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Bis zum Jahr 2016 ging die Karriere von Belinda Bencic fast ausschliesslich steil nach oben. Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Das leise Saisonende von Belinda Bencic – von der Newcomerin in die erste Krise 

Belinda Bencic beendet ihre Saison 2016 – und irgendwie merkt es gar niemand. Die junge Schweizer Tennishoffnung hat einen schwierigen Sommer hinter sich. Neue Erfahrungen für die 19-Jährige, bei der es zuvor eigentlich nur den steilen Weg nach oben gab.

Publiziert: 18.10.16, 16:34 Aktualisiert: 18.10.16, 18:47
Janick Wetterwald
Janick Wetterwald

Wir sehen Belinda Bencic im Dezember 2013 an den Swiss Sports Awards. Sie ist gerade mal 16 Jahre alt, aber lächelt schon gekonnt in die Kamera. 

Belinda Bencic wird 2013 zur «Newcomerin des Jahres» ausgezeichnet. Bild: KEYSTONE

Die Auszeichnung zur «Newcomerin des Jahres» war die Krönung eines erfolgreichen Einstiegs in eine steile Wanderung mit dem Ziel: die Spitze des Frauentennis. 

2013 – die Grösste bei den «Kleinen»

Vor drei Jahren sorgt Belinda Bencic noch nicht auf der ganz grossen Tennisbühne für Furore. Doch bei den Juniorinnen ist sie bereits ein kleiner Star. Sie gewinnt die Grand-Slam-Turniere von Paris und Wimbledon. Ihr Fazit auf der persönlichen Homepage:

«Wow! Ich bin eine zweifache Junior Grand Slam Siegerin!!»

Belinda Bencic 

Es folgte der Award und der Hunger nach Erfolgen auf der WTA-Tour bei den «Grossen». 

2014 – Traumhaft in «Big Apple» 

Das Jahr beginnt gut: An den Australian Open schafft die Schweizerin immerhin den Sprung ins Hauptfeld, wo sie an der damaligen Weltnummer 4, der Chinesin Na Li, scheitert. Im März stösst sie am Turnier von Charleston bis in den Halbfinal vor und schlägt als Nummer 140 der Welt gleich drei Top-50-Spielerinnen.

Immer den Ball im Fokus: Bencic 2014 in Charleston. Bild: FR2 AP

Damit macht sie im WTA-Ranking einen grossen Sprung und ist an den Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon ohne Qualifikations-Spiele im Tableau dabei. Während die French Open nach einer Startniederlage gegen Venus Williams schnell vorbei sind, scheitert sie in Wimbledon erst in der dritten Runde an der topgesetzten Simona Halep.

Unglaublich! Die Schweizerin nach ihrem Sieg über Jelena Jankovic an den US Open. Bild: EPA

Noch weiter geht der Weg in New York am US Open. Die aufstrebene Belinda Bencic eliminiert mit Angelique Kerber und Jelena Jankovic zwei Top-10-Spielerinnen. Der Höhenflug wird im Achtelfinal von der Chinesin Shuai Peng gebremst, doch spätestens jetzt hat die junge Schweizerin in der Tennisszene einen Namen. 

2015 – Das Talent holt Titel

Das Jahr 2015 läuft für Bencic lange Zeit durchzogen. Da mal ein Achtungserfolg, wie der Sieg über Caroline Wozniacki (damals Weltnummer 4) in Indian Wells. Dort mal eine bittere Niederlage, wie das Aus in der zweiten Runde von Charleston gegen eine Qualifikantin. 

Doch dann ist die Zeit reif für den ersten WTA-Titel in der jungen Karriere. Im Juni, in Eastbourne, auf Rasen. Und der Weg dazu war alles andere als ein Spaziergang.

Der Weg zum ersten WTA-Titel von Belinda Bencic. printscreen: wta.com

Doch das ist keine Eintagsfliege. Zwei Monate später legt Bencic in Toronto nach. Im Halbfinal räumt die 18-Jährige mit Serena Williams die Nummer 1 der Welt aus dem Weg.  

«Belinda hat eine grosse Zukunft vor sich.»

Serena Williams

«Das ist sicher der grösste Sieg, den ich je hatte und wohl auch haben werde.»

Belinda Bencic im Interview (Nov. 2015)

Im Final muss Simona Halep, die Weltnummer 3, nach hartem Kampf im dritten Satz aufgeben. Der zweite WTA-Titel für Bencic ist Tatsache.

Bencic küsst in Toronto ihre Trophäe. Bild: AP/CP

Fast gelingt der Schweizerin in Tokio noch der dritte Streich, doch im Endspiel ist Agnieszka Radwanska zu stark. Trotzdem hat sich Belinda Bencic mit nur 18 Jahren schon im erweiterten Welttennis etabliert. Um es genau auszudrücken: Am Ende des Jahres steht Belinda Bencic auf Platz 14 des WTA-Rankings. Mit dem Blick auf ihre Zukunft bleibt sie allerdings ganz bedacht: 

«Ich gehe mit bewusst tiefen Erwartungen in die Saison. So gelingt es mir, befreit aufzuspielen.»

