Sport

Die beiden Schweizer beim Handshake: Roger Federer und Stan Wawrinka. Bild: EPA/AAP

Federer nach dem dramatischen Sieg: «Es ist komisch, gegen Stan gewonnen zu haben»

Roger Federer erreicht am Australian Open mit einem 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3 gegen Landsmann Stan Wawrinka seinen 28. Grand-Slam-Final.

26.01.17, 13:25 26.01.17, 18:06

» Hier gibt es den Liveticker zur packenden Partie mit allen wichtigen Ballwechseln zum Nachlesen und -schauen!

Es war keine Tennisgala, welche die beiden Schweizer Stars am Nationalfeiertag «Australia Day» zeigten. Zu Beginn machten beide einen angespannten Eindruck und schienen sich sehr mit der Taktik gegen den so wohlbekannten Gegner und Freund zu beschäftigen.

Federer verschaffte sich als Erster einen temporären Vorteil, konnte beim Stand von 2:1 jedoch drei Breakbälle hintereinander nicht nutzen. Im folgenden Game wehrte er dafür zwei Chancen Wawrinkas ab. Bei 5:6 und 30:30 unterliefen dem Waadtländer dann aber gleich zwei Rückhand-Fehler, die dem Basler den ersten Satz einbrachten.

Die Entscheidung im ersten Satz. Video: streamable

Im zweiten Durchgang gelang Federer das einzige Break zum 4:2, wieder dank eines untypischen Rückhand-Fehlers der Nummer 4 der Welt. Danach zertrümmerte Wawrinka sein Racket, vor allem aber bewegte er sich nicht mehr gut. Nach dem zweiten Satz liess er sich in der Garderobe pflegen und kehrte danach mit einem Verband unter dem rechten Knie zurück.

Die Tränen bei Wawrinka nach dem zweiten Satz

Pause «könnte Wunder bewirken»

Es war dann aber erstaunlicherweise Federer, der den Faden zunächst völlig verlor. «Stan war plötzlich entspannt und hat bei den Returns aggressiver gespielt, während ich schlechter aufgeschlagen habe», sagte Federer. Beim 35-Jährigen passte plötzlich überhaupt nichts mehr zusammen. Vom 1:1 im dritten bis zum 0:1 im vierten verlor er sechs Games in Folge. Zwar holte er dieses Break nochmals auf, doch zum 4:5 gab er seinen Aufschlag ein weiteres Mal ab. Nach knapp zweieinhalb Stunden begann die Partie mit einem fünften Satz praktisch von Neuem.

Diesmal verliess Federer den Platz, um sich vom Physiotherapeuten, der gemäss Federer «magische Hände» habe, an den Adduktoren pflegen zu lassen. Danach schlug er wieder besser – und schneller – auf. Die Entscheidung fiel schliesslich im fünften und sechsten Game des fünften Satzes. Erst vergab Wawrinka eine Breakchance zum 3:2 mit einem weiteren Rückhand-Fehler, anschliessend gab er selber seinen Aufschlag zum 2:4 ab – mit einem Doppelfehler.

Nach 3:04 Stunden liess sich Federer nicht mehr bitten. Mit einem Aufschlagspiel zu null zog er in den Final vom Sonntag ein. Im 22. Duell mit Wawrinka behielt er zum 19. Mal die Oberhand.

Der Matchball. Video: streamable

«Es ist komisch, gegen Stan gewonnen zu haben.»

Roger Federer

Federer hatte Mühe, diesen Sieg direkt nach dem Spiel einzuordnen: «Ich fühle mich komisch, es ist komisch, gegen Stan gewonnen zu haben. Du kannst dich gar nicht richtig freuen am Netz.» Nichtsdestotrotz gab er zu Protokoll, sehr happy zu sein.

Anders war die Gefühlslage beim Geschlagenen. Auch wenn er sich gut geschlagen habe, könne er nach so einer Niederlage natürlich nicht zufrieden sein. Sein Knie habe der Stan Wawrinka schon während des ganzen Turniers gespürt, aber das wolle er nicht als Ausrede gelten lassen. «Ich bin so auf den Platz gegangen, wie ich bin und habe alles gegeben», sagte er an der Pressekonferenz.

Während der Waadtländer also seinen Triumph von 2014 nicht wiederholen kann, freut sich Roger Federer über zwei Tage Pause vor dem Endspiel: «Das könnte Wunder bewirken. So ist es möglich, dass ich topfit in den Final steigen werde». Trotzdem sieht er der Affiche gespannt entgegen. «Ich werde mich durchkämpfen müssen», meinte Federer, für den es unglaublich sei, dass es möglicherweise zu einem Duell gegen Rafael Nadal kommt.

