Sport

Sabrina Simader ist in Österreich aufgewachsen, startet aber an der WM für ihre Heimat Kenia. Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Exoten an der Ski-WM: «Tomba aus Tonga», der 58-jährige Mexikaner und das Girl aus Indien 

Die Hirschers, Gisins und Guts kennen wir ja. An der Ski-WM sind es aber andere, die für bereichernde Abwechslung sorgen. Hier eine kleine Auswahl sogenannter «Exoten».

16.02.17, 21:25 17.02.17, 07:49
Donat Roduner
Donat Roduner

Céline Marti (Haiti)

Céline Marti im Riesenslalom. Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Céline Marti startet zwar für Haiti, doch ihr Name verrät die Nähe zur Schweiz. Sie wurde als Kind adoptiert und lebt in Genf. Trotz der mit Abstand langsamsten Zeit im Riesenslalom – sie verlor 41,37 Sekunden auf die Bestzeit von Tessa Worley – ist sie vollends zufrieden. Marti sagt: «Es ist ein Traum, dass ich hier dabei sein kann mit all den Ländern und all den anderen Fahrerinnen.»

Sabrina Simader (Kenia)

Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Sabrina Simader ist bereits mit drei Jahren aus ihrer Heimat Kenia in die österreichischen Berge gekommen und spricht daher akzentfrei Deutsch, respektive Österreicherisch. Die 18-Jährige debütierte im Januar im Weltcup und nimmt nun das erste Mal an einer WM teil. Im Super-G wurde sie beachtliche 39. Im Riesenslalom 69.

Ihre Liebe zum Skifahren war indes keine auf den ersten Blick. Im Interview mit nachrichten.at erinnert sie sich noch an ihr erstes Mal: «Es war eiskalt, und das hat mir gar nicht gefallen. Und dann hab' ich auch noch einen Handschuh verloren. Ich hab' ziemlich oft geweint ...»

Dem RTS gab Simader nach dem Riesenslalom auf Englisch Auskunft.

Aanchal Thakur (Indien)

Die Startnummer 96 ist für Aanchal Thakur durchaus passend, denn sie hat Jahrgang 1996. Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Obwohl es Indien nicht an potenziellen Skifahrern und schon gar nicht an hohen Bergen mangelt, ist die 1,2-Milliarden-Nation im Wintersport-Zirkus so gut wie gar nicht vertreten. Eine der löblichen Ausnahmen bietet die Ski-WM, an der neben zwei männlichen Landsleuten auch die Inderin Aanchal Thakur teilnimmt.

«Wintersport ist zwar nicht populär bei uns – noch nicht. Ich möchte der Welt zeigen, dass auch Indien Ski fahren kann», sagte sie gegenüber der Engadiner Post. Das einmonatige Trainingslager im Engadin führte immerhin dazu, das Thakur obige Céline Marti (deutlich) hinter sich lassen konnte.

Hubertus von Hohenlohe (Mexiko)

Von Hohenlohe gewann an den Olympischen Winterspielen in Sotschi immerhin die Auszeichnung für den chicsten Skianzug. Bild: EPA/EFE / COM

Auch wenn er nichts reisst, gehört er zu den Evergreens bei Ski-Grossanlässen: Hubertus von Hohenlohe. Der 58-jährige Adelsspross und Jet-Setter darf natürlich auch an der WM im Nobelort St.Moritz nicht fehlen.

Ist Ski-WM, ist «Adabei» Hohenlohe sicher nicht weit.

Die Riesenslalom-Qualifikation lief aber nicht nach Wunsch. Der Prinz schied im zweiten Lauf aus. Zur Teilnahme am Rennen morgen hätte es ihm aber auch so nicht gereicht. Der andere Mexikaner, Rodolfo Roberto Dickson Sommers, war wesentlich schneller unterwegs. 

«Ich habe noch immer das schlechteste Verhältnis von Kraft und Gewicht. Vielleicht abgesehen von Jean-Pierre Roy aus Haiti, der heuer wieder dabei ist.»

Hubertus von Hohenlohe quelle: kurier

Nette Anekdote zum Schluss: Die korrekte Schreibweise seines Namens ist Hubertus Prinz zu Hohenlohe. Doch bei der FIS liess er sich damals mit dem «von» eintragen, um bei alphabetischen Aufzählungen stets in der Nähe von Mike von Grünigen zu erscheinen.

Alishah Farhang und Sajjad Husaini (Afghanistan)

Alishah Farhang (l.) und Sajjad Husaini.  bild: watson

Dass Afghanistan erstmals an einer Ski-WM vertreten ist, lässt sich auf spezielle Umstände und Schweizer Einfluss zurückführen. Wer genau wissen will, wie das abgelaufen ist, der hat hier noch einmal die Möglichkeit zur Nachlese (dringend empfohlen!):

Alishah Farhang und Sajjad Husaini duellierten sich in der Riesenslalom-Qualifikation um einen Nationen-Startplatz im Rennen vom Freitag. Dabei verbuchten sie immerhin das Erfolgserlebnis, einen klassierten (und viele ausgefallene) Athleten hinter sich gelassen zu haben. Husaini wurde Zweitletzter und Farhang mit über 16 Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Drittletzter. Am Hauptrennen können sie leider beide nicht starten.

Sajjad und Alishah, die zwei Skifahrer aus Afghanistan, die bei Olympia 2018 dabei sein wollen

Zwischeneinschub mit weiteren nennenswerten Persönlichkeiten:

Cristian Simari Birkner schaffte die RS-Quali mit Rang 20.

Simon Breitfuss Kammerlander schaffte die RS-Quali mit Rang 27.

Kasete Skeen (Tonga)

«Tomba aus Tonga» wird Kasete Skeen von den Italienern charmanterweise genannt. Geboren 1982 in London als Sohn eines Tongaers und einer Engländerin ist es sein grosses Ziel, das Tropenparadies 2018 an den Olympischen Winterspielen in Pyoengchang zu vertreten.

Sein Selbstporträt:

Video: Vimeo/Royal Tonga Ski Federation

Auch wenn er zugibt, ungern enge Kleidung zu tragen, ist er sehr stolz auf seinen speziell für ihn kreierten Skianzug (siehe oben). Wer mehr über ihn erfahren will, wird fündig auf seinem Blog. Für das Hauptrennen qualifizierte er sich nicht.

Jean-Pierre Roy (Haiti)

Die Gratulationen an die frischgekrönte Weltmeisterin Wendy Holdener.

Roys Ski-Werdegang ist wahrlich einzigartig. Den Sport erlernte der heute 53-Jährige erst im Alter von 39 Jahren, wettkampfmässig betreibt er ihn seit 2010. Dies zum einen wegen dem verheerenden Erdbeben auf seiner Heimatinsel und zum anderen wegen einer Wette. Roy wollte mit seiner Teilnahme an der Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen zeigen, «dass Haiti mehr ist als nur Elend». Weil ihm dies gelungen ist, liess er sich die Teilnahme 2013 in Schladming und nun in St.Moritz natürlich nicht nehmen. Für das Hauptrennen qualifizierte er sich nicht.

So sah das aus 2011:

Video: YouTube/glohier3

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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