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Viel Schweiss hat Belinda Bencic und ihre Familie auch in ihre Karriere investiert. Bild: ADAM HUNGER/REUTERS

Nach dem sensationellen Viertelfinal-Einzug

Das «Projekt Belinda Bencic» trägt Früchte – So eiferte das Tennissternchen seit frühester Kindheit dem Traum nach

Belinda Bencic steht bei den US Open in den Viertelfinals. Ein Jahr zuvor war sie bei den Junioren noch ausgeschieden. Doch die 17-jährige Ostschweizerin bestätigt damit nur ihr Talent, welches sehr früh zu sehen war.

01.09.14, 13:54 01.09.14, 16:02

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Die Ostschweizerin Belinda Bencic steht bereits mit zweieinhalb Jahren auf dem Tennisplatz. Wieso die Eltern den Tennissport für ihre Tochter ausgewählt haben, erklärt ihr Vater Ivan, ehemaliger Nationalliga-Eishockeyaner, in einem SRF-Beitrag in der Sendung «Sportpanorama»

«Wir sind inspiriert worden vom ersten Grand-Slam-Sieg von Martina Hingis (Anm. d. Red.: Australian Open 1997). Belinda ist im selben Monat auf die Welt gekommen, so haben wir angefangen mit ihr Tennis zu spielen.»

Früh übt sich. Belinda Bencic als Dreikäsehoch auf dem Platz. Screenshot: cnn

«Projekt Belinda Bencic»

Ab vier Jahren erhält sie während zwei Jahren sporadisch Unterricht von Melanie Molitor, der Mutter von Martina Hingis, die wie ihr Vater ursprünglich aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammt. 

Früh schon mit sehr viel Power. Screenshot: cnn

«Ohne Sponsoren ist ein solches Projekt nicht möglich.»

Ivan Bencic. migrosmagazin.ch

Als Belinda sechs Jahren alt ist, schliesst ihr Vater mit seinem Freund Marcel Niederer einen Vertrag ab, der für acht Jahre den Lohnausfall von Vater Ivan sichert – er muss so nur noch Teilzeit als Versicherungsmakler arbeiten und kann dafür mit der Tochter und seiner Familie an die Turniere reisen. 

Der erfahrene Geschäftsmann Niederer spricht in einem Interview von einem Mix zwischen Freundschaftsdienst und Geschäftssinn, dass er in das junge Mädchen investierte. Doch für Niederer ist es auch Risikogeschäft: Bei Erfolg ist er gewinnbeteiligt, bei Misserfolg wird er gemäss der Vereinbarung nicht entschädigt.

«Man kann niemanden zu einer Tenniskarriere zwingen. Doch wenn die Einstellung so perfekt ist wie bei Belinda, ist der Erfolg programmiert.»

Marcel Niederer. zeit.de

Manager Marcel Niederer hat aufs richtige Pferd gesetzt. screenshot: srf.ch

Eine berühmte Tennislehrerin hilft

Dadurch kann Bencic mit ihrer Familie – neben Vater Ivan Mutter Dana und Bruder Brian – für ein halbes Jahr nach Florida gehen, um die berühmte Tennis-Schule von Nick Bolletieri zu besuchen. Dabei tritt die Sechsjährige nebenher bei Turnieren unter Zehnjährigen an. Mit 14 Pokalen im Gepäck kehrt die Familie in die Schweiz zurück, wie die «Zeit» schreibt.

Immer mit dabei: Vater Ivan Bencic. Bild: Erika Tanaka/freshfocus

Die Familie zieht derweilen aus logistischen Gründen nach Wollerrau, um täglich mit Melanie Molitor, die ihr sogar eine bessere Technik als bei ihrer Tochter bescheinigt, trainieren zu können. 

«Sie [Melanie Molitor] ist schon streng, aber sie ist gerecht und hat recht.»

