Eher nicht.

Das Kader ist aufgebläht und verschlingt Millionen an Lohnkosten. Bezahlt werden müssen nämlich jeweils nicht nur die aktuellen Superstars, sondern oft auch noch eine lange Zeit die Fehleinkäufe der Vergangenheit. Und von diesen gab es in den letzen 15 Jahren nicht gerade wenige. Hier eine kleine Auswahl: 

Nuri Şahin

Von 2011 bis 2012: 10 Spiele, 1 Tor

Şahin muss Real nach nur einer Saison wieder verlassen. Bild: AP

Zur Saison 2011/12 wechselte Nuri Şahin für 10 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Real Madrid. Bei den Königlichen unterschrieb er einen Sechsjahresvertrag bis 2017. Wegen einer Verletzung konnte sich der türkische Nationalspieler aber nie durchsetzen. Nach nur einer Saison wurde der defensive Mittelfeldspieler zunächst an Liverpool, dann an den BVB ausgeliehen. Auf die Saison 2014/15 hin übernahmen ihn die Dortmunder wieder fix. Kostenpunkt: 7 Millionen Euro.

Klaas-Jan Huntelaar

2009: 20 Spiele, 8 Tore

Bei der Trikotpräsentation ist Huntelaar noch guten Mutes. Bild: EPA

Im Januar 2009 holte Real-Trainer Juande Ramos Klaas-Jan Huntelaar als Ersatz für den verletzten Ruud van Nistelrooy für 27 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu den Königlichen. Weil er schon für Ajax im Europacup zum Einsatz kam, durfte er nur in der Primera División spielen. Mit mässigem Erfolg. Nach sechs Monaten wechselte Huntelaar in der Sommerpause 2009 für 15 Millionen Euro zur AC Milan, nachdem Reals neuer Trainer Manuel Pellegrini erklärt hatte, nicht mit ihm zu planen.

Rafael van der Vaart

2008 bis 2010: 72 Spiele, 12 Tore

Rafael van der Vaart konnte die Erwartungen nur ganz zu Beginn erfüllen. Bild: AP

Mit einem Fünfjahresvertrag wechselte Rafael van der Vaart im Sommer 2008 für 15 Millionen Euro vom Hamburger SV nach Madrid. Der Holländer schlug zunächst ein wie eine Bombe, wurde sogar für die Wahl zum Weltfussballer des Jahres nominiert. Dann folgte der Knick, van der Vaart ist nach der Winterpause nur noch zweite Wahl. Der neue Real-Coach Manuel Pellegrini wollte ihn im Sommer 2009 eigentlich aussortieren, doch man fand keinen Abnehmer. Ein Jahr später folgte dann für 10 Millionen Euro der Wechsel zu Tottenham Hotspur.

Arjen Robben

2007 bis 2009: 63 Spiele, 12 Tore

Bei Real reizt Arjen Robben sein Potenzial nie aus. Bild: EPA

Arjen Robben kam im Sommer 2008 für 36 Millionen Euro und mit grossen Erwartungen von Chelsea zu Real Madrid. Der Holländer wurde schnell zu einem der wichtigsten Spieler der Mannschaft, immer wieder warfen ihn aber Verletzungen zurück. Als 2009 Florentino Pérez als Präsident zu den Königlichen zurückkehrte, war für Robben nach den spektakulären Transfers von Cristiano Ronaldo, Xabi Alonso, Karim Benzema und Kaká kein Platz mehr. Der Flügelflitzer wechselte für 25 Millionen Euro zu Bayern München, wo er sich doch noch zum absoluten Weltklassespieler entwickelte.

Royston Drenthe

2007 bis 2010: 60 Spiele, 4 Tore

Seine Flügelläufe bleiben legendär. Leider hat er sie nur eine Saison lang gezeigt. Bild: AP

Nachdem der Aussenläufer in der Saison 2006/07 bei Feyenoord Rotterdam den Durchbruch geschafft hatte, griff Real für 14 Millionen Euro zu. Der Neffe des holländischen Superstars Edgar Davids feierte gleich in seiner ersten Saison in Spanien den Meistertitel. Danach kam er aber nur noch sporadisch zum Einsatz und wurde immer wieder ausgeliehen. 2012 lief sein Vertrag aus, er wechselte ablösefrei nach Russland zu Alanija Wladikawkas. Mittlerweile spielt Drenthe bei Reading in der zweiten englischen Liga.

