Sport

Endlich Ruhe bei YB? Von wegen

Ein Verwaltungsrat soll Vermittlungsprovisionen kassieren und sorgt damit für Ärger in Bern.

Publiziert: 25.11.16, 10:14

François schmid-bechtel / Aargauer Zeitung

Während Jahren gibt Richard Gostony den noblen, grossherzigen und spendablen YB-Fan. Erst tritt er dem YB-Beirat als Fan-Vertreter bei. Später, 2014, wird er Mitglied des Verwaltungsrats und übernimmt dort das Dossier Marketing. Er suggeriert unablässig, sich ehrenamtlich und uneigennützig für YB zu engagieren.

Gostony ist Besitzer und VR-Präsident der Beutler Fashion Group AG. Weil er dort einen tüchtigen CEO installiert, bleibt ihm genügend Zeit, Einfluss bei YB zu nehmen. Nicht immer zum Wohl von YB. Jetzt sickert durch, dass Gostony als YB-VR neben der Spesenentschädigung auch Provisionen auf der Grundlage von «Retro-Vereinbarungen» kassiert haben soll für die Vermittlung von Sponsoren und Partnern. 10 Prozent der abgeschlossenen Marketing-Deals, die von ihm vermittelt, aber nicht abgeschlossen worden sind, sollen in seine Kasse geflossen sein. Ein eher bescheidener Ansatz zwar. Denn eine Agentur streicht zwischen 20 und 25 Prozent ein.

Richard Gostony gibt sich gerne als nobler, grossherziger und spendabler YB-Fan. bild: bscyb.ch

Trotzdem hängt in der YB-Familie wegen Gostonys Gebaren der Haussegen schief. Grosse Teile der YB-Familie, darunter auch Sponsoren, sind empört. Sie finden Gostonys Tun moralisch verwerflich. Warum? Weil sich der Modezar stets als selbstloser YB-Diener produzierte. Weil YB jährlich Verluste zwischen fünf und zehn Millionen Franken schreibt. Weil solche Praktiken im Schweizer Mannschaftssport nicht Usanz sind, sondern Verwaltungsräte eher Löcher stopfen als Löcher aufreissen. Weil YB doch eine operierende Marketing- und Verkaufsabteilung hat, diese durch Gostonys Forderungen aber ein Stück weit ad absurdum geführt werden. Weil er der einzige YB-Verwaltungsrat sein soll, der Provisionen kassiert. Und weil er seine Position ausnutzt. Denn ein Verwaltungsrat, der für Kommunikation oder Finanzen zuständig ist, hat keine marktwirtschaftliche Grundlage, eine «Retro-Vereinbarung» zu treffen.

Urs Siegenthaler war sein Mann

Zweifellos ist Richard Gostony in Bern hervorragend vernetzt. Selbst seine Gegner attestieren ihm ein gewinnendes Wesen und unternehmerisches Talent. Ein Verkäufer-Typ. Aber auch einer, der im Hintergrund immer stärker an den Strippen zog. Gostony gilt als treibende Kraft hinter der Kooperation mit dem spanischen Zweitligisten Mallorca. Ob Gostony eine YB-Übernahme durch die amerikanischen Mallorca-Besitzer als Motivation diente, ist offen. Und: Gostony installierte zusammen mit VR-Präsident Hanspeter Kienberger und dem mittlerweile aus dem VR ausgeschiedenen Peter Marthaler den Basler Urs Siegenthaler als sportliches Gewissen des Verwaltungsrats.

Urs Siegenthaler war bei den YB-Fans nicht sonderlich beliebt. bild: claudio de capitani/freshfocus

Die Geschichte mit Siegenthaler führte erst zu den Entlassungen von Sportchef Fredy Bickel und Geschäftsführer Alain Kappeler und nebenbei wurde ein Mann (Paul Meier als Bickel-Nachfolger) engagiert, der bereits vor seinem Jobantritt wieder entlassen war. Zum grossen Glück für YB verliess auch Siegenthaler in den Chaos-Tagen im September die Kommandobrücke.

Zurück zu Gostony. Dieser hat sich als YB-VR nicht nur um das Marketing gekümmert, sondern drängte auch in den Bereich Sport. Als Mitglied der Sportkommission soll er bei Verhandlungen schon mal Sportchef Bickel dazwischen gefunkt haben. Mit der Ernennung von Christoph Spycher zum Sportchef trat er aber aus der Kommission aus.

«Was soll daran interessant sein?»

Richard Gostony, stimmt es, dass Sie von YB zehn Prozent Provision kassieren? «Ich verstehe nicht, was an dieser Frage interessant sein soll. Es gibt dazu nichts zu sagen.» Aber Herr Gostony, ist es in Ordnung, dass im VR nur Sie eine «Retro-Vereinbarung» haben? «Jeder im VR hat seine Aufgabe. Und da kann es schon mal vorkommen, dass man ein Mitglied mit einem Mandat betraut. Ausserdem beziehen jetzt neu alle Verwaltungsräte ein Honorar.»

Die Affäre Siegenthaler hat auch im YB-VR zu einem House Cleaning geführt. Die frühere Gemeinderätin Barbara Hayoz, Peter Marthaler und der Vereinspräsident Werner Müller traten Mitte November zurück. Einzig Gostony und Präsident Kienberger blieben unbeschadet. Wobei Kienberger dem Vernehmen nach von den Besitzern Andy und Hansueli Rihs zum Verbleib überredet werden musste.

«YB wird von einem Marionetten- und Handlanger-Klub geführt.»

Aufgefüllt wurde der Verwaltungsrat mit Nachwuchs-Chef Ernst Graf, Georges Lüchinger und Georg Wechsler. Die beiden Letzteren sind Vertraute der Rihs-Brüder. Lüchinger kommt aus dem St.Galler Rheintal, ist seit 2007 Kommunikationsleiter von Rihs’ Rad-Team BMC Racing. Wechsler gehört als Finanzexperte quasi zum Family Office der Rihs.

Die Rihs-Brüder Andy (links) und Hansueli Bild: KEYSTONE

Auch diese Rochaden sorgen für Ärger in Bern. «Die Rihs-Brüder ersetzen ihre lokalen Statthalter durch ihre Parteisoldaten», monieren kritische Geister. Oder: «YB wird von einem Marionetten- und Handlanger-Klub geführt.» Dabei hat der YB-VR – gewiss in anderer Besetzung – mal die Devise herausgegeben, bernischer zu werden. Wenigstens ist man beim Klub, der seit 1986 einem Meistertitel hinterherhechelt, ziemlich abgehärtet, was Strategiewechsel betrifft.

Doch welche Rückschlüsse lassen die Rochaden für das grosse Bild zu? Die Rihs-Brüder sind YB-müde. Sie glauben weder an den wirtschaftlichen, noch an den sportlichen Erfolg. Deshalb spielt es keine Rolle, ob sich die Berner mit diesem VR anfreunden können. Denn die Rihs-Brüder wollen sowohl das Stadion als auch den Klub verkaufen. Und spätestens dann erleben wir die nächste Kurskorrektur.

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