Die elfjährige Bencic zeigt sich im Fernsehen einsichtig. srf

Melanie Molitor brachte Belinda Bencic viel Tennis bei. Screenshot: belinda-bencic.com

Marcel Niederer knüpft derweilen schon früh Kontakte zu potentiellen Sponsoren, um das kostspielige Projekt zu finanzieren. Auf der Juniorenstufe bleibt sie in ihrer Alterskategorie konkurrenzlos. 

SRF besucht Bencic mit 11 Jahren – Das Zimmer voller Hingis-Poster

Das Ausnahmetalent fällt natürlich in der hiesigen Medienlandschaft früh auf, so dass sie als Elfjährige schon Besuch vom Schweizer Fernsehen bekommt. Dort zeigt Bencic ihr Zimmer mit vielen Tennis-Postern, speziell von ihrem grossen Vorbild Martina Hingis. Auch die Coop-Zeitung und das «Migros-Magazin» widmen sich wenig später der Schweizer Tennishoffnung.

Die Elfjährige zeigt dem Fernsehen ihr Zimmer mit ihrem Vorbild Martina Hingis an der Wand. (Hier ab ca. 6:30 Minuten zu sehen und hören). Screenshot: srf

2012 wird entschieden, dass Belinda Bencic Profi werden soll. Im ersten Spiel auf der WTA-Tour trifft die inzwischen 15-Jährige gleich auf Venus Williams. Obwohl sie 3:6 und 1:6 gegen die Amerikanerin verliert, prophezeit ihr Williams eine grosse Zukunft. 

«Der Himmel ist die Grenze.»

Venus Williams über Belinda Bencic.

Bencic trainiert nun vermehrt in internationalen Akademien, kann aber weiterhin auf den Rat von Melanie Molitor zählen, welche sie neun Jahre begleitete. Zudem kann die renommierte US-Agentur Octagon an Bord geholt werden, um die Karriere weiter voranzutreiben.

Bencic sorgt international für Aufsehen

Als Weltnummer 212 startet sie letztes Jahr. Bencic gewinnt das Junioren-Turnier von Roland Garros und Wimbledon. Sie ist erst die vierte Spielerin, die das Double holt. Eine der Vorgängerinnen: Martina Hingis. Bencic wird Nummer 1 bei den Juniorinnen und stösst als erste Spielerin mit Jahrgang 1997 in die Top 100 vor.  

Martina Hingis und Vater Ivan Bencic sind glücklich über die Entwicklung von Belinda Bencic.  Bild: Ray Giubilo/freshfocus

«Es ist eine Ehre, mit Martina Hingis verglichen zu werden.»

Auch 2014 beginnt erfolgreich für sie: Bei den Australian Open, wo sich Bencic erstmals für ein Grand Slam Turnier qualifizieren kann, spielt sie in der zweiten Runde gegen die spätere Siegerin und fast doppelt so alte Li Na einen tollen Match. 

Im April erreicht sie in Charleston erstmals auf der WTA Tour die Halbfinals. «Ich bin in den engen Situationen ruhiger geworden», stellt sie fest. «Das ist auch eine Frage der Erfahrung.» Nun macht auch die grosse «CNN» einen Bericht über die Schweizerin, vor den US Open notabene noch die Nummer 58 der Welt.

Start zu einer grossen Karriere?

Und jetzt steht Bencic im Viertelfinale der US Open. Die jüngste US Open-Viertelfinalistin seit 1997 meint: «Die vielen Erfolge bei den Junioren in den vergangenen Jahren haben mir natürlich Selbstvertrauen gegeben.» Noch in der Woche vor dem US Open musste Bencic in New Haven die Qualifikation bestreiten, doch diese Zeiten sind vorbei. Am nächsten Montag wird sie im Ranking rund 25 Plätze gut machen.

Bild: ADAM HUNGER/REUTERS

«Das ist ein Traum», sagte die 17-Jährige im Platzinterview strahlend. «Im ersten Game war ich noch überwältigt von der Atmosphäre, daran muss man sich erst gewöhnen.» Wenn man sich den Verlauf der Karriere ansieht, wird es beileibe nicht das letzte Spiel vor grosser Kulisse gewesen sein. 

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