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Kurmann steckt die Pfeife nach Schweiz – Russland weg. Bild: KEYSTONE

Nach 20 Jahren als Profischiri pfeift Danny Kurmann sein letztes Spiel

Ehre, wem Ehre gebührt. Beim WM-Testspiel zwischen der Schweiz und Russland gibt Danny Kurmann morgen seinen Abschied. Als Head-Schiedsrichter hat er mehr als 2000 Spiele in NLA und NLB geleitet.

20.04.17, 11:23 20.04.17, 15:32

Das Schweizer Eishockey ohne Danny Kurmann? Kann man sich kaum mehr vorstellen. 1989 wurde der Zuger erstmals in der NLA eingesetzt. Da war Deutschland noch in Ost und West unterteilt, im Sommer tanzten wir zu «Lambada» und der Film «Rain Man» räumte bei den Oscars gross ab.

Nach vier Jahren als Linienrichter wird Kurmann zum Head-Schiedsrichter befördert und 1997 wird er zum Pionier: Er kündigt seine Arbeitsstelle als Klimatechniker und wird Profi-Schiedsrichter. Kurmann ist massgeblich daran beteiligt, dass das Schweizer Eishockey schon früh auf vollamtliche Unparteiische setzt.

Die ersten Profis

Mit Beginn der Saison 1997/98 wurden in der Schweiz erstmals Profi-Schiedsrichter eingesetzt. Neben Danny Kurmann waren es Reto Bertolotti, Pierre Ballmann und die beiden Kanadier Brent Reiber und David Leger.

Als das Haar noch dichter war: Kurmann 1997 in Bern. Bild: KEYSTONE

Blicke hoch zur Matchuhr

Kurmann pfeift an zehn Weltmeisterschaften, an drei Olympischen Spielen und er leitet mehr als 2000 Partien in der NLA und der NLB. Kein Schweizer Eishockey-Spieler kommt auch nur annähernd an diese Zahl heran.

Nun also morgen Abend in Fribourg beim Schweizer WM-Test gegen Russland die Dernière. «Ich freue mich extrem auf dieses Spiel», sagt Kurmann im Interview mit dem Verband. Es sei toll, so einen Abschied zu erhalten, denn ein Spiel gegen Russland werde bestimmt eine spannende Partie sein.

Kurmann verrät im Gespräch, was die Highlights seiner Karriere waren. Video: YouTube/SwissIceHockey

Angefangen hatte seine Karriere als Unparteiischer bereits als Jugendlicher – nach einem Armbruch. Auf Input seines Trainers wurde aus dem Eishockeyspieler Kurmann der Schiedsrichter Kurmann. «Wie in der Turnstunde, wenn man die, die man nicht brauchen kann, ins Tor stellt», verglich er in der «SonntagsZeitung» mit einem Lachen.

Kurmann ist sich bewusst, dass er zum letzten Mal als «Chef» auf dem Eis stehen wird. «Ich werde bestimmt im letzten Drittel immer wieder auf die Matchuhr blicken und ich denke, nach dem Match wird bestimmt eine gewisse Leere kommen.» Bestimmt werde er emotional berührt sein und ein wenig traurig. «Es ist aber auch eine Freude, dass es vorbei ist.» Richtig fehlen werde ihm der Schiedsrichter-Job wohl erst im Spätsommer, wenn die neue Saison beginnt.

Kloten-Goalie Ronnie Rüeger will Kurmann an die Wäsche. Bild: PHOTOPRESS

Eishockey bleibt sein Alltag

Dem Sport bleibt Danny Kurmann erhalten. Er wird Schiedsrichter-Chef des Internationalen Eishockey-Verbands (IIHF). «Das ist eine riesige Chance für mich, dass ich im Eishockey bleiben kann. Ich bin stolz, dass ich das machen darf», freut sich der 51-Jährige auf seine neue Tätigkeit.