Fernando Gago

2007 bis 2011: 100 Spiele, 1 Tor

Fernando Gago schaffte es nie zum absoluten Topstar. Bild: AP

Der defensive Mittelfeldspieler machte 2007 mehrere europäische Topklubs auf sich aufmerksam, für 20,5 Millionen Euro wechselte Fernando Gago schliesslich nach Madrid. Zunächst Stammspieler, musste der Argentinier schon bald der Konkurrenz Platz machen. Als 2009 Xabi Alonso zu Real kam, stand Gago endgültig auf dem Abstellgleis. Der WM-Finalist von 2014 wurde an die AS Roma ausgeliehen und 2012 für 3,5 Millionen Euro an den FC Valencia verkauft. Nach nur einer Saison kehrte er aber endgültig in seine Heimat zurück.

Wálter Samuel

2004 bis 2005: 38 Spiele, 2 Tore

Bei Real durchgefallen, bei Inter eingeschlagen: Welches Gesicht zeigt Wálter Samuel beim FC Basel? Bild: AP

Die erste Station des FCB-Neuzugangs in Europa war die AS Roma, mit der Wálter Samuel gleich in seinem ersten Jahr italienischer Meister wurde. Durch seine konstant guten Leistungen wurde Real auf den argentinischen Nationalspieler aufmerksam und verpflichtete ihn im Jahr 2004 für 23 Millionen Euro. Die hohen Erwartungen konnte er in Madrid nie erfüllen. Mit Samuel verlor Real das spanische Pokalfinale gegen Real Saragossa und schied im Viertelfinal der Champions League gegen Monaco aus. Samuel zog für 18 Millionen Euro zu Inter Mailand weiter und holte mit den Nerazzurri 2010 das Triple.

Júlio Baptista

2007 bis 2008: 32 Spiele, 4 Tore

Bei Real war Júlio Baptista alles andere als ein Torjäger. Bild: AP

«Die Bestie» schiesst für den FC Sevilla 38 Treffer in 63 Ligaspielen. Grund genug für Real, für den Brasilianer 20 Millionen Euro an die Andalusier zu überweisen. Bei den Königlichen konnte Júlio Baptista seinen Torriecher nicht mehr zeigen, statt als hängende Spitze wurde er als Allrounder im Mittelfeld eingesetzt. Nachdem er ein Jahr an den FC Arsenal ausgeliehen gewesen war, wechselte Baptista 2008 für 9 Millionen Euro zur AS Roma. Über Málaga kehrte er 2013 nach Brasilien zurück.

Jonathan Woodgate

2004 bis 2006: 12 Spiele, 1 Tor

Jonathan Woodgates Real-Abenteuer stand unter keinem guten Stern.  Bild: AP

Zur Verwunderung der Fussballwelt verpflichtete Real Madrid im Sommer 2004 den verletzungsanfälligen Innenverteidiger von Newcastle United für 18,3 Millionen Euro. In seiner ersten Saison bei den Königlichen absolvierte er dann auch kein einzigen Pflichtspiel. Sein Einstand im September 2005 verlief nicht wunschgemäss: Der Engländer schoss ein Eigentor und kassierte eine gelb-rote Karte. Danach zeigte seine Formkurve zwar steil nach oben, doch weil er immer wieder verletzt war, wurde er 2006 an seinen Stammklub Middlesbrough ausgeliehen und ein Jahr später für 9,6 Millionen Euro an «Boro» verkauft. Bei einer Umfrage der Sportzeitung «Marca» wurde der achtfache englische Nationalspieler nachträglich mit grosser Mehrheit zu Reals grösstem Fehleinkauf des 21. Jahrhunderts gewählt.

Nicolas Anelka

1999 bis 2000: 31 Spiele, 7 Tore

Nicolas Anelka hatte zwar viel Talent, eckte aber immer wieder an. Auch in Madrid. Bild: AP

Real Madrid war Nicolas Anelkas dritter von insgesamt zwölf Klubs, für die er bislang spielte. Die Königlichen holten ihn 1999 für 35 Millionen Euro von Arsenal, wo er die Torjägerkrone mit 17 Treffern nur um ein Törchen verpasst hatte. Doch in Madrid konnte sich der Franzose – wie so oft – nicht ins Team eingliedern. Er weigerte sich Spanisch zu lernen und wurde von Trainer Vicente del Bosque für 45 Tage vom Training suspendiert, weil er drei Tage den Übungseinheiten fernblieb. Es folgte die kuriose Flucht im Kofferraum eines Autos und trotz reumütiger Rückkehr der Wechsel zu Paris St-Germain. Immerhin kassierte Real für das Enfant terrible noch 34,5 Millionen Euro.