Belinda Bencic im Interview (Nov. 2015)

2016 – Topklassierung und Ernüchterung

In diesem Jahr sieht es zu Beginn danach aus, als würde der Aufstieg tatsächlich bis an die Spitze führen. Am Australian Open scheitert die Ostschweizerin erst im Achtelfinal an Maria Scharapowa, kurze Zeit später fährt sie für das Schweizer FedCup-Team zwei Siege gegen Deutschland ein. Ein Spiel davon gewinnt Bencic gegen Angelique Kerber, eine der besten Tennisspielerinnen der Welt.

Belinda Bencic jubelt für die Schweiz. Bild: Bongarts

Nach diesen Erfolgen ist sie sogar kurzzeitig unter den Top 10 der Welt. Doch dieser nächste Meilenstein scheint irgendwie einer zuviel. Seit Februar geht es eigentlich nur noch abwärts und Belinda Bencic ist oft verletzt. So lautet die Schlagzeile vor dem Grand-Slam-Turnier in Paris:

In diesem Stil geht es weiter. In Wimbledon ist Bencic zwar am Start, in der dritten Runde muss die 19-Jährige aber verletzungsbedingt aufgeben. Es scheint der erste grosse Bruch in der noch jungen Karriere der Schweizerin zu sein. Am US Open schafft sie es immerhin noch in die dritte Runde, doch man merkt: Das ist nicht mehr die unbehelligte Belinda Bencic.

Sie startet danach noch einige Versuche, um wieder in die Bahn zu kommen. Doch oft scheitert Bencic in der ersten Runde und büsst so auch im WTA-Ranking viele Plätze ein. Nach ihrer letzten Startniederlage in Moskau gegen Daria Kassatkina ist die Saison von Bencic mit ganz leisen Tönen beendet. 

Die Entwicklung des WTA-Ranking von Belinda Bencic seit 2013

2017 – ???

Bevor auch nur ein Gedanke an die nächste Saison verschwendet wird, sollte Belinda Bencic nun wieder richtig fit werden und den Kopf frei kriegen. 

Hoffentlich geht für Belinda Bencic bald die Sonne wieder auf. instagramm: belindabencic

Früh genug steht das Jahr 2017 vor der Tür und die Frage nach den Zielen werden kommen. Für den Schweizer Tennisfan bleibt zu hoffen, das Bencic gestärkt und erholt die neuen Herausforderungen angehen kann. Eins ist sicher: Der Newcomer-Status ist vorbei. 

Alle Schweizer Tennisspielerinnen und Tennisspieler, die es in die Top 10 schafften

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
9 Kommentare anzeigen
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  • kEINKOmmEnTAR 18.10.2016 22:32
    Highlight Belinda schafft das sicher wieder, wir glauben an dich :)
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  • Ignorans 18.10.2016 20:01
    Highlight Ab ins Fitnesstraining!
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  • Schreiberling 18.10.2016 18:47
    Highlight Diese Saison ist sehr unglücklich verlaufen für Bencic. Aber sie wird daraus sicherlich auch ihre Lehren ziehen können. Es ist auch irgendwie erklärbar. Seit ihrer ersten Verletzung hat sie einerseits einen Trainingsrückstand, andererseits auch kaum mehr Matchpraxis. Niederlagen und wenig Selbstvertrauen sind die Folge. Wenn man mal in diese Negativspirale reinkommt, ist es schwer wieder rauszukommen. Deshalb ist es wohl gut, ist Bencics Saison vorbei. Jetzt kann sie abschalten und sich dann in aller Ruhe für das Doppel mit Federer und die neue Saison vorbereiten.
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  • Bluetooth 18.10.2016 17:54
    Highlight Frauentennis ist mittlerweile einfach viel zu unkonstant. Jedes Jahr erscheint von jeder Altersklasse erscheint sog. Onehit-Wonder unter der Top Spielerinnen, macht sich kurz einen Namen und verschwindet dann wieder, lauert aber immer noch im Kreis der Favoritinnen. Bestes Beispiel dafür ist die aktuelle Nr. 1. Keine Frage, Kerber hat ein tolles Jahr hinter sich. Schaut man sich aber die letzten 3 Jahre an, wäre sie nicht mal in der Top 10.
    2016 war nicht Bencics Jahr, dafür hat sich eine andere in der Schweiz einen Namen gemacht: Golubic.
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  • mazoo 18.10.2016 17:24
    Highlight Linz war leider nicht die letzte Startniederlage. Die war gestern in Moskau?
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    • Janick Wetterwald 18.10.2016 18:48
      Highlight Du hast Recht, Danke :)
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  • Braun Pascal 18.10.2016 16:50
    Highlight Man sollte vlt wissen das ihr vater sie voll auf erfolg trimmt und nun sieht man was passiert...
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    • Schreiberling 18.10.2016 18:42
      Highlight Quatsch. Das hat man schon bei ihrer ersten Schwächephase Anfang 2015 gesagt.
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    • Braun Pascal 19.10.2016 13:01
      Highlight Man muss ihn vlt auch kennen sonst wäre meine Aussage nicht gerechtfertigt
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