IIHF-Präsident René Fasel sagte bei der Ernennung Kurmanns: «Für mich ist er der beste Mann für uns. Er hat Charisma, sehr viel Erfahrung und ein grosses Fachwissen.» Entsprechend bedauert Florian Kohler, CEO des Schweizer Eishockey-Verbands SIHF, Kurmanns Abgang. «Wir freuen uns jedoch gleichzeitig, dass er dem Eishockey in einer anderen Tätigkeit erhalten bleibt.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • SvenZ. 20.04.2017 22:59
    Highlight Schiedsrichter haben grundsätzlich einen schweren Stand... Danke Danny Kurmann für die vielen geleiteten Spiele!
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  • länzu 20.04.2017 18:21
    Highlight Danke Danny Kurmann für all die Jahre als hervorragender Schiedsrichter. Wenn ich sah, dass Sie auf dem Eis waren, dann hatte ich immer ein gutes Gefühl. Sie fanden meistens eine gute Linie zwischen Laufenlassen und böse Fouls zu ahnden. Dass Sie am Schluss bei einem unbedeutenden Vorbereitungsspiel verabschiedet werden, passt zu den Clowns im Verband. Ihre Bühne wären eigentlich die Finalspiele SCB-EVZ gewesen. Seit drum, geniessen Sie den neuen Lebensabschnitt. Wir werden Sie vermissen.
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  • Coffey 20.04.2017 14:27
    Highlight Vielleicht subjektiv, aber ich finde, dass bei uns die Schiedsrichterei schlechter geworden ist, seit 2 Heads auf dem Eis sind.
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  • Dan Rifter 20.04.2017 14:13
    Highlight Dass der Danny in Fribourg seinen letzten Match pfeift, ist an Ironie auch nicht zu überbieten.

    Bei Kurmann musste man immerhin nie lange darauf warten, dass er sich bemerkbar machte und selten im Matchprogramm nachschauen, wer den Match pfiff.

    In der NLA hats auf den ersten Blick einige miese Schiris - allen voran und auch auf den 2. und 3. Blick: Stricker - aber international sind sie trotzdem vorne dabei.. muss man also relativ sehen.
    Zudem gehts im Hockey halt huuuere schnell.. ist ziemlich tricky.
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  • Micha Moser 20.04.2017 13:48
    Highlight Was habe ich mich manchmal über seine Entscheide aufgeregt. Eine Zeit lang wurde schon gepfiffen wenn der Speaker seinen Namen nannte, und doch werde ich ihn vermissen. Mittlerweile war er einer der konstantesten Schiedsrichter die mir in den Sinn kommen. Wünsche ihm für die Zukunft alles gute. Schön das er mit solch einem Spiel aufhören darf.
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  • c_meier 20.04.2017 13:29
    Highlight Schade dass Eichmann nicht als Chef der Schiedsrichter nominiert wurde...
    .aber vielleicht ist er für die Schweiz einfach zu gut, oder Fasel hat sich mehr um ihn bemüht für einen Schiri-Chefposten in seinem Verband.
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  • Dogbone 20.04.2017 12:57
    Highlight Ich hab 30 Jahre durch (fast) alle Ligen Eishockey gespielt und weiss, der Schiri-Job ist alles andere als einfach. Auch wenn man oft wegen des Schiris in den Stock beissen muss, diesen Job muss man erstmal machen. Meine allergrösste Anerkennung für Kurmann's Leistung und ja, ein riesiges Danke für diesen unermüdlichen Einsatz!
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    • lululove 20.04.2017 19:19
      Highlight 🤙🏼 schön gesagt!
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  • Ordo Malleus 20.04.2017 11:46
    Highlight Auch ich habe sicher in den vergangenen 20 Jahren das eine oder andere Mal über eine Schiri-Entscheidung geflucht. Dennoch geniessen die Schiedsrichter bei mir höchstes Ansehen. Der Job ist anspruchsvoll und wurde in den letzten Jahren mit den vielen Kameras im Stadion, die jeden Fehler der Schiris gnadenlos aufzeigen, sicher nicht leichter. Danke für deinen unermüdlichen Einsatz fürs CH-Eishockey.
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  • sidthekid 20.04.2017 11:34
    Highlight Dachte nicht dass ich das mal schreiben würde, aber am Schluss war er sogar noch einer der besten. Vinnerborg, Massy... zum zänne 😰
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    • Danyboy 20.04.2017 12:02
      Highlight Meine Rede: Seit Vinnerborg in der NLA pfeifft, blickt man mit Wehmut an die besseren Zeiten zurück...
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    • chrisdea 20.04.2017 13:34
      Highlight Ach ja, die alten Zeiten mit Bertolotti, Moreno, Simmen/Sommer...
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    • Danyboy 20.04.2017 13:36
      Highlight Chrisdea: Jaaaaa, sogar Bertolotti nähme ich mit Handkuss zurück😂👍🏻
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    • Bobo B. 20.04.2017 15:21
      Highlight Ja, der Moreno. Unvergessen bleibt wie er in einem Spiel SCB-Kloten dermassen schlecht pfiff, dass ihm der Eismeister (oder einer seiner Gehilfen) den Besen auf dem Kopf "parkierte". Was das heute wohl für eine Strafe gäbe...
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    • lululove 20.04.2017 19:22
      Highlight ☺☺
      Da hat mal einer einen halbschuh neben (also nach) moreno geworfen in der alten hertihalle, der war natürlich auch nicht schlecht
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