Rafael Nadal macht in Melbourne ebenfalls einen ganz starken Eindruck. Bild: THOMAS PETER/REUTERS

«Ich erinnere mich noch daran, als ich ihn letztes Jahr in seiner Akademie besuchte und wir gegen Junioren spielten und witzelten: ‹Das ist das Einzige, das wir momentan machen können›», sagte Federer. Der Schweizer freut sich schon darauf, das Duell des Mallorquiners gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov, von dem er ebenfalls beeindruckt ist, anschauen zu können. (sda/drd)

Federer vs. Wawrinka – die bisherigen Duelle

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
17Alle Kommentare anzeigen
17
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Schreiberling 26.01.2017 21:17
    Highlight Es war zu Beginn keine Gala? Im ersten Satz zeigten die beiden schon unglaubliches Tennis!
    4 0 Melden
  • Der müde Joe 26.01.2017 18:46
    Highlight Ich lehne mich jetzt vielleicht mal etwas weit aus dem Fenster. Mich konnten beide irgendwie nicht richtig überzeugen. Beim ersten Satz wahren beide auf Augenhöhe, wahr ein super Spiel. Dann spielte Wawrinka sehr schlecht und im 3. 4. Satz Federer grausam. Erst im 5. Satz war es dann für mich wieder ansatzweise Spitzentennis. Vielleicht waren aber auch meine Erwartungen zu hoch.
    2 0 Melden
  • Rafi Hazera 26.01.2017 17:54
    Highlight <3
    36 5 Melden
    • Capoditutticapi 26.01.2017 18:10
      Highlight Was hast du eifentlich für einen Bildungsabschluss Rafi?
      3 0 Melden
    • Mia_san_mia 26.01.2017 20:34
      Highlight 😂😂😂
      3 0 Melden
  • frohwanda 26.01.2017 17:04
    Highlight ist niemandem
    aufgefallen, dass er versuchte den bereits zerbrochenen schläger nochmals zu "falten"... mit hilfe seines knies? genau dieses knie musste nachher behandelt werden...
    7 43 Melden
    • Mia_san_mia 26.01.2017 20:32
      Highlight Haha genau das habe ich mir auch gedacht... Und seine Reaktion danach hat auch gepasst 😊
      2 0 Melden
    • Schreiberling 26.01.2017 21:16
      Highlight Es war das andere Knie?
      1 0 Melden
    • Mia_san_mia 27.01.2017 07:25
      Highlight @Schreiberling: Wirklich? Ich habe echt gedacht, es wäre das gleiche gewesen...
      0 0 Melden
  • Ivan der Schreckliche 26.01.2017 16:25
    Highlight Mal wieder mehr Drama als bei Germanys next top Model 😅
    6 36 Melden
  • Mia_san_mia 26.01.2017 16:04
    Highlight Schade muss es an so einem Spiel einen Verliere geben 😊 Jetzt können wir auf den Klassiker im Finale hoffen...
    24 1 Melden
  • N. Y. P. 26.01.2017 13:52
    Highlight Den Kopf ?
    148 2 Melden
    • Mia_san_mia 26.01.2017 16:03
      Highlight Wirklich eine blöde Frage 😂
      27 1 Melden
  • kaderschaufel 26.01.2017 13:45
    Highlight Experten vor dem Spiel ungefähr so: "Wir wissen nicht wer gewinnen wird, aber wenn das Spiel über 5 Sätze geht, gewinnt Wawrinka" ...

    Zeigt wiedermal, wie unvorhersehbar aber auch spannend der Sport sein kann.
    121 2 Melden
    • Radiochopf 26.01.2017 15:48
      Highlight @Kaderschaufel

      Beim Tennis gibt es nur Experten bezüglich Technik oder Taktik eines Spielers.. wer aber schlussendlich gewinnt, können auch die nicht voraussagen.. wer hätte schon gedacht das ein Djokovic oder Murray so schnell rausfliegen.. das Niveau ist aber so hoch im Männer-Tennis, dass ein Top 100 Spieler an einem guten Tag auch die Nr. 1. der Welt schlagen kann.. das ist das schöne an diesem Sport und zeigt auch auf, auf welch hohem und konstantem Niveau die Top 4-5 Spieler seit Jahren sind!
      33 3 Melden
  • plaga versus 26.01.2017 13:42
    Highlight Wawrinka make Federer great again!
    58 13 Melden
    • Charlie Brown 26.01.2017 15:35
      Highlight Federer makes himself great again...
      41 4 Melden

Der beste Sportler aller Zeiten

Roger Federer hat das geschafft, was viele nicht mehr für möglich hielten: Er gewinnt seinen 18. Grand-Slam-Titel. Und wir alle können sagen: Ich hab mitgefiebert und war dabei.

Falls irgendjemand vor diesem Final noch Fragen hatte, ob Roger Federer der beste Tennisspieler aller Zeiten ist: Sie ist jetzt beantwortet. Er ist es.

Wie sehr mussten wir Fans mit unserem Roger Federer mitleiden. Nichts wurde uns beim – im Vorfeld als «grösstes Tennisspiel der Geschichte» angekündigten – Duell vorenthalten. Der Breakrückstand im Entscheidungssatz, die körperlichen Beschwerden, die verpassten Breakchancen und dann – als sich bereits langsam Gedanken anschlichen, dass …

Artikel lesen