Sport

Der neutrale Material-Töff fährt hinter Contador her, als ein Beamter einen Zuschauer vor ihn stösst. bild: twitter

Wildwest an der Vuelta: Polizist schubst Fan vor Töff, Fan schubst Fahrer vom Velo

Aus sportlicher Sicht ist die Spanien-Rundfahrt sehr spannend. Doch gestern auf der 12. Etappe ereignen sich an der Vuelta auch verstörende Zwischenfälle.

01.09.17, 08:39 01.09.17, 15:22

Der dreifache Tour-de-France-Sieger Chris Froome ist weiterhin der Gesamtführende der Spanien-Rundfahrt. Dabei hatte der Brite gestern nach zwei Stürzen etwas von seinem Vorsprung eingebüsst. Froome hat neu noch 59 Sekunden Reserve auf den ersten Verfolger Vincenzo Nibali, der neuntplatzierte Alberto Contador liegt rund drei Minuten zurück.

Für Spannung ist also gesorgt. Aber an der Vuelta sorgen nicht nur die Fahrer für Schlagzeilen. Gestern gab's während der 12. Etappe von Motril nach Antequera gleich zwei Zwischenfälle, bei denen die Zurechnungsfähigkeit der handelnden Personen in Frage gezogen werden darf.

Der Russe Maxim Belkow aus dem Katjuscha-Team, vor zwei Jahren Bergkönig bei der Tour de Romandie, wurde einfach so von einem Zuschauer über die Werbebande geschubst.

Belkow wird geschubst und erzählt im Ziel, wie er den Vorfall erlebt hat.

Beim Angreifer habe es sich um einen Mann mit Down-Syndrom gehandelt. So meldete es jedenfalls ein Zuschauer, der ebenfalls am Ort des Zwischenfalls war.* 

Viel unglaublicher: Ebenfalls während der gestrigen Etappe stiess ein uniformierter Beamter einen Zuschauer direkt vor ein Begleitmotorrad. Der Fan war an einem Anstieg neben dem spanischen Rad-Idol Alberto Contador her gerannt:

Der Fan stürzt vor den Töff, der ebenfalls zu Boden geht.

All das geschah an dem Tag, an dem die Equipe «Aqua Blue Sport» mit einem neuen Bus unterwegs war. Denn in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war ein Brandanschlag auf den Mannschafts-Car verübt worden.

Der Car ist nur noch Schrott. bilder: aquabluesport

Verletzt wurde bei diesem Brandanschlag in der Nacht niemand. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest.

Heute führt die Vuelta erneut durch Andalusien, auf der 13. Etappe von Coin nach Tomares, einem Vorort von Sevilla. Hoffentlich sorgen dann wieder nur die Fahrer für Schlagzeilen.

* Update: In der Zwischenzeit wurde bestätigt, dass es sich beim Angreifer um einen Mann mit geistiger Behinderung handelt. «Das ist für mich Grund genug, den Fall als erledigt anzuschauen», wird Maxim Belkow zitiert. «Mir ist nichts geschehen, aber es hätte böse ausgehen können. Wir üben einen Sport aus, der nahe am Zuschauer ist und das soll auch so bleiben. Ich hoffe jedoch, dass dieser Vorfall vielen Fans die Augen öffnet, dass sie darauf verzichten, neben uns her zu rennen und keinesfalls Fahrer berühren.»

Was wir am Sommer sicher nicht vermissen werden: SCHWITZEN!

2m 31s

Was wir am Sommer sicher nicht vermissen werden: SCHWITZEN!

Video: watson/Renato Kaiser

Die Schweizer Fahrer in den World-Tour-Teams

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Loco Floco 01.09.2017 16:30
    Highlight Guter Typ, dieser Belkow! Ich bin mir sicher andere hätten da dümmer getan.
    2 0 Melden

Messi und Co. müssen liefern, sonst tanzt Argentinien seinen letzten Tango

In der WM-Qualifikation in Südamerika droht Argentinien das Aus. Lionel Messi und seine Kollegen müssen in der letzten Runde in Ecuador gewinnen, um die WM 2018 in Russland nicht zu verpassen.

Trotz des fünfmaligen Weltfussballers Lionel Messi, der beim FC Barcelona Tore am Laufmeter erzielt, hat die «Albiceleste» in bisher 17 Spielen der WM-Qualifikation nur gerade 16 Tore geschossen – zwei weniger als das Schlusslicht Venezuela. Nationaltrainer Jorge Sampaoli lässt deshalb vor dem Schicksalsspiel in der Nacht auf Mittwoch (01.30 Uhr Schweizer Zeit) ausgiebig die Basisgrundlagen des Fussballspiels trainieren: schnelles Passspiel und konzentrierte Abschlüsse. «Wenn wir nur 20 …

Artikel lesen