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LONDON, ENGLAND - JULY 01:  Roger Federer of Switzerland looks on as a hawk eye review is displayed on screen behind him during his Gentlemen's Singles fourth round match against Tommy Robredo of Spain on day eight of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on July 1, 2014 in London, England.  (Photo by Jan Kruger/Getty Images)

Roger Federer ist bekanntermassen kein Freund des Hawk-Eyes: Kein Wunder, wenn man die Studie liest. Bild: Getty Images Europe

Beweis erbracht

Frauen fahren vielleicht schlechter Auto als die Männer – aber bei Hawk-Eye-Challenges sind sie besser als Federer & Co.

Im Tennis liegen bei den Hawk-Eye-Entscheidungen die Männer deutlich öfters daneben als die Frauen. Und nehmen auch «peinliche» Challenges in Kauf. Dies belegt eine interessante Studie.

25.08.14, 11:53 26.08.14, 06:36

Das US Open 2014 hat dieses Jahr bei den Frauen und Männern viele potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen, welche die Trophäe schlussendlich in die Höhe stemmen könnten. Gewiss ist aber nach einer Studie von Wirtschaftsprofessoren der Deakan Universität in Melbourne und der Sogang Universität in Seoul die Voraussage, dass die Männer mehr «peinliche» Challenges als die Frauen nehmen werden, wie das «Time Magazine» schreibt.

Die Studie untersuchte Linien-Challenges von 331 Profi-Spielen der Männer und 149 Frauen-Partien aus dem Zeitraum von 2006 bis 2008.

Eine Challenge, die sich gelohnt hat. Screenshot: youTube/Greendad123

Je enger, desto schlechter die Challenge

Die grössten Entdeckungen dabei sind: Je heikler die Situation während eines Matchs ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Männer bei der Entscheidung daneben liegen.

Bei den nervenaufreibenden Tie-Breaks haben die Frauen viel mehr korrekte Challenges genommen als die Männer, die öfters einen falschen Call machen.

«Es ist eine Ego-Sache.»

Martina Navratilova.  time.com

Der Job als Linienrichter ist nicht immer einfach. Vor allem wenn die Männer spielen. Bild: Juergen Hasenkopf/freshfocus

Wie immer zu beachten gilt dabei, dass die Anzahl Challenges nicht unbegrenzt ist: Wenn das Hawk-Eye zeigt, dass der Call unbegründet war, verliert man eine von drei Challenges pro Satz (im Tie-Break gibt's noch eine zusätzliche Challenge).

Mehr «peinliche» Challenges

Zu denken dürfte Roger Federer und seinen Geschlechtsgenossen auch eine weitere Entdeckung geben. So werden in Tie-Breaks nach den Forschern 34 Prozent der Challenges der Männer als «peinlich» eingestuft, sprich die Bälle sind fünf Zentimeter und mehr im Aus. 

Ein Beispiel für eine «peinliche» Challenge: der Ball ist klar im Aus. Screenshot: youtube/sportsmagicjj

Die Challenges der Frauen dagegen sind nur zu 9 Prozent «peinlich», was statistisch einen sehr grossen Unterschied von 25 Prozent ausmacht.

Männer tendieren offensichtlich dazu, dumme Challenges zu nehmen, auch wenn sie von der anderen Spielseite aus logischerweise eine schlechtere Sicht haben als die Linienrichter und der Schiedsrichter. Zusätzlich versperrt ja noch das Netz die Sicht.

Grigor Dimitrov nimmt eine Challenge.  Bild: Getty Images Europe

Ein weiterer interessanter Fakt: Je besser klassiert ein Mann in der Weltrangliste ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der «peinlichen» Challenges. Bei den Frauen genau das Gegenteil: Je besser in der WTA-Liste klassiert, desto vorsichtiger wird eine Challenge genommen.

Drei Hauptgründe für das Phänomen

Die Forscher begründen die markanten Unterschiede der Geschlechter mit zu grossem Selbstvertrauen, Stolz und Scham. So denken Federer & Co., ihre Ansicht sei immer korrekt, sogar wenn vom blossen Auge zu sehen ist, ob der Ball drin war oder nicht.

Ausserdem steht dem starken Geschlecht der Stolz im Weg: Männer können weniger gut verlieren und machen so viele irrationale Challenges, um den vermeintlichen Fehlentscheid des Schiedsrichters zu korrigieren.

Abschliessend vermuten die Forscher, dass sich die Männer offenbar bei ihren «peinlichen» Challenges vor grossem Publikum und Millionen TV-Zuschauern viel weniger schämen, während die Frauen grössere Angst haben, sich mit einer grotesken Challenge der Lächerlichkeit preiszugeben.

Altmeisterin Martina Navratilova bestätigt gegenüber dem «Time Magazine» die Forschungsergebnisse: «Jungs kümmert es einfach sehr, ob sie Challenges verlieren, während die Frauen Angst haben sich zu blamieren.»

Jo-Wilfried Tsonga, der Schiedsrichter und Novak Djokovic sind sich uneinig. Nach dieser Studie kein Wunder. Bild: Pavel Golovkin/AP/KEYSTONE

Oder mit den Worten der Forscher: In engen Momenten wie Tie-Breaks versuchen Männer mit allen Mitteln zu gewinnen, während die Frauen eine Niederlage würdevoller akzeptieren können.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • SeKu 28.08.2014 00:47
    Highlight Liegt auch daran, dass Männer-Tennis nun mal viel intensiever als Frauen-Tennis ist, und eine Challenge eine Verschnaufpause bedeutet.
    1 0 Melden
  • Boogie 25.08.2014 13:09
    Highlight Die Tatsache liegt sicher eher daran, dass Männer schlechter verlieren können als Frauen und deshalb auch mehr hoffnungslose Challenges nehmen und nicht am Sehvermögen. Interessanter wäre deshalb eine Statistik wie oft die männlichen Profis tatsächlich den Call als falsch einschätzen und wie oft sie einfach sonst die Challenge nehmen, aus Verzweiflung, Ärger, um einige Sekunden herauszuholen etc.
    2 1 Melden
    • Stöpsel 25.08.2014 14:34
      Highlight Ich denke auch, dass vielfach die Challenge dazu genutzt wird, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen und um sich selber 'zu sammeln' ...
      5 0 Melden

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