Elvir Baljić

1999 bis 2002: 17 Spiele, 1 Tor

Mit dem Transfer von Elvir Baljić hat Real viel Geld in den Sand gesetzt. Bild: scsport.ba

Bei Bursaspor und Fenerbahçe Istanbul machte der offensive Mittelfeldspieler mit einer starken Torquote auf sich aufmerksam. Der Bosnier galt als kommender Superstar und so holte ihn Real für umgerechent 23 Millionen Euro nach Madrid. Aufgrund eines Kreuzbandrisses kam Baljić dort allerdings nur selten in der ersten Mannschaft zum Einsatz und kehrte schon bald leihweise zu Fenerbahçe zurück. Im Sommer 2002 wurde Baljić dann endgültig und ablösefrei an Galatasaray Istanbul abgegeben.

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Brikne, 20.7.2017
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  • Merengue 26.07.2014 14:23
    Highlight Sogar als unnachgiebiger Real-Fan will ich hier einen sehr guten Artikel noch um 2-3 Fehltransfers ergänzen.
    1. Pablo Garcia: in der Saison 2007-2008 21 Spiele für Real, 0 Tore und ein riesengrosses Fragezeichen himter der Frage, wie ein solcher Spieler bei den Königluchen landen kann.
    2. Thomas Gravesen: 2005-06 in 35 Spielen ein Tor (immerhin) erzielt. Aber ansonsten eine riesige Lachnummer, zumindest für Real-Verhältnisse.
    3. julien Faubert: im Winter 2009 nach Leigeschäft von West Ham an Real ausgeliehen, da er die vielen Verletzten ersetzen sollte. Ausser schlafen(er ist tatsächlich eingenickt) und Schokolade essen auf der Ersatzbank war da nicht auszumachen, deshalb mein persönlicher Fehltransfer-Favorit.
    1 0 Melden
  • massi.lucca 25.07.2014 17:16
    Highlight Kompliment für den sehr gut recherchierten Artikel, sehr gut!

    Ein Fehleinkauf ist euch aber vermutlich entgangen: Am 4. Januar 2006 holte sich Real Madrid von der AS Roma das "enfant terrible" des italienischen Calcio: Antonio Cassano. Ausgestattet mit einem 5 Jahres Vertrag und knapp 7 Millionen Euro sollte der kleine Stürmer für Real auf Torejagd gehen, dies auf Wunsch des damaligen Real Coach Fabio Capello, der sein Wunschspieler aus seiner Zeit bei der Roma sehr gut kannte.

    Aber nach nur 19 Partien und einem Törchen, dafür mit unzähligen Eskapaden und ewigen Streitereien mit Coach, Vorstand und Teamspieler hatten die Spanier die Nase voll vom Süditaliener und schoben Cassano zu Sampdoria Genua ab.
    4 0 Melden
  • Devante 25.07.2014 14:51
    Highlight und wo bleibt özil? :)
    2 14 Melden
    • Schaufi 25.07.2014 15:30
      Highlight Özil war doch kein Fehleinkauf!
      5 2 Melden
    • PRE 25.07.2014 15:45
      Highlight Özil kam 2010 für 18 Millionen Euro von Werder Bremen und wurde drei Jahre später für 50 Millionen Euro an Arsenal verkauft. 159 Spiele/27 Tore ist eine starke Bilanz. Deshalb ist er alles andere als ein Fehleinkauf.
      12 0 Melden
    • Ghorbani 25.07.2014 15:46
      Highlight Özil war doch kein Fehleinkauf... In seiner ersten Saison war er der beste Vorbereiter der Liga mit 19 Torvorlagen... In seiner zweiten Saison wurde er nochmals zum Top-Vorbereiter mit 17 Torvorlagen
      5 0 Melden
    • Kev 25.07.2014 16:08
      Highlight Eher ein Fehlverkauf....
      4 1 Melden
    • Devante 25.07.2014 16:12
      Highlight NUn ja, wollte damit nur sagen, dass die "königlichen" den özil als nicht mehr tauglich abgestempelt hatten und ihn quasi weggeworfen haben - dann wurde er noch besser...
      1 1 Melden
    • Mia_san_mia 26.07.2014 13:11
      Highlight Özil war gut bei Real...
      1 0 Melden

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