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Roger Federer haderte gestern mit den Unparteiischen.  Bild: Andres Kudacki/AP/KEYSTONE

Roger Federer stichelt gegen Linienrichterin: «Wir brauchen einen Clown für diesen Zirkus» 

Nach nur einem Spiel muss Roger Federer in Madrid die Segel streichen. Zu reden gibt nicht nur die starke Leistung von Kyrgios, sondern auch die Linienrichter und der Kindergeburtstag von Leo und Lenny.

07.05.15, 11:14 07.05.15, 11:32

Tiebreak, zweiter Satz, gestern Abend: Roger Federer liegt gegen Nick Kyrgios hoffnungslos mit 0:5 hinten. Mit einem schnellen Zweisatzsieg gegen den 20-Jährigen Australier wird es wahrscheinlich nichts. Doch Federer bäumt sich bei eigenem Aufschlag noch einmal auf: Mit einem wuchtigen Aufschlag durch die Mitte holt er sich immerhin den Punkt zum 1:5. Oder doch nicht?

Die Linienrichterin gibt den Ball nämlich out. Doch der Overrule des Schiedsrichters Mohamed Lahyani folgt sofort: Der Ball war gut, deutlich auf der Linie. 

Sichtlich entnervt schreitet Roger Federer danach zum Seitenwechsel, gönnt sich einen Schluck aus der Wasserflasche und frozelt lautstark vor sich hin: «Wir brauchen einen Clown für diesen Zirkus!» 

Federer im Tiebreak des zweiten Satzes: Wir brauchen einen Clown für diesen Zirkus! YouTube/Barry O'Donohoe

«Es gab eine Menge schlechter Entscheidungen. Das Einzige, was da gefehlt hat, war ein Clown in dem ganzen Durcheinander», erklärt Federer nach der Partie seine Stichelei. Der Schweizer steht mit dieser Einschätzung nicht alleine da, sein Gegenüber Nick Kyrgios sieht die Sache ähnlich. Im ersten Satz fordert der Australier gar den Ausschluss eines Linienrichters: «Schmeiss ihn hier raus!»

Kyrgios motzt beim Stuhl-Referee über einen Linienrichter. Bild: SUSANA VERA/REUTERS

Hochstehendes Match

Aber sei's drum: Im Fokus stehen, sollten nach der Partie aber nicht die Fehlentscheidungen der Referees, sondern die bärenstarke Leistung des erst 20-jährigen Nick Kyrgios. Dieser gewinnt nämlich nicht nur das Tiebreak sondern auch den dritten Satz und somit das Spiel. Bereits nach dem ersten Match muss Federer in Madrid die Segel streichen.

Und das ist durchaus bemerkenswert, denn es ist keineswegs so, dass Federer in der «Caja Magica» eine schlechte Performance zeigt. Der Schweizer spielt ansprechend, lediglich als Rückschläger hapert es: «Meine Leistung beim Return war schrecklich», meint der Tennis-Maestro nach dem Spiel. 

Federer gewinnt bei Aufschlag Kyrgios' lediglich 18 von 85 Punkten. Viel zu wenig, das weiss er auch selbst: «Während des Spiels wurde mein Returnspiel so schlecht, dass ich den Rhythmus nicht mehr finden konnte.» Trotzdem sind die Ballwechsel teilweise hochstehend, wie dieses Beispiel aus dem dritten Satz zeigt: 

  gif: srf.ch

«Der grösste Sieg meiner Karriere»

Kyrgios kann nach dem Sieg gegen Roger Federer sein Glück kaum fassen: «Ich weiss, dass er der Grösste ist, aber ich war überhaupt nicht eingeschüchtert. Ich habe eine Menge Respekt vor ihm. Ich wusste, dass ich eines meiner besten Matches spielen muss. Ich denke, das ist definitiv mein bisher grösster Sieg.»

Dennoch: Ganz unerwartet kommt der Exploit des Youngsters nicht. In den letzten 14 Monaten verbesserte sich der 20-Jährige im ATP-Ranking um fast 200 Plätze und liegt momentan auf Rang 35. Der Australier war seit Federer wieder der Erste, der als Teenager zwei Viertelfinals an Grand-Slam-Turnieren erreichte (Wimbledon und Melbourne). Und am vergangenen Wochenende stand der Sohn eines Griechen und einer Malaysierin in Estoril in seinem ersten Final auf der Tour.

Losglück sieht anders aus: Nick Kyrgios ist momentan in bestechender Form.  Bild: SUSANA VERA/REUTERS

Auch Roger Federer ist überzeugt vom Potential des aufstrebenden Jungtalents: «Er hat einen wunderbaren Service, ich hoffe er wird weiter hart an sich arbeiten. Dann kann er bald um die vordersten Plätze im Tennis spielen.»

Terminkollision bei Roger Federer

Etwas unerwartet kommt das frühe Aus von Roger Federer in Madrid nach dem Titel in Istanbul trotzdem. Doch wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere. Weil Federer nun einige Tage Zeit hat, um sich zuhause bei der Familie auszuruhen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er nächste Woche das Turnier in Rom bestreiten wird. Dieses hätte er bei einem erfolgreichen Auftritt in Madrid wohl ausgelassen.

Eine definitive Zusage will der vierfache Familienvater aber noch nicht machen. Zuerst muss er sich jetzt um seine Jungs Lenny und Leo kümmern. Diese mussten gestern nämlich ihren ersten Geburtstag ohne ihren Papa feiern. «Das scheisst mich richtig an», meinte Roger Federer zu dieser Terminkollision. 

Der Kindergeburtstag wird jetzt sicher gebührend nachgeholt. Und wer weiss, vielleicht engagiert Roger Federer aus schlechtem Gewissen sogar einen Clown für den Zirkus in den eigenen vier Wänden. 

Die ersten Bilder von Leo und Lenny Federer

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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