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Die Chancen auf den US-Open-Titel 2016 und die Head-2-Heads der Halbfinalisten. bild: watson

Gewinnt Wawrinka das US Open? Die grosse Analyse der vier Halbfinalisten

Erstmals seit den French Open 2004 steht nicht mindestens einer aus dem Trio Roger Federer, Rafael Nadal und Andy Murray im Halbfinal eines Majors. Wir haben die Chancen der vier verbliebenen Titelanwärtern bewertet.

08.09.16, 14:41 08.09.16, 16:09

Keine Frage: Novak Djokovic ist der grosse Favorit auf den Sieg beim US Open 2016. Der 13. Major-Titel für den Serben liegt aber trotz des Ausscheidens von Andy Murray und Rafael Nadal, sowie dem Forfait von Roger Federer nicht auf dem Silbertablett. Wir haben die vier Titelanwärter genauer unter die Lupe genommen:

Novak Djokovic (Ser)

Novak Djokovic: Verteidigt er seinen Titel? Bild: X02835

Alter: 29
ATP-Ranking: 1
Bestes Ergebnis am US Open: Sieger 2011 & 2015
Anzahl Grand-Slam-Titel: 12
Anzahl Grand-Slam-Finals: 20
Anzahl Grand-Slam-Halbfinals: 30

Das spricht für Djokovic, das gegen ihn

– Er ist Novak Djokovic.
– So leicht und mit wenig Spielzeit wie er, kam noch nie ein Spieler in einen Major-Halbfinal.​ Ausgeruhter sein als die Weltnummer 1 – unmöglich.
– Bilanzen gegen alle verbleibenden Spieler sind eindrücklich. Die anderen «rechnen» unbewusst schon mit einer Niederlage.
(– Erfahrungsgemäss geben bei diesem US Open seine Gegner vor dem Matchball auf)​

– Durch die vielen «Freilose» fehlt der Rhythmus.
– Zu Beginn des Turniers war er offensichtlich, ob körperlich oder mental, nicht ganz fit. Jetzt
soll er es sein. Zumindest behauptet er dies. Den Beweis ist er noch schuldig.

Unser Titelchance-Tipp:
60 Prozent

Gaël Monfils (Fra)

Gaël Monfils: Nicht nur spektakulär, sondern auch erfolgreich? Bild: X02835

Alter: 30
ATP-Ranking: 12
Bestes Ergebnis am US Open: Halbfinal 2016
Anzahl Grand-Slam-Titel: 0
Anzahl Grand-Slam-Finals: 0
Anzahl Grand-Slam-Halbfinals: 2

Das spricht für Monfils, das gegen ihn

– Der «Sliderman» ist so gut in Form wie noch nie. Und zwar nicht nur athletisch, sondern vor allem auch mental.
– Kaum ein Spieler auf der Tour ist so unberechenbar wie er.
– Die Fans lieben ihn und unterstützen im Zweifel den Franzosen.​

– Er stand noch nie in einem Major-Final, geschweige denn hat er je eines der wirklich wichtigen Turniere gewonnen.
– Bilanz gegen Djokovic: 0:12. Beim letzten Duell gegen den Serben im Juli in Toronto mit 3:6, 2:6 chancenlos.
– Der Druck aus der Heimat. Frankreich träumt vom Erlöser, der nach Yannick Noah beim French Open 1983 endlich den zweiten Major-Titel für die Grande Nation in der Profi-Ära (seit 1968) gewinnt.
– Kaum ein Spieler auf der Tour ist so unberechenbar wie er.

Unser Titelchance-Tipp:
15 Prozent

Die Liste könnte bald um einen Spieler erweitert werden: Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis

Kei Nishikori (Jap)

Kei Nishikori: Holt er seinen ersten Major-Titel? Bild: Kathy Willens/AP/KEYSTONE

Alter: 26
ATP-Ranking: 7
Bestes Ergebnis am US Open: Final 2014
Anzahl Grand-Slam-Titel: 0
Anzahl Grand-Slam-Finals: 1
Anzahl Grand-Slam-Halbfinals: 2

Das spricht für Nishikori, das gegen ihn

– Er hat mit Andy Murray DEN Titelfavoriten besiegt. Das gibt Selbstvertrauen. Dass er auch Djokovic im Arthur Ashe besiegen kann, bewies er im Halbfinal 2014.
– Er war beim US Open schon mal im Endspiel. Jetzt kann er auch den letzten Schritt gehen und als erster Asiate ein Major-Turnier gewinnen.

– Es gibt keine Gratispunkte für Nishikori, sein Aufschlag ist zu schwach.
– Körperlich (und mental?) vermutlich der müdeste aller Halbfinalisten. Punkto Fitness ist er der Schwächste.
– Böse gesagt, ist er ein «kleiner Ferrer»: Immer solid, kann die wirklich Grossen ärgern, aber wirklich gewinnen tut er nichts. Konnte an Grand Slams in acht Anläufen nur zweimal einen der grossen Vier besiegen, zwei am gleichen Turnier noch nie.

Unser Titelchance-Tipp:
5 Prozent

Stan Wawrinka (Sui)

Stan Wawrinka: Zeigt er wieder allen wo es lang geht? Bild: Seth Wenig/AP/KEYSTONE

Alter: 31
ATP-Ranking: 3
Bestes Ergebnis am US Open: Halbfinal 2013, 2015 & 2016
Anzahl Grand-Slam-Titel: 2
Anzahl Grand-Slam-Finals: 2
Anzahl Grand-Slam-Halbfinals: 7

Das spricht für Wawrinka, das gegen ihn

– Alle – und vor allem er selbst – wissen: Er kann sie alle besiegen.
– Bei Big Points ist er da. Den Finger an die Stirn hat er auch schon gebracht. Die Ausstrahlung stimmt.
– Wawrinka hat schon zwei Majortitel geholt, die ihm beide nicht zugetraut wurden. Er kennt das Gefühl. Und wenn er den Final erreicht weiss er: Grand-S​lam-Finals hat er als einziger Aktiver mit mindestens zwei Titeln noch nie verloren.

