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US Open, Final

Nadal gewinnt das US Open 2017.  Bild: AP/AP

Nadal nach US-Open-Triumph: «Ich würde gerne noch ein paar Jahre weiterspielen»

Rafael Nadal triumphierte nach 2010 und 2013 zum dritten Mal am US Open und hat alle Chancen, bis Ende Jahr die Nummer 1 der Welt zu bleiben.

11.09.17, 01:19 11.09.17, 06:57

Den Final gegen den südafrikanischen Aussenseiter Kevin Anderson (ATP 32) dominierte Rafael Nadal klar. Nadal siegte in 2:27 Stunden mit 6:3, 6:3, 6:4. Der 31-jährige Spanier agierte nicht mehr derart dominant wie in den letzten drei Sätzen des Halbfinals gegen Juan Martin Del Potro, dennoch spielte Nadal eine Klasse besser als Überraschungsfinalist Anderson.

Eine dreiviertel Stunde benötigte Nadal, um seine Überlegenheit auch resultatmässig umzusetzen. Zum 4:3 und 6:3 im ersten Satz gelangen ihm die ersten Breaks der Partie. Mit zwei weiteren Aufschlagdurchbrüchen innerhalb einer Viertelstunde zum 4:2 im zweiten Satz und zum 1:0 im dritten Durchgang realisierte Nadal schon mehr als eine Vorentscheidung.

Der Matchball.  Video: streamable

Anderson nahm sich vor seinem ersten grossen Final vor, auf die Stärken zu setzen, die ihn erstmals an einem Major-Turnier weiter als bis in die Viertelfinals getragen hatten. Umsetzen konnte Anderson das nicht. Seine stärkste Waffe, der Aufschlag, hatte «Ladehemmung». Besonders offensichtlich wurde das im zweiten Satz. Anderson brachte bloss einen Drittel seiner ersten Aufschläge ins Feld. Und nach dem zweiten Aufschlag gewann er lediglich einen Drittel aller Punkte.

«Unglaublich spezielles Jahr»

Am US Open krönte Nadal seine bisherige Traumsaison: «Es war ein unglaublich spezielles Jahr für mich», so Nadal. «Nach den letzten zwei Jahren mit so vielen Problemen durfte ich das nicht erwarten. Aber das Jahr begann schon in Australien ausgezeichnet. Es folgte die grandiose Sandplatz-Saison. Und dass ich im Sommer wieder die Nummer 1 werden und das US Open gewinnen konnte, toppt alles nochmals.»

Die besten Punkte der Partie.

«Wenn ich mich gut fühle, kann ich mehr riskieren.»

Rafael Nadal

Vor einem Jahr brach Nadal wie Federer die Saison vorzeitig ab. Wenige trauten ihm ein derartiges Comeback zu. Als Wunder bezeichnet Nadal seine Auferstehung aber nicht. Nadal: «Tennis ist nur ein Spiel, und ausserdem noch ein einfaches. Wenn dir Selbstvertrauen fehlt, dann kannst du die Bälle nicht so platzieren, wie du es gerne tun würdest und die Gegner können dich angreifen. Meine Strategie ist immer die gleiche. Ich will gut spielen. Das ist alles, und dahinter steckt kein grosses Geheimnis. Wenn ich gut spiele, fühle ich mich gut. Wenn ich mich gut fühle, kann ich mehr riskieren. Und ich kann an den kleinen Details arbeiten, die den grossen Unterschied ausmachen.»

Nadal dankt seinen Fans.

Seit den ersten Versuchen mit dem Racket half ihm dabei Onkel Toni Nadal. Der tritt Ende Jahr als Coach zurück. Zum Abschied schenkte «Rafa» seinem grossen Förderer einen weiteren Major-Titel. «Ich verdanke Onkel Toni alles. Er wird weniger an Turnieren vor Ort sein. Aber er wird mir sicher weiter mit Tipps zur Seite stehen.»

Tschüss US Open, bis nächstes Jahr.

In der Jahreswertung baute Rafael Nadal mit dem US-Open-Triumph den Vorsprung auf Roger Federer auf fast 2000 Punkte aus. Nadal hat alle Trümpfe in der Hand, die Saison als Nummer 1 zu beenden. Nebst den Grand-Slam-Turnieren in Paris und New York triumphierte Nadal diese Saison auch in Monte Carlo, Barcelona und Madrid. (abu/sda)

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • De Shipi 11.09.2017 08:19
    Highlight Nadel ist einfach ein Kaiser, der König aller Könige. Alle hier hielten mich für bescheuert, wo ich schrieb, dass Nadal diesen GS holen wird. Alle waren so vernarrt in den Fedi, aber vergessen sein Alter. Fedi hat das Talent, keine Frage, aber nicht mehr die Kondition in diesem Level.

    Nadal, die würdige Nummer 1, Gratulation!!!
    Über 20 GS Titel wirst du noch holen, da wette ich alles drauf!!!
    6 25 Melden
    • Max Dick 11.09.2017 08:47
      Highlight Entschuldigung, aber für bescheuert halte ich Sie immer noch. Federer hat im Januar Australien gewonnen und im Juli Wimbledon. Damals war er also noch nicht zu alt und besass noch die Kondition für dieses Level. Und innert zwei Monaten wird er kaum derart gealtert sein.
      13 3 Melden
    • N. Y. P. 11.09.2017 08:49
      Highlight @Shipi
      Du sorgst immer für Lacher. Weiter so. Gefällt mir.