– Alle – auch er selbst – wissen: Er kann gegen alle verlieren.
– Obwohl er Djokovic auch schon ganz bittere Niederlagen wie im French-Open-Final 2015 oder im Australian-Open-Viertelfinal 2014 zufügen konnte. Die Bilanz mit 4:19 gegen den Serben ist niederschmetternd. 

Unser Titelchance-Tipp:
20 Prozent

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Wer gewinnt die US Open 2016?

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1,562 Votes zu: Wer gewinnt die US Open 2016?

  • 23%Novak Djokovic
  • 2%Gaël Monfils
  • 2%Kei Nishikori
  • 72%Stan Wawrinka

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

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  • AJACIED 08.09.2016 20:46
    Highlight 72% Wow sehr neutral 😂
    1 0 Melden
  • Openyourmind 08.09.2016 19:56
    Highlight Gaël hat einen UTR (Universal Tennis Rating) vom 16.13 und Novak vom 16.17, was einen sehr engen Match bedeutet. Im Vergleich: Key UTR 15.82, Stan UTR 15.72, Roger UTR 16.04, Nadal UTR 16.14, Murray UTR 16.17

    UTR ist ein in der Schweiz leider noch nicht bekanntes Rating System aus der USA der nich nur Siege oder Niederlagen zählt, sondern auch die gewonenne/verlorene Games berücksichtigt.

    Daher, alles offen :)

    www.universaltennis.com
    1 0 Melden
  • 8004 Zürich 08.09.2016 17:45
    Highlight Monfils hat in seiner gesamten Karriere bei Grand Slams erst einen Halbfinal (FO 2008) und zusätzlich bloss sechs Viertelfinals erreicht. Das ist wenig für jemanden, der seit zwölf Jahren dabei ist. Bei Nishikori sieht es ähnlich aus: Ein Final und vier VF, seit acht oder neun Jahren Profi auf der Tour.
    1 0 Melden
  • lilie 08.09.2016 17:13
    Highlight Schöne Analyse, danke dafür! 👍

    Bin allerdings etwas erstaunt, dass ihr Monfils mehr Chancen einräumt als Wawrinka. Dazu müsste dieser zuerst Djokovic und dann Nishikori oder Wawrinka ausschalten. Das ist doch eher unwahrscheinlich.

    Ausserdem finde ich Stans Bilanz von 19:4 gegen Djokovic zwar nicht gerade beruhigend, aber doch auch nicht "niederschmetternd". Diese 23 Spiele gegen Novak musste er sich nämlich überhaupt erst verdienen, und das unterscheidet ihn eben von Gaël und Kei, die beide nur 12 Spiele gegen Djokovic schafften.

    Meine Daumen jedenfalls drücke ich für Stan! 😄
    11 2 Melden
    • Züzi31 08.09.2016 17:42
      Highlight 20% > 15%...
      So zur Info ;-)
      10 0 Melden
    • lilie 08.09.2016 17:42
      Highlight Ich meinte natürlich Nishikori, nicht Stan bei dem Vergleich von Monfils. 😅
      9 1 Melden
  • Bruno Wüthrich 08.09.2016 17:09
    Highlight Die Bilanz von Stan gegen Djokovic liest sich auf den ersten Blick wirklich nicht gut. Doch Stan konnte gegen den Djoker bereits einen Grand-Slam-Final gewinnen. Der Djoker gegen Stan noch nie.

    Und - na ja... sollte er es vorziehen, daran zu denken, dass er gegen alle verlieren kann, hat er schon verloren. Er wird sich deswegen lieber an den grossen Moment zum Schluss seines grossen Spiels am Final der French Opern 2015 erinnern.

    Aber wie werden wir Schweizer doch verwöhnt: Roger Federer nicht am Start, dafür aber Stan Wawrinka mit Titelchancen im Halbfinal. Grossartig! Sensationell!
    26 1 Melden
  • Bluetooth 08.09.2016 17:02
    Highlight Wie bitte schätzt ihr Monfils Titelchancen höher ein, als die von Nishikori? Schon allein die Wahrscheinlichkeit, dass Monfils Djoko besiegt, liegt unterhalb der 10%. So unberechenbar auch Monfils sein mag, gegen den ganz Grossen hat er selten eine Chance. Trotz langer Karriere steht er erst zum zweiten Mal überhaupt in ein Major Halbfinal und das ohne wirklich einen grossen Favoriten zu besiegen.
    Nishikori dagegen hat bereits sowohl Stan als auch Djoko in einem Major Turnier besiegt, ist noch relativ jung und hat sicher noch Verbesserungs- und somit Überaschungspotential.
    9 1 Melden

Roger Federer: «Klar, in einer Traumwelt wäre ich gerne wieder die Nummer 1»

Roger Federer legt mit drei grossen Titeln und einer Bilanz von 20:1 den besten Saisonstart seit seiner Traumsaison 2006 hin. Das lässt Fans natürlich von der Weltnummer 1 träumen. Im Sommer spitzt sich das Duell zwischen Djokovic, Murray, Wawrinka, Nadal und Federer um den Tennisthron weiter zu.

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