      Eine kleine Randbemerkung :
      Mit dieser miserablen Kondition, wie DU sagst, hat UNSER Roger in diesem Jahr zwei Challenger Turniere gewonnen. Diese Turniere sind zwar nur Insidern bekannt. Aber vielleicht kennst du sie auch.
      Es war irgendein Turnier in England und und in Neuseeland war noch ein Turnier. Nein, moment, es war Australien.
      @Shipi, Du gehst schon bald als Original durch !
      7 5 Melden
    • MacB 11.09.2017 09:23
      Highlight Federer hat nicht die Kondition? Genau! Darum hat er ja auch nur 2 GS-Titel geholt dieses Jahr...so ein Quatsch!
      6 2 Melden
    • De Shipi 11.09.2017 11:00
      Highlight @MacB und NYP: Seit ihr wirklich so blind oder tut ihr gärn alles schön reden?

      Aufklärung für die beiden Experten:
      1. Fedi hat Australien Open gewonnen, weil er ein halbes Jahr abwesend war, also hat er ein halbes Jahr darauf trainiert. Klar hat man dann Energie für EIN Turnier

      2. Dann ging es schnell bergab

      3. Wimbledon kam und alle Top Spieler waren vor einer Begegnung mit ihm ausgeschieden oder verletzt

      4. Im Final in Wimbledon ist dann plötzlich Cilic mit einer riesen Blase am Fuss. Komisch wie sowas möglich sein konnte?!

      5. US-Open kam und Fedi gegen Anfänger 5 Sätze und weg war er
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    • De Shipi 11.09.2017 11:03
      Highlight NYP: und MacB: Ohne lange Pausen hat Fedi keine Chance und die Top Spieler kommen zurück, also wird er keinen GS verteidigen können und jeweils früh ausscheiden.

      Noch was:
      Wieso ist der Fedi nicht auf Sand angetreten? Geeenau, er brauchte lange Pause sonst wäre nichts aus Wimbledon geworden und auf Sand hätte Nadal ihn in Grund und Boden gespielt, wie alle anderen Gegner vor ihm.

      Ihr zwei seit einfach mit der Fedi-Brille unterwegs, alles darüber hinaus wird ausgeblendet....
      4 2 Melden
    • N. Y. P. 11.09.2017 13:31
      Highlight Du hast uns Experten genannt. Danke.
      Den ironischen Unterton überhöre ich.
      Was Australien betrifft : Wenn einer nach 6 Monaten Pause Australien gewinnt, kann man nicht sagen, er hätte vor allem wegen der 6 Monate Vorbereitung gewonnen, sondern man sagt :
      OBWOHL er 6 Monate Pause hatte, konnte er ohne Matchpraxis das Australien Open gewinnen.
      3 2 Melden
    600
  • N. Y. P. 11.09.2017 07:57
    Highlight «Ich würde gerne noch ein paar Jahre weiterspielen»

    Rafa, unser Roger auch. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf weitere Duelle von euch beiden. 2018 - 2020 dürfen wir uns also auf weitere Leckerbissen gefasst machen.
    Und am Rod Laver Cup in ein paar Wochen spielt ihr das erste mal im selben Team. Das wird ein Gaudi.
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  • Sloping 11.09.2017 02:56
    Highlight So schnell kann es gehen: Eben noch geglaubt, dass Rogers Comeback das vermeintlich imposanteste des Tennisjahres (oder gar der Tennisgeschichte) war und ist, muss man jetzt wohl konstatieren, dass er von Rafa diesbezüglich überflügelt wurde: 3 GS Finale, zwei GS Titel und die Weltnummer 1. Und die Frage des grössten Tennisspielers ist in Anbetracht der 5 Jahre Altersunterschied und nur 3 Titeln Vorsprung für Federer noch nicht geklärt. Uns erwarten hoch spannende nächste Tennisjahre. Auch, weil die anderen der Big5 zurück kehren werden.
    25 3 Melden
    • bokl 11.09.2017 06:51
      Highlight Doch die GOAT-Frage ist geklärt. Nadal ist zu sandlastig!
      20 10 Melden
    • Hansdamp_f 11.09.2017 06:56
      Highlight Ist denn zwingend jener der GOAT mit den meisten GS-Titeln? Wenn dem so wäre, hätten wir doch diese Diskussion nicht.

      Roger ist in meinen Augen (also vollkommen subjektiv) und in jenen der Mehrheit der GOAT, weil er das schönste, attraktivste, technisch perfektes Tennis spielt. Auch wenn Nadal gleich viele oder sogar mehr GS-Titeln gewinnen sollte, ändert sich an meiner Einschätzung nichts.
      22 7 Melden
    • Max Dick 11.09.2017 07:42
      Highlight Ja, wer die meisten GS hat, ist GOAT, alle anderen gesuchten Kriterien sind für Loser. So a la Meister der Herzen.
      4 5 Melden
    • riqqo 11.09.2017 08:57
      Highlight Die GOAT-Frage wird nie und nimmer neu lanciert. Nadal ist höchstens wegen seinem Gestöhne eine Ziege.
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